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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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Auf dem dort stehenden Tisch sah man Gläser und volle Flaschen stehen. Blücher griff sofort nach einer der letzteren, entkorkte sie und schenkte ein.

„Zunächst einschenken“, sagte er. „Diese Franzosen sind ein ganz verfluchtes Volk und haben doch einen verteufelt guten Wein. Wie paßt das zusammen! Schon aus Ärger darüber könnte man sie in Kochstücke hauen. Prosit mein Sohn! Dieser Tropfen wird dir nicht in der Gurgel stecken bleiben.“

Er stieß mit dem Lieutenant an, setzte sich und fuhr dann fort:

„So! Nicht wahr, es ist gut? Nun setze dich zu mir und erzähle mir von der Revolte, welche du miterlebt hast. Wir haben noch einige Zeit.“

Königsau folgte diesem Befehl, indem er nur das berichtete, was er für notwendig hielt, ohne seine Herzensangelegenheit zu berühren. Während er erzählte, traten nacheinander mehrere Herren ein, welche ehrerbietig grüßten, und es nicht wagten, bei den beiden Platz zu nehmen, sondern durch eine zweite Tür verschwanden. Als er geendet hatte, sagte der Marschalclass="underline"

„Also ein Auflauf, wie er in Sodom und Gomorra öfters vorkommt. Für uns hat er nichts zu bedeuten, da die Demonstration nicht gegen uns gerichtet gewesen ist. Man ist dir sogar gehorsam gewesen. Für so einsichtsvoll habe ich noch keinen Franzosen gehalten. Dein Auftreten ist mutig und tadellos gewesen, mein Sohn. Ich muß dich loben. Wie aber bist du zu diesen Damen gekommen?“

„Wie man so Damenbekanntschaften zu machen pflegt, Exzellenz!“

„Na, wie denn?“ fragte Blücher.

Es ist bekannt, daß er zu den Bewunderern des schönen Geschlechtes zählt. Er hörte, daß der Lieutenant sich Mühe gab, bei seiner Antwort einen möglichst gleichgültigen Ton beizubehalten; er vermutete daher ein kleines Abenteuer und wollte sich die Erzählung desselben nicht entgehen lassen.

„Ich traf die Tochter auf der Straße“, antwortete er. „Sie wurde von einem Russen insultiert; ich nahm mich ihrer an und führte sie nach Hause. Infolgedessen erhielt ich von der Mutter die Erlaubnis, sie zu besuchen.“

Blücher nickte, machte ein höchst pfiffiges Gesicht und sagte:

„Verdammte Kerle, diese Russen! Wo sie eine Schürze oder eine hübsche Larve sehen, da fliegen sie in die Höhe wie Champagnerpfropfen. Also du sagst, daß er sie insultiert habe, mein Sohn? In welcher Weise ist dies denn geschehen?“

„Er bemächtigte sich ihres Armes.“

„Donnerwetter, da muß sie hübsch gewesen sein! Nicht?“

„Ich habe keine Veranlassung, es zu leugnen, Exzellenz.“

„Aha, nun ahne ich das übrige! Sie hat dich gefangen, alter Schwede!“

Königsau zuckte leicht die Achseln und schwieg verlegen.

„Hm!“ brummte Blücher. „Daß doch das junge Volk so geheimnisvoll und wichtig tut, als ob es sich um eine große, außerordentliche, politische Finesse handelte. Da sitzt der Kerl, zugeknöpft wie eine Sphinx und denkt nicht, daß der alte Blücher klug genug ist, den ganzen Kram zu erraten. Junge, ich bin auch einmal jung und dumm gewesen, ein echter, richtiger Windbeutel; ich bin den Mädels nachgelaufen, wie der Bauer den Maulwürfen, und habe manchen Kuß weggeschnappt, der eigentlich einem anderen gehört hätte. Jetzt bin ich alt und trocken wie Methusalem, aber ein paar schöne Augen sehe ich mir auch jetzt noch lieber an, als ein paar zerrissene Stiefel. Also kannst du mir getrost die Wahrheit sagen. Nicht wahr, ihr habt euch ganz gehörig ineinander verschameriert?“

Königsau sah sich in die Enge getrieben. Er durfte den Marschall nicht belügen; er sagte sich im Gegenteil, daß dieser als sein höchster Vorgesetzter Offenheit von ihm fordern und ihm außerordentlich nützlich sein könne; darum sagte er:

„Ja, es wird wohl nicht viel anders sein, Exzellenz.“

„Das läßt sich begreifen“, nickte der Alte. „Sie ist schön, wie du sagst, und auch du bist kein unebener Junge; da schnappt man rasch ein bißchen über. Aber einen guten Rat will ich dir geben, mein Junge: Herze sie; drücke sie; schmatze sie; soviel du willst, aber heirate sie um Gottes willen nicht!“

„Warum?“

„Das will ich dir sagen, Junge. Ich habe nämlich ein Haar darin gefunden, nein, nicht nur ein Haar, sondern einen ganzen alten Weiberzopf. Erst sind die Frauen mild und süß, ganz der reine Zucker; nach der Hochzeit aber geht der Teufel los und sie werden wie Alaun und Vitriol; es zieht einem die Gurgel zusammen. Den Hof magst du einer immerhin machen, aber nur ja keinen Heiratsantrag, sonst bist du verloren wie Tabaksasche. Du glaubst gar nicht, was für ein Volk diese Frauenzimmer sind! Ich tue mir immer eine Güte, wenn ich einer einmal so einen richtigen Puff versetzen kann. Vor langen Jahren verliebte ich mich einmal in eine hochadelige Dame; ich war perplex bis zum Rasendwerden. Sie spielte sehr gern und ich auch. Eines Abends gewann ich ihr mehrere tausend Taler auf Ehrenwort ab. Sie hatte große Angst vor ihrem Mann, der das ja erfahren und bezahlen mußte. Da sagte ich ihr, daß ich ihr das Geld schenken wolle, wenn sie mir einen Kuß gäbe. Was antwortete das Weib? Einiger tausend Taler wegen werfe sie sich nicht weg! Nun gut! Ich erhielt mein Geld, und die Zeit verging. Ich avancierte und wurde General, aber mit den Verhältnissen dieser Dame ging es retour. Sie wurde alt, aber das Spielen konnte sie nicht lassen. Eines schönen Abends gewann ich ihr wieder eine bedeutende Summe ab. Da sagte sie mir vor allen Leuten, daß sie jetzt bereit sei, den erbetenen Kuß zu geben, wenn ich ihr die Schuld quittieren wolle; ich aber antwortete ihr: ‚Nee, gnädige Frau; die Zeiten ändern sich; der Appetit auf Sie ist mir vergangen; ich schmatze keene alte Schachtel!‘ Du kannst dir denken, mein Sohn, was für ein Gesicht sie machte! Ich gebe dir mein Wort. Erst sind diese Weibsen der reine Honigseim, später jedoch wird Rindsgalle daraus. Nach der Hochzeit werden sie überständig und moderig; sie kriegen Risse, Knitter und Stockflecke; die Falten kommen, und die Haare fallen aus, und aus dem früheren Engel wird eine Klatschschwester, eine Vogelscheuche, ein Drache, ein Ungetüm, das Gift und Feuer speit. Darum verliebe dich, aber verheirate dich nicht, mein Sohn! Aber, du ziehest mir so ein wunderliches Gesicht! Junge, du bist doch nicht etwa schon auf den Leim gegangen?“

Königsau lachte und antwortete:

„Ich sitze fest, Exzellenz!“

„Alle Teufel, das ist dumm! Hast du ihr dein Wort gegeben?“

„Freilich!“

„Das ist noch dümmer! Armer Kerl, du kannst mich dauern! Ist sie reich?“

„Nein!“

„Kerl, du bist ein Esel!“

„Aber ein sehr glücklicher, Exzellenz!“

„Ja, das denkst du jetzt. Aber der hinkende Bote kommt hinterher und faßt dich beim Schopfe. Und nun gar eine Französin! Hättest du dich an eine Deutsche verschachert, so möchte es noch gehen, aber eine Mademoiselle, das ist zu dumm, mein Sohn: So ein Kerl wie du bist! Du brauchst nur die Hand auszustrecken, so hängen gleich elfhundert daran, und hier gehst du so traurig auf den Leim!“

Blücher schüttelte den Kopf; Königsau aber meinte in zuversichtlichem Ton:

„Es ist kein Leim, Exzellenz. Margot ist gut.“

„Gut? Hm! Wart's ab! Also Margot heißt sie?“

„Ja.“

„Na, der Name wenigstens klingt nicht übel! Aber sie ist arm, und du hast auch nichts. Was soll daraus werden?“

„Ich verkaufe mein Gut.“

Der Husar ließ sich diese Antwort entfahren, ohne daran zu denken, daß er damit das preisgab, was er gern verschweigen wollte.

„Dein Gut verkaufen?“ fragte Blücher erschrocken. „Warum? Das ist ja gar nicht nötig! Gerade, da du dich verheiraten willst, mußt du es behalten. Deine Gage ist ja nur eine Lappalie; dein Gut bringt dir einen Zuschuß; wovon willst du leben, wenn dieser wegfällt?“

Königsau blickte nachdenklich vor sich nieder und antwortete dann:

„Sie haben recht, Exzellenz, aber ich muß verkaufen; ich bin zu diesem Opfer gezwungen, und ich bringe es gern.“

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