Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
»Nun, so machen wir uns denn auf den Weg, um Jean und Kayette zu suchen!. Es ist kein Augenblick zu verlieren.«
»Gehen wir!« antwortete Herr Sergius.
Da Cornelia und Napoleone nicht in der Belle-Roulotte bleiben wollten, wurde diese in Clous Obhut zurückgelassen, und alle eilten über das Eisfeld dahin, während die beiden Hunde spähend vorausliefen.
Man ging schnellen Schrittes über den granitharten Schnee gen Westen hin. Wenn Wagram und Marengo auf die Fußspuren ihres jungen Herrn stießen, so würden sie dieselben gewiß erkennen. Aber nach Verlauf einer halben Stunde hatten sie noch immer nichts gefunden. Man mußte schließlich Halt machen, denn die intensiv eisige Luft erschwerte das Atemholen.
Das Eisfeld, das sich gegen Norden, Süden und Osten unabsehbar ausdehnte, war im Westen von einigen Höhen begrenzt, welche nicht die Form gewöhnlicher Eisberge hatten. Waren es etwa die Küstenumrisse irgend einer Insel oder eines Festlandes?
Plötzlich schlugen die Hunde heftig an und rannten auf eine weißliche Anhöhe zu, von der sich eine gewisse Anzahl schwarzer Punkte abhob.
Man eilte wieder vorwärts und bald sah Xander, daß jene Punkte menschliche Wesen waren und daß zwei von ihnen winkten.
»Jean!. Kayette!.« schrie er, hinter Wagram und Marengo herstürmend.
Es waren wirklich Jean und Kayette, heil und unversehrt!.
Sie waren nicht allein. Ein Trupp von Eingeborenen umgab sie, und diese Eingeborenen waren Bewohner der Liakhoff-Inseln.
V. Die Liakhoff-Inseln
Im nördlichen Eismeere befinden sich drei Inselgruppen, welche unter dem allgemeinen Namen »Neusibirien« bekannt sind und aus den Long-, den Anjou- und den Liakhoff-Inseln bestehen. Der letztere, dem asiatischen Festlande am nächsten gelegene Inselkomplex erstreckt sich zwischen dem dreiundsiebzigsten Grad und fünfundsiebzigsten Grad nördlicher Breite und dem einhundertfünfunddreißigsten Grad und einhundertvierzigsten Grad östlicher Länge insgesamt über einen Raum von neunundvierzigtausend Quadratkilometer und umfaßt unter andern die Kotelnii-, die Blinii-, die Malii- und die Belkoff-Insel.
Unfruchtbare Gebiete; kein Baum, kein Bodenprodukt, kaum ein schwacher Ansatz zur Vegetation während der wenigen Sommerwochen; nichts als seit der geologischen Formationsperiode angehäufte Walfisch- und Mammutknochen, eine Unmasse fossiles Holz - so sind die neusibirischen Inseln beschaffen.
Die Liakhoff-Inseln wurden zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts entdeckt.
Es war auf Kotelnii, der bedeutendsten und am südlichsten gelegenen Insel der Liakhossgruppe, daß die Belle-Roulotte nach einer Eisfahrt von vierzig Tagen, in denen sie eine Strecke von sechs- bis siebenhundert Meilen zurückgelegt hatte, gelandet war. Im Südwesten, an der sibirischen Küste, öffnete sich die weite Lenabucht, ein breiter Einschnitt, durch welchen die Wasser der Lena, eines der bedeutendsten Ströme Nordasiens, sich ins nördliche Eismeer ergießen.
Wie man sieht, ist diese Liakhossgruppe die Ultima Thule der Polar-Region unter diesen Längegraden. Jenseits derselben haben die Seefahrer bis an die unübersteigliche Grenze der Eisbarriere kein Land mehr erblickt. Fünfzehn Breitegrade höher hinauf liegt der Nordpol. Die Schiffbrüchigen waren also an die Grenzen der Welt getrieben worden, wenngleich sie sich unter einem minder hohen Breitegrad befanden, als es die Grade sind, unter welchen Spitzbergen und die nördlichsten Gegenden Amerikas liegen.
Im ganzen genommen hatte die Familie Cascabel, wenn ihr Weg auch ein viel nördlicherer als der anfangs geplante gewesen war, sich beständig dem europäischen Rußland genähert. Die seit der Abfahrt von Port-Clarence zurückgelegten Hunderte von Meilen hatten ihr weniger Anstrengung als Gefahr bereitet. Die Eisfahrt, die sie unter den gegebenen Verhältnissen gemacht, hatte ihr eine Reise durch Gegenden erspart, welche während des Winters fast unüberwindliche Schwierigkeiten boten. Und vielleicht würde man keinen Grund zur Klage gehabt haben, wenn ein letztes Mißgeschick Herrn Sergius und seine Gefährten nicht in die Gewalt der Liakhoff-Insulaner gebracht hätte. Würden sie ihre Freiheit bewahren, oder dieselbe später wieder zu erlangen vermögen? Das war zweifelhaft. Jedenfalls würden sie es bald erfahren, und wenn sie in dieser Hinsicht aufgeklärt waren, würde es noch immer Zeit sein, einen den Umständen entsprechenden Plan zu schaffen.
Die Kotelnii-Insel ist von einem Stamm finnischen Ursprungs bewohnt, der, Weiber und Kinder mit eingerechnet, zweihundertfünfzig bis dreihundert Seelen zählt. Diese Eingeborenen sind von widerlichem Äußern und gehören zu den am wenigsten civilisierten Völkerschaften des
Küstengebietes, den Tschuktschen, Jukaghiren und Samojeden. Ihre Götzenverehrung spottet jeder Beschreibung, trotz der aufopfernden Bemühungen der Herrnhuter Missionäre, welche den grenzenlosen Aberglauben und die räuberischen Instinkte der Neusibirier nimmer zu besiegen vermochten.
Die Hauptindustrie auf den Liakhoff-Inseln bildet der Fang der in diesen Seestrichen sehr zahlreichen Walfische und die Seehundsjagd, die hier fast ebenso ausgiebig wie auf der Beringinsel während der heißen Jahreszeit ist.
Der neusibirische Winter ist außerordentlich rauh und kalt. Die Eingeborenen wohnen oder verkriechen sich vielmehr in dunklen Löchern, die sie sich in die Schneemassen graben. Diese Löcher sind manchmal in Stuben abgeteilt, in denen es nicht schwer fällt, eine ziemlich hohe Temperatur zu erhalten. Was man hier brennt, ist fossiles, der Steinkohle ähnliches Holz, von dem sich auf diesen Inseln beträchtliche Lager vorfinden, abgesehen von den Walfischknochen, die ebenfalls als Brennmaterial benützt werden. Eine im Dache dieser Troglodytenhöhlen angebrachte Öffnung dient dem Rauche der äußerst primitiven Feuerstätten zum Ausgang. Auf den ersten Anblick scheint die Schneefläche über solchen Wohnungen Dämpfe emporzusenden wie eine Solfatara.
Was die Nahrung der Eingeborenen betrifft, so bildet das Fleisch von Renntieren deren Hauptbestandteil. Diese Wiederkäuer werden auf den Inseln und Inselchen der Liakhossgruppe in großen Rudeln gehegt. Auch die Elentiere dienen vielfach zur Nahrung; desgleichen die getrockneten Fische, von denen man einen großen Vorrat für den Winter aufzuspeichern pflegt. Auf diese Weise haben die Neusibirier keine Hungersnot zu fürchten.
Damals herrschte gerade ein Häuptling über die Liakhoff-Inseln, der sich Tschu-Tschuk nannte und bei seinen Unterthanen eines unbestrittenen Ansehens genoß. Einer absolutistisch-monarchischen Herrschaft unterworfen, weichen diese Eingeborenen wesentlich von den Eskimos RussischAmerikas ab, die in einer Art republikanischer Freiheit und Gleichheit leben. Auch stehen sie auf einer viel niedrigeren Stufe hinsichtlich ihrer wilden Sitten und unwirtlichen Gebräuche, über welche die Walfischfänger sich häufig zu beklagen haben. Ja! man würde mit herzlichem Bedauern an sie zurückdenken, die wackeren Leute von Port-Clarence!