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18 Geisterstories

Электронная книга - «18 Geisterstories». Краткое содержание книги:

Schaurige Geschichten von klassischen und modernen Gespenstern.
Ausgewählt und herausgegeben von Manfred Kluge.
Inhalt:
Laertes
Karl Hans Strobl
Vier Geister in ›Hamlet‹
Fritz Leiber
Das arme alte Gespenst
Heinrich Seidel
Die Klausenburg
Ludwig Tieck
Der Geisterberg
Gustav Adolf Becquer
Gäste zur Nacht
Alexander Puschkin
Der schwarze Schleier
Charles Dickens
Das weiße Tier
Ein Nachtstück
Georg von der Gabelentz
Das geheimnisvolle Telegramm
Anonymus
Der geraubte Arm
Vilhelm Bergsöe
Die Nacht von Pentonville
Jean Ray
Das Gespenst
Knut Hamsun
Der Geist
Frederic Boutet
Die Kleinodien des Tormento
Paul Busson
Altersstarrsinn
Robert Bloch
Der Spuk von Rammin
Hanns Heinz Ewers
Reitet, Colonel!
Mary-Carter Roberts
Die Stimme aus dem Jenseits
Werner Gronwald
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Diese Meinung hielt ich aufrecht, bis ich selbst etwas erlebte, das über die Grenzen des Natürlichen ging. Meine Dienstzeit in dem Londoner Büro, in dem ich seit vier Jahren angestellt war, begann abends 7 ½ Uhr und dauerte bis 2 ½ Uhr nachts.

Eines Abends fühlte ich mich nicht ganz wohl und erbat mir daher die Erlaubnis, etwas früher nach Hause gehen zu dürfen. Kurz vor meinem Fortgehen hatte ich noch ein Telegramm auszufertigen. Es war an einen in Whitechapel wohnenden Mann adressiert, enthielt nur die Worte ›Sieh Dich vor‹, und war unterzeichnet mit ›H‹.

Ich beförderte das Telegramm, übergab meinen Dienst einem Kollegen und ging heim.

Bevor ich mich schlafen legte, trat ich zufällig noch einmal auf den Korridor hinaus und bemerkte, daß im Badezimmer, dessen Tür halb offen stand, Licht brannte. Dies kam mir sonderbar vor; denn es war niemand im Zimmer, und ich selbst hatte das Licht nicht angezündet.

Ich ging hinein, um die Lampe auszulöschen. Da sah ich, daß der eine Wasserhahn nicht vollständig geschlossen war; in bestimmten Zwischenräumen fielen Tropfen auf den Boden der Badewanne. Das Geräusch, das sie hervorriefen, irritierte mich. Aufhorchend blieb ich stehen. Wahrhaftig, die Tropfen schienen mir in einer seltsam unregelmäßigen Weise zu fallen.

Aufmerksam lauschte ich und sagte dann beinahe mechanisch zu mir selbst: »Das klingt ja wie ein Telegramm!«

Tropp-tropp, tropp-tropp-tropp … es war tatsächlich ein Telegramm!

Deutlich hörte ich, wie verschiedene Male wiederholt wurde: ›Sieh Dich vor!‹, und dann folgte nach einer kurzen Pause das Zeichen ›H‹.

Ich traute meinen Ohren nicht: es war das Telegramm, das ich zuletzt expediert hatte. Verblüfft setzte ich mich auf den Rand der Badewanne, lauschte, beobachtete den Wasserhahn, aber – kein Zweifel, es war das Telegramm: ›Sieh Dich vor!‹

Im höchsten Grade erstaunt, ging ich zu einem Kollegen, der eine Etage unter mir wohnte, und bat ihn, zu mir heraufzukommen. Auch er sollte sich von der eigentümlichen Erscheinung überzeugen.

Es war inzwischen spät geworden, und der Kollege hatte sich schon zu Bett begeben. Er war über die Störung nicht gerade erfreut, erklärte sich jedoch schließlich bereit, mir zu folgen.

Von dem Telegramm erzählte ich ihm nichts. Ich wollte sehen, ob auch er es hören würde. Er lauschte und sagte dann erstaunt: »Das ist ja ein Telegramm! ›Sieh Dich vor!‹, unterzeichnet ›H‹.«

Ich sagte ihm, daß auch ich es so höre.

Wir horchten und beobachteten dann noch eine Weile. Erklären konnte auch er sich die Sache nicht. Schließlich verließ er mich und ging wieder auf sein Zimmer, nicht ohne vorher noch weidlich über die Geschichte gelacht und sie für Unsinn erklärt zu haben.

Dann ging auch ich auf mein Zimmer und setzte mich an den Tisch, um noch über die Sache nachzudenken; zum Schlafen war ich doch zu aufgeregt.

Endlich erhob ich mich, ging zum Waschtisch, um mich auszukleiden, und sah, noch immer über das Telegramm nachdenkend, in den Spiegel.

Ich war starr! Auf dem Platz, den ich eben noch eingenommen hatte, saß ein Mann und schrieb!

Das Blut stockte mir in den Adern. Es war mir unmöglich, mich umzuwenden und der Erscheinung direkt ins Angesicht zu sehen. Meine Augen waren wie gebannt an das Bild im Spiegel!

Es war ein großer, schlanker Mann. Sein Gesicht war farblos, weiß wie Kalk, und unter den Augen sah ich große, dunkle Ringe. Ein ähnliches Gesicht hatte ich einst in der Morgue, der Pariser Leichenhalle, gesehen. Der grünliche Schatten unter den Augen jenes Toten hatte genau dieselbe Farbe wie die dunklen Ringe unter den Augen dieses Mannes.

Ich beobachtete seine Hand – sie malte ein großes ›S‹. Dann kam ein ›i‹, ein ›e‹ und ›h‹. Dann schrieb sie ein großes ›D‹ und so fort. – »Sieh Dich vor!‹ Ich wußte genau, wie der nächste Buchstabe lauten würde – es war ein ›H‹.

Der Mann stand auf. Von meiner Anwesenheit schien er nichts zu wissen. Er sah weder nach mir, noch wendete er überhaupt sein Gesicht. Lautlos ging er durch die offene Tür hinaus auf den Korridor.

Ich stand und sah in den Spiegel, nicht imstande, mich zu bewegen. Jeden Augenblick erwartete ich die Rückkehr der Erscheinung aus dem Dunkel des Korridors. Aber sie kam nicht zurück, und ich fand schließlich den Mut, an den Tisch zu treten, um zu sehen, was dort geschrieben stand. Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich nicht ein einziges Wort fand.

Ich ging zur Tür, schloß sie leise und nahm Platz. Hatte ich geträumt? Was war eigentlich geschehen?

Wie lange ich in dieser Verfassung gesessen habe, weiß ich nicht; aber plötzlich hörte ich das lustige Zwitschern der Vögel aus dem nahen Garten zu mir dringen.

An Schlaf war bei meinem aufgeregten Zustand nicht zu denken. Mein Kopf glühte fieberhaft, ich ging deshalb an das Fenster, um die kühle Morgenluft zu atmen.

Eine Zeitlang sah ich hinunter in die Straßen, die um diese Zeit gänzlich vereinsamt lagen. Da, wie aus der Erde auftauchend, erschien auf dem Gehsteig drüben plötzlich ein Mann. Er verursachte nicht das geringste Geräusch; geisterhaft schien er über das Pflaster dahinzuschweben.

Als er sich meinem Fenster gegenüber befand, blieb er stehen. Er drehte mir anfangs den Rücken zu; plötzlich aber wandte er sich zu mir um und sah mir ins Gesicht.

Unsere Blicke trafen sich. Ein angstvoller Ausdruck war in seinen Zügen, und er zeigte mit dem Arm nach Osten.

Es war der Fremde, der mich in der Nacht besucht hatte!

Bestürzt von all diesem Geheimnisvollen lehnte ich mich weit aus dem Fenster und rief den Fremden, als er sich zum Gehen wandte, mit lauter Stimme an.

Ob er mich nicht hörte oder nicht hören wollte, – ich weiß es nicht. Jedenfalls beachtete er weder mein Rufen, noch blickte er sich um; ich bemerkte nur noch, daß er um die nächste Straßenecke verschwand.

So rasch ich konnte, lief ich die Treppe hinunter und auf die Straße, um ihm zu folgen. Ich erreichte die Ecke, um die er gegangen war, noch bevor er bei der nächsten Ecke angelangt sein konnte. Aber keine Spur mehr von ihm war zu sehen. Auch wenn er gelaufen wäre, hätte er mir nicht so schnell aus den Augen kommen können.

Nach Hause zu gehn und zu ruhen, hatte keinen Sinn. Unwillkürlich schlug ich die Richtung nach meinem Büro ein.

Als ich dort ankam, war natürlich jeder erstaunt, mich zu sehen. Ich erklärte, ich sei nervös und könne nicht schlafen, suchte aus den Telegrammfächern die Abschrift des Telegramms heraus, das mit ›H‹ gezeichnet war, und fand auch die Adresse. Ich notierte sie mir in der Absicht, den Adressaten aufzusuchen. Obgleich ich mir sagte, daß es aufdringlich und unberechtigt von mir sein würde, dem Empfänger des Telegramms irgend welche Fragen zu stellen, wollte ich hin.

Ich ging dann schnell durch die Straßen, in der etwas bangen Erwartung, den Mann, der mich zweimal in wenigen Stunden wie ein Gespenst genarrt hatte, wiederzusehen.

Vor dem bezeichneten Hause stieß ich auf eine große Menschenmenge. Ich versuchte mich durchzudrängen, wurde aber angehalten und mit Fragen bestürmt; man hielt mich für einen Detektiv.

Erst nach meiner gegenteiligen Versicherung ließ man mich los, und es gelang mir, durch den Haufen der aufgeregten Leute hindurchzukommen. Ich fragte einen an der Tür postierten Schutzmann, den ich kannte, was denn passiert sei.

»Ein schrecklicher Mord ist in diesem Hause verübt worden«, antwortete er. »Wenn Sie wollen, können Sie hineingehen.«

Ich ging hinein und wurde von einem zweiten Schutzmann in ein kleines Zimmer geführt.

Es war ein schrecklicher Anblick, der sich mir bot. Der Körper eines Mannes lag auf dem Boden in einer Blutlache. Blut überall – und neben dem Körper eine Axt.

Ich mußte mich mit Gewalt abwenden; etwas in den Zügen des Mannes aber zog meine Blicke immer wieder an. Dieses Gesicht hatte ich schon einmal gesehen; doch konnte ich mir über die Persönlichkeit, der es gehörte, nicht klar werden.

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