Watership Down. Unten am Fluß
- Автор: Адамс Ричард
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Watership Down. Unten am Fluß». Краткое содержание книги:
Auch der Zeichentrickfilm von Martin Rosen mit dem Titelsong von Art Garfunkel wurde ein weltweiter Erfolg.
Der Autor
Richard Adams, 1920 in Berkshire geboren, studierte in Oxford Literatur und Geschichte. Auf den häufigen Fahrten zwischen seiner Londoner Wohnung, seinem kleinen Landhaus in den Downs südwestlich von London und Stratford-on-Avon unterhielt er seine Töchter Juliet und Rosamond mit Geschichten über Kaninchen und begann schließlich, sie aufzuschreiben. Nach dem Welterfolg von Watership down - Unten am Fluß hat Richard Adams seine Tätigkeit beim englischen Amt für Umweltschutz aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er lebt mit seiner Familie auf der Insel Man.
Aus dem Englischen von Egon Strohm.
Von seinen drei Begleitern war nur Silver munter und unversehrt. Buckthorn war im Gesicht verwundet, und Strawberry zitterte und war offensichtlich krank vor Erschöpfung. Sie hatten keine anderen Kaninchen bei sich.
26. Fiver
Auf dieser furchtbaren Reise, nachdem der Shaman durch dunkle Wälder und über große Bergketten gewandert ist,... erreicht er eine Öffnung im Boden. Die schwierigste Phase des Abenteuers beginnt jetzt. Die Tiefen der Unterwelt öffnen sich vor ihm.
Uno Harva, zitiert von Joseph Campbell in The Hero with a Thousand Faces
Fiver hatte sich auf dem Boden des Baus ausgestreckt. Die Downs lagen immer noch in der starken, hellen Nachmittagshitze. Tau und Sommerfäden waren früh von den Gräsern getrocknet, und die Finken vom Vormittag waren in Schweigen versunken. Über der weiten Fläche des borstigen Rasens zitterte die Luft. Auf dem Fußpfad, der an dem Gehege vorbeiführte, rieselten und glitzerten helle Lichtfäden wie Wasser - eine Luftspiegelung - über sehr kurzes, sehr weiches Gras. Aus der Ferne schienen die Bäume am Rande des Buchenhanges voll großer dichter Schatten, undurchdringlich für das geblendete Auge. Das einzige Geräusch war das »Zip, zip« der Heuschrecken, der einzige Geruch der nach warmem Thymian.
Im Bau schlief Fiver und erwachte durch die Hitze des Tages in unbehaglichem Gefühl, fuchtelte herum und kratzte sich, als die letzten Spuren von Feuchtigkeit aus der Erde über ihm austrockneten. Einmal, als pulverige Erde vorn Dach herunterrieselte, sprang er aus dem Schlaf auf und war schon in der Mündung des Laufes, ehe er zu sich kam und an seinen Platz zurückkehrte. Jedesmal, wenn er erwachte, erinnerte er sich an Hazels Fehlen und erlitt wieder die Qual der Erkenntnis, die ihn durchbohrt hatte, als das schattenhafte, hinkende Kaninchen im ersten Morgenlicht auf dem Hügelland verschwunden war. Wo war dieses Kaninchen jetzt? Wohin war es gegangen? Er begann, ihm auf den verschlungenen Pfaden seiner Gedanken über die kalte, taunasse Hügelkette und in den Frühnebel der darunterliegenden Wiesen zu folgen.
Der Nebel wirbelte um Fiver, als er durch Disteln und Nesseln kroch. Jetzt konnte er das hinkende Kaninchen vor sich nicht mehr sehen. Er war allein und hatte Angst und nahm doch alte, vertraute Geräusche und Gerüche wahr - die des Geländes, wo er geboren war. Das dichte Unkraut des Sommers war verschwunden. Er befand sich unter den kahlen Eschenästen und dem blühenden Schlehdorn des März. Er überquerte den Bach, ging den Hang hinauf zum Feldweg, zu der Stelle, wo Hazel und er auf die Anschlagtafel gestoßen waren. Ob die Tafel noch da war? Er blickte furchtsam den Hang hinauf. Die Sicht war vom Nebel verhangen, aber als er dem Gipfel näher kam, sah er einen Mann mit einem Haufen Werkzeugen beschäftigt - einem Spaten, einem Strick und anderen, kleineren Geräten, deren Verwendungszweck er nicht kannte. Die Anschlagtafel lag auf dem Boden. Sie war kleiner, als er sie in Erinnerung hatte, und an einem einfachen, langen viereckigen Pfosten befestigt, der am unteren Ende spitz zulief, um in die Erde gesteckt zu werden. Die Oberfläche der Tafel war weiß, genau, wie er es vorher gesehen hatte, und bedeckt mit scharfen schwarzen Linien wie Stöcke. Fiver kam zögernd den Hang hinauf und blieb dicht neben dem Mann stehen, der in ein tiefes, enges, zu seinen Füßen in den Boden gegrabenes Loch hinunterblickte. Der Mann drehte sich zu Fiver mit jener Liebenswürdigkeit um, die ein Ungeheuer seinem Opfer gegenüber zu zeigen pflegt, von dem beide wissen, daß er es töten und fressen wird, sobald es ihm paßt.
»Ha? Und was tue ich hier, hm?« fragte der Mann.
»Was tust du wirklich?« antwortete Fiver glotzend und vor Angst zuckend.
»Ich stell' die Anschlagtafel hier auf«, sagte der Mann. »Und ich nehm' an, du willst wissen, weshalb, hä?«
»Ja«, flüsterte Fiver.
»Es is' für den alten Hazel«, sagte der Mann. »Nur, wie es is', müssen wir ein bißchen 'ne Mitteilung aufstellen, seinetwegen, siehste? Und was glaubst du wohl, sagt sie, hä?«
»Ich weiß nicht«, erwiderte Fiver. »Wie - kann eine Tafel überhaupt etwas sagen?«
»Tja, aber sie tut's, siehste?« antwortete der Mann. »Da wissen wir was, was du nicht weißt. Deshalb bringen wir euch um, wenn es uns paßt. Jetzt mußte dir diese Tafel da genau ansehn, und dann wirste wahrscheinlich mehr wissen, als was de jetzt weißt.«
In dem fahlen, nebligen Zwielicht starrte Fiver die Tafel an. Als er hinstarrte, flimmerten die schwarzen Stöcke auf der weißen Oberfläche. Sie hoben ihre scharfen, keilförmigen kleinen Köpfe und plapperten miteinander wie ein Nest voll junger Wiesel. Der Ton, spöttisch und grausam, drang schwach an seine Ohren, wie durch Sand oder einen Sack gedämpft. »Zum Andenken an Hazel-rah! Zum Andenken an Hazel-rah! Zum Andenken an Hazel-rah! Ha ha ha ha ha!«
»Nun, das hätten wir, siehste?« sagte der Mann. »Und ich muß ihn an dieser Tafel hier aufhängen. Das heißt, sobald ich sie richtig aufgestellt hab'. Genau wie du hängen würdest, Tölpel. Ah! Ich werd' ihn aufhängen.«
»Nein!« rief Fiver. »Nein, das wirst du nicht!«
»Bloß, daß ich ihn nich' hab'«, fuhr der Mann fort. »Deshalb kann ich's nicht, Ich kann ihn nich' aufhängen, weil er in das verdammte Loch hinunter is', da is' er hin. Er is' das verdammte Loch hinunter, genau als ich ihn gesehen hatt' und so was alles, und ich kann ihn nicht rauskriegen.«
Fiver kroch bis zu den Stiefeln des Mannes hin und guckte in das Loch. Es war rund, ein Zylinder aus gebrannter Töpferware, der senkrecht im Boden verschwand. Er rief: »Hazel! Hazel!« Tief unten im Loch bewegte sich etwas, und er wollte schon wieder rufen, da bückte sich der Mann und schlug ihn zwischen die Ohren.
Fiver zappelte in einer dichten Wolke von weicher, pudriger Erde. Jemand sagte: »Ruhig, Fiver, ruhig!« Er setzte sich auf. Erde war in seinen Augen, Ohren und Nüstern. Er konnte nicht riechen. Er schüttelte sich und sagte: »Wer ist da?«
»Blackberry. Ich wollte sehen, wie es dir geht. Es ist alles in Ordnung; ein bißchen vom Dach ist herabgefallen, das ist alles. Es hat heute Einstürze im ganzen Gehege gegeben - es ist die Hitze. Auf jeden Fall hat es dich aus einem bösen Traum geweckt, wenn mich nicht alles trügt. Du hast um dich geschlagen und nach Hazel gerufen. Armer Fiver! Wie traurig, daß das passieren mußte! Wir müssen es, so gut wir können, tragen. Wir müssen alle eines Tages aufhören zu rennen. Man sagt, Frith kenne alle Kaninchen, jedes einzelne.«
»Ist es Abend?« fragte Fiver.
»Noch nicht, nein. Aber es ist gut nach ni-Frith. Holly und die anderen sind zurückgekommen. Strawberry ist sehr krank, und sie haben keine Weibchen mit - nicht eines. Alles ist so schlimm, wie es nur sein kann. Holly schläft noch - er war völlig erschöpft. Er sagte, er werde uns heute Abend berichten, was passiert ist. Als wir von dem armen Hazel erzählten, sagte er - Fiver, du hörst ja gar nicht zu. Ich nehme an, dir wäre es lieber, wenn ich still wäre.«
»Blackberry«, sagte Fiver, »kennst du die Stelle, wo Hazel erschossen wurde?«
»Ja, Bigwig und ich sahen uns den Graben an, ehe wir fortgingen. Aber du darfst nicht -«
»Könntest du jetzt mit mir hingehen?«
»Zurück? O nein. Es ist ein langer Weg, Fiver, und was würde es nützen? Das Risiko und diese furchtbare Hitze, und du würdest dich nur unglücklich machen.«
»Hazel ist nicht tot«, sagte Fiver.
»Doch, die Männer brachten ihn weg. Fiver, ich habe das Blut gesehen.«
»Ja, aber du hast nicht Hazel gesehen, weil er nicht tot ist, Blackberry. Du mußt tun, worum ich dich bitte!«
»Du verlangst zuviel.«
»Dann werde ich allein gehen müssen. Aber was ich dich zu tun bitte, ist, mitzukommen und Hazels Leben zu retten.«
Als Blackberry schließlich widerwillig nachgegeben hatte und sie sich den Hügel hinunter auf den Weg machten, lief Fiver fast so schnell, als renne er in Deckung. Immer wieder drängte er Blackberry, sich zu beeilen. Die Wiesen lagen leer in dem grellen Licht. Jedes Geschöpf, das größer als ein Brummer war, suchte Schutz vor der Hitze. Als sie die Außenschuppen neben dem Feldweg erreichten, erklärte Blackberry, wie er und Bigwig zurückgegangen waren, um zu suchen, aber Fiver unterbrach ihn.