Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
An die Aufsuchung einer Zufluchtsstätte in den Felsenhöhlen der Küste oder im Dickicht des Waldes war im Winter gar nicht zu denken. Murdock wollte sich von Frau und Kind auch nicht trennen, und wenn er auch in den weniger überwachten Grafschaften des Nordens hätte etwas mehr Sicherheit finden können, so fehlte es ihm doch an Mitteln, Kitty dahin mitzunehmen und für deren Unterhalt zu sorgen. Die Casse der Nationalisten war, trotz ihres Bestandes von zwei Millionen Pfund, nicht in der Lage, die Erhebung gegen den Landlordismus siegreich durchzuführen.
Murdock blieb also in der Farm, doch stets bereit zur Flucht, wenn die Constabler hier etwa zu einer Haussuchung einträfen. Findling und Birk blieben in der Umgebung auf der Wacht. Niemand hätte sich bis auf eine halbe Meile nähern können, ohne bemerkt und gemeldet zu werden.
Weit mehr beunruhigte Murdock übrigens das nächste Erscheinen des Pachtcassierers, der die zu Weihnachten fällige Bodenrente einzuholen käme.
Bisher war Martin Mac Carthy immer im Stande gewesen, seinen Verpflichtungen aus dem laufenden Ertrage der Farm und im Nothfall aus früheren Ueberschüssen nachzukommen. Nur ein- oder zweimal hatte er, wenn auch mit Mühe, eine kurze Gestundung erbeten und erlangt, um die volle Summe herbeizuschaffen. Heute wußte er leider nicht, woher das Geld kommen oder was er verkaufen sollte, da ja nichts mehr vorhanden war, weder von den Hausthieren, die er zum Theil verloren hatte, noch von seinen Ersparnissen, die schon von den Staatsabgaben aufgezehrt waren.
Der Eigenthümer der Domäne von Rockingham war - wie schon erwähnt - ein englischer Lord und noch niemals nach Irland gekommen. Beseelten ihn auch die besten Absichten bezüglich seiner Pächter, so kannte er diese doch nicht und konnte ebenso wenig für sie im Einzelfalle eintreten, wie diese sich an ihn selbst wenden. Der Middleman, der die Ausbeute der großen Besitzung auf eigne Rechnung übernommen hatte, wohnte in Dublin. Auch er kam mit den Pächtern nur selten in Berührung und überließ es einem Unterbeamten, die Grundrenten zur gewohnten Zeit einzuziehen.
Dieser Mann, der sich jährlich beim Pächter Mac Carthy einfand, hieß Harbert. Rauh und hart, zu sehr gewöhnt an den Anblick des Elends, um davon noch ergriffen zu werden, war er mehr ein Art Gerichtsbote, ein Häscher, den kein Bitten und Flehen zu erweichen vermochte. Bei seinen Besuchen in den Farmen der Grafschaft hatte er schon genügend bewiesen, wessen er fähig war - hatte ohne Gnade so manche unglückliche Familie in die Winterkälte hinausgetrieben, selbst ohne Gewährung einer Frist zur Beschaffung eines andern Unterkommens. Mit bestimmten Vorschriften hinausgeschickt, schien es, als ob der Mann sich ein Vergnügen daraus machte, diese in aller Härte auszuführen. Die Grüne Insel ist ja das Land, aus dem der traurige Ausspruch herstammt: »Man verletzt das Gesetz nicht, wenn man einen Irländer tödtet!«
In Kerwan herrschte jetzt die schlimmste Unruhe. Der Besuch Harbert's konnte nicht mehr lange ausbleiben. Die letzte Decemberwoche benützte er gewöhnlich, die Domäne von Rockingham zu bereisen.
Am Morgen des 29. December kam Findling, der jenen zuerst bemerkt hatte, athemlos nach dem Hause gelaufen, um die Familie in der großen Stube von dem Eintreffen des gefürchteten Mannes zu benachrichtigen.
Alle - der Vater, die Mutter, die Söhne, die Urgroßmutter und ihre Urenkelin, die Kitty auf den Knien hielt - waren hier beisammen.
Der Beamte stieß das Gitterthor auf, schritt sicher und fest -mit dem Tritte des Herrn - durch den Hof, öffnete die Thür des Zimmers und setzte sich, sogar ohne den Hut abzunehmen, ohne einen Guten Tag, wie einer, der sich hier weit mehr zu Hause fühlte als die Insassen der Wohnung, auf einen Stuhl vor dem Tische, zog einige Papiere aus einem Lederportefeuille und sagte ohne Vorrede.
»Für das verflossne Jahr hab' ich hundert Pfund zu bekommen, Mac Carthy. Das stimmt doch wohl?.
- Gewiß, Herr Harbert, antwortete der Farmer mit leise zitternder Stimme. Es macht hundert Pfund. Ich werde Sie aber um einen kleinen Aufschub bitten müssen. den Sie mir ja schon früher einige Mal bewilligt hatten..
- Einen Aufschub. immer Aufschub? unterbrach ihn Harbert. Was soll das heißen? Diesen Refrain hör' ich nun schon in allen Farmen. Kann denn Herr Eldon seine Verpflichtungen gegen den Lord Rockingham mit lauter Aufschüben ausgleichen?
- Das Jahr ist für alle sehr schlecht gewesen, Herr Harbert, und Sie dürfen glauben, daß auch unsre Farm davon betroffen wurde..
- Das geht mich nichts an, Mac Carthy. Ich kann Ihnen keinen Aufschub bewilligen!«
In eine finstre Ecke gedrückt, mit gekreuzten Armen und weit geöffneten Augen war Findling Zeuge dieses Auftritts.
»Ich bitte Sie, Herr Harbert, haben Sie Mitleid mit den Armen!. Es handelt sich ja nur darum, uns etwas Zeit zu gönnen. Der halbe Winter ist schon vorbei, und er ist auch nicht zu streng gewesen. Im nächsten Erntejahre werden wir uns erholen.
- Wollen Sie jetzt bezahlen oder nicht, Mac Carthy?
- Wir möchten's ja gern. Herr Harbert. so hören Sie doch. ich versichere Ihnen auf mein Ehrenwort, daß es uns unmöglich ist.
- Unmöglich! rief der herzlose Beamte So verschaffen Sie sich Geld durch den Verkauf..
- Das haben wir gethan, doch was uns davon verblieb, wurde durch die Ueberschwemmung im Frühjahr vernichtet. Für das Mobiliar im Hause bekämen wir ja keine hundert Schillinge!
- So? Und jetzt, wo sie nicht einmal imstande sind, die Feldarbeiten wieder aufzunehmen, rief der Beamte, jetzt denken Sie durch die nächste Ernte alles wieder einzubringen? Halten Sie mich denn für einen Narren, Mac Carthy?
- Nein, gewiß nicht, Herr Harbert, da sei Gott vor! Doch aus Mitleid, rauben Sie uns nicht die allerletzte Hoffnung!«
Bewegungslos und stumm unterdrückten Murdock und sein Bruder nur mühsam die innere Empörung, als sie ihren Vater sich vor diesem Menschen so bücken und beugen sahen.
Eben hatte sich die Großmutter in ihrem Lehnstuhle halb aufgerichtet und begann mit ernster Stimme: »Herr Harbert, ich bin siebenundsiebzig Jahre alt und lebe seit siebenundsiebzig Jahren auf diesem Pachthofe, den mein Vater vor meinem eignen Manne und vor meinem Sohne bewirtschaftete. Bis zum heutigen Tage haben wir unsern Pachtzins noch stets auf Heller und Pfennig gezahlt, und jetzt, wo wir Sie zum ersten Male um einen Aufschub bis zur nächsten Ernte ersuchen, kann ich nimmermehr glauben, daß der Lord Rockingham uns von hier zu vertreiben beabsichtige..
- Um den Lord Rockingham handelt es sich hier auch gar nicht! fiel Harbert barsch ein. Der Lord Rockingham kennt Sie ja nicht im geringsten. Der Herr John Eldon aber kennt Sie. er hat mir bestimmte Befehle ertheilt, und wenn Sie mich nicht bezahlen, verlassen Sie einfach die Farm von Kerwan..
- Kerwan verlassen! schrie Martine, bleich wie eine Todte, auf.