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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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Um acht Uhr läutet es an der Gegensprechanlage. Kate springt auf, und mir rutscht das Herz in die Hose.

»Eine Lieferung für Miss Steele und Miss Kavanagh.«

Eine Woge der Enttäuschung durchströmt mich. Es ist nicht Christian.

»Zweiter Stock, Apartment zwei.«

Kate macht dem Boten die Tür auf. Als er sie sieht, in ihren knallengen Jeans, dem T-Shirt und ihrem locker aufgetürmten Haar, aus dem sich einzelne Strähnen gelöst haben, fällt ihm prompt die Kinnlade herunter. Das ist immer so bei ihr. Er hat eine Flasche Champagner mit einem Luftballon in Hubschrauberform in der Hand. Sie verabschiedet ihn mit einem strahlenden Lächeln und wendet sich mir zu, um vorzulesen, was auf der Karte steht.

Ladys,

viel Glück im neuen Zuhause.

Christian Grey

Kate schüttelt den Kopf. »Hätte er nicht einfach ›von Christian‹ schreiben können? Und was soll dieser Luftballon da?«

»Charlie Tango.«

»Was?«

»Christian hat mich in seinem Hubschrauber nach Seattle gebracht.«

Kate bleibt der Mund offen stehen. Ich muss zugeben, dass ich diese seltenen Momente – Katherine Kavanagh sprachlos – in vollen Zügen genieße. Eine köstliche Minute lang weide ich mich an ihrer Verblüffung.

»Ja, er hat einen eigenen Hubschrauber, den er sogar selbst fliegen kann«, füge ich stolz hinzu.

»Natürlich muss dieser unverschämt reiche Dreckskerl seinen eigenen Hubschrauber haben. Wieso hast du mir das nicht schon früher erzählt?«, fragt Kate vorwurfsvoll, aber lächelnd.

»Ich hatte in letzter Zeit so viele andere Dinge um die Ohren.«

Sie runzelt die Stirn. »Kommst du klar, solange ich weg bin?«

»Aber klar«, beruhige ich sie. Neue Stadt, neuer Job … durchgeknallter neuer Freund.

»Hast du ihm die Adresse gegeben?«

»Nein, aber Stalking ist eine seiner Spezialitäten«, antworte ich sachlich.

Kate sieht noch verdrossener drein. »Keine Ahnung, wieso, aber irgendwie überrascht mich das nicht. Der Typ ist unheimlich, Ana. Aber wenigstens ist der Champagner anständig und gekühlt noch dazu.«

Natürlich ist er das. Nur Christian würde eine gekühlte Flasche Champagner schicken oder seine Sekretärin darum bitten – oder Taylor. Wir machen sie sofort auf und kramen die Teetassen heraus, die ganz oben liegen, weil sie als Letztes verstaut wurden.

»Bollinger Grande Année Rosé 1999, ein hervorragender Tropfen.« Ich grinse Kate an, und wir prosten einander zu.

Nach einem erstaunlich erholsamen Schlaf werde ich am Sonntagmorgen sehr früh wach. Es herrscht trübes Wetter. Ich liege im Bett und lasse den Blick über die Umzugskartons schweifen. Eigentlich müsstest du dringend mit dem Auspacken anfangen, mahnt mein Unterbewusstsein und presst streng die Lippen aufeinander. Nein … heute ist der große Tag. Meine innere Göttin ist völlig aus dem Häuschen und hüpft vor Aufregung von einem Fuß auf den anderen. Die Vorahnung hängt wie eine gewaltige tropische Gewitterwolke über mir, schwer und unheilvoll. Eine ganze Horde Schmetterlinge flattert in meinem Magen umher, gleichzeitig spüre ich ein dunkles, lustvolles Ziehen im Unterleib, als ich mir ausmale, was er mit mir anstellen wird … Und natürlich werde ich heute diesen verdammten Vertrag unterschreiben müssen, oder? Das leise Ping verrät mir, dass eine weitere Mail eingegangen ist. Ich beuge mich über die Bettkante und hebe den Laptop hoch.

Von: Christian Grey

Betreff: Mein Leben in Zahlen

Datum: 29. Mai 2011, 08:04 Uhr

An: Anastasia Steele

Du wirst später den Zugangscode für die Tiefgarage des Escala brauchen: 146963.

Stell den Wagen in Parkbucht fünf – das ist eine von meinen.

Der Code für den Aufzug lautet 1880.

CHRISTIAN GREY

CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

Von: Anastasia Steele

Betreff: Ein erstklassiger Jahrgang

Datum: 29. Mai 2011, 08:08 Uhr

An: Christian Grey

Verstanden, Sir.

Danke für den Champagner und den Charlie-Tango-Luftballon, der inzwischen an meinem Bettpfosten angebunden ist.

Ana

Von: Christian Grey

Betreff: Neid

Datum: 29. Mai 2011, 08:11 Uhr

An: Anastasia Steele

Gern geschehen.

Sei pünktlich.

Charlie Tango ist ein echter Glückspilz.

CHRISTIAN GREY

CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

Ich verdrehe die Augen. Schon wieder dieser Befehlston. Doch als ich die letzten Worte lese, muss ich lächeln. Ich gehe ins Bad. Ob Elliot gestern Abend noch einmal zurückgekommen ist? Es fällt mir schwer, meine Nerven unter Kontrolle zu behalten.

Ich habe es geschafft, in High Heels den Audi zu fahren! Um exakt 12:55 Uhr biege ich in die Garage des Escala und stelle den Wagen in Parkbucht fünf ab. Wie viele Buchten gehören ihm eigentlich? Der Audi SUV und der R8 stehen da, außerdem zwei weitere, etwas kleinere Audi-Geländewagen … hm. Ich klappe den beleuchteten Kosmetikspiegel herunter, um nachzusehen, ob meine Wimperntusche auch nicht verlaufen ist. Diesen Luxus hatte mein Käfer natürlich nicht.

Go, girl! Meine innere Göttin hat offenbar die Cheerleaderin in sich entdeckt und schwenkt aufmunternd die Pompons. Ich trete in den Aufzug und betrachte prüfend mein pflaumenblaues Kleid – besser gesagt, Kates pflaumenblaues Kleid, das er mir am liebsten vom Leib gerissen hätte, als ich es das letzte Mal anhatte. Bei der Erinnerung spüre ich, wie sich mein Inneres zusammenzieht. Es ist ein herrliches Gefühl. Für einen Moment halte ich den Atem an. Ich trage die Dessous, die Taylor für mich gekauft hat – bei der Vorstellung, wie sich der ehemalige Soldat mit dem Bürstenhaarschnitt bei Agent Provocateur oder sonst wo durch die Ständer arbeitet, werde ich rot. Die Türen gleiten auf und geben den Blick auf den Flur vor Apartment Nummer eins frei.

Taylor empfängt mich, als ich aus dem Aufzug steige.

»Guten Tag, Miss Steele«, begrüßt er mich.

»Bitte nennen Sie mich doch Ana.«

»Ana.« Er lächelt. »Mr. Grey erwartet Sie bereits.«

Jede Wette.

Christian sitzt mit der Sonntagszeitung auf der Couch im Wohnzimmer und sieht kurz auf, als Taylor mich hereinführt. Der Raum sieht so aus, wie ich ihn in Erinnerung habe – es ist zwar erst eine Woche her, seit ich das letzte Mal hier war, trotzdem kommt es mir viel länger vor. Christian wirkt kühl und ruhig. Ehrlich gesagt, sieht er absolut göttlich aus. Er trägt Jeans, ein weites, weißes Leinenhemd und weder Socken noch Schuhe. Sein Haar ist zerzaust, und in seinen Augen liegt ein verschlagenes Funkeln. Er steht auf und schlendert auf mich zu. Um seine sinnlichen Lippen spielt ein amüsiertes, abschätzendes Lächeln.

Ich stehe reglos da, wie gelähmt von seiner Schönheit und der köstlichen Vorfreude auf das, was gleich passieren wird. Da ist es wieder – dieses magische Knistern zwischen uns, diese Anziehungskraft, die sich zuckend in meinem Unterleib bemerkbar macht.

»Hm … dieses Kleid«, begrüßt er mich anerkennend und sieht mich an. »Willkommen zurück, Miss Steele«, flüstert er, umfasst mein Kinn und küsst mich zärtlich auf den Mund.

Die Berührung seiner Lippen jagt einen Schauder durch meinen Körper. Mir stockt der Atem.

»Hi«, flüstere ich.

»Du bist pünktlich. Ich mag pünktliche Menschen. Komm.« Er nimmt meine Hand und führt mich zur Couch. »Ich muss dir etwas zeigen«, sagt er, während wir uns setzen. Er reicht mir die Seattle Times. Auf Seite 8 ist ein Foto von uns beiden bei der Graduierungszeremonie abgedruckt. Holla! Ich bin in der Zeitung. Ich lese die Bildunterschrift:

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