Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
Daß Len Cannon ebenso schuldbelastet sei wie Flig Balt, war gar nicht zu bezweifeln und wurde durch das jetzige Verhalten des Mannes nur bestätigt. Offenbar hatte er bei dem Einflusse, den er auf seine in Dunedin angemusterten Kameraden ausübte, diese zu dem schweren Vergehen überredet. Gleich beim Ausbruch der Meuterei tat er sich ja auch durch seine Hetzrufe und Gewalttätigkeiten hervor. Mit einem Messer in der Hand war er auf Karl Kip eingedrungen und erst zurückgewichen, als ihm dieser den Revolver auf die Brust setzte. Seine Mitschuld und Verantwortlichkeit lag also klar zutage.
Als der Referendar seinen Vortrag beendigt hatte, beantragte er die höchste zulässige Strafe für die Meuterer.
Der Vorsitzende wendete sich nun an Flig Balt mit der Frage, ob er bezüglich der gegen ihn erhobenen Beschuldigung etwas einzuwenden habe.
»Nichts, erklärte einfach der Bootsmann.
- Sie erkennen also die in dem Berichte erwähnten Tatsachen an?
- Ja wohl. vollkommen.«
Diese wenigen Worte brachte er mit so klarer, ruhiger Stimme hervor, daß es die Verwunderung der Zuhörer erregte.
»Sie haben zu Ihrer Verteidigung nichts hinzuzufügen? fragte der Vorsitzende nochmals.
- Nicht ein Wort,« erklärte Flig Balt, der sich wieder setzte, da er sein Verhör für beendet ansah.
Vin Mod sah ihn scharf, doch mit einiger Besorgnis an.
Hatte Flig Balt nicht den rechten Augenblick verpaßt, alles zu sagen? Und hatte er, Vin Mod, sich doch nicht vielleicht über das Zeichen getäuscht, das der Bootsmann ihm gemacht hatte? Sollte dieser die kurze Mitteilung Kyles etwa nicht verstanden oder vielleicht überhaupt nicht erhalten haben?
Immerhin, das sollte nichts ausmachen. Wenn Flig Balt nicht sprach, würde Vin Mod sprechen, sobald er zu seiner Aussage aufgerufen wurde.
Auf die an ihn gerichteten Fragen gab Len Cannon nur ausweichende Antworten, wobei er sich stellte, als ob er den Vorsitzenden nicht recht verstände, und jedenfalls hatte Flig Balt ihm empfohlen, so wenig nie möglich zu sprechen.
Vin Mod kam daher auf den Gedanken, dem Bootsmanne passe es, daß die Verhandlung erst weiter fortschreite, und daß die Zeugenaussagen, darunter vorzüglich die Karl Kips, zu Protokoll genommen worden seien. Wegen der Anschuldigung, die er gegen die Brüder erheben wollte, erschien es besser, daß diese sich vorher dem Gerichte gegenüber ausgesprochen hätten.
»Ja ja, sagte sich Vin Mod, der Flig Balt hat recht, er wird schon im geeigneten Augenblick gegen sie auftreten!«
Nach Beendigung des Verhörs mit dem Hauptangeklagten und seinem Mitschuldigen, wurde der erste Zeuge zu seiner Aussage aufgerufen.
Das war Karl Kip, und als er sich erhob, ging ein leises Flüstern durch die Reihen der Zuhörerschaft.
Karl Kip gab zuerst seinen Familiennamen nebst Vornamen und seine Nationalität zu Protokolclass="underline" ein Holländer aus Groningen gebürtig; Stand: Offizier in der Handelsflotte, nachdem er wenige Wochen an Bord des »James-Cook« als Kapitän tätig gewesen war, Obersteuermann auf dem nach Hamburg bestimmten Dampfer »Skydnam«.
Nach Erledigung dieser Vorfragen drückte sich Karl Kip mit solchen Worten und einer so erkennbaren Aufrichtigkeit über alles weitere aus, daß an seinem guten Glauben kein Zweifel aufkommen konnte.
»Mein Bruder und ich, sagte er, waren vorher Passagiere der 'Wilhelmina' wir sind von der Insel Norfolk gerettet worden, wohin wir uns nach erlittenem Schiffbruche geflüchtet hatten, und zwar gerettet durch Herrn Hawkins und den Kapitän Gibson. Ich kann auch an dieser Stelle nicht unterlassen, den edelmütigen und menschenfreundlichen Herren, die so viel für uns getan haben, den wärmsten und aufrichtigsten Dank auszusprechen.
»Während der Fahrt des 'James-Cook' von Norfolk nach Port-Praslin habe ich vielfach Gelegenheit gehabt, das Verhalten des Bootsmannes zu beobachten. Er flößte mir von Anfang an ein Mißtrauen ein, das sich später nur allzu gerechtfertigt erwies, und es wunderte mich, daß der Reeder und der Kapitän noch eine so gute Meinung von ihm hatten. Da mich das aber nichts anging, habe ich in dieser Beziehung still geschwiegen. Daneben gewann ich jedoch auch die Überzeugung, daß Flig Balt seinen Obliegenheiten sehr wenig gewachsen war. Überließ der Kapitän Gibson ihm zuweilen Manöver, wie solche gewöhnlich Sache des Bootsmannes sind, so wurden diese so schlecht angeordnet, daß ich mich fast zum Eingreifen versucht fühlte. Da sie aber die Sicherheit des
Schiffes nicht weiter in Gefahr brachten, enthielt ich mich, mit dem Kapitän darüber zu sprechen.
»Am 20. November ankerte der 'James-Cook' in Port-Praslin, um seine Fracht zu löschen und einige Reparaturen zu erfahren. Sein Aufenthalt dauerte neun Tage, dann segelte er nach Kerawara, der Hauptstadt des Bismarck-Archipels ab.
»Dort war es, wo der unglückliche Kapitän Gibson am Abend des 2. Dezembers unter den Streichen bisher noch unentdeckter Mörder erlag.«
Karl Kip äußerte diese Worte mit so schmerzlichem Ausdrucke, daß sich der Zuhörerschaft eine deutliche Erregung bemächtigte.
Gleichzeitig erhob sich Flig Balt, der dem Berichte gesenkten Kopfes gelauscht hatte, von der Bank, als ob auch er sich gar nicht zu fassen vermöchte.
Der Vorsitzende fragte ihn, ob er dem Gerichte etwas mitzuteilen hätte.
»Nein. nichts!« antwortete der Bootsmann.
Damit setzte er sich wieder nach einem flüchtigen, auf Vin Mod gerichteten Blick, der, sehr mutlos erscheinend, bereits eine lebhafte Ungeduld verriet.
Gleichzeitig warf aber auch Karl Kip einen so durchdringenden Blick auf Flig Balt, daß dieser betroffen die Augen niederschlug.
Dann fuhr der Holländer in seiner Aussage fort. Nach dem Ableben Harry Gibsons machte es sich natürlich nötig, die Führung des Schiffes jemand anderem anzuvertrauen. Weder in Port-Praslin, noch in Kerawara fand sich ein englischer Kapitän, der Gibsons Stelle hätte übernehmen können, es lag also nahe, diese dem bisherigen Bootsmanne zu übertragen. Nach Karl Kips Ansicht war der »James-Cook« damit freilich einem unfähigen und nicht ehrbaren Mann in die Hand gegeben.
»Herr Hawkins, fuhr er fort, konnte unter den gegebenen Umständen kaum anders handeln, und Flig Balt wurde damit betraut, die Brigg nach Port-Praslin zurückzuführen. Nachdem der 'James-Cook' dann in Kerawara seine Fracht eingenommen hatte, ging er wieder in See und vervollständigte schließlich seine Ladung.
Hier war es, wo dem Bootsmanne die Funktionen des Kapitäns dann ausdrücklich übertragen wurden.
Am 10. Dezember lichtete die Brigg die Anker und verließ die Inselgruppe. In den ersten Tagen und bei der Fahrt durch die Louisiaden ging alles ohne Störung vor sich. Wir hatten günstigen Wind, der keine Segelmanöver nötig machte, nur glaubte ich schon damals zu bemerken, daß der 'James-Cook' allmählich mehr nach Osten abwich. statt den geraden Kurs nach Süden einzuhalten.