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Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen

Электронная книга - «Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen». Краткое содержание книги:

1800 — Der Krieg England gegen Napoleon droht auf Dänemark überzugreifen. Konteradmiral Richard Bolitho operiert deshalb mit seinem Geschwader in der Ostsee, und zwar zugleich gegen Dänen, Russen und Franzosen. Besonders die Befreiung englischer Handelsschiffe bei Gotland und der Angriff auf Kopenhagen sind Bewährungsproben für das Flaggschiff «Benbow» und seinen jungen Admiral, der hier auch nach vielen Schicksalsschlägen wieder ein privates Glück findet.
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Herrick nickte und ging zum Steuermann hinüber, der sich nahe am Ruderrad aufhielt.»Klar zum Ankern im Verband, Mr. Grubb. «Wolfe rief er zu:»Nehmen Sie Fahrt aus dem Schiff. Lassen Sie Bram- und Großsegel bergen!»

Pfeifen zwitscherten, Kommandos dröhnten, und Männer eilten auf ihre Stationen, um die Segelfläche der Benbow zu verringern.

Bolitho beobachtete, wie sie zu den Bramrahen aufenterten oder Schläge von Belegnägeln lösten, während sie auf den nächsten Befehl vom Achterdeck warteten. Es gab kaum noch Unsicherheiten, auch nicht unter den jüngsten Matrosen und den gepreßten Leuten. >Män-ner, nicht Schiffe kämpften.< Herricks Ausspruch von vor sechs Monaten ging Bolitho nicht mehr aus dem Sinn.

Er bemerkte Midshipman Penels an den Kreuzwanten, fast hinter einem Bootsmannsmaaten und einigen Matrosen versteckt. Er bewe gte sich wie eine Marionette und zeigte wenig Interesse an den Vorgängen rundum. Herrick hatte Bolitho über den Inhalt seines Gespräches mit Pascoe unterrichtet, der versucht hatte, Penels zu verteidigen. Was dabei richtig oder falsch war, schien unwichtig im Vergleich zu dem, was ihnen in den nächsten Tagen bevorstand. Nur der unglückliche Tod von Babbage war eine nicht wegzudiskutierende Tatsache.

Herrick war in der Angelegenheit Penels ungewöhnlich hart gewesen.»Ungeeignet als künftiger Offizier. Ein Muttersöhnchen. Ich hätte ihn nie einstellen sollen.»

Bolitho verstand Herricks Haltung ebenso wie Pascoes impulsiven Entschluß, den Deserteur zurückzuholen. Herrick hatte es nicht leicht gehabt im Leben. Er kam aus einer unbemittelten Familie und hatte sich seinen Aufstieg ohne Protektion selber erkämpfen müssen. Weil er es geschafft hatte, liebte er die Marine, aber er war unerbittlich gegen andere, die nicht so zielbewußt und hart gegen sich selbst waren.

Als Bolitho Entschuldigungsgründe für Penels' Verhalten zu bedenken gab, hatte Herrick scharf erwidert:»Sehen Sie da drüben die Styx, Sir? Ihr Kommandant war in Penels' Alter, als wir gemeinsam die blutige Meuterei niederschlugen. Ich habe ihn dabei nicht nach seiner

Mama rufen gehört!»

Aber wie die Angelegenheit Penels auch ausgehen mochte, erst einmal würde der Junge die Anforderungen und Schrecken der bevorstehenden Schlacht durchstehen müssen wie jeder in der Flotte.

Bolitho kam zu einem Entschluß und winkte seinen Flaggleutnant heran.

«Sir?»

Mehr als alle anderen schien Browne durch das harte Leben auf See gewonnen zu haben. Der Kontrast zwischen Admiralität und der Offiziersmesse eines Kriegsschiffes war immerhin beachtlich.

«Es geht um den jungen Penels. Können Sie ihn in Ihrer Gruppe gebrauchen?»

Browne schien zunächst ablehnen zu wollen, besann sich dann aber.»Wenn es befohlen wird: ja. «Er lächelte milde.»Selbstverständlich könnte ich zu bedenken geben, daß ohne sein Zutun Babbage noch am Leben oder bestenfalls auf der Flucht wäre. Ihr Neffe wäre nicht gefordert worden, und Sie schließlich.»

«Was ist mit mir?»

«Ich nehme Penels, Sir. Mir ist gerade etwas eingefallen: Ohne die Herausforderung Ihres Neffen wären Sie nicht wie verrückt mit mir nach Portsmouth geritten. Und dann wäre Ihnen nicht eine gewisse Dame Hals über Kopf nachgereist.»

Bolitho mußte sich abwenden.»Zur Hölle mit Ihnen, Sie Frechdachs! Sie sind genauso schlimm wie mein Bootssteurer. Kein Wunder, daß Sir George Beauchamp froh war, Sie los zu sein!»

Browne lächelte hinter seinem Rücken.»Sir George liebt schöne Frauen, Sir. Er hat mich als Rivalen gefürchtet. Völlig zu unrecht, natürlich.»

«Natürlich. «Bolitho lächelte.»Es hätte mich auch gewundert.»

In schwerfälliger Prozession drehten die vier Linienschiffe in den Wind, um Anker zu werfen, während ihre kleineren Begleiter noch etwas weiter nach Luv segelten, bevor sie es ihnen nachtaten. Selbst hier, wo so viele Schiffe versammelt waren, durfte man nie die Wachsamkeit vernachlässigen.

Herrick ließ schließlich zufrieden sein Fernglas sinken.»Alle haben geankert, Sir.»

«Sehr schön, Thomas. «Sie entfernten sich etwas von möglichen

Zuhörern, bevor Bolitho fortfuhr:»Wenn es dämmert, lassen Sie Vorbereitungen zum Gefecht treffen, die Rahen mit Ketten sichern und Schutznetze über dem oberen Batteriedeck spannen. Nach Einbruch der Dunkelheit wird sich in der Meerenge sicher kaum etwas bewegen, aber ein einziges Fahrzeug könnte Alarm auslösen. Wir müssen auf alles gefaßt sein. Wenn das Schlimmste passiert und wir auf Grund laufen, müssen wir sehr fix mit dem Ausfahren des Warpankers und sonstigen Maßnahmen sein, um ohne Verzug wieder flott zu werden.»

Herrick nickte. Er war froh, daß er seine Ansichten und Sorgen besprechen konnte.»Der Boden der Benbow ist mit dem besten Kupfer beschlagen und hält viel aus, aber ich würde es doch nicht gern darauf ankommen lassen.»

Er hielt inne, als einige Männer mit Eimern voll Fett und Wagenschmiere an ihnen vorbeiliefen. Jeder Block, jede Talje, alle beweglichen Metallteile, vom Ankerspill bis zum Rudergeschirr, wurden damit eingeschmiert. Nachts an Deck eines Schiffes scheinen nur der Wind und die Segel Geräuschquellen zu sein, aber in Wirklichkeit sind es die quietschenden Blöcke oder sonstige schleifende Metallteile, deren Geräusch weit über das Wasser getragen wird.

Herrick sagte:»Sobald wir uns in Bewegung gesetzt haben, werden die Beiboote mit dem Loten beginnen. Wenn wir durch die Enge hindurch sind oder vorher angegriffen werden, werden sie zu ihren Schiffen zurückkehren, sofern sie dabei unseren weiteren Vormarsch nicht behindern. Anderenfalls kann die Styx sie später aufnehmen.»

Bolitho sah ihn forschend an. Selbst in dem schwachen Abendlicht waren Herricks Augen ungewöhnlich blau.»Ich glaube, wir haben an alles gedacht, Thomas. Für das Weitere wird uns Ihr sprichwörtliches Glück beistehen müssen.»

Herrick grinste.»Ich habe schon eine Wette darauf abgeschlossen.»

Eine Gestalt huschte wie ein Schatten an ihnen vorbei: Loveys, der Schiffsarzt. Bolitho fühlte einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen, als er sich erinnerte, wie Loveys damals mit starrem Blick in seiner offenen Wunde herumgestochert hatte.

Die Schiffsärzte des Geschwaders würden in wenigen Stunden sehr gefragt sein, dachte er grimmig. Er sagte:»Ich gehe in meine Kajüte. Vielleicht können Sie bald dazukommen?»

Herrick nickte.»Sobald die Leute gegessen haben, lasse ich >Klar Schiff zum Gefecht< anschlagen, Sir.»

Bolitho war einverstanden. Er hatte es den Kommandanten überlassen, wann sie ihr Schiff gefechtsbereit machten. Nichtsdestoweniger wußte er, daß Herrick es kaum zulassen würde, daß ein anderes Schiff dem Flaggschiff zuvorkam.

Die Kajüte wirkte größer als sonst, denn Ozzard hatte schon die meisten Möbelstücke in die Stauräume unterhalb der Wasserlinie getragen. In dem leeren Raum fühlte sich Bolitho immer unbehaglich. Es sah so verpflichtend, so endgültig aus.

Allday hatte den prächtigen Ehrensäbel heruntergenommen und war gerade dabei, den anderen mit einem weichen Tuch zu putzen.»Ich habe etwas zum Abendessen für Sie bestellt, Sir. Nichts Schweres.»

Bolitho setzte sich und streckte die Beine aus.»Beunruhigt Sie die Aussicht auf eine neue Schlacht nicht?»

«Doch, Sir. «Allday peilte an der Klinge entlang und nickte zufrieden.»Denn wo Ihre Flagge weht, ist es immer am dicksten, und darüber muß man sich mehr Sorgen machen als über ein paar blutige Nasen.»

Bolitho ließ Allday mit seinen kleinen Vorbereitungen fortfahren. Jetzt mußte die Kurierbrigg, wenn sie Glück gehabt hatte, in England angekommen sein. Noch ein Tag auf der Landstraße, und dann würde sein Brief endlich Herricks Haus in Kent erreichen, wo Belinda sich aufhielt.

Ozzard trat mit einem Tablett ein, über das ein Tuch gedeckt war. Er sagte:»Sie wollen gleich >Klar Schifft anschlagen, Sir. «Es klang ärgerlich wegen der Störung.»Aber Mr. Wolfe hat mir zugesichert, daß Ihre Kajüte so bleibt, wie sie ist, bis Sie fertig gegessen haben. «Er setzte das Tablett auf den Tisch.»Ich fürchte, es ist wieder Salzfleisch, Sir.»

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