Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Balkan hielt inne und blickte zu Lorlen auf. »Aber bevor ich Hauptmann Barran aufrufe, empfehle ich, Lady Vinara Gelegenheit zu geben, uns von den Ergebnissen ihrer Untersuchung zu berichten.«
Lorlen nickte. »Ich rufe Lady Vinara auf, das Oberhaupt der Heiler.«
Lady Vinara erhob sich und stieg anmutig die Treppe zwischen den Sitzreihen hinunter. Auch sie kniete vor dem König nieder und schwor, die Wahrheit zu sagen. Dann erhob sie sich und wandte sich mit ernster Miene an das Publikum.
»Nach meiner Ankunft in Lord Jolens Haus untersuchte ich die Leichen von neunundzwanzig Opfern. Sie alle wiesen keine anderen Verletzungen auf als einige wenige Kratzer und Prellungen am Hals. Sie waren weder erwürgt noch erstickt oder vergiftet worden. Lord Jolens Körper war unversehrt geblieben, das erste Zeichen, das mich auf die Todesursache hinwies. Bei meiner Untersuchung fand ich keinerlei Energie in seinem Körper, was mich zu der Schlussfolgerung führte, dass Lord Jolen entweder bei seinem Tod all seine Kraft verausgabt hatte oder sie ihm genommen worden war. Die Untersuchung der anderen Leichen bekräftigte, dass Letzteres der Fall gewesen sein musste. Alle Mitglieder seines Haushalts waren ihrer gesamten Lebensenergie beraubt worden, und da keiner von ihnen außer Lord Jolen sich vorsätzlich derart erschöpft haben konnte, blieb mir nur eine einzige Erklärung dafür.« Sie hielt inne, und ein grimmiger Ausdruck trat in ihre Augen. »Lord Jolen, seine Familie und die Diener sind durch schwarze Magie getötet worden.«
Bei dieser Enthüllung ging ein Raunen durch die Halle. Rothen schauderte. Es war nur allzu leicht, sich vorzustellen, wie Akkarin in das Haus schlüpfte, seinen Opfern auflauerte und sie tötete. Er blickte auf den Hohen Lord hinab, der Vinara mit ernster Miene betrachtete.
»Eine nähere Untersuchung von Lord Jolens Leichnam hat schwache blutige Fingerabdrücke am Hals ergeben«, fuhr die Heilerin fort. Sie sah zu Akkarin hinüber. »Außerdem habe ich dabei festgestellt, dass Lord Jolen etwas in der Hand hielt.«
Vinara wandte sich zur Seite und gab ein Zeichen. Ein Magier trat mit einer Schachtel herbei. Sie öffnete den Deckel und nahm ein Stück schwarzen Tuchs heraus.
Eine goldene Stickerei glänzte im Licht. Von dem Incal war noch genug übrig geblieben, um es als das des Hohen Lords zu erkennen. Das Knarren von Holz und das Rascheln von Roben füllte die Halle, als die Magier auf ihren Sitzen herumrutschten, und das Summen der Stimmen wurde lauter.
Vinara legte das Fetzchen Stoff auf den Deckel der Schachtel und übergab dann beides ihrem Assistenten. Der Mann kehrte zu seinem Platz am Rand der Halle zurück. Vinara wandte sich zu Akkarin um, der jetzt die Stirn runzelte, blickte dann über die Schulter und nickte Lorlen zu.
»Ich rufe Hauptmann Barran auf, den Kommandanten der Stadtwache«, sagte Lorlen.
Wieder senkte sich Stille über den Saal, als ein Mann in der Uniform der Wache hereinkam, vor dem König niederkniete und den Eid sprach. Rothen schätzte, dass der Mann etwa Mitte zwanzig sein musste. Der Rang eines Hauptmanns war sehr hoch für sein Alter, aber andererseits gab man auch den jüngeren Männern der Häuser bisweilen derartige Positionen, wenn sie sich als begabt und fleißig erwiesen.
Der Hauptmann räusperte sich. »Eine halbe Stunde vor Lord Balkans Eintreffen auf der Wache war eine junge Frau zu mir gekommen, die behauptete, den Mörder gesehen zu haben, der während der vergangenen Wochen in Imardin gewütet hat. Sie war, wie sie mir erzählte, auf dem Heimweg, nachdem sie eins der Häuser im Inneren Ring mit Obst und Gemüse beliefert hatte. Sie hatte noch den leeren Korb und eine Zutrittserlaubnis für diesen Teil der Stadt bei sich. Als sie an Lord Jolens Haus vorbeiging, hörte sie Schreie, die von dort kamen. Dann brachen die Schreie ab, und sie eilte weiter. Aber als sie bereits das nächste Haus erreicht hatte, hörte sie, wie hinter ihr eine Tür geöffnet wurde. Sie versteckte sich im Hauseingang und beobachtete von dort aus einen Mann, der aus dem Dienstboteneingang von Lord Jolens Haus trat. Dieser Mann trug schwarze Magierroben mit einem Incal am Ärmel. Seine Hände waren blutverschmiert, und er hatte eine geschwungene Klinge bei sich, deren Griff mit Edelsteinen besetzt war.«
Laute Rufe hallten durch den Raum, als die Magier der Gilde ihr Entsetzen zum Ausdruck brachten. Rothen nickte. Sonea hatte ihm das Messer beschrieben, das Akkarin benutzt hatte, als sie ihn vor so langer Zeit ausspioniert hatte. Lorlen hob die Hand, und der Lärm legte sich langsam.
»Was habt Ihr als Nächstes unternommen?«
»Ich habe mir ihren Namen nennen lassen und mir außerdem die Adresse des Lieferanten auf ihrem Zutrittsausweis notiert. Auf Eure Bitte hin habe ich am nächsten Tag nach der Zeugin gesucht. Ihr Dienstherr teilte mir mit, dass sie an jenem Morgen nicht zur Arbeit gekommen sei, und gab mir die Adresse der Familie. Ihre Familie war sehr besorgt, da die Frau in der vergangenen Nacht nicht nach Hause zurückgekehrt war.
Ich befürchtete, dass die Zeugin ermordet worden war«, fuhr Barran fort. »Später am Tag haben wir dann tatsächlich ihre Leiche gefunden. Ebenso wie Lord Jolen und viele der anderen Mordopfer, die ich während der letzten Wochen untersucht habe, wies sie bis auf eine flache Schnittwunde keine Verletzungen auf.«
Er hielt inne, und sein Blick irrte einen Moment lang zu Akkarin hinüber, der äußerlich ruhig und unbewegt geblieben war.
»Obwohl ich sie als die Zeugin identifizieren konnte, ließen wir zur Bestätigung ihre Familie ins Wachhaus kommen. Die Eltern erklärten, diese Frau sei nicht ihre Tochter, bestätigten jedoch, dass sie die Kleidung ihrer Tochter trug. Zu ihrem großen Kummer mussten sie feststellen, dass es sich bei einer anderen toten jungen Frau, die wir nackt und offenkundig erwürgt aufgefunden hatten, tatsächlich um ihre Tochter handelte. Außerdem haben wir eine weitere verwirrende Entdeckung gemacht: Die Zeugin trug ein Messer bei sich, das in allen Punkten ihrer Beschreibung der Waffe des Mörders entsprach. Unnötig zu sagen, dass all das gewisse Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin aufkommen lässt.«
Wieder wurde gedämpftes Murmeln in der Halle laut. Der Hauptmann blickte zu Lorlen auf. »Das ist alles, was ich Euch zu diesem Zeitpunkt berichten kann.«
Der Administrator erhob sich. »Wir werden eine Pause machen, in der Ihr Gelegenheit haben werdet, die Beweise zu untersuchen und Eure Meinung dazu zu äußern. Lady Vinara, Lord Balkan und Lord Sarrin werden mir Eure Ansichten mitteilen.«
Lautes Stimmengewirr folgte, als die Magier sich zu Gruppen zusammenfanden, um zu diskutieren. Yaldin wandte sich an Dannyl und Rothen.
»Das Messer wurde der Zeugin untergeschoben, nachdem sie getötet worden war.«
Dannyl schüttelte den Kopf. »Mag sein, aber warum sollte sie lügen, was ihre Identität betraf? Warum hat sie die Kleider einer anderen Frau getragen? Ist sie bestochen worden, den Platz jener anderen Frau einzunehmen, ohne zu ahnen, dass sie getötet werden sollte? Aber das würde bedeuten, dass das Ganze sorgfältig arrangiert worden ist.«
»Das ergibt keinen Sinn. Warum sollte Akkarin dafür sorgen, dass eine Zeugin ihn identifizieren konnte?«, fragte Yaldin.
Dannyl holte hastig Luft. »Für den Fall, dass es noch andere Zeugen gab. Wenn die Geschichte dieser einen Zeugin widerlegt werden konnte, würden alle anderen ebenfalls in Zweifel gezogen werden.«
Yaldin kicherte. »Entweder das, oder da draußen läuft ein schwarzer Magier herum, der versucht, Akkarin die Schuld an seinen Verbrechen zuzuschieben. Akkarin könnte unschuldig sein.«
Rothen schüttelte den Kopf.
»Du bist anderer Meinung?«, fragte Dannyl.
»Akkarin benutzt schwarze Magie«, erklärte Rothen.
»Das kannst du nicht wissen. Man hat Bücher über schwarze Magie in seinem Quartier gefunden«, erwiderte Dannyl, »aber das beweist noch nicht, dass er sie tatsächlich benutzt.«
Rothen runzelte die Stirn. Aber ich weiß, dass er genau das tut. Ich habe Beweise… ich… ich kann nur mit niemandem darüber reden. Lorlen hat mich gebeten, unsere Verwicklung in die ganze Angelegenheit geheim zu halten, und Sonea will, dass ich Lorlen helfe.