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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Bolitho wartete, bis Pascoe bei seinen Leuten war, und ging dann weiter zur Kampanjeleiter. Leise sagte Grubb:»Der wird mal ein feiner junger Offizier, Sir.»

Bolitho nickte.»So wie er ist, ist er mir schon recht.»

«Aye. «Der Master beschattete seine rotgeränderten Augen und prüfte den flatternden Wimpel hoch über Deck.»Da gibt's welche, die können befehlen, aber lernen können sie überhaupt nichts. Gott sei Dank ist er keiner von denen.»

Bolitho stieg die Leiter hoch und trat nach achtern an die vergoldete Heckreling. Unter der Kampanje hörte er den Rudergast aussingen:»Kurs Ost, Sir.»

Geschwind schob sich die schlanke Fregatte an den massigen Linienschiffen vorbei; aber diesmal beneidete Bolitho sie nicht um ihre Freiheit. Sein Platz war hier; und nur von der Richtigkeit seiner Entscheidungen hing es ab, ob er ihn behielt.

Er dachte an Pascoe und Herrick, an Allday, der unten in der Kajüte herumwerkte.

Diesmal mußte er richtig entschieden haben, und sei es auch nur um solcher Menschen willen wie diese.

XI Der Brief

Schreiber Moffitt, den schmächtigen Oberkörper tief über den Tisch gebeugt, blickte Bolitho von unten herauf an und fragte:»Ist das alles für heute, Sir?»

«Ja, danke. «Bolitho lehnte sich in seinem Sessel zurück und lok-kertesein Halstuch.»Sagen Sie Ozzard, er soll die Lampen anzünden. «Er blickte durch die Heckfenster in den feurigen, gelbroten Sonnenuntergang.

Wieder ein langweiliger Tag. Zwei Wochen war es her, daß er sich mit seinen Schiffen nach Süden gewandt hatte; und praktisch hatten sie das Mittelmeer für sich allein. Tag um Tag segelten sie bei leichten Winden die italienische Küste entlang, und dann westwärts die dunstigen Strande Siziliens entlang. Jetzt waren sie wieder auf Ostkurs, und die Insel Sizilien lag etwa dreißig Meilen an Backbord voraus. Außer einigen arabischen Fahrzeugen mit ihren fremdartigen Lateinersegeln waren sie mit keinem Schiff in Kontakt gekommen. Sie hatten zwar ein paar Segel gesichtet, aber die waren verschwunden, ehe die langsamen Vierundsiebziger nahe genug herankommen konnten, um zu sehen, was es mit ihnen auf sich hatte.

Bolitho starrte auf die leere Tischplatte. Wozu eigentlich hatte er wieder so einen inhaltlosen Tagesbericht diktiert — bloß damit Mof-fitt etwas zu tun bekam? Unwichtiges Geschreibsel und zu nichts gut, es sei denn als eventuelles Beweismaterial bei seiner Kriegsgerichtsverhandlung.

Was machte wohl die Buzzard? Hatte sie Glück gehabt und etwas über die verschwundenen Franzosen herausbekommen? Javal segelte nicht mehr unter den Augen seines Kommodore; so empfand er vielleicht dessen Wünsche in der Entfernung als nicht mehr so dringlich und hatte sich davongemacht, um seinen eigenen Vorteil zu suchen. Doch Bolitho wußte, daß er damit Javal Unrecht tat und daß nur seine eigene Depression ihn auf solche Gedanken brachte.

Er stand auf und schritt zur Tür. Solange er sich erinnern konnte, war er gewohnt, beim Anblick des Sonnenuntergangs Frieden, ja sogar Antwort auf seine Fragen zu finden. Rasch stieg er die Leiter zum Kampanjedeck hinauf und ließ den Nordwest durch sein Hemd blasen, damit er etwas von der Hitze, der Schalheit dieses Tages fortnahm. Er ging zur Luvseite, faßte in die Webleinen und musterte den breiten Streifen aus Kupfer und Gold, der, sich mehr und mehr vertiefend, den ganzen Horizont überzog. Es war schön, ehrfurchtgebietend sogar; kein Wunder, daß ihm dieser Anblick immer noch das Herz bewegte. Er hatte die Pracht der scheidenden Sonne auf jeder Art von Schiff erlebt und auf allen Meeren, von den kalten Wasserwüsten des Atlantik bis zur üppigen Glut der Südsee.

Die Nicator, im Kielwasser der Osiris, nahm eben eine leichte Kursänderung vor; ihre Fock flatterte kurze Zeit leer und füllte sich dann wieder. Wie unbekümmert diese Schiffe wirken mußten — wenn jemand dagewesen wäre, der sie hätte vorbeisegeln sehen. Nichts deutete auf das brodelnde Leben in ihren runden Bäuchen hin oder auf die Reparaturen der Sturmschäden, die auch jetzt noch weitergingen. Wachwechsel, Segel- und Geschützexerzieren, Essen, Schlafen — das war ihre Welt. Seine Welt. Und doch, nach einem ganzen Tag dieses anstrengenden Dienstes, einem Zwillingsbruder des gestrigen und vermutlich auch des morgigen Tages, fanden diese Männer noch Zeit für allerlei Privatbeschäftigungen: Knochen- und Holzschnitzereien, verzwickte Flechtarbeiten aus Schnüren und Metallstücken — es war schwer zu begreifen, wie solche zierlichen, feingearbeiteten Gegenstände unter den verhornten Händen britischer Seeleute entstehen konnten. Schnupftabaksdosen, aus getrocknetem Salzfleisch geschnitzt und poliert, erzielten bei den jüngeren Offizieren hohe Preise. Solche Dosen waren hart und glänzend wie aus Mahagoni und zeugten nicht nur von der Handfertigkeit des Herstellers, sondern auch von seinem gesunden Magen.

«An Deck! Land in Lee voraus!»

Bolitho schritt zur Leeseite und spähte zur anderen Kimm hinüber, die schon tiefpurpurn war. Das mußte eine der kleinen Inseln vor Malta sein, vielleicht Gozo.

Unter der Kampanje hörte er einen Steuermannsmaaten schimpfen:»Du da, wie heißt du? Larssen, nicht wahr?«Eine gemurmelte Antwort, und dann dieselbe Stimme:»Ich hab's dir immer wieder gesagt! Paß auf den Kompaß auf, und wie die Segel stehen! Steh nicht da und glotz und laß das Schiff laufen, wohin es will! Jesus, du wirst niemals Steuermannsmaat werden, nicht in hundert Jahren!»

Jetzt eine andere Stimme. Bolitho erkannte das hochnäsige Säuseln von Leutnant Fitz-Clarence.»Was schimpfen Sie denn so lästerlich, Mr. Bagley?»

«Ach, nichts Besonderes«, entgegnete der Steuermannsmaat.»Bloß daß das arme alte Schiff voll lausiger Ausländer ist, denen man alles zweimal sagen muß!»

Langsam schritt Bolitho auf und ab. Bagley hatte natürlich recht. Wie viele Schiffe des Königs hatte die Lysander eine gute Portion fremder Seeleute an Bord. Schweden und Spanier, Hannoveraner und Dänen. Auch elf Neger waren dabei und ein Kanadier, der besser französisch sprach als Farquhar.

Er mußte plötzlich an den amerikanischen Kapitän denken, John Thurgood. Nicht nur er würde eine freudige Heimkehr erleben. Die Mütter und Frauen der spanischen Matrosen, die Bolitho ihm von der Segura auf seine Barkentine geschickt hatte, würden weinen und lachen vor Freude, wenn Thurgood die Männer in ihrem He i-matland absetzte.

Er blieb an der Reling stehen und sah nach achtern. Aber die Segura war von den anderen Schiffen verdeckt und nicht zu sehen. Er seufzte. Einen Teil ihrer Mannschaft hatte er auf die amerikanische Barkentine geschickt, und eines ihrer Boote hatte er irgendwelchen französischen Fischern gegeben, beides im Austausch gegen Informationen. Informationen, die er nicht nutzen konnte. Wegen des Sturmes? Oder weil er die Lage nicht erkannt und deswegen seinem Geschwader nicht voll Genüge getan hatte?

Er hörte Schritte auf der Leiter; der Midshipman der Wache kam zögernd näher.

«Ja, Mr. Glasson?»

Der Midshipman faßte an den Hut.»Mr. Fitz-Clarence läßt mit Respekt melden, Sir, daß der Ausguck in Südosten Land gesichtet hat. Der Master sagt, es wäre Malta, Sir.»

«Danke.»

Bolitho sah ihn nachdenklich an. Glasson war siebzehn und hatte nach Luces Tod den Signaldienst übernommen. Sonnst gab es keine Ähnlichkeit zwischen den beiden. Glasson hatte scharfe Züge, eine scharfe Zunge und hielt streng auf Disziplin. Er würde einen schlechten Leutnant abgeben, wenn er so lange lebte. Es war ebenso merkwürdig wie bedauerlich, wie viele von Glassons Sorte es in der Flotte gab: junge Leute, die nichts aus den scheußlichen Meutereien gelernt hatten, bei denen die Mächtigen des Achterdecks im Handumdrehen zu einer kleinen, isolierten und gefährdeten Gruppe geworden waren. Zwischen den Kriegen war die Sache mit Captain Blighs Bounty passiert; der ganzen Nation war dieser Vorfall unter die Haut gegangen. Zivilisten waren stets bereit, mit größtem Eifer über das Gut und Böse bei Vorfällen zu urteilen, an denen sie nicht beteiligt waren und die für sie weder gefährlich noch unbequem wurden. Und dann die großen Revolten in der Nore-Flotte und bei Spithead,[21] beides Folgen des jahrzehntelangen Hundelebens, das die Seeleute hatten führen müssen. Kurz bevor Bolitho seinen Kommodorestander auf der Lysander gehißt hatte und nach Gibraltar ausgelaufen war, hatte er mit Schrecken und Abscheu vernommen, was es für Konsequenzen haben konnte, wenn Männer über das Ertragbare hinaus gequält wurden. Die Fregatte Seiner Majestät Hermione hatte einen spanischen Hafen angelaufen und sich dem Feind ergeben. Ihre Offiziere waren auf scheußlichste Weise abgeschlachtet worden, und von den loyal gebliebenen Matrosen und Unteroffizieren hatten einige das gleiche Schicksal erlitten. Die Meuterer hatten ihr Schiff dem Feind im Austausch für ihre Freiheit angeboten. Bolitho wußte von der Vorgeschichte der Meuterei nicht viel mehr, als daß der Kommandant ein furchtbarer Leuteschinder gewesen war. Wenn er diesen Glasson ansah, dessen Selbstvertrauen übrigens unter dem starren Blick seines Kommodore sichtbar welkte, konnte er sich nur wundern, daß solche Lehren immer noch unbeachtet blieben.

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siehe Kent: Der Stolz der Flotte

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