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Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:

Der Hypnotiseur
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»Das habe ich gesagt?«

»Ja, eben, ich habe es gehört.«

»Stimmt, du hast Recht, es ging darum, dass Künstler ängstlich und nervös sind, wenn sie anderen ihre Bilder zeigen sollen«, erläuterte sie.

»Wie waren denn eigentlich die Räume am Berzelii-Park?«, fragte ich.

»In der Arsenalsgatan.«

»Hast du sie dir angesehen?«

Simone nickte bedächtig.

»Sie waren gut«, sagte sie. »Morgen unterschreibe ich den Vertrag.«

»Warum hast du nichts gesagt? Gratuliere, Sixan!«

Sie lachte.

»Ich weiß genau, was ich als Erstes ausstellen werde«, sagte sie. »Es gibt da eine junge Künstlerin, die von der Kunstakademie in Bergen kommt, sie ist fantastisch, macht große …«

Als es an der Tür klingelte, verstummte Simone. Sie versuchte, durchs Küchenfenster zu sehen, wer es war, bevor sie öffnete. Ich folgte ihr und sah sie durch den dunklen Flur in der Türöffnung stehen, die vom Tageslicht erhellt wurde. Als ich zu ihr kam, schaute sie aus dem Haus.

»Wer war das?«, fragte ich.

»Niemand, da war niemand«, sagte sie.

Ich blickte über die Sträucher vor der Straße hinweg.

»Was ist das?«, fragte sie plötzlich.

Auf der Treppe vor unserer Tür lag ein Stab mit einem Griff am einen Ende und einer kleinen Holzplatte am anderen.

»Merkwürdig«, sagte ich und hob den antiken Gegenstand auf.

»Ich glaube, das ist eine Rute, mit der man früher Kinder gezüchtigt hat.«

Eine Sitzung mit meiner Hypnosegruppe stand an. In zehn Minuten würden die Patienten hier sein. Die sechs angestammten Mitglieder und die neue Frau namens Eva Blau. Wenn ich meinen Arztkittel anzog, gab es jedes Mal einen kurzen Moment schwindelerregender Aufregung, eine Art Lampenfieber. Ich hatte das Gefühl, auf eine Bühne zu kommen, ins Rampenlicht zu treten. Es hatte nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern mit dem überaus angenehmen Gefühl, konzentriertes Fachwissen vermitteln zu können.

Ich griff nach meinem Schreibblock und las mir meine Notizen zu unserer letzten Sitzung durch, bei der Marek Semiovic von dem großen Holzhaus auf dem Land im Bezirk Zenica-Dobojs erzählt hatte.

Es war mir gelungen, Marek Semiovic in eine tiefere Hypnose zu versetzen als bisher. Ruhig und sachlich hatte er daraufhin einen Kellerraum mit Zementfußboden beschrieben, in dem man ihn gezwungen hatte, seinen Freunden und entfernten Verwandten elektrische Schläge zu versetzen. Aber plötzlich hatte er sich einfach abgewandt, das Szenario gewechselt, meine Anweisungen ignoriert und aus eigenem Antrieb einen Weg aus der Hypnose gesucht. Ich wusste, wie wichtig es war, in kleinen Schritten vorzugehen. Deshalb beschloss ich, Marek heute eine Pause zu gönnen. Charlotte sollte den Anfang machen, und anschließend würde ich vielleicht einen ersten Versuch mit meiner neuen Patientin Eva Blau wagen.

Das Hypnosezimmer war so eingerichtet, dass es neutral, beruhigend wirkte. Die Vorhänge hatten einen unbestimmten gelben Farbton, der Fußboden war grau, die Möbel waren einfach, aber bequem: Stühle und Tische aus Birkenholz, einem sonnenhellen Holz mit kleinen, braunen Sommersprossen. Unter einem der Stühle lag ein vergessener blauer Schuhschützer. Die Wände waren bis auf einige Lithographien in dezenten Farben leer.

Ich stellte die Stühle in einem Halbkreis auf und platzierte das Stativ für die Videokamera möglichst weit weg.

Die Forschungsarbeit motivierte mich, ich war sehr neugierig auf die Ergebnisse und gleichzeitig immer überzeugter, dass diese neue Therapieform besser war als jede andere, die ich bislang angewandt hatte. Die Bedeutung des Kollektivs bei der Traumabehandlung war enorm. Die einsame Isolation wurde in einen gemeinsamen Heilungsprozess verwandelt.

Ich schraubte die Kamera auf dem Stativ fest, legte eine neue Videokassette ein, zoomte auf einen Stuhlrücken, stellte scharf und zoomte anschließend wieder zurück. Währenddessen betrat eine meiner Patientinnen den Raum. Es war Sibel. Ich nahm an, dass sie seit einigen Stunden vor dem Krankenhaus darauf gewartet hatte, dass die Sitzung beginnen würde. Sie setzte sich und produzierte seltsame Laute in ihrer Kehle, schluckende, glucksende Geräusche. Mit einem unzufriedenen Lächeln zupfte sie ihre große blond gelockte Perücke zurecht, die sie bei unseren Treffen immer trug, und seufzte anschließend vor Anstrengung.

Charlotte Cederskiöld trat ein. Sie trug einen dunkelblauen Trenchcoat, der um die schmale Taille mit einer breiten Schärpe zugebunden war. Als sie ihre Mütze absetzte, fielen ihre dichten kastanienbraunen Haare herab. Sie war wie immer ungeheuer traurig und schön.

Ich ging zum Fenster, öffnete es und spürte, wie mir der frische, sanfte Frühlingswind ins Gesicht wehte.

Als ich mich wieder dem Raum zuwandte, war auch Jussi Persson gekommen.

»Herr Doktor«, sagte er in seinem bedächtigen nordschwe­dischen Tonfall.

Er gab mir die Hand, begrüßte Sibel, schlug sich auf seinen Bierbauch und machte eine Bemerkung, die sie erröten und kichern ließ. Die beiden plauderten leise miteinander, während die übrigen Gruppenmitglieder eintrafen, Lydia, Pierre und schließlich Marek, der wie üblich etwas zu spät kam.

Ich rührte mich nicht von der Stelle und wartete darauf, dass sie bereit sein würden. Sie hatten eins gemeinsam: traumatisierende Übergriffe. Die traumatischen Erlebnisse hatten in ihren Psychen eine derart zerstörerische Wirkung entfaltet, dass sie, um weiterleben zu können, den Übergriff vor sich selbst verborgen hatten. Keiner von ihnen wusste, was wirklich passiert war, ihnen war lediglich bewusst, dass etwas Schreckliches in ihrer Vergangenheit ihr Leben zerstörte.

Denn die Vergangenheit ist nicht tot, die Vergangenheit ist nicht einmal vergangen, pflegte ich den Schriftsteller William Faulkner zu zitieren. Ich meinte damit, dass alles, was ein Mensch erlebt hatte, ihn in der Gegenwart begleitete. Jedes Erlebnis beeinflusste jede Entscheidung – und wenn es um traumatische Erlebnisse ging, nahm die Vergangenheit in der Gegenwart fast allen Raum ein.

Meistens hypnotisierte ich die ganze Gruppe gleichzeitig und wählte anschließend einen oder zwei von ihnen aus, mit denen ich weiter ging als mit den anderen. So hatten wir laufend Zugang zu zwei Ebenen, auf denen wir diskutieren konnten, was geschehen war: die Ebene der Hypnosesuggestion und die Ebene des Bewusstseins.

Ich hatte in der Hypnose etwas entdeckt. Erst war es nur eine Ahnung gewesen, die sich jedoch nach und nach zu einem immer deutlicher erkennbaren Muster entwickelte. Es war eine Entdeckung, die natürlich erst noch bewiesen werden musste. Mir war bewusst, dass ich mir von meiner These möglicherweise zu viel erhoffte: Der Täter des entscheidenden Traumas trat in der Tiefenhypnose nie als er selbst auf. Es war möglich, die entscheidende Situation zu finden und den erschreckenden Ablauf zu betrachten, doch der Täter blieb im Verborgenen.

Mittlerweile saßen alle auf ihren Plätzen, meine neue Patientin, Eva Blau, war jedoch noch nicht gekommen. Eine vertraute Unruhe verbreitete sich in der Gruppe.

Charlotte Cederskiöld saß immer am weitesten entfernt. Sie hatte ihren Mantel ausgezogen und war wie üblich ausgesprochen elegant gekleidet, trug eine dezente, graue Kombination aus Pullover und Strickjacke und eine breite, schimmernde Perlenkette um ihren schlanken Hals. Sie hatte einen dunkelblauen Faltenrock und eine enge dunkle Strumpfhose an. Ihre Schuhe glänzten und waren flach. Als unsere Blicke sich begegneten, lächelte sie mich schüchtern an. Als ich Charlotte in meine Gruppe aufnahm, hatte sie fünfzehn Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Bei ihrem letzten Versuch hatte sie sich mit dem Elchstutzen ihres Mannes mitten im Salon ihrer Villa auf Djursholm in den Kopf geschossen. Das Gewehr war abgerutscht, und sie hatte ein Ohr und ein Stück Wange verloren, wovon man aber nichts mehr sah: Sie hatte mehrere chirurgische Eingriffe hinter sich und trug ihre Haare in einer glatten, dichten Pagenfrisur, die ihre Ohrenprothese und das Hörgerät verbarg.

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