Der Hypnotiseur
- Автор: Кеплер Ларс
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:
»Ich habe noch nicht näher untersucht, wie der Täter sich sieht, und möchte nur ungern spekulieren.«
Sie legte den Kopf schief.
»Aber Sie haben eine Vermutung?«
»Ich habe einen Patienten, der …«
Ich verstummte und dachte an Jussi Persson, den Nordschweden, der seine Einsamkeit als schreckliche, selbstverschuldete Bürde trug.
»Was wollten Sie sagen?«
»In der Hypnose kehrt dieser Patient zu einem Hochsitz zurück, es ist, als würde das Gewehr ihn führen, er schießt Rehe und lässt sie einfach liegen. Wenn er wach ist, leugnet er die Rehe, erzählt jedoch, dass er oft auf diesen Hochsitz steigt und auf eine Bärin wartet.«
»Das sagt er, wenn er wach ist?«, fragte sie skeptisch lächelnd.
»Er hat oben im Norden, in Västerbotten, ein Haus.«
»Ach so, ich dachte, er wohnt hier«, lachte sie.
»Der Bär ist sicher real«, sagte ich. »Da oben gibt es eine Menge Bären. Jussi hat mir erzählt, dass eine große Bärin vor ein paar Jahren seinen Hund getötet hat.«
Wir schwiegen und sahen uns an.
»Es ist schon spät«, meinte ich.
»Ich habe noch jede Menge Fragen.«
Ich machte eine Geste.
»Dann werden wir uns eben noch öfter treffen müssen.«
Sie sah mich an. Mir wurde plötzlich eigentümlich warm, als ich bemerkte, dass ein dünner Hauch von Röte in ihren hellen Teint drang. Zwischen uns lag etwas Schelmisches in der Luft, eine Mischung aus Ernst und Heiterkeit.
»Darf ich Sie vielleicht zum Dank für Ihre Bemühungen zu einem Glas Wein einladen? Es gibt da ein nettes libanesisches …«
Sie verstummte abrupt, als das Telefon klingelte. Ich entschuldigte mich und ging an den Apparat.
»Erik?«
Es war Simone. Sie klang gestresst.
»Was ist los?«, fragte ich.
»Ich … ich bin auf der Rückseite von unserem Haus, auf dem Fahrradweg. Es sieht aus, als wäre bei uns eingebrochen worden.«
Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Ich dachte an die Rute, die vor unserer Haustür gelegen hatte, das alte Züchtigungswerkzeug mit seiner runden Holzplatte.
»Was ist passiert?«, fragte ich.
Ich hörte Simone schwer schlucken. Im Hintergrund spielten Kinder, wahrscheinlich waren sie oben auf dem Fußballplatz. Eine Trillerpfeife und Rufe ertönten.
»Was war das?«, fragte ich.
»Nichts, eine Schulklasse«, antwortete sie verbissen. »Erik«, fuhr sie schnell fort, »Benjamins Verandatür ist aufgebrochen worden, das Fenster wurde eingeschlagen.«
Aus den Augenwinkeln sah ich Maja Swartling aufstehen und pantomimisch fragen, ob sie gehen sollte.
Ich nickte ihr kurz zu und zuckte bedauernd mit den Schultern.
Sie stieß versehentlich gegen den Stuhl, der über den Boden scharrte.
»Bist du allein?«, fragte Simone.
»Ja«, sagte ich, ohne zu wissen, warum ich log.
Maja winkte und schloss lautlos die Tür hinter sich. Ihr Parfüm hatte ich noch als schlichten und frischen Hauch in der Nase.
»Gut, dass du nicht hineingegangen bist«, fuhr ich fort. »Hast du die Polizei gerufen?«
»Erik, du klingst komisch, ist was passiert?«
»Abgesehen davon, dass sich möglicherweise gerade ein Einbrecher in unserem Haus aufhält? Hast du die Polizei gerufen?«
»Ja, ich habe meinen Vater angerufen.«
»Gut.«
»Er meinte, dass er sich sofort ins Auto setzt.«
»Du musst weiter weggehen, Simone.«
»Ich stehe auf dem Fahrradweg.«
»Siehst du das Haus?«
»Ja.«
»Wenn du das Haus siehst, kann jemand, der sich im Haus aufhält, dich sehen.«
»Hör auf«, sagte sie.
»Geh bitte zum Fußballplatz hoch – ich komme nach Hause.«
Ich parkte hinter Kennets schmutzigem Opel und stieg aus. Kennet kam mit verbissener Miene auf mich zu.
»Wo zum Teufel ist Sixan?«, rief er.
»Ich habe ihr gesagt, sie soll auf dem Fußballplatz warten.«
»Gut, ich hatte schon Angst, sie …«
»Sie wäre sonst mit Sicherheit ins Haus gegangen, ich kenne sie, sie kommt auf dich.«
Er lachte und umarmte mich fest.
»Schön, dich zu sehen, mein Junge.«
Wir gingen um die Häuserzeile herum auf die Rückseite. Simone stand nur ein kleines Stück von unserem Grundstück entfernt. Vermutlich hatte sie die eingeschlagene Tür bewacht, die direkt auf unsere schattige Veranda hinausführte. Sie blickte auf, ließ das Fahrrad stehen, kam zu mir, umarmte mich fest, schaute über meine Schulter und sagte:
»Hallo, Papa.«
»Ich gehe jetzt rein«, erklärte er ernst.
»Ich komme mit«, sagte ich.
»Frauen und Kinder müssen draußen warten«, seufzte Simone.
Wir stiegen alle drei über die niedrige Fingerstrauchhecke, überquerten den Rasen und die Veranda mit dem weißen Plastiktisch und vier Plastikstühlen.
Die Treppenstufe und das Blech waren von Glasscherben übersät. Zwischen den Scherben und Glassplittern auf dem Teppichboden in Benjamins Zimmer lag ein großer Stein. Wir gingen weiter in die Wohnung hinein, und ich überlegte, dass ich nicht vergessen durfte, Kennet von der Rute zu erzählen.
Simone folgte uns und schaltete die Karlsson-vom-Dach-Lampe an der Decke an. Ihr Gesicht glühte, und die rotblonden Haare lagen in Locken auf ihren Schultern.
Kennet ging in den Flur, schaute rechts ins Schlafzimmer und dann ins Badezimmer. Die Leselampe im Wohnzimmer brannte. In der Küche lag ein umgekippter Stuhl. Wir gingen von Raum zu Raum, aber es schien nichts gestohlen worden zu sein. Jemand war im Erdgeschoss auf der Toilette gewesen, das Toilettenpapier war über den ganzen Fußboden abgerollt worden. Kennet sah mich mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an.
»Hat irgendwer ein Hühnchen mit dir zu rupfen?«, fragte er.
Ich schüttelte den Kopf.
»Nicht, dass ich wüsste«, sagte ich. »Sicher, ich begegne einer Menge labiler Menschen … genau wie du.«
Er nickte.
»Sie haben nichts mitgenommen«, sagte ich.
»Ist das normal, Papa?«, erkundigte sich Simone.
Kennet schüttelte den Kopf.
»Es ist nicht normal, jedenfalls nicht, wenn man ein Fenster einschlägt. Ihr solltet erfahren, dass er oder sie hier gewesen ist.«
Simone stand im Türrahmen zu Benjamins Zimmer.
»Ich finde, es sieht aus, als hätte jemand in Benjamins Zimmer gelegen«, sagte sie leise. »Wie heißt noch dieses Märchen? Goldlöckchen, stimmt’s?«
Wir eilten in unser Schlafzimmer und sahen, dass auch jemand in unseren Betten gelegen hatte. Die Tagesdecke war heruntergezogen worden und das Bettzeug zerknittert.
»Das ist nun wirklich verdammt seltsam«, meinte Kennet.
Es wurde eine Weile still.
»Dieses Ding«, platzte Simone heraus.
»Ja, genau, eben habe ich noch daran gedacht, und dann habe ich es doch wieder vergessen«, sagte ich, ging in den Flur und holte die Rute von der Hutablage.
»Was zum Teufel ist denn das?«, fragte Kennet.
»Das Ding lag gestern vor unserer Tür«, antwortete Simone.
»Darf ich mal sehen?«, sagte Kennet.
»Ich glaube, es ist eine Art Rute«, sagte ich. »Mit den Dingern hat man früher Kinder geschlagen.«
»Gut für die Disziplin«, grinste Kennet und sah sie sich an.
»Das gefällt mir gar nicht, ich finde das wirklich unheimlich«, sagte Simone.
»Ihr seid nicht bedroht worden?«
»Nein«, antwortete sie.
»Vielleicht soll man es ja so verstehen«, sagte ich, »dass jemand der Meinung ist, wir müssten bestraft werden. Ich habe es bisher nur für einen schlechten Scherz gehalten, weil wir Benjamin so bemuttern. Ich meine, wenn man nichts von Benjamins Krankheit weiß, können wir anderen Leuten schon ziemlich neurotisch vorkommen.«
Simone ging zum Telefon und rief in der Vorschule an, um sich zu vergewissern, dass mit Benjamin alles in Ordnung war.