Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer
- Автор: Кент Александер
- Год: 1979
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20022-2
- Переводчик: Karl H. Kosmehl
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:
Während er vo n einer Leiter zur nächsten tiefer stieg, wurden die Geräusche der See immer gedämpfter; jetzt empfingen ihn das Knarren der beanspruchten Planken, die Gerüche nach Bilgewasser und Teer. Schwankende Laternen warfen schiefe Schatten auf seinen Weg durch das untere Batteriedeck der Lysander, wo das ganze Jahr lang kein Tageslicht hinkam. Bei dem kleinen Krankenrevier fand er ein paar Matrosen vor, die sich von der Behandlung erholten; manche waren verbunden, manchen half noch die tiefe RumNarkose über ihre Schmerzen hinweg. Die Luft war dick zum Schneiden und stank nach Leid und Blut.
Er trat ein. Henry Shacklock, der Schiffsarzt, sprach mit seinen Gehilfen, die noch zwei Lampen über dem Tisch anbrachten.
Shacklock blickte hoch und erkannte Bolitho.»Sir?»
Er war ein müde aussehender, dünnhaariger Mann. In dem schwankenden, gelben Licht wirkte er fast kahl, dabei war er noch nicht einmal dreißig. Bolitho hatte festgestellt, daß er ein guter Arzt war — leider ein ziemlich seltener Fall auf den Schiffen des Königs.
«Wie geht's Mr. Luce?»
Die Gehilfen traten zur Seite, und Bolitho sah, daß der Midship-man bereits auf dem Tisch lag. Er war nackt, sein Gesicht verzerrt, die Haut sehr bleich. Shacklock entfernte einen provisorischen Verband von der Schulter.
Die Leine mußte Fleisch und Muskeln glatt durchschnitten haben. Der Unterarm lag in einem unnatürlichen Winkel, die Finger waren ausgestreckt und schlaff.
Shacklock maß mit seiner Handspanne wie mit einem Zollstock eine Entfernung von der Schulter ab — knapp sechs Zoll.
«Der Arm muß ab, Sir. «Zweifelnd schob er die Lippen vor.»Und selbst dann…»
Bolitho sah auf Luces totenbleiches Gesicht hinunter. Siebzehn Jahre alt. Überhaupt noch nicht gelebt.
«Muß das sein?»
Wozu die Frage? Er hatte sie schon so oft gestellt.
«Ja. «Der Arzt nickte seinen Gehilfen zu.»Je schneller, desto besser. Vielleicht kommt er nicht zu sich, bis wir fertig sind.»
In diesem Moment schlug Luce die Augen auf. Regungslos starrten sie Bolitho an und schienen in diesen wenigen Sekunden alles zu begreifen, was geschehen war und was noch kommen würde.
«Sie haben Mr. Pascoe das Leben gerettet. Adam kommt herunter, sobald er kann«, sagte Bolitho und versuchte, möglichst ruhig zu sprechen.
Über den Kopf des Jungen hinweg sah er, daß Shacklock zwei Messer aus einem Kasten nahm. Eins war kurz, das andere lang und schmal. Einer der Gehilfen rieb unter der Laterne irgend etwas mit einem Tuch ab, und als der Mann seitwärts schwankte, sah Bolitho, daß es eine Säge war.
«Mein Arm, Sir?«flüsterte Luce fast unhörbar. Die Tränen liefen ihm übers Gesicht.»Bitte nicht, Sir!»
Der Gehilfe reichte Bolitho einen Becher Rum, und er hielt ihn dem Jungen an die Lippen.»Trinken Sie. So viel Sie können. «Der Rum tröpfelte ihm aus den Mundwinkeln; der Körper zitterte wie im Fieber. Das war alles, was sie hatten: Rum und nach der Operation Opium zum Schlafen.
Er hörte Schritte, und dann Pascoes Stimme, gepreßt und kaum erkennbar:»Der Kommandant läßt respektvoll melden, Sir, daß wir soeben die Nicator gesichtet haben.»
Bolitho richtete sich auf, behielt aber die Hand an Luces Schulter.»Danke. «Die Schatten kamen drohend näher, wie Engel des Todes, denn Shacklocks Männer wollten anfangen.»Bleib bei ihm, Adam.»
Er blickte wieder auf den Midshipman nieder; der starrte immer noch zu ihm auf, Rum und Tränen mischten sich auf seinem Hals. Nur sein Mund bewegte sich. »Bitte!«flüsterte er wieder.
Bolitho wartete, bis Pascoe neben Luces Kopf stand, und sagte dann zu Shacklock:»Tun Sie Ihr Bestes!»
Der Chirurg nickte.»Ich habe die Messer anwärmen lassen, Sir, damit der Schock nicht so groß ist.»
Als Bolitho sich zum Gehen wandte, gab der Arzt ein Zeichen, und er hörte Luce aufschreien: Die Gehilfen hatten seine Arme und Beine gepackt und preßten ihm den Kopf auf die Tischplatte.
Luces furchtbare Schreie verfolgten ihn bis aufs Hauptdeck. Dort endlich riß der Sturm sie weg.
Bolitho stützte beide Hände auf die Karte und studierte sie minutenlang. In zwei langen Tagen und Nächten hatte sich der Sturm erschöpft, und in dem warmen Sonnenlicht und der sanften Brise kam ihm das Schiffjetzt fast unbeweglich vor.
Die Kommandanten des Geschwaders standen um den Tisch und sahen ihm zu. Jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, und alle schienen erschöpft von der Wut des Sturmes und vom Kampf ums Überleben.
In dem ganzen, weit auseinandergetriebenen Geschwader hatte es siebzehn Tote gegeben. Vom Mast gestürzt, über Bord gewaschen. Manche waren auch nur unbemerkt verschwunden, als seien sie nie an Bord gewesen.
Es war Nachmittag, die Schiffe segelten wieder in lockerer Formation, und Bolitho hatte alle Kommandanten zur Lagebesprechung beordert.
Er blickte in Javals dunkles Gesicht. Was er berichtet hatte, war zu erwarten gewesen, und doch hatte Bolitho bis zum letzten Moment noch Hoffnung gehabt. Aber kurz nach Sonnenaufgang war die Buzzard in Sicht gekommen und hatte sogleich signalisiert: die Franzosen waren ausgelaufen. Ein Dutzend Schiffe, vielleicht mehr, waren mit dem steifen Nordwest unter ihren Rockschößen losgesegelt; Javal und seine Männer hatten alle Hände voll zu tun gehabt, den Feind auch nur in Sicht zu behalten. Der französische Befehlshaber hatte sogar mit derartigen Komplikationen gerechnet: zwei Fregatten kamen mit dem Sturm auf Javal zu, schossen ihm ein paar Kugeln in die Takelage und verschwanden dann wieder zu ihrem Geleit.
Für einen Kämpfer wie Javal mußte das furchtbar gewesen sein. Mit seinem zerschossenen Rigg und bei dem jede Minute stärker werdenden Sturm hatte er nur zusehen können, wie die Franzosen entwischten. Er hatte versucht, durch Signalschüsse und Raketen mit dem Geschwader Verbindung zu bekommen, aber da Gilchrist zu lange gewartet hatte und die Linienschiffe immer noch auf ihrem vorbestimmten Kurs blieben, war sogar dieser Kontakt unmöglich.
Nachdenklich sagte Bolitho:
«Der Admiral müßte inzwischen die Depeschen der Harebell erhalten haben. Er muß annehmen, daß wir imstande sind, Toulon zu überwachen oder mindestens alle Fahrzeuge zu beschatten, die herauskommen.»
Oben an Deck hörte er das Stampfen der exerzierenden Marine-Infanteristen, vermischt mit Hammer- und Axtschlägen, denn die Leute des Zimmermanns waren fleißig dabei, die Sturmschäden auszubessern.
Er sah zu Herrick hinüber. Was mochte der wohl denken?
Probyn war pessimistisch.»Jetzt, da die Franzosen sich Ihrer, äh, Überwachung entzogen haben, sind wir alle einigermaßen im Zweifel über die Lage. Vielleicht haben wir zu viel auf Hörensagen, auf Gerüchte, gegeben. Wer weiß, wo diese französischen Schiffe jetzt sein mögen?«Langsam sah er sich am Tisch um.»Ganz abgesehen davon — was können wir schon ohne Informationen erreichen?»
Bolitho sah ihn unbewegt an. Probyn hatte vorsichtigerweise immer» wir «gesagt. Aber er meinte» Sie».
Javal zuckte die Achseln und gähnte.»Ich könnte mich vom Geschwader lösen, Sir. Vielleicht finde ich ein paar von den Franzosen, wenn nicht sogar alle. Schließlich müssen auch sie bei diesem Sturm Schwierigkeiten gehabt haben.»
Gespannt blickten alle Kommandanten auf Bolitho. Manche würden, so glaubte er jedenfalls, sein Dilemma verstehen, vielleicht auch teilen.
Schickte er die Buzzard los, so hatte er keine» Augen«. Für die Zweidecker und das Prisenschiff reduzierte sich die Sichtweite auf das, was der beste Ausguck erkennen konnte. Außerdem waren die
Linienschiffe zu langsam und zu wenig beweglich für Rekognoszierungsaufgaben. Somit konnte er auf seine einzige Fregatte nicht verzichten.
«Natürlich«, sprach Probyn weiter,»könnten wir nach Gibraltar zurücksegeln, Sir. Wäre vielleicht besser, wir verstärken mit unserer Kampfkraft eine Flotte, die dort möglicherweise zusammengestellt wird, als daß wir hier blindlings und zwecklos herumstreifen.»