Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
Hawkins und Nat Gibson erschienen vor der Zuhörermenge und nahmen auf der für die Zeugen bestimmten Bank Platz.
Wenige Minuten nach ihnen betraten die Gebrüder Kip den Saal und wechselten mit den beiden ersten einen warmen Händedruck.
Am heutigen Tage war die Anwesenheit Karl Kips an Bord des »Skydnam« nicht nötig. Die Verladung des Getreides war am Abende vorher beendigt worden. Von Reparaturen waren nur noch einige Anstricharbeiten zu vollenden. Die Bunker lagen voller Kohlen; die Maschine war im Stande, die Mannschaft hatte ihren Dienst angetreten. Nach drei Tagen sollte der Dampfer am frühen Morgen zur Abfahrt klar machen.
Am heutigen Abend gedachten die Gebrüder Kip noch den Gasthof zum Great Old Man zu verlassen und ihre Kabinen auf dem Schiffe zu beziehen.
Auf einer Bank hinter ihnen saßen die Matrosen Hobbes, Wickley und Burnes nebst dem Schiffsjungen Jim, die von Hawkins und Nat Gibson alle freundlich begrüßt wurden.
Auf einer anderen Bank befanden sich Vin Mod, Sexton, Bryce mit dem Koche Koa, dessen breites schwarzes Gesicht sich grinsend verzog, jedenfalls vor Verwunderung, daß er nicht mit zu den Angeklagten gehörte.
Nur Kyle fehlte. Kyle war noch nicht freigelassen und das erfolgte voraussichtlich auch nicht vor Ablauf von achtundvierzig Stunden. er hatte seine Rolle als Schwerbetrunkener gar zu gut gespielt, als er sich gegen die Polizisten verteidigte.
Seine etwaigen Aussagen konnten auch nicht von besonderer Bedeutung sein. Vin Mod beunruhigte sich nur ein wenig darüber, ob Kyle im Gefängnisse mit Flig Balt zusammengetroffen sein und diesem gesagt haben werde, was er ihm aufgetragen hatte. Diese Unruhe zerstreute sich jedoch vielleicht, wenn der Bootsmann und er sich erst gegenüberstanden. War Flig Balt benachrichtigt worden, so genügte ein unauffälliges Zeichen, schon ein Blick, das zu bestätigen, und wenn der rechte Augenblick gekommen war, würde Flig Balt aus einem Angeklagten zum Ankläger werden.
In Erwartung des Eintritts der Gerichtsbeisitzer sprach Hawkins noch mit den Gebrüdern Kip und meldete ihnen, daß an diesem Morgen Nachrichten von Neuirland eingegangen wären.
»Ein Brief von Herrn Zieger? fragte Pieter Kip.
- Nein, eine Depesche, die mir mein Korrespondent Herr Balfour geschickt hat. Sie meldet, daß in Wellington gestern ein von Kerawara kommendes Schiff eingelaufen sei, das den Bismarck-Archipel zehn Tage nach dem 'James-Cook' verlassen und einen Brief von Herrn Zieger mitgebracht hätte. Balfour hat mir dessen Inhalt sofort telegraphiert, und diese Depesche hab' ich heute früh erhalten.
- Und was sagt Herr Zieger bezüglich der Nachforschung nach den Tätern? fragte Karl Kip.
- Nichts, antwortete Nat Gibson, gar nichts. Die Mörder sind auch bis jetzt noch nicht entdeckt.
- Das ist leider nur zu wahr, setzte Hawkins hinzu. Die Herren Zieger und Hamburg haben sich unablässig darum bemüht, ohne einen Erfolg zu erzielen.
- Sie haben auch keine einzige Spur gefunden, die es ermöglichte, die Nachforschungen mit einiger Aussicht fortzusetzen? sagte Pieter Kip.
- Nein, erwiderte Hawkins, man hat bisher auf niemand Verdacht. Allem Anscheine nach ist das Verbrechen von Eingebornen begangen worden, die Zeit genug fanden, nach der Insel York zu flüchten, wo es natürlich sehr schwer werden würde, sie herauszufinden.
- Immerhin braucht Herr Gibson noch nicht alle Hoffnung aufzugeben, erklärte Karl Kip. Die gestohlenen Papiere könnten ja vernichtet worden sein, doch das Geld. die Piaster, sind jedenfalls nicht verschwunden, und wenn die Mordgesellen diese Goldstücke umsetzen wollen, hält man sie gewiß dabei an.
- Ich werde nach Kerawara zurückkehren, rief Nat Gibson, ja. ja, ich gehe noch einmal dahin!«
Dem jungen Mann war wohl zuzutrauen, daß er diese Absicht ausführte.
Das Gespräch verstummte beim Eintreten der Mitglieder des Seegerichts, die auf einem etwas erhöhten Teile des Saales Platz nahmen. eines Kommodore, eines Kapitäns und eines Leutnants, nebst dem Referendar, der die Anklageschrift aufgesetzt hatte.
Die Verhandlung wurde eröffnet, und der Vorsitzende gab Auftrag, die Angeklagten hereinzuführen.
In der Mitte zweier Gerichtsdiener erschienen Flig Balt und Len Cannon, denen eine Bank links von der Richtertafel angewiesen wurde.
Der Bootsmann schien seiner Sache ganz sicher zu sein; er sah gleichgültig und kühl aus und blickte ziemlich sorglos umher. Wenn es ihm aber auch gelang, die Gefühle, die ihn jetzt gewiß erregten, zu unterdrücken, so machte seine ganze Erscheinung doch den Eindruck eines hinterlistigen Sünders.
Über Hawkins kam es bei seinem Anblick wie eine verspätete Erleuchtung. Es schien ihm, als sähe er Flig Balt zum ersten Male so, wie er wirklich war. O, wie hatten der Kapitän Gibson und er nur so verblendet sein können, diesem Menschen ihr Vertrauen zu schenken, sich von dem scheinheiligen Benehmen des Schurken täuschen zu lassen!
Was jetzt aber Hawkins Verwunderung erregte, das konnte die Gebrüder Kip nicht in gleicher Weise berühren. Der Bootsmann hatte auf sie ja von Anfang an einen recht verdächtigen Eindruck gemacht, und Flig Balt hatte das auch selbst bemerken müssen.
Was Len Cannon betraf, sprach dessen Haltung gewiß nicht zu seinen Gunsten. Er schleuderte tückische Blicke nach links und nach rechts, bald auf Vin Mod, bald auf Sexton oder auf Bryce, denn er mochte sich wohl fragen, warum diese nicht ebenfalls auf der Anklagebank säßen, da sie doch ebensoviel auf dem Kerbholz hätten, wie er.
Wenn Len Cannon - so war der Gedankengang Vin Mods -nicht ebenso siegesgewiß auftrat, wie Flig Balt, kam das offenbar daher, daß Flig Balt ihm nichts davon gesagt hatte, was Kyle ihm in seinem Auftrage mitgeteilt hatte. Doch war das überhaupt geschehen oder wußte Flig Balt bis jetzt noch nichts? Die Ungewißheit machte Vin Mod doch ziemlich ängstlich.
Kyle hatte sich jedoch seines Auftrages entledigt. Flig Balt und er waren noch am heutigen Morgen zusammengetroffen. Der Bootsmann konnte als Ankläger auftreten. Auf einen fragenden Blick, den Vin Mod ihm zuwarf, antwortete er durch eine kaum bemerkbare Handbewegung, die über ihre Bedeutung keinen Zweifel übrig ließ.
»Nun glimmt ja die Lunte, murmelte er für sich, nun mag die Bombe platzen!«
Der Vorsitzende erteilte das Wort dem Referendar, und dessen Bericht schilderte in knappen Zügen die ganze Angelegenheit. Er wies darauf hin, unter welchen Umständen Flig Balt den Befehl über den »James-Cook« erhalten und unter welchen anderen Umständen man ihm diesen wieder hatte abnehmen müssen; wie Flig Balt wegen seiner offenkundigen Unfähigkeit durch den holländischen Seemann Karl Kip, einen Passagier des Schiffes, ersetzt worden war, ferner wie der Bootsmann die Auflehnung gegen den neuen Kapitän geschürt und sich - offenbar in der Absicht, das Schiff in seine Hand zu bekommen - an die Spitze der Meuterer gestellt hatte.