Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen
- Автор: Кент Александер
- Год: 1980
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20072-9
- Переводчик: Wentzel Fritz
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen». Краткое содержание книги:
Von seinem luftigen Hochsitz auf der Saling rief Speke:»Sie haben sechs Leute, Sir, fünf Matrosen und einen Seesoldaten.»
Bolitho stand hinter den aufgerollten Enternetzen auf der Laufbrükke und beobachtete die sich langsam bewegenden Boote und die herumschwimmenden Reste von Peels Schiff: Treibgut, verbranntes Holz, vom Feuer geschwärzte Leinwand. Und Menschen, die so zerrissen und unkenntlich waren, daß sie augenblicklich tot gewesen sein mußten.
Er griff in die Wanten und hätte fast laut aufgeschrien, als sein wundes Bein gegen das eisenharte Stag stieß.
Eine Hand streckte sich ihm entgegen, und er erkannte Midshipman Penels, der ihn beobachtet hatte.»Lassen Sie mich, Sir.»
«Danke. «Bolitho stützte seinen Ellenbogen auf die Schulter des Jungen und wartete, daß der Schmerz abklang.
So hatte Damerum also doch noch, ohne es zu wissen, einen Rächer gefunden.
Er zwang sich, die auf und ab tanzenden Trümmer zu prüfen, die sich unter der starr vorausschauenden Galionsfigur teilten und beiderseits der Bordwände vorbeitrieben.
Hinter sich hörte er freudige Rufe der Seeleute, die einander gratulierten, daß sie die Flucht der Ajax verhindert hatten.
Penels sagte plötzlich schüchtern:»Sir, ich glaube, da hat sich etwas bewegt.»
Bolitho nahm sein Glas und folgte der Richtung, die Penels wies. Er sah die Trümmer eines gekenterten Bootes und eine lange Stenge, die an einem Ende wie ein Kreidestift abgebrochen war.
Daneben trieben einige Leichen, und einen Augenblick dachte er, Penels hätte sich etwas eingebildet oder ihm nur etwas Ermutigendes sagen wollen. Doch dann rief er:»Ich sehe es!«Es war nur ein Arm, der über die Stenge herumlangte. Aber er bewegte sich. Jemand, der überlebt hatte. Aber wer?
Er wurde nahezu von Panik ergriffen. Und in diesem kurzen Augenblick hatte das Schiff sich schon wieder um einige fünfzig Yards vorwärtsbewegt.»Kapitän Herrick! Ein Mann im Wasser, an Steuerbord. Die Jolle, schnell!»
Er fiel fast hin, als Penels unter seinem Ellenbogen davonschoß. Er sah nur noch das erschreckte Gesicht des Jungen, das aber auch einen plötzlichen Entschluß ausdrückte, bevor er auf das Schanzkleid geklettert und ins Wasser gesprungen war. Ehe Herrick verstand, was vorging, war Penels wieder aufgetaucht und schwamm mit schnellen Stößen auf die Stenge zu.
Bolitho sah, daß die Jolle ums Heck herumkam und der Boots-steurer fragend zu den Offizieren hochschaute.
Herrick machte ein Sprachrohr mit seinen Händen und rief:»Folgen Sie dem Jungen, Winslade. So schnell Sie können.»
Bolitho kehrte aufs Achterdeck zurück und wurde von Browne mit der Meldung empfangen: «Indomitable hat signalisiert, daß die Ajax versenkt wird, sobald wir aus dem Gefahrenbereich sind. Tut mir leid,
Sir.»
Loveys, der Schiffsarzt, huschte über das Achterdeck. Sein Gesicht hob sich kalkweiß von den Kanonen und ihren Bedienungsleuten ab.
Er sagte ruhig:»Das Boot kommt zurück, Sir. Ich nahm mir die Freiheit, ein Fernglas zu borgen. Es sind zwei Überlebende. «Sein Ton wurde weicher.»Der eine ist Mr. Pascoe.»
Bolitho drückte seinen Arm und eilte dann an ihm vorbei an die Reling, als das Boot vorsichtig längsseit kam.
Winslade, der Bootssteurer, wartete, bis einige Matrosen das Seefallreep herunterkamen und halfen. Er meldete:»Nur die beiden, Sir. «Er schluckte mehrmals, bevor er hinzusetzte:»Ich fürchte, wir haben den jungen Mr. Penels verloren, Sir. Ihn verließen die Kräfte, bevor er das Boot erreichte.»
Bolitho kam gerade in dem Augenblick an die Fallreepspforte, als zwei schlaffe Gestalten hindurchgereicht wurden. Den ersten erkannte er nicht, einen bezopften Matrosen, dessen einer Arm so übel verbrannt war, daß er nicht mehr mens chlich aussah.
Loveys war auf den Knien und tastete Pascoes Körper ab, während seine Gehilfen hinter ihm warteten. Mit ihren großen Schürzen sahen sie wie Schlächter aus.
Bolitho beobachtete, wie sich der Brustkorb seines Neffen mühsam hob und senkte, während ihm Seewasser unter den geschlossenen Wimpern hervorlief, als seien es Tränen. Seine Kleider waren ihm bei der Explosion vom Leibe gerissen worden, den der Arzt nun nach inneren Verletzungen abtastete.
Schließlich sagte Loveys:»Er ist jung und kräftig und scheint gesund. Jedenfalls ist nichts gebrochen. Er hat Glück gehabt. «Dann wandte er sich dem Matrosen zu und sagte:»Nun lassen Sie sich mal anschauen.»
Der Matrose murmelte undeutlich:»Ich hab' nichts gehört. Plötzlich schrie der Käpt'n was von Feuer. «Er schüttelte den Kopf und zuckte zusammen, als Loveys seinen verbrannten Arm berührte.»Plötzlich war ich tief unter Wasser. Im Untergehen. Ich kann nicht schwimmen, wissen Sie?«Er bemerkte Bolitho und Herrick und stammelte:»Verzeihung, Sir.»
Bolitho lächelte.»Macht nichts. Was geschah dann?»
«Unser Dritter Offizier, Sir, Mr. Pascoe, war auf einmal da und zog mich auf irgendein Stück Treibholz. Dann versuchte er das gleiche mit meinem Kumpel, dem Arthur. Aber der starb, bevor uns das Boot erreichte. Es waren nur noch Mr. Pascoe und ich, Sir. Alle anderen sind tot!»
Als der Matrose ins Schiffslazarett getragen wurde, öffnete Pascoe die Augen. Überraschenderweise lächelte er, als er mit schwacher Stimme sagte:»Ich bin doch zurückgekommen, Onkel. «Dann verlor er wieder die Besinnung.
XVII Das Hauptziel
Bolitho saß mit gezückter Feder an einem kleinen Tisch in der Kajüte vor seinem Bericht. Irgend jemand würde ihn lesen, dachte er grimmig; Logbücher und schriftliche Berichte schienen immer zu überleben, was auch geschah.
Ihm war so seltsam zumute, als ob er in einem verlassenen Haus säße. Das gesamte Mobiliar war in Räume unterhalb der Wasserlinie gebracht worden, und ohne daß er vom Tisch aufblickte, wußte er, daß die Bedienungen der nächststehenden Neunpfünder den Raum mit ihm teilten. Sämtliche Vorhänge waren abgenommen und das Schiff vom Bug bis zum Heck in Gefechtsbereitschaft versetzt worden, während es sich langsam wieder der dänischen Küste näherte.
Anders als Nelsons Flotte war Bolithos Geschwader während der Nacht unterwegs gewesen. Er hatte seine kleine Streitmacht in Kolonnen geteilt, weil sie auf diese Weise mehr sahen, als wenn sie in Kiellinie gesegelt wären. Matrosen und Seesoldaten hatten im ständigen Vierstundenwechsel Kriegswache geschoben und dazwischen ein paar Stunden neben ihren Kanonen ausgeruht, mit unverdünntem Rum und trockenem Hartbrot als einziger Ernährung. Das Kombüsenfeuer war aus Sicherheitsgründen schon lange gelöscht worden, denn innerhalb von Minuten mußte jedes Schiff des Geschwaders gefechtsbereit sein.
Bolitho las noch einmal durch, was er über Midshipman Penels, zwölf Jahre und neun Monate alt, geschrieben hatte, der am Tag zuvor in verzweifeltem Heldentum sein Leben geopfert hatte. Woran mochte der Junge zuletzt gedacht haben? An Pascoe, den er in die Affäre Babbage hineingezogen hatte? Oder an seinen Admiral, der sich seiner angenommen und ihn Browne zugeteilt hatte, als alle anderen nichts mehr von ihm wissen wollten?
Bolithos sorgfältig abgefaßter Bericht würde vielleicht der Mutter des Jungen helfen, wenn sie schließlich die Nachricht in Cornwall erhielt. Bolitho zweifelte nicht daran, daß auch Herrick es vermeiden würde, irgend etwas von Babbage zu erwähnen, um sie damit nicht zu belasten.
Allday trat an eine der offenen Stückpforten und lehnte sich hinaus, um aufs Wasser zu schauen, das kalt und grau im Licht des frühen Morgens dalag. Die Nicator, der Inchs Odin dichtauf folgte, stand in zwei Kabellängen Entfernung querab und brachte etwas Leben in die trübe Szene.
Er sagte:»Nicht mehr lange, Sir.»
Bolitho wartete, daß Yovell den Umschlag versiegelte, und erwiderte:»Nelsons Angriff wird in zwei Stunden beginnen, wenn alles programmgemäß verläuft. «Er blickte das Deck entlang, und da es keinen Vorhang mehr gab, konnte er vom Dunkel unter der Hütte bis zum Achterdeck hindurchschauen, auf dem lebhafte Tätigkeit herrschte.