Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
»Ja ja, murmelte er, immer tief in Gedanken versunken, das ist der einzige Weg, ihm Nachricht zukommen zu lassen, und wenn der nicht gangbar wäre. Doch gleichviel. ich trete ja als Zeuge auf. ich werde sprechen. und was Flig Balt vielleicht nicht sagt, das sage ich. ja. das werde ich sagen und die Gebrüder Kip werden es empfinden!«
An diesem Abend begab sich Vin Mod nicht nach der Spelunke, den Fresh-Fishs, sondern nach dem Gasthofe zum Great Old Man.
Es war jetzt gegen sieben Uhr. Schon seit Mittag rieselte ein seiner, durchdringender Regen nieder. Die Straßen lagen in tiefer Finsternis, die nur da und dort von dem begrenzten Scheine einer Gaslaterne unterbrochen wurde.
Unbemerkt gelangte Vin Mod nach dem Gange, der zu seinem, eine Treppe hoch gelegenen Zimmer führte. Auf dem Balkon angelangt, lugte er durch das Zimmerfenster der Holländer, dessen Jalousien nicht geschlossen waren.
Da er keinerlei Geräusch aus dem Innern vernahm, schloß er mit Recht, daß das Zimmer augenblicklich leer sei.
Gerade an diesem Abend befanden sich Karl und Pieter Kip zum Abendessen bei Herrn Hawkins und kehrten voraussichtlich vor zehn oder elf Uhr nicht in ihr Zimmer zurück.
Vin Mod sah sich also durch den günstigsten Zufall unterstützt, und es konnte ihm weder an Zeit fehlen, sein Vorhaben auszuführen, noch lief er Gefahr, dabei überrascht zu werden.
Er begab sich jetzt zunächst nach seinem eigenen Zimmer, öffnete hier einen Schrank und entnahm diesem verschiedene Papiere, denen er noch eine gewisse Menge Piaster beilegte, und dazu auch den Kriß, womit Flig Balt den Kapitän ermordet hatte.
Wenige Augenblicke später schüpfte Vin Mod in die Wohnung der beiden Brüder, wozu er nicht einmal gezwungen gewesen war, eine Scheibe einzudrücken, da ein Flügel des Fensters nur angelehnt war.
Die Einrichtung dieses Zimmers kannte er ja ganz genau, hatte er doch oft genug hineingeblickt, wenn er sich bemühte, die Gespräche zwischen Karl und Pieter Kip zu belauschen. Er brauchte nicht einmal Licht anzuzünden, was ihn doch hätte verraten können. Er wußte ja, wie die Möbel standen und wo auf einem Schemel der Reisesack lag, der noch von der »Wilhelmina« geborgen worden war.
Von diesem Mantelsack brauchte er nur die Verschlußriemen zu lösen. Die darin enthaltenen Wäschestücke hoch hebend, steckte er die Papiere, die Piaster und den Dolch darunter und schloß den Sack wieder zu.
»Das wäre geschehen!« murmelte er befriedigt.
Dann stieg er durch das Fenster hinaus, lehnte dessen Flügel wieder an und zog sich über den Balkon hin nach seinem Zimmer zurück.
Nach ganz kurzem Aufenthalte darin schritt Vin Mod jedoch der Treppe zu, trat auf die Straße hinaus und begab sich nach dem Gasthofe zu den Fresh-Fishs, wo ihn Sexton, Kyle und Bryce hatten erwarten sollen.
Es schlug eben halb acht, als er in das gemeinschaftliche Gastzimmer eintrat, wo er seine Genossen fleißig trinkend vorfand.
Sexton und Bryce hatten schon so manche Gläser Whisky und Gin geleert. Wenn auch nicht lärmender und rauflustiger Trunkenheit verfallen, sondern mürrisch gestimmt und eher etwas verdummt, wären sie nicht imstande gewesen, zu begreifen, was Vin Mod ihnen gesagt hätte, wenn er einen von ihnen nötig gehabt hätte.
Kyle dagegen - mit dem er gewohnheitsmäßig überhaupt am liebsten sprach - hatte, wohl auf eine vorherige Warnung Vin Mods hin, die auf dem Tische stehenden Flaschen kaum angerührt.
Als dieser in der Gaststube erschien, ging er ihm sofort entgegen. Vin Mod gab ihm ein Zeichen, jetzt nicht zu sprechen, und beide nahmen nebeneinander Platz.
In dem Raume befanden sich gegen zwanzig zechende Gäste, meist Matrosen, die über ihre Urlaubszeit hinaus unter qualmenden Lampen und in erstickender Luft an einem großen Tische saßen.
Jeden Augenblick taumelten angetrunkene Männer hinaus oder herein. In der Gaststube herrschte ein solcher Lärm, daß man einander getrost etwas ins Ohr raunen konnte, ohne Gefahr zu laufen, daß andere das verständen.
Der Tisch, den Kyle gewählt hatte, stand überdies in der dunkelsten Ecke des Raumes.
»Du bist schon seit einer Stunde hier? begann Vin Mod, der sich dabei seinem Kameraden zuneigte.
- Ja. habe auf dich der Verabredung nach gewartet.
- Und die anderen konnten der Begierde, zu trinken, nicht widerstehen?
- Nein. bedenke doch. eine volle Stunde.
- Und du selbst?.
- Ich. o, ich habe mir nur einmal mein Glas gefüllt, es steht aber noch unberührt da.
- Das wirst du nicht zu bereuen haben, Kyle, denn es ist nötig, daß du alle Sinne beisammen hast.
- Das kann ich versichern, Mod!
- Nun gut; wenn du noch nichts getrunken hast, so wirst du jetzt trinken.
- Auf deine Gesundheit!« antwortete Kyle, der sein Glas ergriff und es zum Munde führte.
Da packte ihn aber Vin Mad am Arme und nötigte ihn, das Glas wieder auf den Tisch zu stellen, ohne die Lippen benetzt zu haben.
»Du willst mich also doch nicht trinken lassen? fragte Kyle verwundert.
- Nein. du sollst dich nur so stellen, als ob du tränkst oder gar schon zu viel genossen hättest.
- So?. Und warum das, Mod?
- Weil du dich, den Betrunkenen spielend, erheben, durch die Gaststube schwanken und mit dem einen oder dem anderen Streit suchen sollst unter der Drohung, alles kurz und klein zu schlagen, bis der Gastwirt Polizisten herbeiruft, die dich wegführen und ins Gefängnis bringen sollen.
- Ins Gefängnis?.«
Kyle konnte nicht begreifen, worauf Vin Mod hinauswollte. Sich stellen, als ob er tränke, das paßte ihm recht wenig, sich wegen Ruhestörung gar einsperren zu lassen, paßte ihm aber gar nicht.
»Höre mich nur an, sagte Vin Mod. Ich brauche dich in einer Sache, die dir viel einbringen wird, wenn du Erfolg hast und geschickt deine Rolle spielst.
- Wobei nichts zu riskieren ist?.
- Ein paar Püffe sind ja zu riskieren, fünf bis sechs Pfund Sterling aber dafür einzuheimsen.
- Fünf bis sechs Pfund? wiederholte Kyle, dem diese Aussicht recht verlockend erschien.
- Und die anderen? fragte er noch mit einem Hinweis auf seine Kameraden.
- Für die ist das nichts, erklärte Vin Mod. Du siehst ja, sie sind in einer Verfassung, in der sie nichts zu verstehen und nichts zu tun vermögen!«
Wirklich hatte keiner von ihnen Vin Mod nicht einmal erkannt, als dieser sich gesetzt hatte. Sie sahen nichts und hörten nichts. Maschinenartig hoben ihre Arme die Gläser und sanken schwer wieder auf den Tisch zurück. Sexton murmelte, wie die meisten Betrunkenen, unzusammenhängende Worte vor sich hin oder sang mit heiserer Stimme ein Seemannslied, das er mit den in der Luft umherfuchtelnden Armen begleitete. Bryce hatte den Kopf gesenkt, die Schultern eingezogen und die Augen schon halb geschlossen. er war dem Einschlafen näher als dem Wachsein.