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Krieg im Spiegel (Smiley Bd 4) [calibre 2.23.0]

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Krieg im Spiegel (Smiley Bd 4) [calibre 2.23.0]
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Dann klopfte er sein zweites Rufzeichen hinaus, PRE, PRE, schaltete schnell auf Empfang und wieder war da Johnsons QRK 4: Ihr Zeichen verstanden. Abermals begann er zu senden, wobei sich seine Hand langsam, aber in regelmäßigem Rhythmus bewegte und seine Augen der Reihe sinnloser Buchstaben folgten, bis er mit zufriedenem Kopfnicken Johnsons Antwort hörte: Signal empfangen. QRU - Ich habe nichts für Sie.

Nachdem sie fertig waren, bestand Leiser auf einen kurzen Spaziergang. Es war bitter kalt. Sie gingen die Walton Street bis zum Tor von Worcester und von dort durch die Banbury Road wieder zurück zum bürgerlichen Sanktuarium ihres dunklen Hauses in Nord-Oxford.

 

16. Kapitel

 

START

Es war der gleiche Wind. Der Wind, der auch schon an Taylors gefrorenem Körper gezerrt und den Regen gegen die rußgeschwärzten Mauern in der Blackfriars Road geworfen hatte. Der gleiche Wind, der schon das Gras von Port Meadow gepeitscht hatte, rüttelte jetzt an den Fensterläden des Bauernhauses. Im Hause roch es nach Katzen. Es gab keine Teppiche und die Fußböden waren aus Stein: nichts würde sie trocknen. Sofort nach ihrer Ankunft machte Johnson im Kachelofen in der Stube Feuer, aber die Feuchtigkeit lag noch immer auf den Fliesen und sammelte sich in den Rillen wie eine müde Armee. Sie sahen während ihres ganzen Aufenthaltes keine einzige Katze, aber man roch sie überall. Johnson legte Corned Beef auf die Türschwelle. In zehn Minuten war es verschwunden.

Das Haus war ebenerdig, mit einem Speicher unter seinem hohen Ziegeldach, und es lehnte sich unter dem weiten friesischen Himmel an ein kleines Dickicht. Ein langes, rechtwinkeliges Gebäude, an dessen geschützter Seite die Viehställe waren. Es lag vier Kilometer nördlich von Lübeck. Leclerc hatte gesagt, daß sie die Stadt nicht betreten dürften. Eine Leiter führte auf den Heuboden, und dort installierte Johnson seinen Sender, wobei er die Antenne von einem Tragbalken aus durch das Dachfenster zu einer Ulme am Straßenrand spannte. Im Haus trug er braune Militärschuhe mit Gummisohlen und einen Blazer, auf dem das Wappen einer Schwadron aufgenäht war. Gorton hatte von der britischen Versorgungstruppe in Celle Lebensmittel liefern lassen, die in alten Pappkartons auf dem Boden der Küche herumstanden. Auf der beiliegenden Rechnung stand >Mr. Gortons Gesellschaft<. Zwei Flaschen Gin und drei Flaschen Whisky waren dabei. Es gab zwei Schlafräume. Gorton hatte Armeebetten kommen lassen, für jedes Zimmer zwei, und Leselampen mit grünen Schirmen. Haldane war wegen der Betten verärgert. »Er muß es jeder verdammten Abteilung in der Gegend erzählt haben«, klagte er. »Billiger Whisky, Armeerationen, Feldbetten. Wahrscheinlich werden wir auch noch hören, daß er das Nachbarhaus requiriert hat. Mein Gott, was für eine Art, einen Einsatz vorzubereiten.«

Es war schon später Nachmittag, als sie ankamen. Sobald Johnson sein Gerät montiert hatte, machte er sich in der Küche zu schaffen. Er war sehr häuslich, kochte und wusch das Geschirr, ohne zu murren, wobei er sich in seinen sauberen Schuhen geschickt auf den Fliesen bewegte. Er braute aus Büchsenfleisch und Eiern ein Haschee zusammen. Dazu gab es stark gesüßten Kakao. Sie aßen in der Halle vor dem Kachelofen, Johnson bestritt den Großteil des Gesprächs. Leiser war sehr still und rührte das Essen kaum an.

»Was ist los, Fred? Keinen Hunger?«

»Tut mir leid, Jack.«

»Sie haben im Flugzeug zuviel Bonbons gelutscht.« Johnson zwinkerte zu Avery hinüber. »Ich hab' gesehen, was Sie der Hosteß für Blicke zugeworfen haben. Das hätten Sie nicht tun sollen, Fred, wissen Sie! Sie kann dann nicht schlafen.« Er runzelte die Stirn und sah die anderen mit gespielter Mißbilligung an. »Er hat sie mit den Blicken ausgezogen, wißt ihr. Von Kopf bis Fuß.«

Avery grinste pflichtschuldig. Haldane nahm keine Notiz davon.

Leiser machte sich wegen des Mondes Sorgen, und so gingen sie nach dem Abendessen zur Hintertür. Die kleine, vor Kälte zitternde Gruppe starrte zum Himmel hinauf. Es herrschte eine seltsame Helligkeit. Die Wolken trieben wie schwarze Rauchschwaden so tief über den Bäumen, daß es aussah, als streiften sie an die schwankenden Äste des Dickichts; die grauen Felder dahinter lagen im Halbdunkel. »An der Grenze wird es nicht so hell sein, Fred«, sagte Avery. »Sie liegt höher, das Land ist dort hügelig.« Haldane sagte, sie sollten früh zu Bett gehen. Sie tranken noch einen Whisky, und Viertel nach zehn legten sie sich schlafen, Johnson und Leiser in einem Raum, Avery und Haldane im anderen. Niemand traf die Einteilung. Offenbar wußte jeder, wohin er gehörte.

Es war Mitternacht, als Johnson in ihr Zimmer trat. Das Quietschen seiner Gummisohlen weckte Avery. »John, sind Sie wach?« Haldane setzte sich auf.

»Es ist wegen Fred. Er sitzt allein in der Halle. Ich habe ihm gesagt, er soll zu schlafen versuchen, Sir. Hab ihm ein paar Tabletten gegeben, die auch meine Mutter nimmt. Zuerst wollte er sich nicht einmal hinlegen, und jetzt ist er wieder aufgestanden und in die Halle hinüber gegangen.«

Haldane sagte: »Lassen Sie ihn in Ruhe. Es fehlt ihm nichts. Bei diesem verdammten Wind kann keiner von uns schlafen.«

Johnson ging in sein Zimmer zurück. Eine Stunde mußte vergangen sein, aber in der Halle hatte sich noch immer nichts gerührt. Haldane sagte: »Sehen Sie lieber, was er macht.«

Avery zog seinen Mantel an und ging durch den Korridor, vorbei an Tapisserien mit biblischen Legenden und einem alten Stich vom Lübecker Hafen. Leiser saß auf einem Stuhl neben dem Kachelofen. »Hallo, Fred.« Leiser wirkte alt und müde.

»Es ist hier in der Nähe, nicht wahr? Wo ich hingehe?« fragte er.

»Ungefähr fünf Kilometer von hier. Der Direktor wird uns morgen früh einweisen. Man ist der Meinung, daß es ein ziemlich leichter Einsatz ist. Er wird Ihnen alle Ihre Papiere und so geben. Am Nachmittag werden wir Ihnen die Stelle zeigen. Man hat in London viel daran gearbeitet.«

»In London«, wiederholte Leiser. Dann sagte er plötzlich: »Ich hab' im Krieg in Holland einen Einsatz gemacht. Die Holländer waren nette Leute. Wir schickten eine Menge Agenten nach Holland. Frauen. Man hat sie alle geschnappt. - Sie sind damals noch ein Kind gewesen, nicht?«

»Ich habe darüber gelesen.«

»Die Deutschen schnappten einen Funker. Unsere Leute wußten es nicht und schickten immer weiter Agenten hinein. Man sagte, es gebe keine andere Wahl.« Er sprach schneller. »Ich war damals noch ein Junge. Sie suchten jemanden für einen schnellen Einsatz, nur hinein und wieder heraus. Sie hatten zu wenig Funker. Man sagte mir, es mache nichts, daß ich kein Holländisch spreche, denn ich würde gleich bei der Landung von jemand in Empfang genommen. Ich brauche nichts zu tun, als zu funken. Sie hätten einen sicheren Unterschlupf für mich.« Er schien abwesend. »Wir fliegen hinüber. Nichts rührt sich, kein Scheinwerfer, kein Schuß, und ich bin ganz dran. Als ich lande, sind sie da: zwei Männer und eine Frau. Nach dem Erkennungswort führen sie mich zu den Fahrrädern. Keine Zeit, den Fallschirm zu vergraben. Wir finden das Haus, ich bekomme zu essen. Danach gehen wir hinauf zum Gerät. Es gab damals keine Sendezeiten, London war Tag und Nacht auf Empfang. Man gibt mir den Zettel mit der Meldung. Ich gebe das Rufzeichen: >TYR kommen, TYR kommen< und danach die Meldung, einundzwanzig Gruppen, zu vier Buchstaben.« Er brach ab. »Und?«

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