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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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»Oh! oh!« sagte Chicot trübe, »Heinrich ist ein wahrer König, Heinrich konspiriert; dieser ganze Palast, sein Park, die Stadt, die ihn umgibt, die Provinz, die ihn umgibt, alles ist ein Herd der Verschwörung.

»Heinrich ist schlau, sein Verstand kommt dem Genie nahe; er hat Verbindungen mit Spanien – dem Lande der Betrügereien. Wer weiß, ob seine edle Antwort an den Botschafter nicht das Gegenteil von dem ist, was er denkt, und ob er nicht den Gesandten durch ein Blinzeln mit den Augen oder durch ein anderes verabredetes Zeichen, das ich nicht bemerken konnte, aufmerksam gemacht hat?

»Heinrich unterhält Spione, er besoldet sie oder läßt sie durch irgendeinen Agenten besolden. Diese Bettler waren nicht mehr, nicht weniger als verkleidete Edelleute. Ihre so kunstreich beschnittenen Goldstücke sind Erkennungszeichen, materielle und greifbare Losungsworte. Heinrich stellt sich, als wäre er wahnsinnig verliebt, und während man ihn mit Liebesgeschichten beschäftigt glaubt, bringt er seine Nächte damit hin, daß er mit Mornay arbeitet, der nie schläft und die Liebe nicht kennt. Dies hatte ich zu sehen, dies habe ich gesehen. Die Königin Margarethe hat Liebhaber, der König weiß es; er kennt sie und duldet sie, weil er dieser Liebhaber oder seiner Frau oder vielleicht aller zugleich bedarf. Da er kein Kriegsmann ist, so muß er sich wohl Kapitäne unterhalten, und da er nicht viel Geld hat, so muß er sie die Münze wählen lassen, die ihnen am besten zusteht.«

»Ich allein habe den schlauen Bearner durchschaut.«

Chicot rieb sich die Hände und fuhr dann fort: »Nun, da ich ihn durchschaut, habe ich nichts mehr hier zu tun. Während er arbeitet oder schläft, werde ich sogleich ruhig und sacht die Stadt verlassen. Es gibt, glaube ich, wenige Botschafter, die sich, wie ich rühmen können, an einem einzigen Tage ihre ganze Sendung vollbracht zu haben.

»Ich werde also Nerac verlassen, und sobald ich außerhalb Nerac bin, bis Frankreich galoppieren.«

Er sprach es und fing an, seine Sporen wieder anzuschnallen, die er in dem Augenblick, wo er vor dem König erschien, abgelegt hatte.

Wie Chicot sich darüber wunderte, daß er in der Stadt Nerac so bekannt war.

Als Chicot seinen Entschluß, inkognito den Hof von Navarra zu verlassen, gefaßt hatte, machte er sich sofort auf.

Er überlegte sich, daß er in zwei Tagen Cahors erreichen könnte. Dann könnte er sich mehr Zeit nehmen und doch seinem König noch zu rechter Zeit von dem gefährlichen Stand der Dinge Mitteilung machen.

Darauf löschte Chicot sein Licht aus, öffnete sacht die Tür und ging tappend hinaus.

Doch kaum hatte er vier Schritte im Vorzimmer gemacht, als er auf etwas stieß, was sich sogleich aufrichtete. Es war ein Page, der auf der Matte vor dem Zimmer lag; sobald er erwacht war, sagte er: »Ei! guten Abend, Herr Chicot, guten Abend!«

Chicot erkannte d'Aubiac und erwiderte: »Ei! guten Abend, Herr d'Aubiac; wollt ein wenig auf die Seite treten, ich habe Lust, spazierenzugehen.«

»Ah! es ist verboten, in der Nacht im Schloß spazierenzugehen, Herr Chicot.«

»Warum, bitte, Herr d'Aubiac?«

»Weil der König die Diebe und die Königin die Verliebten fürchtet.« »Mein lieber Herr d'Aubiac,« erwiderte Chicot mit seinem freundlichsten Lächeln, »ich bin weder das eine noch das andere, ich bin Botschafter, und zwar ein sehr müder Botschafter, weil ich mit der Königin lateinisch gesprochen und mit dem König zu Nacht gespeist habe, denn die Königin ist eine tüchtige Lateinerin und der König ein tüchtiger Trinker; laßt mich also hinaus, mein Freund, denn ich habe ein großes Verlangen, spazierenzugehen.«

»In der Stadt, Herr Chicot?«

»Oh! nein, in den Gärten.«

»Pest, in den Gärten ist es noch viel mehr verboten, als in der Stadt.«

»Mein kleiner Freund,« versetzte Chicot, »ich muß Euch das Kompliment machen, Ihr seid für Euer Alter außerordentlich wachsam.«

Dabei drückte er dem Pagen zehn Pistolen in die Hand, die nicht beschnitten waren wie die des Bearners.

»Ah! Herr Chicot,« sagte der Page, »man sieht wohl, daß Ihr vom französischen Hofe kommt, Ihr habt Manieren, denen man nicht zu widerstehen vermöchte; geht also aus Eurem Zimmer; macht aber ja kein Geräusch!«

Chicot ließ sich das nicht zweimal sagen; er schlüpfte wie ein Schatten in den Korridor und vom Korridor auf die Treppe; doch als er unter an den Säulengang kam, fand er einen Palastbeamten, der auf einem Stuhle schlief.

Dieser Mensch schloß die Tür schon mit seinem Körper; ein Versuch vorüberzugehen, wäre Wahnsinn gewesen.

»Ah! kleiner Schuft von einem Pagen,« murmelte Chicot, »du wußtest das und sagtest es mir nicht.«

Um das Maß des Unglücks vollzumachen, schien der Beamte einen sehr leichten Schlaf zu haben; er regte bald einen Arm, bald ein Bein; einmal streckte er sogar die Arme aus wie ein Mensch, der aufzuwachen droht.

Chicot suchte um sich her, ob nicht irgendwo ein Ausgang wäre, durch den er mit Hilfe seiner langen Beine schlüpfen könnte, ohne durch die Tür zu gehen. Er erblickte endlich, was er wünschte; es war eins von den Bogenfenstern, das offen geblieben war.

Chicot betastete die Mauer mit seinen Fingern; er berechnete tastend jeden Raum zwischen den Vorsprüngen, und bediente sich dieser, um den Fuß darauf zu setzen wie auf Leitersprossen. Endlich hißte er sich mit seiner bekannten Geschicklichkeit und Leichtigkeit, ohne mehr Geräusch, als ein dürres Blatt, das unter dem Herbstwinde an der Wand hinstreift.

Aber das Fenster war von so eigentümlicher Wölbung, daß Chicot trotz seiner Geschmeidigkeit, als er den Kopf und die Schultern durchgestreckt und den Fuß vom Mauervorsprung gehoben hatte, zwischen Himmel und Erde hing, ohne rückwärts oder vorwärts zu können.

Er strengte sich krampfhaft an, mit dem Erfolge, daß er sein Wams zerriß und sich die Haut aufritzte. Was seine Lage noch schwieriger machte, war der Degen, dessen Griff nicht durch wollte und Chicot an der Einfassung festhielt. Endlich gelang es ihm, mit Aufbietung aller Kräfte sich hindurchzuzwängen; er fiel auf den Boden, wobei er die Heftigkeit des Falles durch Aufstützen mit den Händen milderte. Dieses Ringen war jedoch nicht geräuschlos vorübergegangen, Chicot sah sich auch, als er wieder aufstand, einem Soldaten gegenüber.«

»Ah! mein Gott! solltet Ihr Euch weh getan haben?« fragte ihn dieser.

»Abermals!« murmelte Chicot.

Dann gedachte er der Teilnahme, die dieser brave Mann gegen ihn an den Tag legte, und erwiderte: »Nein, nein, mein Freund, durchaus nicht.«

»Das ist ein Glück,« sagte der Soldat, »ich fordere jeden heraus, ein solches Stück auszuführen, ohne den Hals zu brechen; in der Tat, nur Herr Chicot konnte dies tun.«

»Woher, zum Teufel, weißt du meinen Namen?« fragte Chicot erstaunt, während er vorbeizugehen suchte.

»Ich weiß ihn, weil ich Euch heute im Palast gesehen und gefragt habe: »Wer ist dieser Edelmann mit der vornehmen Miene, der mit dem König plaudert?« »Es ist Herr Ehicot« antwortete man mir.«

»Was ist äußerst artig,« sagte Chicot; »doch da ich große Eile habe, mein Freund, so wirst du mir erlauben, daß ich jetzt meinen Geschäften nachgehe.«

Aber der Soldat widersetzte sich mit derselben Hartnäckigkeit Chicots Entfernung wie der Page, indem er sich auf einen Befehl berief, bis Chicot auch bei ihm zu demselben Mittel griff; er holte aus seiner Tasche zehn Pistolen und drückte sie dem Soldaten in die Hand.

»Geht schnell, Herr Chicot, geht schnell, sagte hierauf der Soldat und steckte das Geld ein.

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