Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
Gewiß wäre für Murdock die größte Vorsicht angezeigt gewesen, er aber spottete der Gefahr. Glühend vor Wuth, bethört von Verzweiflung verlor er gänzlich die Herrschaft über sich, stieß die furchtbarsten Drohungen aus und hetzte die Bauern zum Aufstande. Durch sein Beispiel angesteckt, compromittierten sich sein Vater und sein Bruder kaum weniger. Nichts vermochte sie mehr zu zügeln.
Findling, der immer das Erscheinen eines Polizeiaufgebotes fürchtete, hielt treulich Wache in der Umgebung der Farm.
Inzwischen lebte man hier von den letzten Hilfsmitteln. Um etwas Geld zu beschaffen, waren einige Möbelstücke verkauft worden. Und jetzt sollte der Winter noch mehrere Monate andauern! Doch woher die Nahrung genommen werden sollte für die Periode bis zum Wiedereintritt der bessern Jahreszeit, das wußte niemand.
Zu dieser Unruhe wegen der Gegenwart und der Zukunft kam nun noch der Kummer, den der Zustand der Großmutter verursachte. Die arme bejahrte Frau wurde von Tag zu Tag hinfälliger. Von den schweren Schicksalsschlägen getroffen, konnte ihr Leben nicht mehr lange währen. Findling blieb meist in ihrer Nähe. Er verließ das Zimmer gar nicht mehr und wich nicht von ihrem Lager. Sie liebte es, daß er bei ihr war und daß er die jetzt zweieinhalbjährige Jenny in den Armen hielt, die sie mit ihrem kindlichen Lächeln erfreute. Zuweilen nahm sie das Kind auch selbst und herzte die Kleine. Doch dabei kam ihr auch der schmerzliche Gedanke, was später aus diesem zarten Mägdlein werden solle, und dann fragte sie Findling wohclass="underline"
»Du hast sie doch recht lieb. nicht wahr?
- Ja, gewiß, Großmutter.
- Und wirst sie niemals verlassen?
- Niemals. niemals!
- Gott gebe, daß sie einst glücklicher werde, als wir es gewesen sind! Sie ist Dein Töchterchen, vergiß das nicht!. Du wirst schon ein großer junger Mann sein, wo sie noch immer nur ein kleines Mädchen ist. Ein Pathe ist dasselbe wie ein Vater. Wenn sie ihre Eltern einmal verlieren sollte.
- Ach nein, Großmutter, bitte, lassen Sie solche Gedanken! Das Unglück kann ja nicht ewig fortdauern. wenn nur erst einige Monate überstanden sind. dann werden Sie auch wieder gesund, wir sehen Sie, wie früher, im bequemen Lehnstuhle, und Jenny spielt zu ihren Füßen.. «
Doch während Findling so sprach, fühlte er einen Stich im Herzen und warme Thränen in den Augen, denn er wußte, daß die Großmutter krank, sehr krank war. Dennoch fand er die Kraft, sich - wenigstens in ihrer Nähe - zu bemeistern. Wenn er weinte, so that er das draußen, wo ihn keiner sehen konnte. Und dann fürchtete er immer, den bösen Harbert mit den Gerichtsdienern ankommen zu sehen, die die Familie von ihrem einzigen Obdach verjagen sollten.
In der ersten Januarwoche verschlimmerte sich der Zustand der alten Frau beträchtlich. Wiederholt bekam sie Ohnmachtsanfälle, von denen einer so lange anhielt, daß man glauben konnte, ihr Ende sei gekommen.
Am 6. war ein Arzt aus Tralee erschienen, einer der barmherzigen Samariter, die ihre Unterstützung auch den Armen nicht versagen, obwohl sie davon keinen klingenden Nutzen haben. Der Betreffende machte gerade, wie früher üblich, einen Ritt durch die verödeten Landstriche, und Findling, der ihn von einer Begegnung im Hauptorte der Grafschaft her kannte, hatte ihn um einen Besuch in der Farm gebeten. Hier constatierte der menschenfreundliche Arzt, daß die Entbehrungen, im Verein mit dem Alter und dem Herzeleid, das an der Kranken nagte, mit einer nicht mehr fernen Katastrophe drohten.
Diese Sachlage konnte er vor der Familie unmöglich verschleiern. Nicht Monate mehr, nicht einmal noch Wochen hatte die Großmutter zu leben; ihr Hingang stand voraussichtlich schon in einigen Tagen bevor. Noch bewahrte sie alle geistigen Fähigkeiten und würde sie auch bis ans Ende behalten. In dieser einfachen Bäuerin wohnte eine so energische Lebenskraft, eine solche Widerstandsfähigkeit gegen die endliche Auflösung, daß ihr leider ein recht harter Todeskampf drohte. Endlich würde die Schwäche sie übermannen, die Athmung aussetzen und das Herz aufhören zu schlagen..
Vor dem Verlassen der Farm verordnete der Arzt noch eine Tinctur, die der Großmutter wenigstens die letzten Augenblicke erleichtern sollte. Dann ging er fort und ließ die Verzweiflung zurück in dem Hause, wohin das Mitleid ihn geführt hatte.
Nach Tralee zu gehen, den Trank bereiten zu lassen und nach der Farm zu bringen, das hätte wohl binnen vierundzwanzig Stunden erledigt sein können; wie aber sollte man die Arznei bezahlen?. Nachdem alles Geld mit Abführung der staatlichen Abgaben erschöpft war, lebte die Familie nur von Feldfrüchten der Farm, ohne etwas dazu zu kaufen. Im Kasten befand sich kein Schilling mehr. Von Möbeln oder Kleidungsstücken ließ sich auch nichts mehr zu Geld machen. Es war das Elend im schlimmsten Maße.
Da kam Findling eine Erinnerung. Noch besaß er die Guinee, die ihm Miß Anna Walston im Limericker Theater gegeben hatte. Ein reiner Scherz der Künstlerin, hatte er doch seine Rolle als Sib sehr ernst genommen, und ihm däuchte dies Geld in Ehren verdient. So hatte er die betreffende Guinee sorglich in seiner Casse, das heißt, in der Kruke, die seine Kieselsteine enthielt, aufgehoben. Leider konnte er zur Zeit nicht mehr darauf rechnen, daß diese sich jemals in Peace oder Schillinge verwandeln würden.
Niemand in der Farm wußte, daß Findling dieses Geldstück besaß, und da kam ihm der Gedanke, es zur Beschaffung des der Großmutter verordneten Trankes zu verwenden. Das versprach ihm Linderung ihrer Leiden, vielleicht eine Verlängerung des Lebens und - wer weiß? - ihr Zustand konnte sich wohl gar dauernd bessern. Findling wollte noch immer hoffen, wenn er im Herzen auch verzweifelte.
Entlehleden, sein Vorhaben auszuführen, beschloß er, nichts davon verlauten zu lassen. Das Geld gehörte ja ihm, er konnte darüber nach Belieben verfügen. Jedenfalls war keine Zeit zu verlieren. Um ungesehen zu bleiben, wollte er in der Nacht aufbrechen. Ein Dutzend Meilen bis Tralee hin und ebenso viele zurück, das ist für ein Kind zwar ein weiter Tagesmarsch, doch er dachte daran nicht im mindesten.
Es war ungewiß, ob seine Abwesenheit während eines Tages so besonders auffiel, da er sich die ganze Zeit, wo er nicht bei der Großmutter saß, draußen aufhielt, die Umgebungen und die Landstraße auf zwei bis drei Meilen hin überwachte und immer gespannt wartete, ob nicht der Beamte des Middleman mit den Gerichtsdienern auftauchte, um die Familie auf die Straße zu werfen, oder ein Constabler mit Gehilfen käme, um Murdock zu verhaften.