Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Wohin soll ich kommen?« fragte Oblomow.
»In diesen, wie heißt er denn? In den Garten, so was wird's sein ...«
»In den Park?« fragte Oblomow.
»Ja, in den Park, so ist's, ›er soll hinkommen, wenn er will; ich werde dort sein‹, hat sie gesagt ...«
»Ankleiden!«
Oblomow lief im ganzen Park herum, blickte zwischen die Beete und in die Lauben hinein - Oljga war nicht da. Er ging durch die Allee, in der die Erklärung stattgefunden hatte, und traf sie dort auf einer Bank, nicht weit von der Stelle, wo sie den Zweig gepflückt und fortgeworfen hatte.
»Ich dachte, Sie kommen nicht mehr«, sagte sie freundlich.
»Ich suche Sie schon lange im ganzen Park«, antwortete er.
»Ich wußte, daß Sie suchen würden, und habe mich absichtlich in diese Allee gesetzt; ich glaubte, daß Sie sicher hier vorübergehen würden.«
Er wollte fragen: Warum glaubten Sie das?, blickte sie aber an und fragte nicht. Sie hatte ein anderes Gesicht, nicht dasjenige, das sie gehabt hatte, als sie hier spazierengingen, sondern das vom letztenmal, das ihm eine solche Unruhe eingeflößt hatte. Auch ihre Freundlichkeit war so zurückhaltend, der ganze Gesichtsausdruck war so in sich gekehrt, so bestimmt; er sah, daß man mit ihr nicht mehr mit Vermutungen, Anspielungen und naiven Fragen spielen konnte, daß dieser kindliche, fröhliche Augenblick schon vorüber war. Vieles, was nicht zu Ende gesprochen war, und an das man mit einer schelmischen Frage herantreten konnte, war zwischen ihnen schon ohne Worte, ohne Erklärungen entschieden; Gott weiß, wieso das geschehen war, man konnte darauf aber nicht mehr zurückkommen.
»Warum lassen Sie sich so lange nicht sehen?« fragte sie.
Er schwieg. Er wollte sie wieder irgendwie indirekt verstehen lassen, daß der heimliche Zauber ihrer Beziehungen verschwunden sei, daß diese Abgeschlossenheit, mit der sie sich wie mit einer Wolke umgeben hatte, auf ihm laste, es war, als hätte sie sich in sich selbst zurückgezogen, und er wußte nicht, was er zu tun und wie er sich ihr gegenüber zu benehmen hatte. Doch er fühlte, daß die geringste Andeutung darauf in ihr einen erstaunten Blick hervorrufen würde, dann würde ihr Benehmen noch kälter werden und jener Funke von Teilnahme, den er gleich am Anfang so unvorsichtig ausgelöscht hatte, würde vielleicht endgültig verschwinden. Er mußte ihn still und unmerklich anfachen, doch er wußte nicht im entferntesten, wie er das anfangen sollte. Er begriff dunkel, daß sie gewachsen und jetzt größer war als er, daß es von jetzt ab zur kindlichen Vertraulichkeit keine Rückkehr mehr gab, daß sie vor dem Rubikon standen, daß das verlorene Glück sich schon auf dem andern Ufer befand; man mußte ihn überschreiten. Aber wie? Und was, wenn er diesen Schritt allein machte? Sie begriff klarer als er, was in ihm vorging, und war darum im Vorteil. Sie blickte offen in seine Seele, sah, wie darin ein Gefühl aufkeimte, wie es sich entwickelte und äußerte; sie sah, daß weibliche List, Schelmerei und Koketterie - Sonitschkas Waffen - hier überflüssig waren, da kein Kampf bevorstand. Sie sah sogar, daß ihr trotz ihrer Jugend in dieser Sympathie die erste und wichtigste Rolle zufiel, daß von ihm nur tiefe Eindrücke, leidenschaftlich träge Fügsamkeit und ewige Harmonie mit jedem ihrer Pulsschläge, aber keine Regung des Willens, kein aktiver Gedanke zu erwarten war. Sie hatte ihre Macht über ihn im Augenblick abgeschätzt, und ihr gefiel diese Rolle eines Leitsterns, eines Lichtstrahls, den sie über diesen stehenden See ausströmte, um sich darin widerzuspiegeln. Sie hatte in diesem Zweikampf verschiedenartige Triumphe errungen. In dieser Komödie oder Tragödie, je nach den Umständen, erscheinen die beiden Hauptpersonen fast immer mit dem gleichen Charakter des Quälers oder der Quälenden und des Opfers. Wie jede Frau in der Hauptrolle, das ist in der Rolle der Quälenden, konnte sich auch Oljga, nur im geringeren Maße und unbewußt, nicht das Vergnügen versagen, mit ihm ein wenig katzenhaft zu spielen; manchmal entströmte ihr wie ein Blitz, wie eine unerwartete Laune die Äußerung des Gefühls, und dann zog sie sich plötzlich wieder zurück und vertiefte sich in sich selbst. Aber noch häufiger stieß sie ihn vorwärts, da sie wußte, daß er selbst keinen Schritt machen und unbeweglich dort bleiben würde, wo sie ihn zurückließ.
»Hatten Sie zu tun?« fragte sie, an einem Kanevasstreifen stickend.
Ich würde sagen, daß ich zu tun hatte, aber dieser Sachar! stöhnte es in seiner Brust.
»Ja, ich habe einiges gelesen«, gab er nachlässig zur Antwort.
»Was denn, einen Roman?« fragte sie und richtete auf ihn die Augen, um zu sehen, mit welchem Gesichte er lügen würde.
»Nein, ich lese fast gar keine Romane«, antwortete er sehr ruhig, »ich habe ›Die Geschichte der Entdeckungen und Erfindungen‹ gelesen.«
Gott sei Dank, daß ich heute eine Seite überflogen habe! dachte er.
»Russisch?« fragte sie.
»Nein, englisch.«
»Sie lesen englisch?«
»Mit Mühe, aber ich lese doch. - Waren Sie nicht irgendwo in der Stadt?« fragte er, hauptsächlich, um das Gespräch über die Bücher abzubrechen.
»Nein, ich war die ganze Zeit zu Hause. Ich arbeite immer hier, in dieser Allee.«
»Immer hier?«
»Ja, diese Allee gefällt mir sehr; ich danke Ihnen dafür, daß Sie sie mir gezeigt haben; es geht hier fast niemand vorüber ...«
»Ich habe sie Ihnen nicht gezeigt«, unterbrach er sie, »erinnern Sie sich noch? Wir sind hier einander zufällig begegnet.«
»Ja, in der Tat.«
Sie schwiegen.
»Ist Ihr Gerstenkorn ganz vergangen?« fragte sie, ihm geradeaus ins rechte Auge blickend.
Er errötete.
»Jetzt ist es, Gott sei Dank, vergangen.«
»Netzen Sie das Auge mit einfachem Wein, wenn es zu jucken beginnt, dann vergeht das Gerstenkorn. Meine Kinderfrau hat es mich gelehrt.«
Warum spricht sie immer von den Gerstenkörnern? dachte Oblomow.
»Und essen Sie abends nicht?« fügte sie ernst hinzu.
Sachar! stieg in seiner Kehle ein wütender Ausruf auf.
»Sowie man abends viel ißt«, fuhr sie fort, ohne die Augen von der Arbeit zu heben, »und drei Tage liegt, besonders auf dem Rücken, dann kommt sicher ein Gerstenkorn.«
Dummkopf! rief Oblomow in seinem Innern Sachar zu.
»Was arbeiten Sie?« fragte er, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.
»Einen Klingelzug für den Baron«, sagte sie, den Kanevasstreifen aufrollend und ihm das Muster zeigend. »Ist es schön?«
»Ja, sehr schön, das Muster ist sehr hübsch. Das ist ein Fliederzweig?«
»Ich glaube ... ja«, sagte sie nachlässig. »Ich habe das Muster aufs Geratewohl gewählt, es ist mir zufällig unter die Hand gekommen ...« Sie errötete ein wenig und rollte den Streifen schnell wieder zusammen.
Das wird aber sehr langweilig, wenn es so weitergeht und man aus ihr nichts herauskriegen kann, dachte er, ein anderer, zum Beispiel Stolz, würde es herauskriegen, ich aber kann's nicht.
Er runzelte die Stirn und blickte schläfrig um sich. Sie blickte ihn an und legte dann ihre Arbeit ins Körbchen.
»Gehen wir bis zum Hain«, sagte sie, gab ihm das Körbchen zu tragen, öffnete selbst ihren Schirm, richtete sich das Kleid und ging.
»Warum sind Sie traurig?« fragte sie.
»Ich weiß nicht, Oljga Sjergejewna. Warum soll ich fröhlich sein, und wie?«
»Arbeiten Sie, kommen Sie öfter mit Menschen zusammen!«
»Man kann nur dann arbeiten, wenn man ein Ziel hat. Was hab' ich für ein Ziel? Ich hab' keins.«
»Ist leben kein Ziel?«
»Wenn man nicht weiß, wozu man lebt, lebt man nur irgendwie, einen Tag wie den anderen; man freut sich, daß ein Tag vergangen ist, daß die Nacht angebrochen ist und daß man die langweilige Frage, wozu man diesen Tag gelebt hat und wozu man morgen leben wird, im Schlaf vergessen kann.«