Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
»Was geht hier vor?« fuhr Paige die drei sofort an.
Die Antwort gab Benjamin Wallace. »Auf der Sitzung des Ethikkomitees hier im Krankenhaus ist heute morgen festgestellt worden, daß Jimmy Fords Zustand hoffnungslos ist. Wir haben beschlossen, ihn...«
»Nein!« rief Paige. »Dazu sind Sie nicht berechtigt. Ich bin seine Ärztin, und ich sage: Er hat noch eine Chance, aus dem Koma aufzuwachen! Wir werden ihn nicht sterben lassen.«
»Das ist nicht Ihre Entscheidung, Frau Doktor«, schaltete sich der Fremde ein.
Paige musterte ihn herausfordernd. »Und wer sind Sie?«
»Sylvester Damone. Der Anwalt der Familie.« Er zog ein Dokument hervor, das er Paige überreichte. »Jimmy Fords Testament, in dem ausdrücklich festgehalten wird, daß er nicht mit mechanischen Hilfsmitteln am Leben gehalten werden soll, falls er ein lebensgefährliches Trauma erleiden sollte.«
»Aber ich habe seinen Zustand genau beobachtet«, flehte Paige.
»Sein Zustand hat sich in den letzten Wochen stabilisiert. Er könnte jeden Moment aus dem Koma erwachen.«
»Können Sie das garantieren?« wollte Damone wissen.
»Nein, aber.«
»Dann werden Sie sich an die Ihnen gegebene Anweisung halten müssen, Frau Doktor.«
Paige blickte auf die Gestalt von Jimmy herab. »Nein! Sie müssen noch etwas länger warten!«
Der Anwalt bemerkte ölig: »Ich bin mir, Frau Doktor, durchaus darüber im klaren, daß es im Interesse des Krankenhauses liegt, einen Patienten so lang wie möglich am Leben zu halten, aber die Familie kann sich die Kosten für die medizinische Versorgung nicht mehr länger leisten. Ich befehle Ihnen hiermit, den Patienten vom Beatmungsgerät abzutrennen.«
»Nur noch ein bis zwei Tage«, bat Paige verzweifelt, »ich bin sicher, daß .«
»Nein«, widersprach Damone bestimmt. »Heute.«
George Englund wandte sich an Paige. »So leid es mir tut - ich fürchte, daß uns keine andere Wahl bleibt.«
»Ich danke Ihnen, Doktor«, sagte der Anwalt. »Ich werde die Sache Ihnen überlassen. Ich werde die Angehörigen benachrichtigen, daß die Angelegenheit unverzüglich erledigt wird, damit sie die Beerdigung vorbereiten können.« Er wandte sich an Benjamin Wal-lace. »Danke für Ihre Kooperation. Guten Tag.«
Ihre Blicke folgten ihm auf dem Weg nach draußen.
»Das dürfen wir Jimmy nicht antun!« sagte Paige.
Dr. Wallace räusperte sich. »Paige.«
»Und wenn wir ihn von hier wegschaffen und in einem anderen Zimmer verstecken würden? Es muß doch etwas geben, woran wir noch nicht gedacht haben. Etwas.«
Benjamin Wallace erklärte: »Es handelt sich nicht um eine Bitte. Es ist ein Befehl.« Er sah George Englund an. »Wollen Sie.«
»Nein!« rief Paige. »Ich. ich werde es selber tun.«
»Also gut.«
»Wenn es Ihnen recht ist, möchte ich gern mit ihm allein sein.«
George Englund drückte ihren Arm. »Tut mir leid, Paige.«
»Ich weiß.«
Die beiden Männer verließen den Raum.
Sie war mit dem bewußtlosen Jungen allein. Sie betrachtete das Beatmungsgerät, das ihn am Leben hielt, und die intravenösen Schläuche, über die sein Körper ernährt wurde. Es wäre im Grunde ein leichtes, das Gerät abzuschalten, ein Lebenslicht auszublasen. Aber er hatte so viele wunderbare Träume gehabt und so große Hoffnungen.
Eines Tages werde ich auch Arzt. Ich möchte so werden wie Sie.
Haben Sie schon gewußt, daß ich heiraten werde?... Betsy heißt sie.. Wir wünschen uns ein halbes Dutzend Kinder. Das erste Mädchen werden wir Paige nennen.
Er hatte so viel, für das sich zu leben lohnte.
Paige stand still vor ihm. Tränen trübten ihren Blick.
»Verdammt«, schimpfte sie laut. »Du bist ein Drückeberger!« Sie schluchzte. »Was ist aus deinen Träumen geworden? Ich hatte gedacht, du willst Arzt werden! Antworte mir! Hörst du mich? Mach die Augen auf.« Sie blickte auf die bleiche Gestalt. Keine Reaktion. »Es tut mir leid«, sagte Paige. »Verzeih mir.« Und sie beugte sich über ihn, um ihm die Wange zu küssen, und als sie sich ganz langsam wieder aufrichtete, blickte sie in seine geöffneten Augen.
»Jimmy! Jimmy!«
Er blinzelte und schloß die Augen wieder. Paige drückte ihm die Hand. Sie beugte sich über ihn und stieß unter heftigem Schluchzen die Worte hervor: »Jimmy, hast du den schon gehört vom Patienten, der künstlich ernährt wird? Er bittet den Arzt um eine zweite Flasche. Er erwartet einen Gast zum Mittagessen.«
19. Kapitel
So glücklich war Honey in ihrem Leben noch nie gewesen. Sie hatte zu den Patienten eine so persönliche Beziehung, wie das nur bei ganz wenigen Ärzten der Fall war; die Patienten lagen ihr wirklich sehr am Herzen. Sie arbeitete in der Geriatrie, in der Pädiatrie und einigen anderen Stationen, wobei Dr. Wallace fürsorglich darauf achtete, daß ihr nur harmlose Aufgaben übertragen wurden. Er tat alles, damit sie am Krankenhaus bleiben und ihm weiterhin zur Verfügung stehen konnte.
Honey beneidete die Krankenschwestern, die ihre Patienten pflegen durften, ohne sich um größere medizinische Entscheidungen sorgen zu müssen. Ich wollte ja gar nicht Arztin werden, dachte Honey, ich hob' immer nur davon geträumt, Krankenschwester zu sein. Aber eine Taft wird ja nicht Krankenschwester.
Wenn Honey nachmittags das Krankenhaus verließ, ging sie gern einkaufen, etwa in der Bay Company oder beim Musikgeschäft Streetlight Records, um Geschenke für die Kinder in der Pädiatrie zu besorgen.
»Ich hab' Kinder gern«, erklärte sie Kat. »Möchtest du selbst mal viele Kinder haben?«
»Irgendwann schon«, antwortete Honey melancholisch. »Erst muß ich aber mal einen Vater für sie finden.«
Einer von Honeys Lieblingspatienten in der geriatrischen Abteilung war Daniel McGuire, ein fröhlicher, alter Mensch über Neunzig
mit einem Leberleiden, der in seinen jungen Jahren Glücksspieler gewesen war und gern mit Honey wettete.
»Ich wette fünfzig Cents, daß der Pfleger sich mit meinem Frühstück verspätet.«
»Ich wette einen Dollar, daß es heut nachmittag regnet.«
»Ich wette, daß die Giants das Spiel gewinnen werden.«