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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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„Margot, Sie sind schön, sinnberückend schön! Und all diese Pracht und Herrlichkeit sollte diesem Baron gehören? Bei Gott, eher stoße ich ihm den Degen in den Leib!“

Sie ließ ihm ihre Hände und antwortete:

„Bin ich wirklich so schön, Monsieur? Diese Schönheit hat uns alles gekostet, was wir besaßen, das Glück und das Vermögen; ich möchte sie missen und sie von mir werfen, wenn ich könnte.“

„Um Gottes willen, nein, Margot! Sie haben keine Ahnung, was Sie einem Mann sein können und werden. Ich muß mich ja abwenden, um dem Verlangen widerstehen zu können, Sie an mein Herz zu ziehen und dort festzuhalten, für das ganze Leben, für die ganze Ewigkeit, denn, wo Sie sind, da muß auch der Himmel und die Seligkeit sein!“

Sie trat zum Fenster, um es zu öffnen; er faßte sie bei der Hand und sagte:

„Bitte, nicht hier, Mademoiselle. Hier ist Licht, und man erblickt Sie von unten. Das muß man bei solchen Gelegenheiten zu vermeiden suchen. Gehen wir in den Salon, wo es dunkel ist. Dort können wir beobachten, ohne beobachtet zu werden.“

Sie folgte ihm. Der Lärm auf der Straße hatte sich verdoppelt. Die verschiedenartigsten Rufe durchkreuzten sich, und die Menge wogte hin und her wie ein aufgeregtes Meer. Königsau öffnete das Doppelfenster. Seine Anwesenheit ermutigte Margot, hinauszublicken; er tat dasselbe an ihrer Seite. Das Fenster war nicht allzu breit; sie hatten kaum Platz nebeneinander. Ihre schönen, vollen Formen, deren Wärme durch das dünne Gewand drang, legten sich an seinen Körper. Wenn er ihr nicht unbequem werden wollte, so durfte er den einen Arm nicht auf das Fenster legen. Aber wohin sonst? Er wagte es und legte ihn leise um ihren Leib. Sie fühlte es, sie zuckte leicht zusammen, aber sie duldete es.

So beobachteten sie eine ganze Weile schweigend das Menschengedränge. Da krachte ein Schuß. War es ein blinder gewesen, oder nicht? Jetzt ertönten vorn an der Straßenecke neue Stimmen.

„Es lebe die Republik! Nieder mit den Kaiserlichen!“

Ein neuer Schwarm von Menschen drängte sich zur Straße herein. Ihr Ruf sagte, wer oder was sie seien; es waren Republikaner. Da erscholl es von der anderen Seite:

„Es lebe der Kaiser! Nieder mit den Sansculotten!“

Und in der Mitte der Straße rief man:

„Es lebe Ludwig der Achtzehnte! Nieder mit den Kaiserlichen und den Sansculotten!“

Jetzt stießen die drei Parteien zusammen. Es entstand eine fürchterliche Balgerei. Ein gräßliches Brüllen und Schreien erfüllte die Straße; Schüsse detonierten, und an dem Schreien der Verwundeten hörte man, daß man auch die blanke Waffe gebrauchte.

„Hurra!“ rief es endlich. „Sieg Ludwig dem Achtzehnten! Plündert die Kaiserlichen und schlagt die Sansculotten tot!“

Die Anhänger Ludwigs hatten gesiegt. Man hörte jetzt Türen einschlagen und Fenster klirren; die Plünderung begann.

Margot hatte sich vom Fenster zurückgezogen. Sie zitterte vor Angst.

„Mademoiselle, gehen Sie zu Ihrer Mama!“ sagte Königsau. „Man weiß nicht, was geschehen kann.“

„Mein Gott“, antwortete sie, „mein Bruder ist als Bonapartist bekannt!“

„Wo wohnt er?“

„Er bewohnt die andere Hälfte der Etage.“

„Ist er daheim?“

„Nein. Er würde sich bei diesem Aufruhr auch nicht nach Hause getrauen.“

„Plünderung, Plünderung!“ ertönte es abermals von unten. Und eine Stimme fügte hinzu: „Hier ist Nummer zehn; hier wohnt der Kapitän!“

Man hörte, daß die Männer unten eindrangen.

„Sie kommen, mein Gott, sie kommen!“ rief Margot. „Drüben mögen sie immerhin plündern, wenn sie nur meine arme Mama verschonen!“

„Wenn sie einmal drüben beginnen, so kommen sie auch herüber. Sie tragen den Namen Ihres Bruders und müssen für ihn mitbezahlen. Man muß das zu verhüten suchen. Gehen Sie zu Ihrer Mama; ich werde mein möglichstes tun!“

Man hörte jetzt die kranke Frau ängstlich rufen; Margot eilte zu ihr. In diesem Augenblick donnerten auch schon heftige Schläge gegen die Vorsaaltür. Das Dienstmädchen hatte sich versteckt; Königsau sah sich ganz allein. Er ergriff mit der Linken ein Licht, lockerte mit der Rechten seine Pistole und die Degenklinge und öffnete dann die Tür. Draußen stand eine Menge wilder Gestalten, auch die Treppe war besetzt von ihnen.

„Was wollen Sie hier, Messieurs?“ fragte Königsau mit kräftiger Stimme.

Die Leute waren nicht wenig erstaunt, einen deutschen Offizier zu sehen. Sie wichen ein wenig zurück, und einer von ihnen antwortete:

„Wir suchen den Kapitän Richemonte.“

„Er wohnt nicht hier, sondern gegenüber.“

„So werden wir ihn dort aufsuchen!“

„Er ist nicht daheim.“

„Das tut nichts. Wir werden uns seine Meubles einmal ansehen.“

„Da kommen Sie zu einer recht ungewöhnlichen Stunde“, meinte Königsau lächelnd. „Übrigens, was kann ein Bonapartist für kostbare Meubles haben. Sie würden sich täuschen, Messieurs. Es liegt eine sehr kranke Dame hier; ich hoffe, Messieurs, daß Sie so galant sein werden, dies zu berücksichtigen.“

„Ihr hört es“, meinte der Sprecher zu den übrigen. „Wollen wir gehen?“

„Ja“, riefen viele, und „nein“, riefen noch mehrere.

Margot war einige Augenblicke lang bei ihrer Mutter gewesen, jetzt aber stand sie angstvoll im Hintergrund des Vorsaales, um den Ausgang der Unterhaltung abzuwarten. Sie sah Königsau draußen auf dem Korridor stehen. Das Licht in seiner Linken beleuchtete seine kräftige, männlich-schöne Gestalt.

„Ich habe das Wort Plünderung vernommen“, sagte er. „Ich bin überzeugt, daß kein Anhänger Ludwigs des Achtzehnten es ausgesprochen hat. Wir haben den Kaiser entfernt und unser Blut für euch vergossen, um euch den Frieden, nicht aber Raub und Plünderung zu bringen. Es lebe Ludwig der Achtzehnte; es lebe die Ordnung! Nieder mit den Räubern und Dieben! Das Volk von Frankreich besteht nicht aus Einbrechern, sondern aus ehrlichen Leuten!“

Das war ganz nach der Situation gesprochen.

„Es lebe Ludwig der Achtzehnte; es lebe die Ordnung!“ riefen die Leute nach. „Kommt, wir wollen gehen! Dieser brave Deutsche gibt uns unseren König wieder; er hat recht!“

Sie drehten sich um und verließen alle das Haus.

Als Königsau in den Vorsaal zurücktrat, erblickte er Margot. Ihre Augen leuchteten vor Freude und Bewunderung. Er hatte es gewagt – er, der einzelne, der verhaßte Deutsche, einer solchen Rotte zügelloser Menschen entgegenzutreten. Sie streckte ihm ihre beiden Hände entgegen und sagte:

„Dank, Monsieur, nehmen Sie Dank. Sie allein sind es, welcher uns errettet und befreit hat. Ich werde sogleich zur Mama gehen, um ihr zu melden, daß die Gefahr vorüber ist.“

Sie ging. Königsau stellte das Licht wieder in den Vorsaal und kehrte dann in den Salon zurück, um von neuem die Straße zu beobachten. Er hatte dort noch nicht allzu lange gestanden, so sagte ihm ein leichtes Rauschen, daß Margot hinter ihm stehe.

Er wendete sich um und wollte zur Seite treten, um sie an das Fenster zu lassen.

„Bleiben Sie, Monsieur“, sagte sie. „Wir haben beide Platz.“

„Es ist zu eng für zwei, die sich nicht lieben können“, warf er ein.

„Bleiben Sie immerhin“, antwortete sie. „Was Ihnen erlaubt war, darf wohl auch ich einmal wagen.“

Sie legte den einen Arm auf das Fensterkissen und stützte den anderen geradeso auf seine Hüfte, wie er es vorher bei ihr gemacht hatte. Es war ein namenlos seliges Gefühl, welches ihn bei dieser Berührung durchflutete. Ahnte sie, wie furchtbar wehe sie ihm vorhin getan hatte, und wollte sie das wiedergutmachen? Er ergriff ihr Händchen und zog ihren Arm, der um ihn lag, fester an. Sie ließ es geschehen.

„Fürchteten Sie nicht diese Leute, Monsieur?“ fragte sie.

„Fürchten? Ich hätte mit ihnen gekämpft, wenn sie nicht gegangen wären“, versicherte er.

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