Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
»Hoheit, danach müßt Ihr nicht fragen«, antwortete Triss sofort. »Sie hat Euch den Ruhkstab übergeben, und solange Ihr lebt, ist die Leibgarde darauf eingeschworen, Euch zu beschützen und zu gehorchen.«
Wren nickte. »Danke, Triss. Und was ist mit dir, Gavilan?«
Die blauen Augen senkten sich. »Du befiehlst, Wren.«
Sie schaute zu Eowen, die nur nickte, da sie noch immer in ihrem Kummer verloren war.
»Tragt die Königin zurück nach Eden’s Murk«, wies Wren Triss und Dal an. »Sucht eine Stelle mit Treibsand und gebt sie der Insel zurück, damit sie ihre Ruhe findet.« Ihre Worte kämpften sich deutlich, rauh und scharf ihren Weg. »Nehmt sie mit.«
Sie trugen die Königin der Elfen in den Sumpf, fanden hundert Fuß weit entfernt eine geeignete Stelle und ließen sie hinab. Sie verschwand schnell. Jetzt war sie für immer gegangen.
Schweigend kehrten sie zurück. Eowen weinte leise. Die Männer waren stumme Geister, die von den Schatten und dem Dunst silbern und grau angehaucht wurden.
Als sie den Fuß des Blackledge erreichten, sammelte Wren sie alle um sich. »Ich denke folgendes: Wir haben schon wieder jemanden aus unserem Kreis verloren und sind kaum von Killeshans Hängen fortgekommen. Die Zeit rennt uns davon. Wenn wir uns nicht beeilen, wird keiner von uns von der Insel entkommen. Garth und ich wissen ein wenig über das Überleben in der Wildnis, aber wir sind hier auf Morrowindl fast genauso verloren wie ihr anderen. Es gibt nur einen unter uns, der eine Chance hat, den Weg zu finden.«
Sie wandte sich um und sah Stresa an. Der Stachelkater blinzelte.
»Du hast uns sicher hineingebracht«, sagte sie ruhig. »Kannst du uns auch wieder hinausbringen?«
Stresa musterte sie lange Zeit mit einem seltsamen Blick.
»Grrrr, Wren von den Elfen, Trägerin des Ruhkstabes, mit dir werde ich es wagen, obwohl ich keinen besonderen Grund habe, den Elfen zu helfen. Aber du hast mir den Übergang in die größere Welt versprochen, und ich verlasse mich auf dein Versprechen. Ja, ich werde euch führen.«
»Kennst du den Weg, Stachel«, fragte Gavilan wachsam, »oder spielst du nur mit uns?«
Wren schaute ihn scharf an, aber Stresa sagte nur: »Sstsst. Ihr kommt mit und findet es heraus, nicht wahr?« Dann wandte er sich an Wren. »Dies ist kein Gebiet, durch das ich oft gereist bin. Hier ist der Blackledge unpassierbar. Hssstt. Wir werden – grrrr – eine Weile nach Süden ziehen müssen, um einen Paß zu finden, der uns hinüber bringt. Kommt.«
Sie sammelten die Reste ihrer Ausrüstung ein, schulterten sie und zogen entschlossen los. Sie wanderten durch die Morgendämmerung in die Hitze und den Vog, an der Linie der Klippen und der Grenze von Eden’s Murk entlang. Um die Mittagszeit machten sie Rast, um auszuruhen und etwas zu essen. Es war eine Versammlung von hartgesichtigen, schweigenden Männern und Frauen, deren Augen verstohlen und unbehaglich unaufhörlich den Sumpf absuchten. Die Erde war heute ruhig, und der Vulkan ruhte. Aber tief aus dem Innern des Sumpfes erklangen die Geräusche jagender Wesen, entfernte Schreie und ein Heulen, das Aufspritzen von Wasser, das Grunzen von Körpern, die im Kampf ineinander verschlungen waren. Die Geräusche folgten ihnen, während sie sich mühsam weiter voranschleppten, und waren eine unheilvolle Warnung, daß rund um sie herum ein Netz zugezogen wurde.
Am frühen Nachmittag hatten sie den Zugang gefunden, den Stresa im Sinn gehabt hatte, einen steilen, gewundenen Pfad, der in den Felsen verschwand wie die Zunge einer Schlange in ihrem Maul. Sie begannen schnell ihren Aufstieg, da sie eine gewisse Entfernung zwischen sich und die sie verfolgenden Geräusche bringen wollten. Die Hoffnung, daß sie den Gipfel vor Einbruch der Nacht erreichen würden, trieb sie voran.
Das gelang ihnen jedoch nicht. Die Dunkelheit umfing sie irgendwo in der Mitte des Weges, und Stresa ließ sie auf einem schmalen Sims innehalten, der teilweise im Schutz eines Überhanges lag. Von dort hätten sie ein weites Gebiet von Eden’s Murk überschauen können, wenn nicht der Vog gewesen wäre, der alles wie mit einem unendlich großen Leichentuch schmutzigen Graus bedeckte.
Das Abendessen nahmen sie schnell und teilnahmslos ein, dann stellten sie eine Wache auf und richteten sich für die Nacht ein. Das Zusammenspiel von Dunkelheit und Nebel war so vollständig, daß selbst auf kurze Entfernung nichts zu sehen war, wodurch der beklemmende Eindruck entstand, die ganze Insel sei direkt neben ihnen verschwunden, und sie hingen nun in der Luft. Geräusche erhoben sich dunkel und drohend aus dem Nebel, ein schrilles Konzert von Stimmen, die sowohl körperlos als auch richtungslos waren. Sie lauschten schweigend darauf und spürten ringsum, daß sie verfolgt wurden.
Wren versuchte an andere Dinge zu denken. Sie zog ihre Decke fest um sich und zitterte trotz der Hitze, die der Sumpf abgab. Ihre Gedanken waren wirr und irrten umher, und in ihr wuchs das Gefühl, daß sie von allem, was real war, losgelöst waren. Sie war der Sicherheit beraubt, wer und was sie war, und mit einem nur vagen Eindruck dessen zurückgelassen worden, was sie vielleicht sein würde – und das war etwas, das jenseits ihres Verstehens und ihrer Kontrolle lag. Ihr Leben war aus seiner sicheren Bahn geworfen worden und auf einer leeren Fläche gelandet, um wie ein Blatt im Wind hingeweht zu werden, wohin der Zufall es trieb. Der Schatten Allanons und ihre Großmutter hatten ihr Verantwortung auferlegt, doch sie wußte von allem nicht genug, um zu wissen, wie sie diese Aufgaben erfüllen sollte. Sie erinnerte sich daran, wie sie vor vielen Wochen Coglines Aufforderung, zuerst zum Hadeshorn zu gehen, angenommen hatte. Sie hatte geglaubt, etwas über sich selbst erfahren zu können, wenn sie dorthin ginge, und die Wahrheit entdecken zu können. Wie seltsam dieser Gedanke ihr jetzt schien. Wer sie war und was sie tun sollte, schien sich genauso schnell zu ändern wie Tag und Nacht. Die Wahrheit war wie ein schwer bestimmbares Stück Stoff, das sich nicht fassen lassen würde, sondern sich ständig weigerte, offenbart zu werden. Es flatterte jedesmal, wenn sie sich ihm näherte, zerfasert, verschlissen und abgenutzt, ein diffuses Schimmern von Farbe und Licht. Dennoch war sie entschlossen, den Fäden zu folgen, die in seinem Sog hängengeblieben waren, dünne Reste des Glanzes, der eines Tages zu dem Wandteppich führen würde, aus dem sie sich gelöst hatten.
Finde die Elfen, und bringe sie zurück in die Welt der Menschen.
Sie würde es versuchen.
Rette mein Volk, und gib ihm eine neue Chance zu leben.
Ja, auch diesmal, sie würde es versuchen.
Und während sie es versuchte, würde sie für sich vielleicht einen Weg finden zu überleben.
Sie döste eine Weile, mit dem Rücken gegen die Klippenwand gelehnt, die Beine an die Brust hinaufgezogen und die Arme schützend über die polierte Vollkommenheit des Ruhkstabes geschlungen. Faun schlief zu ihren Füßen in den Falten ihrer Decke, und Stresa lag als gestaltloser Ball zusammengerollt in den Schatten einer Felsennische. Sie bemerkte Bewegung ringsum, während die Zeit voranschritt. Sie überlegte sogar, die nächste Wache zu übernehmen, ließ den Gedanken aber wieder fallen. Sie hatte in den letzten zwei Nächten wenig geschlafen und mußte ihre Kräfte zurückgewinnen. Es war noch Zeit genug, in einer anderen Nacht die Wache zu übernehmen. Sie legte ihre Wange auf ihre Knie und verlor sich in der Dunkelheit hinter ihren Augenlidern.
Später in der Nacht – sie war sich nicht sicher, wann genau es war – wurde sie von dem rauhen Kratzen eines Stiefels auf Fels geweckt, als sich jemand näherte. Sie hob leicht den Kopf und spähte unter dem Schutz ihrer Decke hervor. Die Nacht war schwarz und dick von Vog verhangen. Der Dunst kroch den Berghang hinab und setzte sich auf dem Sims ab wie eine Schlange auf der Jagd. Eine Gestalt tauchte aus der Dämmerung auf und kauerte sich mit schnellen und verstohlenen Bewegungen in ihrer Nähe wieder hin.
Wrens Hand griff langsam nach dem Griff ihres Messers.
»Wren«, flüsterte die Gestalt ruhig ihren Namen.