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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Jetzt sprach Herrick zum erstenmal.»Das wäre ein Eingeständnis unseres Mißerfolges! Und meiner Ansicht nach eine falsche Entscheidung!«Er sah Bolitho fest in die Augen.»Wir wissen, wie Ihnen zumute sein muß, Sir.»

«Wirklich teuflisches Pech«, fuhr Farquhar dazwischen.

«Nicht nur das«, sagte Javal und sah Bolitho mit kühler Neugier an.»Es ist auch eine teuflisch schwere Entscheidung — für Sie, Sir.»

«Ja.»

Bolitho suchte mit den Augen die Karte des Mittelmeeres ab. Alle diese Meilen. Selbst wenn er richtig geraten hatte — und mehr als Raten war es ja nicht, wie Probyn ganz richtig bemerkt hatte — , dann war es immer noch nicht sicher, daß er Kontakt mit dem Feind bekam. In der Nacht oder bei schlechtem Wetter konnten Schiffe aneinander vorbeisegeln, ohne daß eins vom anderen wußte. Ein ganzes Reich konnte durch eine falsche oder zu hastige Entscheidung verlorengehen.

«Folgendes werden wir tun«, sagte er, und es kam heraus, als hätte er von Anfang an nichts anderes im Sinn gehabt.»Unsere jetzige Position ist, soweit wir sagen können, etwa sechzig Meilen westlich der Nordküste von Korsika. «Er klopfte mit dem Zirkel auf die Karte.»Wir segeln nach Cap Corse. Der Sturm hat uns so weit nach Osten abgetrieben, daß sich eine andere Route nicht mehr lohnt. «Gespannt beugten sie sich über den Tisch.»Wir machen also we i-ter, und sobald wir Cap Corse gerundet haben, nehmen wir Kurs nach Südost. «Unbeirrt fuhr der Zirkel die italienische Küstenlinie entlang, immer tiefer.»In Syrakus legen wir an, nehmen Trinkwasser an Bord und bringen die Schwerverwundeten an Land. Die Sizilianer haben vielleicht Informationen für uns. Sie halten Frieden mit den Franzosen, aber lieben sie nicht besonders.»

Unvermittelt sah er auf.»Die Buzzard segelt dann früher los als wir, und zwar durch die Straße von Messina östlich um Sizilien herum, und trifft sich mit dem Geschwader vor Malta. Ich werde Ihnen noch genaueres sagen, Captain Javal, wenn wir etwas weiter sind.»

Er sah jedem einzelnen ins Gesicht. Damit hatte er sich festgelegt. Sich und jeden seiner Kommandanten, jeden Mann im Geschwader.

Herrick räusperte sich.»Und dann, Sir?»

Bolitho erwiderte seinen Blick und sah die Sorge, die in seinen Zügen aufstieg.»Dann, Captain Herrick, werden wir wissen, was wir zu erwarten haben.»

Probyn legte die schweren Hände breit auf den Tisch. Sie waren wie rote Krebse.»Wenn wir auch dort wieder keinen Erfolg haben, Sir, dann dürfte die Begegnung mit dem Admiral nicht angenehm ausfallen.»

Bolitho musterte ihn kalt.»Ich brauche Unterstützung, Captain Probyn, kein Mitleid.»

Sprühwasser spritzte gegen die Heckfenster, und er schloß:»Ich denke, Sie gehen am besten wieder an Bord Ihrer Schiffe. Der Wind frischt auf, wie mir scheint.»

Scharrend stießen sie die Stühle zurück und sahen einander an wie Fremde.

Probyn nahm Hut und Degen und fragte, ohne Bolitho dabei anzusehen:»Ich nehme an, wir bekommen die neuen Order noch schriftlich, Sir?»

«Das dürfte doch wohl überflüssig sein!«fuhr Herrick dazwischen.

«Da bin ich anderer Meinung«, sagte Probyn.»Es sollte mir leid tun, wenn ich ausdrücklich darauf bestehen müßte.«»Sie bekommen sie«, nickte Bolitho.

Farquhar klopfte an die Zwischentür, und als auf dieses Zeichen hin der Türposten erschien, befahl er:»Lassen Sie die Boote rufen! Und der Erste Offizier soll die Ehrenwache antreten lassen!»

«Übrigens, wie macht sich denn Ihr Erster?«fragte Probyn.

«Einigermaßen«, erwiderte Farquhar kühl.

«Sie kennen ihn also?«hakte Bolitho ein.

Probyn hüstelte verlegen.»Nicht eigentlich, Sir. Eine flüchtige Bekanntschaft, könnte man sagen.»

Die Kommandanten verabschiedeten sich und fuhren auf ihre Schiffe zurück.

Herrick war der letzte. Ohne Umschweife begann er:»Die Sache mit der Vorbramrah, Sir. Als ich hörte, was die Lysander beim Sturm für Schwierigkeiten hatte, habe ich nachgedacht. Vielleicht ist eine Kugel durch das Rick gegangen, aber die Umhüllung hat den Schaden verdeckt. So etwas kommt vor.»

Bolitho lächelte.»Vielleicht. Ihre Schuld war es nicht.»

Herrick blickte sich an Deck um, und Bolitho versuchte, seine Gedanken zu erraten. Bedauern, Besorgnis oder bloße Neugier?

«Und Sie, Thomas — alles in Ordnung?»

Herrick wandte sich ab. Eben legte seine Gig an den Großrüsten an.»Die Osiris ist ein ordentliches Schiff, Sir. Ich kann mich nicht beklagen. Aber das Herz fehlt, der Schwung.»

Bolitho wollte ihm den Arm um die Schulter legen, damit er sah, daß es ein Verlust für sie beide war. Aber es war nicht der Augenblick dafür, und auch Herrick wußte das.

«Seien Sie vorsichtig, Thomas«, sagte er nur.

Der Posten der Marine — Infanterie nahm stampfend Haltung an, die Bootsmannsmaaten setzten ihre silberblanken Pfeifen an, um Herrick die Ehrenbezeigung beim Vonbordgehen zu erweisen. Aber er zögerte noch. Seine Miene verriet Bewegung. Schließlich sagte er:»Wenn Sie mit dem Geschwader das türkische Fort angehen, dann werde ich nicht weit hinter Ihnen sein. «Mit bittendem Blick hielt er inne.»Ich wollte nur, daß Sie das wissen.»

Bolitho streckte die Hand aus.»Ja, Thomas, das weiß ich. «Er faßte Herricks Hand und drückte sie kräftig.

Er sah noch, wie Farquhar und Herrick einen formellen Gruß wechselten, und schritt dann langsam über das Achterdeck zur Luvseite.

Laut schlugen die Segel, denn das Schiff lag beigedreht, bis alle Boote abgelegt hatten; deshalb hörte Bolitho nicht, wie jemand zu ihm trat.

Es war Pascoe, seine dunklen Augen lagen tief in den Höhlen vor Müdigkeit. Er war regelmäßig seine Wachen gegangen und hatte während des Sturmes durchgehend Dienst gemacht; aber jede freie Minute hatte er im Orlopdeck bei seinem Freund verbracht.

«Ist was nicht in Ordnung?«fragte Bolitho.

Pascoe hob die Arme und ließ sie hilflos fallen.»Sir, ich. «Er schüttelte den Kopf.»Er ist tot. Vor ein paar Minuten ist er gestorben.»

Bolitho sah seinen Kummer und teilte ihn.»Luce war ein tapferer Junge. «Er nahm Pascoe beim Arm und drehte ihn etwas um, damit die vorbeigehenden Seesoldaten sein Gesicht nicht sahen.»Manchmal kann man sich nur schwer damit abfinden, daß Seeleute ebenso oft durch das Meer umkommen wie in der Schlacht.»

Pascoe erschauerte.»Er hat nie geklagt, nicht nach diesem ersten furchtbaren Schnitt. Ich habe ihm die Hand gehalten. Und gerade heute dachte ich, es ginge ihm ein bißchen besser. Aber da. «Er konnte nicht weitersprechen.

Farquhar trat herzu und faßte an den Hut.»Darf ich dem Geschwader Segelbefehl geben, Sir?«Er warf einen Blick auf Pascoe, aber in seinen Augen war kein Mitgefühl.»Der Wind frischt auf.»

«Ja, bitte. Und signalisieren Sie der Buzzard, sie soll voraus in Lee Position einnehmen. Javal weiß, was er zu erwarten hat. Und der Leutnant hier — «, er deutete auf Pascoe — ,»sollte jetzt ein paar Stunden dienstfrei bekommen.»

Farquhar nickte.»Jawohl, Sir.»

Doch Pascoe sagte:»Ich bin schon wieder in Ordnung, Sir. «Er rückte seinen Hut zurecht und wandte sich zur Leiter.»Ich möchte meinen Dienst wie immer machen, wenn Sie gestatten.»

Farquhar verzog die Lippen zu einem Lächeln.»Dann geht das also klar.»

Bolitho ging mit ihnen zur Reling. Die Matrosen standen bereits an den Brassen und Fallen bereit.

Pascoe hielt inne, einen Fuß in der Luft über dem Batteriedeck.»Eins noch, Sir. Wann soll er bestattet werden?»

«Bei Sonnenuntergang. «Er sah den Schmerz in Pascoes Augen.

«Es ist mir gerade eingefallen: mein Degen. Ich möchte, daß er ihn mitbekommt. Ich habe sonst nicht viel.»

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