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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Während sie warteten, versuchte Sonea, Akkarins Stärke abzuschätzen. Während der zwei Wochen vor dem Kampf mit der Ichani hatte er von ihr selbst und von Takan Energie genommen. Sonea konnte nicht sagen, wie stark er zuvor gewesen war, aber der Kampf musste seinen Vorrat an Magie beträchtlich verringert haben. Er mochte immer noch die Stärke von mehreren Magiern zusammen haben, aber sie bezweifelte, dass er im Augenblick mächtig genug war, um gegen die ganze Gilde zu kämpfen. Und ich?

Seit sie die Energie der Ichani genommen hatte, war sie sich eines großen Zuwachses an Stärke bewusst, aber sie konnte nicht abschätzen, wie viel mehr an Kraft sie dadurch gewonnen hatte. Vermutlich war sie nicht so stark wie Akkarin. Er hatte den Kampf mit der Ichani gewonnen, bevor Sonea eingeschritten war, so dass die Ichani zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich schwächer gewesen sein musste. Akkarin hatte gewiss mehr Magie von dieser Frau abgezogen als Sonea.

Es sei denn, die Ichani hätte aus irgendeinem Grund den Anschein erweckt, schwächer zu sein, als sie es in Wirklichkeit war …

— Bringt sie her.

Lorlen klang nicht allzu glücklich. Osen stieß ein angewidertes Knurren aus, dann setzte er sich wieder in Bewegung. Die Eskorte folgte. Als sie sich der Universität näherten, begann Soneas Herz wieder zu rasen.

Vor dem Gebäude hatte sich eine große Zahl von Magiern eingefunden. Als Soneas Eskorte in Sicht kam, drehten sie sich um und traten dann auseinander, um den Weg zur Treppe freizugeben.

Akkarin stand mitten in der Eingangshalle. Bei seinem Anblick durchströmte sie ein Gefühl der Wärme. Als er sie entdeckte, spielte das vertraute, schwache Lächeln um seine Mundwinkel. Sie hätte beinahe ebenfalls gelächelt, zügelte sich jedoch, als sie die angespannten Gesichter der Magier um ihn herum sah.

Es herrschte großes Gedränge. Akkarins Eskorte bestand aus über fünfzig Magiern, die meisten von ihnen Krieger. Fast alle höheren Magier waren anwesend, und sie wirkten nervös und aufgebracht. Lord Balkans Miene war düster.

Jetzt trat Lorlen vor, um Akkarin zu betrachten.

»Ihr dürft gemeinsam hereinkommen«, sagte er in einem unüberhörbar warnenden Tonfall, »aber Ihr müsst so viel Abstand halten, dass Ihr einander nicht berühren könnt.«

Akkarin nickte, dann bedeutete er Sonea, näher zu kommen. Sie blinzelte überrascht, als ihre Eskorte zurücktrat, um ihr Platz zu machen.

Ein Raunen ging durch die Eingangshalle, als sie auf den Kreis der Magier zuging, die Akkarin umringten. Sie blieb neben ihm stehen, wählte ihre Position jedoch so, dass sie einander nicht die Hände hätten reichen können. Akkarin blickte zu Lorlen auf und lächelte.

»Also, Administrator, lasst uns feststellen, ob wir dieses Missverständnis ausräumen können.«

Er drehte sich um und setzte seinen Weg zur Gildehalle fort.

Rothen hatte sich noch nie so erbärmlich gefühlt. Der letzte Tag war der längste in seinem Leben gewesen. Er hatte die Anhörung gefürchtet, sah ihr jedoch gleichzeitig mit Ungeduld entgegen. Er wollte unbedingt Akkarins Entschuldigungen hören, und er wollte wissen, was Sonea dazu veranlasst hatte, ein Gesetz zu brechen. Außerdem wollte er Akkarin bestraft sehen für das, was er Sonea angetan hatte. Gleichzeitig fürchtete er den Augenblick, in dem Soneas Strafe verkündet werden würde.

Zwei lange Reihen von Magiern hatten sich quer durch die Gildehalle aufgestellt. Hinter ihnen standen, ebenfalls in zwei Reihen, die Novizen, bereit, ihren Lehrern wenn nötig ihre Stärke zur Verfügung zu stellen. Leises Stimmengewirr erfüllte den Raum, während alle Anwesenden darauf warteten, dass die Anhörung begann.

»Da kommen sie«, murmelte Dannyl.

Zwei Menschen traten in die Halle. Der eine trug schwarze Roben, der andere das Braun eines Novizen. Akkarin bewegte sich mit derselben Zuversicht wie immer. Sonea… ein Stich des Mitgefühls durchzuckte Rothen, als er sah, dass sie den Blick zu Boden gerichtet hielt, während ihr Gesicht Furcht und Verlegenheit widerspiegelte.

Die höheren Magier folgten mit grimmiger Miene. Als Akkarin und Sonea das Ende der Halle erreicht hatten, blieben sie stehen. Rothen stellte zufrieden fest, dass Sonea reichlich Abstand zu dem Hohen Lord hielt. Die höheren Magier gingen um die beiden herum und bildeten vor ihren Plätzen im vorderen Teil der Halle eine Reihe. Die übrigen Magier, die Akkarin und Sonea begleitet hatten, stellten sich im Kreis um die beiden Angeklagten auf.

Die anderen Magier und Novizen nahmen jetzt ihre Plätze zu beiden Seiten des Raums ein, und Rothen und Dannyl folgten ihrem Beispiel. Als alle saßen, schlug Lorlen auf einen kleinen Gong.

»Wir beugen die Knie vor König Merin, dem Herrscher von Kyralia«, rief er mit volltönender Stimme.

Sonea sah überrascht auf. Sie blickte zu der obersten der stufenförmig angelegten Sitzreihen hinauf, wo jetzt in Begleitung zweier Magier der König erschien. Er trug einen leuchtend orangefarbenen Umhang aus schimmerndem Tuch, das über und über in Gold mit dem Symbol des königlichen Mullook bestickt war. Über der Brust hatte er eine riesige, goldene Mondsichel hängen, das Abzeichen des Königs.

Als sich sämtliche Mitglieder der Gilde auf ein Knie niederließen, behielt Rothen Sonea genau im Auge. Sie blickte zu Akkarin hinüber, und als sie sah, dass er ebenfalls niederkniete, folgte sie seinem Beispiel. Dann blickte sie wieder zum König auf.

Rothen erriet, was sie dachte. Dies war der Mann, der alljährlich die Säuberung befahl, der Mann, der vor zweieinhalb Jahren ihre Familie und ihre Nachbarn aus ihren Häusern hatte vertreiben lassen.

Der König ließ den Blick durch den Raum wandern, dann starrte er mit undeutbarer Miene auf Akkarin hinab. Einen Moment lang sah er zu Sonea hinüber, und sie senkte den Kopf. Solchermaßen zufrieden gestellt, trat er zurück und setzte sich auf seinen Stuhl.

Nach einer kurzen Pause erhoben sich die Magier wieder. Die höheren Magier nahmen ihre Plätze in den vorderen Sitzreihen ein. Akkarin erhob sich erst, als wieder Ruhe eingekehrt war.

Lorlen sah sich in der Halle um, dann nickte er. »Wir haben heute diese Anhörung einberufen, um ein Urteil über Akkarin, den Hohen Lord der Magiergilde, und Sonea, seine Novizin, zu fällen. Akkarin aus der Familie Delvon, Haus Velan, wird des Mordes an Lord Jolen aus dem Hause Saril beschuldigt sowie an dessen Familie und Dienern. Außerdem ist er angeklagt, schwarze Magie studiert und ausgeübt zu haben. Sonea ist angeklagt, sich Kenntnisse der schwarzen Magie angeeignet zu haben. Diese Verbrechen sind von äußerst schwerwiegender Art. Die Beweise, die die Anklage stützen, werden uns im Laufe der Anhörung vorgelegt werden. Ich rufe als ersten Sprecher Lord Balkan auf, das Oberhaupt der Krieger.«

Balkan erhob sich von seinem Platz und ging nach unten. Dann wandte er sich dem König zu und ließ sich auf ein Knie sinken.

»Ich schwöre, dass alles, was ich bei dieser Anhörung vorbringe, der Wahrheit entsprechen wird.«

Der König hörte mit ausdrucksloser Miene zu und reagierte mit keiner Geste auf Balkans Worte.

Der Krieger straffte sich und sah jetzt die versammelten Magier an.

»Vorgestern Nacht fing ich einen schwachen Ruf von Lord Jolen auf. Es war offenkundig, dass er sich in irgendwelchen Schwierigkeiten befand. Als ich keine Verbindung zu ihm herstellen konnte, habe ich das Haus seiner Familie aufgesucht.

Bei meiner Ankunft fand ich Lord Jolen und alle Mitglieder seines Haushalts tot vor. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind, ob Familie oder Dienstboten, war ums Leben gekommen. Bei näherer Untersuchung fand ich Beweise dafür, dass der Mörder durch das Fenster in Lord Jolens Arbeitsraum eingedrungen war, möglicherweise in der Absicht, Lord Jolen zu seinem ersten Opfer zu machen.

Ich habe die Leichen nicht untersucht, um die Todesursache zu ermitteln, sondern diese Aufgabe Lady Vinara überlassen. Als sie eintraf, habe ich mich zur Stadtwache begeben, Dort erfuhr ich, dass Hauptmann Barran, der die jüngste Mordserie in der Stadt untersucht, soeben eine Zeugin des Verbrechens befragt hatte.«

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