Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Ich hängte auf und blieb nachdenklich auf dem Hang oben stehen. Wonach sollte ich Ausschau halten? Was konnte ich überhaupt finden?
Ich wusste es nicht, hatte jedoch das sichere Gefühl, dass die alte Frau nicht aus Versehen ins Meer gefallen war.
Sie war immer so geschickt auf diesen Klippen herumgeklettert.
Ich begann hinunterzusteigen, bemerkte dabei die Schuhe und die Tüten im Dickicht, und stapfte entschlossen am wilden Senf vorbei auf den verlassenen Laster zu. Ich ging einmal ganz herum, begutachtete ihn innen und außen, konnte aber nichts Verdächtiges finden.
Dann steuerte ich auf den Tunnel in der Klippe zu.
Die Stelle, an Sonntagen so überfüllt, war jetzt kaum belebt. Die Bewohner von San Francisco gingen ihren Alltagsgeschäften nach, und die Besucher aus den beim nahe gelegenen Cliff House geparkten Reisebussen trauten sich nicht, dorthinunter zu klettern. Nur die Jugendlichen waren zu sehen. Sie standen am Tunneleingang und beobachteten mich. Etwas an ihrer Haltung verriet mir, dass sie Angst hatten. Ich beschleunigte meinen Schritt.
Die Jungen steckten die Köpfe zusammen. Dann wirbelten sie herum und rannten in die Tunnelmündung hinein.
Ich lief ihnen nach. Wieder hatte ich die falschen Schuhe an. Ich kickte sie von den Füßen und rannte durch den groben Sand. Die Jungen hatten den Tunnel zur Hälfte durchquert.
Der eine blieb stehen und untersuchte aufgeregt einen Spalt in der Wand. Ich betete, dass er nicht dort durchstürzte, in die tosenden Wellen darunter.
Er drehte sich um und rannte seinem Gefährten nach. Sie verschwanden am Ende des Tunnels.
Ich erreichte den festgetrampelten Erdboden und beschleunigte mein Tempo. Am Ausgang wurde ich langsamer und kam etwas vorsichtiger näher. Zuerst dachte ich, die Jungen wären verschwunden, doch dann sah ich hinunter. Dort unten auf einem Vorsprung kauerten sie. Ihre Gesichter waren verängstigt und jung, so jung.
Ich blieb stehen, wo sie mich sehen konnten, und machte eine beruhigende Geste.»Kommt wieder rauf«, sagte ich.
«Ich tu euch nichts.« Der mit dem Schnurrbärtchen schüttelte den Kopf.
«Ihr könnt aber doch nirgends hin. In der Brandung könnt ihr nicht schwimmen.« Sie schauten gleichzeitig nach unten. Dann sahen sie wieder mich an und schüttelten beide den Kopf.
Ich machte einen Schritt auf sie zu.»Egal, was passiert ist, es hätte nicht — «Plötzlich spürte ich, wie der Boden nachgab. Mein Fuß glitt aus, und ich stürzte vornüber. Ich fiel auf ein Knie, meine Arme suchten aufgeregt nach Halt.
«O Gott!«, rief der schnurrbärtige Junge.»Sie nicht auch noch!« Er stand schwankend auf, die Arme ausgestreckt.
Ich rutschte immer weiter abwärts. Der Junge griff herauf und packte mich am Arm. Er taumelte an den Rand zurück, und wir fielen zusammen auf den harten, felsigen Untergrund. Einen Augenblick blieben wir beide keuchend liegen. Als ich mich schließlich aufsetzte, stellte ich fest, dass wir uns nur Zentimeter vom steilen Abfall zur Brandung befanden.
Der Junge setzte sich ebenfalls auf, den angstvollen Blick auf mich gerichtet. Sein Gefährte presste sich an die Klippenwand.
«Schon okay«, sagte ich mit zitternder Stimme.
«Ich dachte, Sie fallen runter, wie die alte Frau«, sagte der Junge neben mir.
«Es war ein Unfall, nicht wahr?« Er nickte.»Wir wollten nicht, dass sie runterfällt.« «Habt ihr sie gehänselt?« «Ja. Haben wir immer, bloß so zum Spaß. Aber diesmal sind wir zu weit gegangen. Wir haben uns ihre Tasche geschnappt. Da ist sie uns nach.« «Durch den Tunnel, bis hierher.« «Ja.« «Und dann ist sie ausgerutscht.« Der andere Junge rückte von der Wand weg.»Wir wollten nicht, dass es passiert, ehrlich. Es war bloß — sie war so alt. Sie ist ausgerutscht.« «Wir haben sie fallen sehen«, sagte sein Gefährte.»Wir konnten gar nichts machen.« «Was habt ihr mit der Tasche gemacht?« «Haben wir ihr hinterher geschmissen. Es waren bloß zwei Dollar drin. Zwei lausige Dollar. «In seiner Stimme schwang Verwunderung mit.»Können Sie sich das vorstellen, rennt uns den ganzen Weg hinterher wegen zwei Dollar?« Ich stand vorsichtig auf und hielt mich dabei an dem Felsen fest.»Okay«, sagte ich.»Und jetzt raus hier.« Sie sahen einander an, dann in die Brandung hinunter.
«Na los. Wir reden noch drüber. Ich weiß, ihr wolltet nicht, dass sie stirbt. Und ihr habt mir das Leben gerettet.« Sie rappelten sich auf, hielten aber Abstand zu mir. Ihre Gesichter unter der Sonnenbräune waren bleich, ihre Augen voller Angst. Sie waren so jung. Für sie, Kinder des Kreditkartenzeitalters, war es unvorstellbar, dass jemand wegen zwei Dollar bis zum Tod kämpfen würde.
Und die Japanerin war so alt gewesen. Für sie, die sich mühsam mit wildem Senf durchschlug, hatten die zwei Dollars wahrscheinlich den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeutet.
Ich fragte mich, ob sie es je begreifen würden.
Jemima Shore am sonnigen Grab
von ANTONIA FRASER
Lady Antonia Fraser (* 1932), die in London geborene Tochter von Lord Longford, schloss ihr Geschichtsstudium am Lady Margaret Hall in Oxford mit dem Bachelor und Magister ab und wirkte als Herausgeberin der Reihe Kings and Queens of England beim Verlag Weidenfeld, bevor sie im Jahre 1956 Hugh Fraser heiratete. Sie schrieb zunächst Kinderbücher über König Arthur und Robin Hood, gefolgt von Dolls (1963; dt. Schöne Puppen) und A History of Toys (1966; dt. Spielzeug). Mit ihrem höchst erfolgreichen Werk Mary Queen of Scots (1969; dt. Maria, Königin der Schotten) wurde sie zur Bestsellerautorin im Bereich britischer Geschichte und Biografie. Es folgten Bücher über Cromwell, Jakob I., Karl II. und über die Ehefrauen Heinrichs VIII. Zu ihrem breiten literarischen Hintergrund gehören auch eine Übersetzung von Christian Diors Autobiografie aus dem Französischen, Hör- und Fernsehspiele sowie die Herausgabe von zahlreichen Lyrikanthologien. Nachdem ihre erste Ehe 1977 auseinander gegangen war, heiratete sie 1980 den Dramatiker Harold Pinter.
Mit Quiet as a Nun (1977) wandte sie sich der Kriminalliteratur zu; es war der erste Roman mit Jemima Shore, eine der ersten und erfolgreichsten Spürnasen aus der Welt des Fernsehjournalismus. In der überarbeiteten Ausgabe seiner Geschichte der Kriminalliteratur, Bloody Murder (1992), schrieb Julian Symons, man könne Fraser» mit Fug und Recht als feministische Autorin, allerdings auch als Vertreterin des anheimelnden, beschaulichen Krimis bezeichnen. Man merkt den Romanen an, mit welcher Freude sie geschrieben wurden, was einen sehr für sie einnimmt, doch ihre besondere Stärke liegt in den überaus klug konstruierten Plots, wobei mir Cool Repentance (1982) am brillantesten erscheint.« In» Jemima Shore am sonnigen Grab «zeigt die Aufklärung eines Rätsels, gepaart mit einer Spur Romantik vor einem exotischen Hintergrund die Autorin und ihre Hauptfigur in Hochform.
«This is your graveyard in the sun — «Der hoch gewachsene, junge Mann, der ihr den Weg verstellte, sang die Worte lässig, aber deutlich. Es dauerte einen Augenblick, bis Jemima Shore merkte, welche Botschaft er zur Melodie jenes berühmten Calypso intonierte. Sie trat einen Schritt zurück. Es war eine unheimliche und nicht besonders einladende kleine Parodie.