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Krieg im Spiegel (Smiley Bd 4) [calibre 2.23.0]

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Krieg im Spiegel (Smiley Bd 4) [calibre 2.23.0]
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»Schon recht, nun lassen Sie das endlich, ja?« Leisers Stimme klang gereizt. »Hören Sie bloß damit auf.«

»Tut mir leid, Fred.«

»Wann fahren wir nach London?«

»Montag, Fred.«

»Wird John dort sein?«

»Wir treffen ihn auf dem Flugplatz. Und den Captain. Sie wollten, daß wir noch ein bißchen üben, die Routinesachen und so.«

Leiser nickte, während er mit dem Zeige- und Mittelfinger leicht auf den Tisch klopfte, als würde er morsen. »Also - weshalb erzählen Sie nicht ein bißchen von den Mädchen, die Sie bei Ihrem Urlaub in London vernascht haben?« schlug Johnson vor. Leiser schüttelte den Kopf.

»Na gut, dann schmeiß ich jetzt noch 'ne Runde, und Sie laden mich auf eine Partie Billard ein.«

Leiser lächelte schüchtern. Er hatte seinen Ärger vergessen. »Ich habe viel mehr Geld als Sie, Jack. Der White Lady kostet 'ne Menge. Lassen Sie nur.« Er kreidete seinen Billardstock und warf eine Münze ein. »Ich spiel doppelt oder nichts gegen Sie - für gestern abend.«

»Schauen Sie, Fred«, bat Johnson ruhig, »setzen Sie nicht dauernd aufs große Geld. Nicht immer nur mit der Roten auf Hundert - bleiben Sie bei den Zwanzigern und Fünfzigern, die leppern sich auch ganz schön zusammen. Damit kommen Sie heil nach Hause.«

Plötzlich war Leiser ärgerlich. Er stellte seinen Stock zurück in den Halter und nahm seinen Kamelhaarmantel vom Haken.

»Was ist denn, Fred? Was, zum Teufel, ist jetzt wieder los?«

»Lassen Sie mich in Gottes Namen in Frieden! Hören Sie auf, sich wie ein beschissener Gefängniswärter aufzuspielen. Ich gehe auf einen Job, wie wir's alle im Krieg getan haben. Ich sitze schließlich nicht in der Exekutionszelle.«

»Seien Sie nicht verrückt«, sagte Johnson sanft, nahm ihm den Mantel ab und hängte ihn wieder an den Haken zurück. »Außerdem sagen wir nicht Exekution, wir sagen Todeszelle.«

Carol stellte den Kaffee vor Leclerc auf den Schreibtisch. Er sah lächelnd auf und sagte >Danke<, müde, aber gut erzogen, wie ein Kind am Ende einer Geburtstagsparty.

»Adrian Haldane ist schon heimgegangen«, bemerkte Carol. Leclerc beugte sich wieder über die Landkarte.

»Ich habe in sein Büro geschaut. >Gute Nacht< hätte er schon sagen können.«

»Das tut er nie«, antwortete Leclerc stolz.

»Kann ich noch irgendwas tun?«

»Ich vergesse immer wieder, wie man Yards in Meter umrechnet.«

»Das weiß ich leider auch nicht.«

»Das Rondell sagte, dieser Graben sei zweihundert Meter lang. Das wären rund zweihundertfünfzig Yards, nicht?«

»Ich glaube; ich werde nachsehen.« Sie ging in ihr Büro und holte sich aus dem Regal ein Buch mit den Umrechnungstabellen. »Ein Meter hat neununddreißig komma siebenunddreißig Zoll«, las sie laut vor. »Hundert Meter sind hundertneun Yards und dreizehn Zoll.« Leclerc schrieb es auf.

»Ich glaube, wir sollten Gorton ein Telegramm mit der Bestätigung schicken, daß alles wie vorgesehen ablaufen wird. Trinken Sie ruhig erst Ihren Kaffee. Bringen Sie Ihren Block dann mit.«

»Ich trinke keinen Kaffee.« Sie holte den Block. »Amtspriorität genügt. Wir wollen den alten Jimmy nicht aus dem Bett holen.« Er strich sich mit seiner kleinen Hand kurz übers Haar. »Erstens: Vorausgruppe Haldane, Avery, Johnson und Mayfly ankommen BEA-Flug soundsoviel, soundsoviel Uhr am 9. Dezember.« Er blickte auf. »Die Einzelheiten lassen Sie sich von der Verwaltung sagen. Zweitens: Alle reisen unter den echten Namen und fahren mit dem Zug weiter nach Lübeck. Aus Sicherheitsgründen werden Sie Gruppe nicht - wiederhole: nicht - am Flughafen treffen, können jedoch mit Avery im Standquartier Lübeck Telefonkontakt herstellen.« Mit einem kurzen Lachen bemerkte er: »Dem alten Adrian kann ich ihn schlecht auf den Hals laden. Die beiden verstehen sich überhaupt nicht.« Mit erhobener Stimme: »Drittens: Gruppe zwo bestehend aus Direktor ohne Begleitung ankommt erst mit Morgenmaschine 10. Dezember. Erbitte Abholung am Flugplatz für kurze Besprechung vor Weiterreise nach Lübeck. Viertens: Ihre Aufgabe ist unauffällige Leistung von Rat und Hilfe mit dem Ziel, Unternehmen Mayfly erfolgreich abzuschließen.« Sie stand auf.

»Muß John Avery fahren? Seine arme Frau hat ihn schon seit Wochen nicht gesehen.«

»Soldatenschicksal«, erwiderte Leclerc, ohne sie anzusehen. »Wie lange braucht ein Mann, um zweihundertzwanzig Yards weit zu kriechen?« Er murmelte vor sich hin. »Ach, Carol - bitte schreiben Sie noch einen Satz dazu. >Fünftens: Waidmannsheil.< Der alte Jimmy schätzt ein bißchen Aufmunterung, ganz allein da draußen, wie er ist.«

Er nahm eine Akte aus dem Eingangskorb und betrachtete kritisch ihre Aufschrift. Er spürte wohl, daß Carols Augen auf ihn gerichtet waren.

»Aha!« Ein beherrschtes Lächeln. »Das muß der Bericht aus Ungarn sein. Haben Sie Arthur Fielden in Wien schon kennengelernt?«

»Nein.«

»Netter Kerl. Würde Ihnen gefallen. Einer unserer besten. er kennt sich aus. Bruce sagte mir, er habe einen recht guten Bericht über Truppenverschiebungen in Ungarn geliefert. Ich muß ihn mal Adrian zeigen. Zur Zeit passiert wirklich derart viel.« Er schlug die Akte auf und begann zu lesen. Control sagte: »Haben Sie mit Hyde gesprochen?«

»Ja.«

»Und, was hat er gesagt? Wie sieht's dort bei denen aus?«

Smiley gab ihm einen Whisky Soda. Sie waren in Smileys Haus in der Bywater Street. Control saß in seinem Lieblingsstuhl, gleich neben dem Kamin. »Er sagt, sie hätten Lampenfieber.«

»Das soll Hyde gesagt haben? Er hat wirklich diesen Ausdruck gebraucht? Das ist erstaunlich.«

»Sie haben sich ein Haus in Oxford zugelegt. Es war nur dieser eine Agent da, ein Pole, ungefähr vierzig, und sie wollten für ihn Dokumente auf den Namen Freiser, Mechaniker aus Magdeburg. Sie verlangten Reisepapiere für eine Fahrt nach Rostock.«

»Wer war noch dort?«

»Haldane und dieser Neue, Avery. Derselbe, der wegen des finnischen Kuriers bei mir war. Und ein Funker, Jack Johnson. Er war im Krieg bei uns. Sonst war niemand da. Soviel über ihren großen Agentenstab.«

»Was haben die nur vor? Und wer soll denen das ganze Geld gegeben haben, nur für eine Übung? - Wir haben ihnen Ausrüstung geborgt, nicht wahr?«

»Ja, eine B 2.«

»Was, zum Teufel, ist denn das?«

»Ein Gerät aus der Kriegszeit«, erwiderte Smiley ärgerlich. »Sie selbst sagten, daß wir ihnen nichts anderes geben dürften. Nur dieses Gerät und die Kristalle. Warum haben Sie sich eigentlich auch noch um die Kristalle gekümmert?«

»Aus Gutmütigkeit. - Eine B2 war das? Na gut.« Und mit deutlicher Erleichterung bemerkte er: »Damit werden Sie aber nicht weit kommen, oder?«

»Fahren Sie heute nach Hause?« fragte Smiley ungeduldig.

»Ich möchte Sie eigentlich bitten, mir hier ein Bett zu überlassen«, schlug Control vor. »Diese Bummelei bis nach Hause ist immer eine fürchterliche Plackerei. Solche Menschenmassen... es scheint von Mal zu Mal schlimmer zu werden.«

Leiser saß im Dunkeln vor seinem Tisch. Er hatte noch immer den Geschmack der White Ladies auf der Zunge. Er starrte auf das Leuchtzifferblatt seiner Uhr, vor sich den geöffneten Koffer. Elf Uhr achtzehn. Der Sekundenzeiger schob sich ruckartig auf die Zwölf. Er begann zu klopfen; JAJ, JAJ - daran können Sie sich leicht erinnern, Fred, ich heiße Jack Johnson, nicht wahr? Dann ging er auf Empfang, und da kam auch schon Johnsons Antwort, sicher wie ein Fels. Lassen Sie sich Zeit, hatte Johnson gesagt, nur nicht querfeldein. Wir hören Ihnen die ganze Nacht zu, wenn's sein muß, es gibt genügend Frequenzen. Im Licht einer kleinen Taschenlampe zählte er die Zahlengruppen. Es waren achtunddreißig. Er knipste die Lampe aus und klopfte eine Drei und eine Acht. Zahlen waren sehr einfach, nur lang. Sein Kopf war ganz klar. Er hatte noch Johnsons höfliche Stimme im Ohr, die wieder und wieder gesagt hatte: Sie machen die Punkte zu kurz, Fred. Ein Punkt ist ein Drittel von einem Strich, verstehen Sie? Das ist länger, als Sie glauben. Nehmen Sie die Lücken schön mit: fünfmal kurz zwischen jedem Wort, dreimal kurz zwischen jedem Buchstaben. Unterarm in einer geraden Linie mit dem Hebel der Taste. Ellbogen nicht an den Körper anlegen. Es ist wie das Kämpfen mit dem Messer, dachte er lächelnd, und begann zu morsen. Finger locker, Fred, entspannt, Handgelenk nicht auf dem Tisch auflegen. Er klopfte die ersten beiden Gruppen hinaus, wobei er bei den Zwischenräumen ein bißchen schluderte, aber nicht so viel wie sonst. Jetzt die dritte Gruppe: das Sicherheitszeichen. Er morste ein S, das er wieder zurücknahm, ehe er die nächsten zehn Gruppen funkte, wobei er hin und wieder auf seine Uhr schaute. Nach zweieinhalb Minuten schaltete er ab, tastete nach der kleinen Kapsel, die den Kristall enthielt, fühlte mit den Fingerspitzen, wo sich die Fassung befand, zog den alten Kristall heraus, steckte den neuen ein und ging dann Schritt für Schritt die ganze Abstimmungsprozedur durch, indem er die Regelknöpfe bediente und mit seiner Taschenlampe auf das halbmondförmige Instrumentenfenster leuchtete, hinter dem er die Nadel auf und ab zittern sah.

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