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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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Aber waren seine Witze denn überhaupt witzig gemeint? Und was, wenn der große Kerl andauernd vom Essen redete, um Appetit zu kriegen?

«Das sage ich dir», fuhr der Riese fort, «alle menschlichen Leberwesen haben verschiedene Geschmäcker. Zum Beispiel schmecken menschliche Leberwesen aus Panama ganz doll nach Strohhut.» «Warum das denn?» fragte Sophiechen. «Du bist aber nicht sehr viel klug», sagte der Riese und wedelte dabei mit seinen gewaltigen Ohren. «Ich hab immer gedenkt, alle menschlichen Leberwesen sind voll Grips. Aber dein Kopf ist leer wie ein Luftballon.» «Magst du Kinder gern?» fragte Sophiechen und wollte ganz vorsichtig das Gespräch auf weniger gefährliche Dinge bringen.

«Du willst ja nur von was anderem reden», sagte der Riese tadelnd. «Wir diskutieren jetzt das interessante Thema: Wie schmecken menschliche Leberwesen? Ob ich Kinder gern mag, hat doch damit nichts zu tun, wie menschliche Leberwesen schmecken!»

«Aber Kinder sind doch auch menschliche Lebewesen», sagte Sophiechen.

«Aber nie im Leben sind Kinder menschliche Leberwesen!» sagte der Riese. «Menschliche Leberwesen sind doch viel größer als Kinder.»

Sophiechen sagte jetzt lieber nichts mehr. Denn in Wut bringen wollte sie den Riesen auf gar keinen Fall. «Menschliche Leberwesen», fuhr der Riese fort, «die gibt es in Tausendmillionen Geschmäckern, und alle sind verschieden. Zum Beispiel sind menschliche Leberwesen aus Berlin schön weich und fett und haben innen drinnen einen Klacks rote Mammilade. Berliner sind ganz was Süßes.» «Ach, du meinst Berliner Pfannkuchen!» sagte Sophiechen. «Die Berliner sind aber doch nicht dasselbe wie die Leute aus Berlin!»

«Berlin bleibt Berlin, und Berliner bleibt Berliner», sagte der Riese. «Du redest Quatsch und Quark. Jetzt gebe ich dir aber ein anderes Beispiel. Menschliche Leberwesen aus Salzburg sind nicht süß wie Berliner, sondern schmecken entsalzlich nach Setz.»

«Entsetzlich nach Salz, meinst du», sagte Sophiechen. «Die Salzburger schmecken salzig.»

«Wieder Quatsch und Quark, was du da redest!» rief der Riese aus. «Das darfst du nicht! Dieses Thema ist sehr, sehr ernst und sehr, sehr wichtig. Darf ich vielleicht mal zu Ende reden?»

«Oh, aber bitte!» sagte Sophiechen.

«Hamburger aus Hamburg schmecken nach Frikadelle», sprach der Riese.

«Das mußte ja kommen», seufzte Sophiechen. «Hämbör-ger schmecken nach Buletten, natürlich.» «Falsch!» brüllte der Riese und klatschte sich auf die Schenkel. «Hamburger aus Hamburg schmecken nach Frikadelle, Schluß, aus, basta, Punkt!»

«Und wonach schmecken die Frikadellen?» fragte Sophiechen.

«Hack!» rief der Riese. «Nach Hackfleisch!» «Genau wie Buletten», sagte Sophiechen.

«Nein, gar nicht wie Toletten!» sagte der Riese. «Hamburger schmecken gar nicht wie Briketten, sondern wie Fregatten!»

«Bringst du da nicht etwas durcheinander?» fragte Sophiechen.

«Ja, ich bin ein ganz durcheinanderer Riese», sagte der Riese. «Aber ich gebe mir die größte Mühle. Die anderen Riesen sind noch viel, viel durcheinanderer als ich. Einen Riesen kenne ich, der rennt jeden Tag sogar bis nach Tunisch zum Armbrot.»

«Tunisch?» fragte Sophiechen. «Wo liegt Tunisch?» «Du hast aber im Kopf keinen Grips, sondern Gips!» sagte der Riese. «Tunisch liegt doch in Afrika. Und die Leberwesen in Tunisch schmecken ganz warmsinnig schleckerlecker, sagt der Tunischesser-Riese.» «Und wonach schmecken die Menschen aus Tunisch?» fragte Sophiechen. «Nach Thunfisch», sagte der Riese.

«Natürlich», sagte Sophiechen. «Hätte ich mir wirklich selber denken können. Aus Tunis - also nach Thunfisch. Aus Frankfurt - also nach Frankfurter Würstchen. Aus Wien - also nach Wiener Würstchen. Aus Linz nach Linsen. Aus Rumänien nach Rum. Aus Bern nach Himbeern. Aus Sylt nach Sülze. Aus der Schweiz nach Käse. Und aus Leipzig nach allerlei.»

Sophiechen wollte den Bogen nicht überspannen und hörte lieber auf. Das Gespräch mit dem Riesen zog sich schon lange genug hin. Wenn sie unbedingt aufgefressen werden sollte, dann sollte das nicht mehr auf die lange

Bank geschoben werden, sondern möglichst sofort geschehen. So etwas sollte man immer ruckzuck hinter sich bringen und nicht erst lange drum herumreden. «Welche Sorte ißt du denn am liebsten?» fragte sie und zitterte dabei.

«Ich?» brüllte der Riese so laut, daß die Gläser auf den Regalen klirrten und klingelten. «Ich und Leberwesen essen? Das tue ich nie! Die andern: ja! Die anderen Riesen fressen jede Nacht menschliche Leberwesen. Aber ich nie und nimmer nicht! Ich bin ein komischer Riese. Ich bin ein lieber und freundlicher Riese. Ich bin der einzige liebe und freundliche Riese in Riesenland. Ich bin der GUTE RIESE. Ich heiße GuRie. Und wie heiß bist du?» «Ich heiße Sophiechen», sagte Sophiechen und konnte kaum glauben, was sie soeben vernommen hatte, so freute sie sich darüber.

Die Riesen

«Aber wenn du so lieb und freundlich bist», sagte Sophiechen, «warum hast du mich dann aus dem Bett geholt und bist mit mir hierhergelaufen?»

«Der Grund war: Du hast mich geseht!» antwortete der Gute Riese. «Wenn jemand einen Riesen sieht, dann muß er sofort mitgenommen werden.» «Und warum?» fragte Sophiechen.

«Erstens», erklärte der GuRie, «menschliche Leberwesen glauben nicht an Riesen, nicht so richtig, verstehst du? Die menschlichen Leberwesen glauben einfach nicht, daß es uns gibt.»

«Aber ich glaube das», sagte Sophiechen. «Du ja! Aber nur, weil du mich hast geseht!» rief der GuRie. «Niemand darf mich sehen und trotzdem zu Hause bleiben, auch ein kleines Mädchen nicht. Du würdest ja sofort hierhin rennen und dahin und überall die große Neuigkeit herumposaunen, daß du wirklich mit deinen eigenen Augen einen Riesen gesehen hast. Und dann würde es eine riesige Riesenjagd geben auf der ganzen Welt. Die menschlichen Leberwesen würden überall herumwühlen und herumschnüffeln nach dem großen Riesen, den du gesehen hast, und alle werden dann ganz verrückt nach mir. Sie jagen mich, sie fangen mich, sie sperren mich in einen Käfer und zeigen mich den neugierigen Zuschraubern. In einen Zirkus tun sie mich oder in einen Tierpark, wo es all diese Wabbelfettklumpen von Nilpferden gibt und diese widerlichen Krokodilleriche.»

Sophiechen mußte dem Riesen recht geben: Wenn jemand daherkäme und würde sagen, er hätte wahr und wahrhaftig mit eigenen Augen gesehen, wie da draußen auf der Straße mitten in der Nacht ein richtiger Riese herumspukte, dann würde es ganz bestimmt einen Riesenspektakel geben auf der ganzen Welt.

«Ich wette», sagte der GuRie, «du hättest diese tolle Neuigkeit in der ganzen Welt herumerzählt, das wette ich, wenn ich dich nicht ruckzuck gepackt und weggebracht hätte.»

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