Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer
- Автор: Кент Александер
- Год: 1979
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20022-2
- Переводчик: Karl H. Kosmehl
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:
Bolitho horchte auf die ungewohnten Geräusche des Schiffes, das Schlagen der Segel, die Bewegungen des sehr nahen Ruders. Die Segura war plump gebaut und bis ans Schandeck mit Fracht und Schießpulver vollgepackt. Ihre Besegelung war sehr knapp und mit einem Minimum an Matrosen zu bedienen. Auch das zeigte, daß sie höchstwahrscheinlich holländischer Bauart war. Mit ihrem profitablen Verhältnis von Schiffsraum zu Mannschaft hatte sie zweifellos jede Küste zwischen der Ostsee und Afrika abgeklappert. Aber sie war alt, und ihre spanischen Kapitäne hatten sie schwer vernachlässigt. Plowman hatte schon über den schlimmen Zustand des stehenden Gutes berichtet; manche Stage waren, wie er es ausdrückte,»so dünn wie eine Seemannsbörse».
Aber Plowman war eben Grubbs rechte Hand. Wie der Master, so konnte auch er unverläßliches Material nicht leiden.
Bolitho verbarg ein Lächeln. Wenn Plowman sich Sorgen machte, so war das bei den als Prisenbesatzung ausgesuchten Matrosen keineswegs der Fall; im Gegenteil. Schon als er an Bord der Lysander, bevor sie in die Boote kletterten, kurz zu ihnen gesprochen hatte, bemerkte er, wie sie einander grinsend in die Rippen stießen, weil ihnen ihre neue Rolle Spaß machte. Das sie die Langeweile loswurden, einmal von der Routine wegkamen, oder vielleicht auch die Tatsache, daß sie alle besonders ausgesucht worden waren, trug zu dieser fröhlichen, sorglosen Atmosphäre bei. Daß man sie in erster Linie ausgewählt hatte, weil sie Ausländer waren, hatten sie offenbar noch gar nicht gemerkt.
Bolitho hörte jemanden eine fremdartige Weise trällern; die Freiwache unter Deck fiel ein, und es wurde ein richtiger Chor. Auch ein ungewohnter Küchengeruch in der feuchten Luft des Zwischendecks war ein Zeichen ihrer neuen Identität.
«Die haben sich ganz gut eingerichtet«, grinste Veitch.»Das ist Larssen, der da singt, und der Koch ist ein Däne. Weiß der Himmel, was wir heute zu essen kriegen.»
Jetzt kam Plowman.»Ich habe Mr. Breen die Wache übergeben, Sir. «Erfreut nahm er einen Becher Wein entgegen.»Oh, danke,
Sir.»
Bolitho musterte ihn zufrieden. Jeder von ihnen, auch er selbst, trug einen einfachen blauen Rock; ein schäbigeres Trio wäre schwer zu finden gewesen. Typisch, wie er hoffte, für die Hunderte von Handelsschiffen, die unter jeder Flagge fuhren und jede Fracht übernahmen, an der etwas zu verdienen war.
«Morgen also laufen wir Malta an«, sagte Bolitho und sah interessiert zu, wie sich Plowman eine lange Tonpfeife mit schwarzem Tabak stopfte.»Ich bin der Kapitän, Richard Pascoe. Sie können Ihre Namen behalten. Mr. Veitch ist erster Maat, Mr. Plowman zweiter. Allday macht den Bootsmann.»
Nach kurzem Zögern schob Plowman den großen Tabaktopf über den wackligen Tisch zu Bolitho hin.»Wenn Sie mal probieren wollen, Sir? Er ist, na ja, ganz anständig.»
Bolitho nahm sich eine Pfeife aus dem Sandelholzgestell über dem kleinen Kartentisch und reichte auch Veitch eine.
«Man muß alles mal probieren, Mr. Plowman. «Dann wurde er ernst.»Ich gehe mit Allday und einer Bootsbesatzung an Land. Sie tun so, als ob Sie Vorbereitungen treffen, die Ladung zu löschen.
Aber halten Sie sich bereit, die Ankertrosse zu kappen und sofort auszulaufen, wenn etwas schiefgeht. Falls das passiert, können Sie noch zwei Nächte in Landnähe bleiben. Ich habe die Stelle auf der Karte markiert. Wenn Sie dann noch kein Signal von mir haben, müssen Sie zurück zum Geschwader, nach Syrakus. Captain Farqu-har hat entsprechende Anweisungen.»
Der Tabakrauch in der Kajüte wurde immer dicker; Bolitho sagte:»Holen Sie noch Wein aus dem Spind. Wie unsere Leute da oben fühle ich mich merkwürdig gemütlich. Heute nacht zumindest.»
Oben hörte man Schritte, und Veitch lächelte.»Der junge Breen macht allein oben Wache. Kommt sich bestimmt wie'n Fregattenkapitän vor.»
Eine angenehme Schläfrigkeit überkam Bolitho. Er dachte an Pascoe, an seine dunklen, eifrigen Augen, als er gebeten hatte, mitkommen zu dürfen. Er berührte den alten Degen, der am Tisch lehnte. Vielleicht hätte er ihn lieber auf der Lysander lassen sollen. Passierte ihm etwas, so war der Degen wahrscheinlich für immer verloren. Und auf irgendeine seltsame Weise war es ihm wichtig, daß Pascoe ihn bekam. Eines Tages.
Er sah nicht, daß Veitch dem Steuermannsmaaten zublinzelte, worauf dieser aufstand und sagte:»Ich will lieber Mr. Breen ablösen, Sir.»
Veitch nickte.»Und ich muß im Vorschiff noch nach dem Rechten sehen. «Beim Aufstehen stieß er sich wieder den Kopf.»Hol der Teufel diese geizigen Handelsreeder, Sir«, grinste er entschuldigend.»Ein Linienschiff mag ja vollgepackt sein, aber man behält doch wenigstens den Kopf auf den Schultern!»
Wieder allein, beugte sich Bolitho über die Karte und studierte sie unter der kreisenden Laterne. Er zog seinen blauen Rock aus und lockerte die Halsbinde. Der Schweiß rann ihm den Rücken hinunter. Es war heiß und stickig, und der Wein hatte seinen Durst keineswegs gelöscht.
Allday kam herein.»Ich bringe Ihnen gleich was zu essen, Sir«, sagte er und krauste die Nase.»Dieser alte Eimer stinkt wie ein Müllkasten.»
«Die Hitze macht es noch schlimmer«, erwiderte Bolitho.»Ich gehe gleich an Deck, ein bißchen frische Luft schnappen.»
«Wie Sie wollen, Sir. Ich lasse Ihnen Bescheid sagen, sobald das Essen fertig ist.»
Allday sah sich in der unordentlichen Kajüte um und zuckte die Achseln. Feucht, dreckig und stinkend war sie ja tatsächlich. Aber nach der drückenden Hitze des Tages war es hier beinahe kühl.
Dann sah er die leeren Weinflaschen und lachte in sich hinein. Die Hitze des Kommodore kam wahrscheinlich von innen.
«Gei auf die Fock!»
Bolitho beschattete die Augen und sah hinüber auf die planlos in die Gegend gebauten Bastionen, die alle Einfahrten des Hafens von La Valetta schützten. Als sie langsam näher kamen und die Sonne hinter Maltas verwitterten Mauern aufgehen sahen, wirkte der Hafen auf sie wie eine richtige Festung.
«Recht so — Kurs halten!«Breitbeinig stand der untersetzte, muskulöse Plowman neben dem Rudergänger, die Pfeife im Mund.
Bolitho wußte, daß es ihm wie den meisten anderen schwerfiel, sich nach der strengen Disziplin auf einem Kriegsschiff so locker und lässig zu geben. Aber der Eindruck, den ein Schiff beim Einlaufen in den Hafen machte, war immer der ausschlaggebende.
An Deck lungerten Matrosen herum, lehnten am Schanzkleid, deuteten auf die Gebäude an Land, manche mit echtem Interesse, andere mit übertriebener Schauspielerei.
Midshipman Breen sagte:»Ich habe viel von dieser Insel gehört, Sir; aber ich dachte nie, daß ich sie jemals zu sehen bekäme.»
Plowman grinste.»Aye. La Valetta heißt nach dem Großmeister der Malteserritter, der die Insel gegen die Türken verteidigt hat.»
«Waren Sie damals hier?«fragte Breen und glotzte den Steuermannsmaaten mit unverhohlener Ehrfurcht an.
«Kaum, Mr. Breen. Das war vor mehr als zweihundert Jahren. «Er sah Veitch an und schüttelte den Kopf.»Ob ich dabei gewesen bin, fragt er — mein Gott!»
Die vorderste Bastion glitt jetzt querab vorbei; ihre obere Brustwehr wimmelte von bunten Gestalten. Offenbar diente sie nicht nur zur Verteidigung, sondern auch als Durchfahrt. Hinter ihr öffnete sich das glitzernde Hafenbecken, um die Segura zu empfangen. Winzige Ruderboote schossen zwischen den Schiffen und der Pier hin und her wie Wasserkäfer. Ein paar Schoner ankerten hier, auch schlanke arabische Dhaus, und die Felukken mit den großen Lateinersegeln. Zwei farbenfreudige Galeassen mit vergoldetem Schnitzwerk lagen an den Steinstufen des Kais wie aus einem historischen Gemälde stammend. Als die Römer England eroberten, wären solche Schiffe nicht besonders aufgefallen, dachte Bolitho. Die Malteserritter hatten sie jahrhundertelang mit großem Erfolg benutzt, um Häfen und Schiffe der Türken zu attackieren, und hatten auf diese Weise viel dazu beigetragen, den türkischen Einfluß zu verdrängen — auf immer, wie zu hoffen stand.