Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
»Jetzt werden wir Kutsche fahren.«
Und bald darauf saßen sie in einer Pferdekutsche, die sie von der Fisherman's Wharf über den Ghirardelli Square nach North Beach brachte. Unterwegs zeigte Jason auf alles, was irgendwie von Interesse war, und Paige war ehrlich erstaunt, wieviel Spaß ihr das alles machte. Laß dich bloß nicht hinreißen.
Sie waren gerade auf den Coit Tower gestiegen und genossen den Ausblick auf die Stadt, als Jason plötzlich fragte: »Haben Sie eigentlich keinen Hunger?«
Die frische Luft hatte Paige allerdings sehr hungrig gemacht.
»Doch.«
»Gut. Dann werde ich Sie jetzt mit einem der besten chinesischen Restaurants der Welt bekannt machen - Tommy Toy's.«
Es war ein Restaurant, von dem Paige die Chefärzte im Kranken-haus schwärmen gehört hatte.
Es wurde ihnen ein wahres Festmahl serviert, das mit Hummer-spießchen mit Ghilisauce und Sauerscharfsuppe mit Meeresfrüchten begann, gefolgt von Hühnerfilet mit Zuckerschotenerbsen und Pekanüssen, Kalbsfilet mit Szechuansauce und gebratenem Reis mit viererlei Gewürzen. Zum Dessert bestellten sie eine Pfirsichmousse. Das Essen war himmlisch.
»Kommen Sie oft her?« fragte Paige.
»So oft wie nur möglich.«
Jason hatte etwas Jungenhaftes an sich, das sehr anziehend auf Paige wirkte.
»Sagen Sie«, meinte Paige, »haben Sie eigentlich immer Architekt werden wollen?«
»Ich hatte gar keine andere Wahl.« Jason grinste spitzbübisch. »Mein erstes Spielzeug waren Bauklötze. Es ist wirklich toll, sich etwas vorzustellen und dann zu erleben, wie ein Traum mit Hilfe von Beton und Stein und Ziegeln Wirklichkeit wird, in den Himmel emporwächst und Teil der Stadt wird, in der man lebt.«
Ich werde ein Taj-Mahal für dich bauen. Es ist mir ganz egal, wie lange ich dafür brauche.
»Ich zähle zu den glücklichen Menschen, Paige, die im Leben tun dürfen, was ihnen Spaß macht. Wie hat doch jemand so schön gesagt: >Die meisten Menschen führen ein Leben voll stiller Verzweiflung.««
Das trifft auf die Mehrzahl meiner Patienten zu, dachte Paige.
»Ich wüßte nicht, was ich sonst machen möchte. Ich kenne auch keine andere Stadt, in der ich leben möchte. San Francisco ist eine herrliche Stadt.« Er sprach überschwenglich. »Die Stadt hat alles, was man sich nur wünschen kann. Ich werde ihrer nie überdrüssig.«
Paige musterte ihn. Ihr gefiel seine Begeisterung. »Und Sie sind nie verheiratet gewesen?«
Jason zuckte mit den Schultern. »Einmal. Wir waren beide zu jung. Hat nicht geklappt.«
»Tut mir leid.«
»Dazu besteht gar kein Anlaß. In zweiter Ehe hat sie einen äußerst wohlhabenden Fleischfabrikanten geheiratet. Und Sie? Sind Sie schon einmal verheiratet gewesen?«
Ich will auch Arzt werden, wenn ich groß bin. Wir werden heiraten und zusammenarbeiten.
Auf einer Hafenrundfahrt fuhren sie unter der Golden Gate und der Bay Bridge durch. Jason nahm wieder seine Touristenführerstimme an. »Und dort, meine Damen und Herren, sehen Sie das befestigte Alcatraz, ehemals Heim der berüchtigtsten Verbrecher der Welt - Machine Gun Kelly, Al Capone und Robert Stroud, bekannt als der Vogelmensch. >Alcatraz< ist ein spanisches Wort und bedeutet >Pelikan<. Es hat ursprünglich >Isla de los Alcatraces< geheißen, nach den Vögeln, damals ihren einzigen Bewohnern. Wissen Sie, warum die Gefangenen dort früher jeden Tag heiß geduscht worden sind?«
»Nein.«
»Damit sie sich nicht an das kalte Wasser in der Bucht gewöhnen konnten, für den Fall, daß sie einen Fluchtversuch unternahmen.«
»Ist das wahr?« wollte Paige wissen.
»Habe ich Sie schon mal angelogen?«
Es war bereits Spätnachmittag, als Jason sie fragte: »Sind Sie schon einmal in Noe Valley gewesen?«
Paige schüttelte den Kopf. »Nein.«
»Ich würde es Ihnen gern zeigen. Ganz früher gab es dort nur Farmen und Flüsse. Heute stehen dort bunte Häuser und Gärten aus dem neunzehnten Jahrhundert. Die Häuser sind sehr alt - es ist praktisch das einzige Gebiet, das vom Erdbeben des Jahres 1906 verschont geblieben ist.«
»Hört sich gut an.«
Jason zögerte. »Ich wohne dort. Möchten Sie mein Haus sehen?« Er spürte Paiges innere Abwehr. »Paige, ich liebe Sie.«
»Aber wir kennen uns doch kaum. Wie könnten Sie denn ...«
»Es war mir klar, von dem Augenblick an, als Sie sagten: >Hat Ihnen etwa niemand gesagt, daß Sie zur Visite einen weißen Kittel tragen müssen?< In dem Augenblick habe ich mich in Sie verliebt.«
»Jason.«
»Ich glaube fest an die Liebe auf den ersten Blick. Mein Großvater hat meine Großmutter zum erstenmal gesehen, als sie mit dem Fahrrad im Park spazierenfuhr, und ist ihr gefolgt - drei Monate später haben sie geheiratet und sind fünfzig Jahre zusammen gewesen, bis zu seinem Tod. Mein Vater hat meine Mutter zum erstenmal beim Überqueren der Straße bemerkt und sofort gewußt, daß sie seine Frau werden würde. Sie sind inzwischen fünfundvierzig Jahre verheiratet. Sie sehen, das liegt bei uns in der Familie. Ich möchte Sie heiraten.«
Es war die Stunde der Wahrheit.
Paige schaute Jason an und dachte: Er ist seit Alfred der erste Mann, zu dem ich mich hingezogen fühle. Er ist bewundernswert und klug und natürlich. Er hat alles, was eine Frau sich von einem Mann nur wünschen kann. Was ist mit mir los? Ich klammere mich an ein Gespenst. Doch tief im Innersten hatte sie immer noch das überwältigende Gefühl, daß Alfred eines Tages zu ihr zurückkommen würde.
Sie schaute Jason an und traf ihren Entschluß.
»Jason.«
In diesem Moment rührte sich Paiges Piepser. Es klang dringend. Ominös.
»Ich muß sofort ein Telefon finden.« Zwei Minuten später war sie mit dem Krankenhaus verbunden.
Jason sah Paige erblassen.
Sie schrie in den Hörer hinein: »Nein! Nie und nimmer! Sagen Sie denen, daß ich sofort komme.« Sie knallte den Hörer auf die Gabel.
»Worum geht's?« fragte Jason.
Als sie sich zu ihm umdrehte, standen ihre Augen voller Tränen. »Um meinen Patienten Jimmy Ford. Sie wollten ihn vom Beatmungsgerät abtrennen. Sie wollen ihn sterben lassen.«
In Jimmy Fords Zimmer standen neben dem Bett des Bewußtlosen drei Männer: George Englund, Benjamin Wallace und ein Unbekannter.