Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Oh! ich würde es wohl erobern, wenn es nicht so stark befestigt wäre, und besonders wenn ich den Krieg nicht haßte.« – »Cahors ist uneinnehmbar, Sire.«
Heinrich bewaffnete sein Gesicht mit einer undurchdringlichen Naivität und erwiderte: »Oh! uneinnehmbar, uneinnehmbar; wenn ich auch eine Armee hätte, die ich nicht habe.« – »Hört, Sire,« sagte Chicot, »wir sind nicht hier, um uns Süßigkeiten zu sagen. Ihr wißt, unter Gaskognern geht man offenherzig zu Werk. Um Cahors zu nehmen, wo Herr von Vesin ist, müßte man ein Hannibal, ein Cäsar oder Eure Majestät sein.«
»Nun! Meine Majestät?« fragte Heinrich mit seinem spöttischen Lächeln.
»Eure Majestät hat gesagt, sie liebe den Krieg nicht.«
Heinrich seufzte, eine jähe Flamme erleuchtete sein schwermutvolles Auge; doch rasch diese unwillkürliche Bewegung unterdrückend, glättete er mit seiner von der Sommerhitze verbrannten Hand seinen rauhen, braunen Bart und sagte: »Es ist wahr, ich habe nie den Degen gezogen, ich werde ihn nie ziehen; ich bin ein Strohkönig und ein Friedensmann. Ich habe Cahors nicht; nun, ich werde es entbehren können.« – »Das ist hart, mein König.«
»Was willst du? Du glaubst selbst, Heinrich werde mir diese Stadt nie herausgeben.« – »Ich glaube es, Sire, ich bin dessen sicher, und zwar aus drei Gründen.«
»Nenne sie mir!« – »Erstens ist Cahors eine Stadt von gutem Ertrag, und der König wird sie lieber behalten, als irgend jemand geben wollen.«
»Das ist nicht ganz redlich, Chicot.« – »Es ist königlich, Sire.«
»Ah! es ist königlich zu nehmen, was einem gefällt?« – »Ja, das heißt, wie ein Löwe teilen, und der Löwe ist der König der Tiere.« – »Ich werde mich dessen erinnern, wenn ich mich je zum König mache. Dein zweiter Grund, mein Sohn?« – »Frau Catharina würde lieber ihre Tochter in Paris, als in Nerac, lieber bei sich, als bei Euch sehen.«
»Du glaubst? Sie liebt aber doch ihre Tochter nicht so wahnsinnig.« – »Nein; aber Frau Margarethe dient Euch als Geisel.«
»Du bist von einer vollendeten Feinheit. Der Teufel soll mich holen, wenn ich je daran gedacht hätte: doch du kannst recht haben; ja, eine Tochter Frankreichs ist am Ende eine Geisel. Nun?« – »Nun! Sire, wenn man die Mittel vermindert, vermindert man das Vergnügen des Aufenthalts. Nerac ist eine sehr angenehme Stadt, die einen reizenden Park und Alleen, wie es nirgends gibt, besitzt; doch der Mittel beraubt, wird sich Frau Margarethe in Nerac langweilen und sich nach dem Louvre sehnen,«
»Dein erster Grund gefällt mir besser, Chicot,« sagte Heinrich, den Kopf schüttelnd. – »Dann will ich Euch den dritten sagen. »Zwischen dem Herzog von Anjou, der sich einen Thron zu machen sucht und Flandern aufwiegelt, zwischen den Herren von Guise, die sich gern eine Krone schmieden möchten und Frankreich aufwiegeln, zwischen dem König von Spanien, der nach einer Universalmonarchie trachtet und die Welt aufwiegelt, haltet Ihr, der Fürst von Navarra, die Wage und behauptet ein gewisses Gleichgewicht.«
»In der Tat, ich, ohne Gewicht!« – »Ganz richtig. Seht die Schweizer Republik an! Werdet mächtig, das heißt gewichtig, und Ihr zieht die Schale hinab. Ihr seid nicht mehr ein Gegengewicht, sondern ein Gewicht.«
»Oh! dieser Grund gefällt mir ungemein, Chicot, und er ist vollkommen nachgewiesen. Du bist ein wahrer Rechtsgelehrter.« – »Wahrhaftig, Sire, ich bin, was ich sein kann,« erwiderte Chicot, der sich, geschmeichelt durch das Kompliment, von der ungewohnten königlichen Treuherzigkeit verführen ließ.
»Das ist also die Erklärung meiner Lage?« – »Vollständig, Sire.«
»Und ich sah nichts von dem allem, Chicot, ich hoffte stets, begreifst du das?« – »Sire, darf ich Euch einen Rat geben, so ist es der: Hört auf zu hoffen.«
»Ich will also mit dieser Schuldforderung an den König von Frankreich verfahren, wie mit denen meiner Meier, die mir den Pachtschilling nicht bezahlen können; ich setze ein B. neben ihren Namen.« – »Was Bezahlt heißen soll?«
»Ganz richtig.« – »Setzt zwei B. und stoßt einen Seufzer aus!«
Heinrich seufzte. »So werde ich es machen,« sagte er. »Du siehst übrigens, mein Freund, daß man in Bearn leben kann, und daß ich Cahors nicht durchaus notwendig habe.« – »Ich sehe das, und Ihr seid, wie ich vermutete, ein weiser Fürst, ein philosophischer Fürst ... Doch was für ein Lärm ist das?«
»Ein Lärm? Wo dies?« – »Im Hofe, wie mir scheint.«
»Schau aus dem Fenster, mein Freund, schau!« – Chicot näherte sich dem Fenster und sagte: »Sire, es ist unten ein Dutzend ziemlich schlecht gekleideter Leute.«
»Ah! das sind meine Armen,« versetzte der König aufstehend. – »Eure Majestät hat ihre Armen?«
»Ganz gewiß, empfiehlt Gott nicht die Mildtätigkeit? Wenn ich auch nicht Katholik bin, so bin ich darum doch nicht minder Christ.« – »Bravo, Sire.«
»Komm, Chicot, laß uns hinabgehen; wir geben miteinander das Almosen und speisen dann zu Nacht.« – »Sire, ich folge Euch,«
»Nimm die Börse, die dort auf dem Tischchen neben meinem Degen liegt, siehst du?« – »Ich habe sie.«
»Vortrefflich.«
Sie gingen hinab. Es war Nacht geworden. Der König schien, während er vorwärts schritt, von Sorgen und innerer Unruhe heimgesucht zu sein. Chicot schaute ihn an und betrübte sich über diesen Kummer.
»Wie zum Teufel kam mir der Gedanke, mit diesem Fürsten über Politik zu sprechen?« sagte er zu sich selbst. »Ich habe ihm den Tod ins Herz gebracht! Ich einfältiger Tölpel!«
Im Hofe näherte er sich der Gruppe von Bettlern, auf die Chicot hingewiesen hatte.
Es war in der Tat ein Dutzend Männer von verschiedener Statur, Physiognomie und Tracht, Leute, die ein ungeschickter Beobachter nach ihrem Gang, nach ihrer Stimme, nach ihren Gebärden für Zigeuner gehalten hätte, in denen aber ein geschickter Beobachter verkleidete Edelleute erkannt haben würde.
Heinrich nahm die Börse aus den Händen Chicots und machte ein Zeichen. Alle Bettler schienen das Zeichen zu verstehen. Sie begrüßten ihn jeder einzeln mit einer demütigen Miene, zugleich aber mit einem Blick voll des Einverständnisses und der Kühnheit, der zu sagen schien: »Unter der Hülle brennt das Herz.«
Heinrich antwortete durch ein Zeichen mit dem Kopf, steckte dann den Zeigefinger und den Daumen in die Börse, die Chicot offen hielt, und nahm ein Stück heraus.
»Ei! wißt Ihr, daß das Gold ist?« fragte Chicot.
»Ja, mein Freund, ich weiß es.« – »Teufel, Ihr seid reich?«
»Bemerkst du nicht, mein Freund,« entgegnete Heinrich mit einem Lächeln, »daß alle diese Goldstücke mir, zu je zwei Almosen dienen? Ich bin im Gegenteil arm, Chicot, und sehe mich genötigt, meine Pistolen entzwei zu schneiden, um nicht alles auf einmal zu vertun.« – »Es ist wahr,« sagte Chicot mit wachsendem Erstaunen, »die Stücke sind Hälften von Stücken, die man in willkürlichen Formen ausgeschnitten hat.«
»Oh! ich bin wie mein Bruder in Frankreich, der zu seiner Belustigung Bilder ausschneidet, ich habe auch meine eigentümliche Unterhaltung; es belustigt mich in meinen verlorenen Augenblicken, Dukaten zu beschneiden. Ein armer, ehrlicher Bearner ist findig wie ein Jude.« – »Gleichviel, Sire,« sagte Chicot, den Kopf schüttelnd, denn er erriet ein verborgenes Geheimnis, »das ist eine seltsame Art, Almosen zu geben.«
»Du würdest es anders machen?« – »Ja; statt mir die Mühe zu nehmen, jedes Stück zu trennen, würde ich es ganz geben und sagen: Das ist für zwei!«
»Sie würden sich schlagen, mein Lieber, und ich würde ein Ärgernis herbeiführen, während ich Gutes tun wollte.« – »Nun wohl!« murmelte Chicot, da er nichts weiter zu sagen wußte.
Heinrich nahm also ein halbes Goldstück aus der Börse, stellte sich vor den ersten Bettler mit jener ruhigen, sanften Miene, die sein gewöhnliches Wesen bildete, und schaute diesen Mann an, ohne zu sprechen, doch nicht, ohne ihn mit dem Blick zu befragen. »Agen,« sagte dieser, sich verbeugend.