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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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Sophiechen, die immer noch oben aus ihrer Bettdecke herauslugte, erblickte plötzlich vor sich einen hohen Felsenberg. Dunkelblau war dieser Berg, und darüber funkelte und glitzerte ein leuchtender Himmel. Goldene Pünktchen schimmerten zwischen hauchzarten, schneeweißen Schäfchenwolken. Und da brach an einer Stelle die Morgensonne hervor - eine feurige Kugel so rot wie Blut.

Am Fuße des Berges machte der Riese halt. Er schnaufte gewaltig. Sein mächtiger Brustkasten pumpte und keuchte. Er brauchte dringend eine Verschnaufpause.

Genau vor ihnen lag, wie Sophiechen erkennen konnte, ganz dicht an der Flanke des Berges ein wuchtiger runder Stein. So groß wie ein Haus war der. Der Riese streckte die Hand aus und rollte den Stein so leicht auf die Seite, als ob es ein Fußball wäre: Wo vorher der Stein gelegen hatte, tat sich nun ein ungeheures schwarzes Loch auf. Das Loch war so groß, daß der Riese nicht einmal den Kopf einziehen mußte, als er da hineinging. Er schritt in die schwarze Öffnung hinein und hatte noch immer in der einen Hand das Bündel mit Sophiechen und in der andern die Trompete und den Koffer.

Kaum war er drinnen, machte er kehrt und wälzte den großen Stein wieder an die alte Stelle zurück, so daß der Eingang zu seiner versteckten Höhle von außen nicht zu entdecken war.

Jetzt war der Höhleneingang dicht zugeschlossen. Im Bauch des Berges herrschte kohlrabenschwarze Nacht. In der Höhle war es vollkommen dunkel. Sophiechen merkte, wie sie auf den Boden niedergelassen wurde. Dann ließ der Riese die Deckenzipfel ganz los. Seine Schritte entfernten sich. Sophiechen saß im Dunkeln da und zitterte vor Angst.

Jetzt wird er mich gleich auffressen, sagte sie sich. Wahrscheinlich verschlingt er mich roh, grad so wie ich bin. Oder kocht er mich vorher?

Oder brät er mich etwa? Wirft er mich etwa wie eine Bratwurst in seine riesige Pfanne, in der das brutzelnde Fett nur so zischt?

Plötzlich ging das Licht an. Alles war hell erleuchtet, so daß Sophiechen blinzeln mußte.

Schließlich konnte sie erkennen, wo sie war. Sie sah eine gigantische Höhle, die hoch, hoch oben eine Decke aus Felsgestein hatte.

Ringsherum an den Wänden standen endlose Regale, und auf den Regalen standen endlose Reihen von Gläsern. Gläser, Gläser, überall Gläser. In den Ecken waren ganze Türme von Gläsern aufgestapelt. In jeder Ecke, in jedem Winkel standen sie.

Mitten in der Höhle erhob sich fast vier Meter hoch ein klobiger Tisch und daneben ein ebenso klobiger Stuhl.

Der Riese zog seinen schwarzen Mantel aus und hängte ihn an die Wand.

Sophiechen sah, daß er unter seinem Mantel so etwas wie ein Hemd ohne Kragen anhatte, darüber eine gammelige alte Lederweste, die anscheinend sämtliche Knöpfe verloren hatte. Seine Hose war wohl einmal grün gewesen und hing viel zu kurz an seinen Beinen herunter. Seine nackten Füße staken in völlig verrückten Sandalen, die aus irgendeinem Grunde auf beiden Seiten Löcher hatten und vorne ein großes Loch, aus dem die Zehen herausschauten. Sophiechen hockte in ihrem Nachthemd auf dem Höhlenboden und starrte durch ihre dicke Nickelbrille den Riesenkerl an. Sie zitterte am ganzen Leib wie Espenlaub, und ein eisiger Schauder kroch ihr den Rücken hinauf und hinunter.

«Ha!» brüllte der Riese, kam näher und rieb sich die Hände. «Was ist das da?» Seine dröhnende Stimme brach sich an den Wänden der Höhle wie Donnergrollen.

Der GuRie

Der Riese schnappte sich mit einer Hand die bibbernde kleine Sophie, trug sie quer durch die Höhle und legte sie auf den Tisch.

Jetzt ist es soweit, jetzt frißt er mich auf, dachte Sophiechen. Der Riese setzte sich auf den Stuhl und besah sich Sophiechen ganz genau.

Er hatte wirklich wahnsinnig große Ohren. So groß wie das Rad eines Lastwagens. Und anscheinend konnte er sie nach vorne und nach hinten klappen, wenn er wollte. «Hunger!» brüllte der Riese. Ein Grinsen verzog sein Gesicht und ließ starke breite Zähne aufblitzen. Diese Zähne waren sehr weiß und sehr breit und bevölkerten seinen Mund wie riesengroße Toastbrotscheiben. «B... b... bitte, bitte, friß mich nicht auf!» stotterte Sophiechen.

Der Riese brach in krachendes Lachen aus. «Weil ich ein Riese bin, denkst du, ich bin ein Menschenfresser, ich bin ein Kanniballer, denkst du», schrie er. «Hast recht! Riesen sind alle Kanniballer, sind alle richtige Totmacher! Ja, sie fressen würglich menschliche Leberwesen. Wir sind jetzt im Riesenland! Hier ist alles voll von Riesen! Draußen da ist ein Riese mit dem bekannten Namen Knochenknackerriese! Der Knochenknackerriese knackt jeden Abend zwei leckrige schleckrige menschliche Leberwesen. Das Krachen tut weh in den Ohren! Das Krachen vom Knochenknacken, immer kchch, kchch, kannst du von ganz weit weg hören!»

«Ojemine!» sagte Sophiechen.

«Der Knochenknackerriese mag nur menschliche Leberwesen aus Spanien», sagte der Riese. «Jede Nacht geht der Knochenknackerriese galoppgalopp nach Spanien und holt sich Spanier.»

Sophiechen fühlte sich plötzlich in ihrer Ehre gekränkt durch diese Worte. Beleidigt platzte sie heraus: «Wieso Spanier? Und warum nicht wir?»

«Der Knochenknackerriese sagt, Spanier schmecken immer viel mehr saftig und delikateßbar. Der Knochenknacker sagt, spanische Leberwesen haben einen ersteklas-se Geschmack. Er sagt, Spanier schmecken nach Spanferkel.»

«Sehr wahrscheinlich schmecken sie wirklich so», sagte Sophiechen.

«Na klar tun sie das!» brüllte der Riese. «Alle menschlichen Leberwesen sind verschieden. Manche sind schlek-kerlecker, und manche sind igittigitt. Griechische Leberwesen sind voll mit Igittigitt. Kein Riese mag griechische Leberwesen fressen. Niemals.» «Und warum nicht?» fragte Sophiechen. «Griechische Leberwesen aus Griechenland schmecken gräßlich nach Griebenschmalz», sagte der Riese. «Ja, das könnte wohl so sein», sagte Sophiechen. Insgeheim fragte sie sich (und zitterte dabei), warum der Riese soviel über Menschenfresserei redete und was er damit am Ende im Sinn hatte. Aber egal, was kam - sie mußte einfach mitmachen bei allem, was dieser komische Riese tat, und mußte seine Witze witzig finden.

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