Der Hypnotiseur
- Автор: Кеплер Ларс
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:
Simone geht zur Treppe, Kennet versucht, sie zurückzuhalten, aber sie reißt sich los, zwängt sich an Joona vorbei und eilt die Eisentreppe hinunter. Jetzt ist der Keller hell wie ein Hochsommertag. Drei Scheinwerfer auf Ständern füllen den Raum mit Licht. Die Leiter steht nun unter dem kleinen, inzwischen offenen Kellerfenster. Der Schrank mit den Schwimmwesten ist zur Seite geschoben worden, und ein Polizist bewacht die Türöffnung zu dem versteckten Raum. Langsam geht Simone auf ihn zu. Sie hört Kennet hinter ihrem Rücken etwas sagen, versteht die Worte aber nicht.
»Ich muss«, sagt sie schwach.
Der Polizist hebt abwehrend die Hand und schüttelt den Kopf.
»Ich kann Sie da leider nicht hineinlassen«, sagt er.
»Aber es geht um meinen Sohn.«
Sie spürt die Arme ihres Vaters um sich, versucht aber trotzdem, sich zu befreien.
»Er ist nicht hier, Simone.«
»Lass mich los!«
Sie tritt vor und blickt in einen Raum mit einer Matratze auf dem Fußboden, Stapeln alter Comics, leeren Chipstüten, hellblauen Schuhschützern, Konserven und Cornflakespaketen und einer großen, glänzenden Axt.
28.
Sonntagnachmittag, der dreizehnte Dezember,
Luciafest
Simone sitzt auf dem Rückweg von Tumba im Wagen und hört Kennet über die mangelhafte Organisation der Polizei schwadronieren. Sie sagt nichts, lässt ihn meckern, schaut aus dem Autofenster und beobachtet die zahlreichen Familien auf den Straßen. Mütter sind mit kleinen Kindern in Schneeanzügen, die mit Schnullern im Mund sprechen, irgendwohin unterwegs. Ein paar Kinder versuchen, im Schneematsch mit Tretrollern vorwärtszukommen. Alle haben die gleichen Rucksäcke an. Eine Mädchenclique mit Luciaglitzerschmuck in den Haaren isst etwas aus einer Tüte und lacht begeistert.
Mittlerweile sind bereits mehr als vierundzwanzig Stunden vergangen, seit man uns Benjamin weggenommen hat, seit er aus seinem Bett gezerrt und aus seinem Zuhause verschleppt worden ist, denkt sie und betrachtet ihre Hände im Schoß. Die roten Furchen von den Handschellen sind noch deutlich zu erkennen.
Nichts deutet darauf hin, dass Josef Ek in Benjamins Verschwinden verwickelt ist. Es hat keine Spuren von Benjamin in dem verborgenen Zimmer gegeben, nur von Josef. Als sie mit ihrem Vater in den Keller gegangen ist, hat Josef höchstwahrscheinlich in dem verborgenen Zimmer gehockt.
Simone überlegt, dass er sich zusammengekauert und gelauscht und daraufhin erkannt haben muss, dass sie sein Versteck gefunden hatten, um sich daraufhin möglichst lautlos nach der Axt zu strecken. Als dann das Chaos ausbrach, die Polizisten den Keller stürmten und sie und Kennet nach oben zerrten, nutzte Josef die Gelegenheit, schob den Schrank weg, stellte die Leiter ans Kellerfenster und kletterte hinaus.
Er hat die Polizei übertölpelt und ist immer noch auf freiem Fuß. Die landesweite Fahndung läuft, aber Josef Ek kann Benjamin nicht gekidnappt haben. Seine Flucht und Benjamins Entführung sind nur zwei Dinge gewesen, die ungefähr zur gleichen Zeit passiert sind, genau wie Erik es ihr zu sagen versucht hat.
»Kommst du?«, fragt Kennet.
Sie blickt auf und denkt, dass es kalt geworden ist. Kennet sagt ihr mehrmals hintereinander, dass sie aus dem Wagen steigen und mitkommen soll, ehe sie begreift, dass sie in der Luntmakargatan geparkt haben.
Sie schließt die Wohnungstür auf und sieht Benjamins Jacke im Flur hängen. Ihr Herz macht einen Satz, und ihr schießt durch den Kopf, dass er zu Hause ist, bis ihr wieder einfällt, dass er im Schlafanzug entführt worden ist.
Das Gesicht ihres Vaters ist ganz grau. Er sagt, dass er duschen will, und verschwindet im Badezimmer.
Simone lehnt sich an die Wand im Flur, schließt die Augen und denkt: Wenn ich Benjamin zurückbekomme, werde ich alles vergessen, was in diesen Tagen passiert ist und noch passieren wird. Ich werde nie darüber sprechen, ich werde auf niemanden wütend sein, nie daran zurückdenken, nur dankbar sein.
Sie hört Kennet im Badezimmer das Wasser aufdrehen.
Seufzend streift sie ihre Schuhe ab, lässt die Jacke auf den Fußboden fallen, geht ins Schlafzimmer und setzt sich aufs Bett. Auf einmal weiß sie nicht mehr, was sie in dem Zimmer wollte, ob sie etwas holen oder sich nur eine Weile hinlegen und ausruhen wollte. Sie spürt die Kühle des Betttuchs unter ihrer Handfläche und sieht Eriks zerknitterte Pyjamahose unter dem Kissen hervorlugen.
Als die Dusche abgedreht wird, fällt ihr wieder ein, was sie vorhatte: ihrem Vater ein Handtuch holen und sich anschließend in Benjamins Computer einloggen, um nach etwas zu suchen, was mit seiner Entführung zu tun haben könnte. Sie steht auf, holt ein graues Badehandtuch aus dem Schrank und kehrt in den Flur zurück. Die Tür zum Badezimmer geht auf, und Kennet kommt vollständig angezogen heraus.
»Handtuch?«, sagt sie.
»Ich habe das kleine genommen.«
Seine Haare sind feucht und riechen nach Lavendel. Ihr wird klar, dass er die billige Seife aus dem Spender am Waschbecken benutzt hat.
»Hast du dir die Haare etwa mit Seife gewaschen?«, fragt sie.
»Roch gut«, antwortet er.
»Dafür gibt es Shampoo, Papa.«
»Egal.«
»Okay«, sagt sie lächelnd und beschließt, ihn nicht darüber aufzuklären, wozu das kleine Handtuch sonst benutzt wird.
»Ich setze Kaffee auf«, sagt Kennet und geht in die Küche.
Simone legt das graue Badehandtuch auf das Büfett, geht in Benjamins Zimmer und schaltet den Computer ein. In dem Zimmer hat sich nichts verändert: Die Bettdecke liegt noch auf dem Fußboden, und das Wasserglas ist umgekippt.
Der Begrüßungsjingle des Betriebssystems verklingt, Simone legt ihre Hand auf die Maus, wartet ein paar Sekunden und klickt dann auf das kleine Bild von Benjamins Gesicht, um sich einzuloggen.
Der Computer möchte den Benutzernamen und das Passwort von ihr haben. Simone tippt Benjamin ein, holt tief Luft und schreibt »Dumbledore«.
Der Bildschirm flimmert kurz wie ein Auge, das geschlossen und sofort wieder geöffnet wird.
Sie ist drin.
Der Desktophintergrund besteht aus einem Foto von einem Hirsch auf einer Waldlichtung. Magisches, tauglänzendes Licht fällt auf die Vegetation. Das scheue Tier scheint in diesem Augenblick vollkommen ruhig zu sein.
Obwohl Simone weiß, dass sie in Benjamins Intimsphäre eindringt, kommt es ihr vor, als wäre ein Teil von ihm ihr plötzlich wieder ganz nah.
»Du bist ein Genie«, hört sie ihren Vater hinter sich sagen.
»Nein«, erwidert sie.
Kennet legt eine Hand auf ihre Schulter, und sie öffnet das Mailprogramm.
»Wie weit sollen wir zurückgehen?«, fragt sie.
»Wir gehen alle durch.«
Sie scrollen sich durch die Nachrichten im Posteingang, öffnen eine Mail nach der anderen.
Ein Klassenkamerad hat eine Frage zu einer Sammelaktion.
Eine Gruppenarbeit wird diskutiert.
Jemand behauptet, Benjamin habe vierzig Millionen Euro bei einer spanischen Lotterie gewonnen.
Kennet geht weg und kommt mit zwei Tassen zurück.
»Kaffee ist das beste aller Getränke auf diesem Erdball«, sagt er und setzt sich. »Wie zum Teufel konntest du den Computer knacken?«
Sie zuckt mit den Schultern und trinkt einen Schluck.
»Ich muss Kalle Jeppson anrufen und ihm sagen, dass wir seine Schneckentempohilfe nicht mehr benötigen.«
Sie blättert weiter, öffnet eine Mail von Aida. Sie gibt in einem scherzhaften Ton die Handlung eines schlechten Films wieder und sagt, Arnold Schwarzenegger sei ein lobotomierter Shrek.
Der wöchentliche Rundbrief der Schule.
Die Bank warnt davor, Kontoinformationen herauszugeben.
Facebook, Facebook, Facebook, Facebook, Facebook.
Simone geht auf Benjamins Facebookkonto. In Hunderten von Anfragen geht es um die Gruppe »hypno monkey«.
Alle Beiträge kreisen um Erik, und es kursieren diverse höhnische Theorien darüber, dass Benjamin dazu hypnotisiert worden sei, ein Spasti zu sein, es lägen Beweise dafür vor, dass Erik das gesamte schwedische Volk hypnotisiert habe. Jemand will Schadensersatz fordern, weil Erik seinen Schwanz hypnotisiert habe.