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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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Als Heinrich mit seiner Frau unter vier Äugen war, teilte er ihr zunächst mit, daß er am nächsten Tage auf eine große Jagd gehe. Sodann bat er sie, der Fosseuse, deren »Krankheit« ihn mit Unruhe erfülle, durch einen Besuch ihre Teilnahme zu beweisen. Die Königin wies die Zumutung zunächst weit von sich. Heinrich ließ aber durchblicken oder wenigstens ahnen, daß er von dem Inhalt des Pariser Briefes mehr wisse, als ihr lieb sein konnte. So brachte er sie dahin, daß sie, halb von Besorgnis, halb vom Bewußtsein eigenen Fehls getrieben, in den schweren Gang zum Krankenbett ihrer Nebenbuhlerin willigte. Erfreut umarmte sie Heinrich fast liebevoll und ließ sie verwirrt und erstaunt über alles, was sie gehört hatte, in ihrem Kabinett zurück.

Der spanische Botschafter.

Der König suchte hierauf Chicot in seinem Zimmer wieder auf.

»Nun! Chicot?« fragte Heinrich. – »Nun! Sire.«

»Du weißt nicht, was die Königin behauptet?« – »Nein.«

»Sie behauptet, dein verfluchtes Lateinisch werde unsere ganze Ehe in Verwirrung bringen.« – »Ei! Sire, vergessen wir um Gotteswillen dieses Lateinische, und alles ist gut.«

»Der Teufel soll mich holen, ich denke nicht mehr daran.« – »Das ist recht.«

»Wahrhaftig, ich habe etwas ganz anderes zu tun, als hieran zu denken.« – »Eure Majestät zieht es vor, sich zu vergnügen?«

»Ja, mein Sohn,« erwiderte Heinrich, ziemlich unzufrieden mit dem Tone, in dem Chicot diese wenigen Worte ausgesprochen hatte, »ja, meine Majestät liebt es mehr, sich zu Vergnügen.« – »Verzeiht, ich belästige vielleicht Eure Majestät?«

»Ei! mein Sohn,« sagte Heinrich, die Achseln zuckend, »ich habe dir schon gesagt, es sei hier nicht wie im Louvre. Hier treibt man am hellen Tage jede Liebe, jeden Krieg, jede Politik.«

Der Blick des Königs war so sanft, sein Lächeln so wohlwollend, daß Chicot dadurch ganz kühn gemacht wurde.

»Krieg und Politik weniger als Liebe, nicht wahr, Sire?«

»Wahrhaftig, ja, mein lieber Freund, ich gestehe es; dieses Land ist so schön, die Weine des Languedoc sind so schmackhaft, die Frauen von Navaria sind so hübsch!« – »Ah! Sire,« entgegnete Chicot, »mir scheint, Ihr vergeßt die Königin; sind die Navarresinnen etwa schöner und gefälliger? Dann mache ich ihnen mein Kompliment.«

»Ventre-saint-gris! Nu hast recht, Chicot, ich vergaß, daß du Botschafter bist, daß du Heinrich III. vertrittst, daß König Heinrich III. der Bruder von Margarethe ist, und daß ich folglich in deiner Gegenwart Frau Margarethe über alle Frauen stellen muß! Noch du wirst meine Unvorsichtigkeit entschuldigen, ich bin nicht mehr an Gesandte gewöhnt, mein Sohn.«

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und d'Aubiac meldete mit lauter Stimme: »Der Herr Botschafter von Spanien.«

Chicot machte von seinem Lehnstuhl einen Sprung, der dem König ein Lächeln entriß.

»Wahrhaftig,« sagte Heinrich, »ich werde hier auf eine Weise Lügen gestraft, wie ich es nicht erwartet hatte. Der Botschafter von Spanien! Was will er hier?« – »Ja,« wiederholte Chicot, »was will er hier?«

»Wir werden es erfahren, vielleicht hat unser Nachbar, der Spanier, eine Grenzstreitigkeit mit uns zu verhandeln.«

»Ich entferne mich,« sagte Chicot demütig. »Es ist ohne Zweifel ein wahrer Botschafter, den Euch Seine Majestät König Philipp II. schickt, während ich...«

»Der Botschafter von Frankreich dem Spanier das Terrain abtreten, und zwar in Navarra, Ventre-saint-gris! Das wird nicht geschehen; öffne dieses Bücherzimmer, Chicot, und gehe hinein!« – »Aber ich werde dort alles hören, Sire.«

»Ah! Du wirst alles hören, alle Teufel! Was liegt mir daran? Ich habe nichts zu verbergen.«

Dann fügte er hinzu: »Sage meinem Kapitän der Leibwachen, er möge den Herrn Botschafter von Spanien einführen.« Als Chicot diesen Befehl hörte, trat er eiligst in das Bücherzimmer, dessen Türvorhang er sorgfältig schloß.

Ein langsamer und abgemessener Schritt erscholl, es war der des Botschafters Seiner Majestät König Philipps II.

Nach den feierlichen Einleitungen gemäß den Vorschriften der Etikette, wobei sich Chicot aus seinem Versteck überzeugt hatte, daß Heinrich sehr gut Audienz zu geben wußte, fragte der Gesandte in spanischer Sprache, die jeder Gaskogner oder Bearner so gut wie die seiner Heimat versteht: »Kann ich frei zu Eurer Majestät sprechen?«

»Ihr könnt es.«

Chicot öffnete zwei weite Ohren. Das Interesse war groß für ihn.

»Sire,« sagte der Botschafter, »ich bringe die Antwort Seiner katholischen Majestät.«

»Gut!« dachte Chicot, »wenn er die Antwort bringt, so ist eine Frage erfolgt.«

»Worauf?« fragte Heinrich. – »Auf Eure Eröffnungen vom vorigen Monat.«

»Ah! ich bin sehr vergeßlich,« sagte Heinrich. »Wollt mir ins Gedächtnis rufen, was für Eröffnungen das waren, Herr Botschafter.« – »Die Einfälle der lothringischen Prinzen in Frankreich.«

»Ja, und besonders die meines Vetters von Guise. Sehr gut, ich erinnere mich nun; fahrt fort, mein Herr, fahrt fort!« – »Sire, der König, mein Herr, hat, obgleich man ihm anliegt, einen Allianzvertrag mit Lothringen zu unterzeichnen, ein Bündnis mit Navarra für loyaler und, sagen wir es gerade heraus, für vorteilhafter gehalten.«

»Ja, sagen wir es gerade heraus.« – »Ich werde offenherzig gegen Eure Majestät sein, Sire, denn ich kenne die Gesinnung des Königs meines Herrn gegen Eure Majestät.«

»Und ich, darf ich sie auch erfahren?« – »Sire, der König, mein Herr, hat Navarra nichts zu verweigern.«

Chicot drückte sein Ohr an den Türvorhang, während er sich in den Finger biß, um sich zu versichern, daß er nicht schlief.

»Wenn man mir nichts zu verweigern hat, so wollen wir einmal sehen, was ich verlangen kann.« – »Alles, was Eurer Majestät beliebt, Sire.«

»Teufel!« – »Eure Majestät spreche also offenherzig und unumwunden.«

»Ventre-saint-gris! das setzt mich in Verlegenheit!« – »Seine Majestät, der König von Spanien will es seinem neuen Verbündeten bequem machen, der Vorschlag, den ich Eurer Majestät tun werde, soll dies beweisen.«

»Ich höre.« – »Der König von Frankreich behandelt die Königin von Navarra als geschworene Feindin; er verstößt sie, denn er überhäuft sie mit Schmach, das unterliegt keinem Zweifel ... Die Beleidigungen des Königs von Frankreich... ich bitte Eure Majestät um Verzeihung, daß ich diesen so zarten Gegenstand berühre...«

»Berührt ihn immerhin!« – »Die Beleidigungen des Königs von Frankreich sind öffentlich.«

Heinrich machte eine Bewegung des Leugnens.

»Sind öffentlich und bekannt; wir sind davon unterrichtet,« fuhr der Spanier fort; »ich wiederhole also, Sire; der König von Frankreich verstößt Frau Margarethe als seine Schwester, da er sie zu entbehren trachtet, indem er öffentlich ihre Sänfte anhalten und sie durch einen Kapitän seiner Garden durchsuchen läßt.«

»Nun wohl! mein Herr Botschafter, worauf zielt Ihr damit ab?« – »Es gibt also nichts Leichteres für Eure Majestät, als die als Frau zu verstoßen, die ihr Bruder als Schwester verstößt.«

Heinrich schaute nach dem Türvorhang, hinter dem Chicot mit bestürztem Auge den Erfolg dieses hochtrabenden Eingangs erwartete.

»Ist die Königin verstoßen,« fuhr der Botschafter fort, »so ist das Bündnis zwischen dem König von Navarra und dem König von Spanien ...«

Heinrich verbeugte sich.

»Ist dieses Bündnis völlig abgeschlossen, und zwar folgendermaßen: Der König von Spanien gibt die Infantin, seine Tochter, dem König von Navarra, und Seine Majestät selbst heiratet Frau Catharine von Navarra, Eurer Majestät Schwester.«

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