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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Die stille, gleichmäßige Art, wie Rabbi Tobia sprach, machte den Haß und die Verachtung seiner Worte nur lauter. Don Ephraim fühlte nicht ohne Genugtuung den eigenen Widerwillen vor Jehuda bestätigt durch die Empfindungen des Frommen, aber er war gerecht, er verteidigte den Ibn Esra. »Wenn in der westlichen Welt«, antwortete er, »unter unsern Brüdern einer die Macht hat, euch zu helfen, dann ist es Don Jehuda, und sein bester Wille steht außer Zweifel. Warte noch eine kurze Weile, mein Herr und Lehrer. Verwehre nicht durch Ungeduld und Strenge den verfolgten Brüdern die Zuflucht des linden Kastiliens.«

Rabbi Tobia bereute, daß er den Zorn hatte Macht gewinnen lassen über sich. Er sagte zu, sich noch ein weniges zu gedulden. Don Jehuda war bedrückt. Ihn quälte die Vorstellung, was die Juden Toledos von ihm und von Raquel hielten. Mußten sie nicht Abscheu spüren?

Auch der Kummer um Alazar quälte ihn. Zwar hatte der Knabe ihm nicht gesprochen von seiner Absicht, zum Christentum überzutreten, aber Jehuda war sich bewußt, daß der Sohn den Wahrheiten jüdischer Lehre und arabischer Weisheit für immer verloren war. Und er war schuld daran. Statt den Sohn von dem gefährlichen Hof dieses Ritters und Soldaten zurückzuhalten, hatte er ihn hingetrieben.

Schuld, Schuld! Er hatte schwere Schuld auf sich geladen!

Er hatte sich gebrüstet mit seiner Sendung. Er hatte sich vorgemacht, er habe die Tochter geopfert, Gott zu Ehren. Aber Gott verwarf sein Opfer, das wurde klarer mit jedem Tag. Er hatte erwartet, die Verbindung Raquels mit Alfonso werde es ihm erleichtern, die fränkischen Flüchtlinge in Kastilien anzusiedeln; statt dessen verzögerte diese Verknüpfung das Rettungswerk, vereitelte es vielleicht vollends. Der König wich ihm aus, er hatte ihn seit ewiger Zeit nicht zu sehen bekommen, er konnte ihm das Anliegen, das ihm auf der Seele brannte, nicht einmal vortragen.

Solchen Mutes war Don Jehuda, als der Párnas Ephraim ihn aufsuchte. Er hielt es für seine Pflicht, ihn von dem Vorhaben des Rabbi Tobia zu unterrichten.

Don Jehuda war tief aufgerührt. Dieser Ephraim Bar Abba hatte ihn immer angezweifelt, und nun durfte er triumphieren und ihm dürr ins Gesicht sagen, daß auch Rabbi Tobia sein Versprechen, dem verfolgten Israel eine Heimstätte in Kastilien zu schaffen, für leeres Geschwätz hielt. Lieber, als länger auf ihn warten, wollte der Rabbi seine fränkischen Juden in das gefährliche Deutschland führen. Und er kam nicht einmal selber, ihm das zu sagen. Der Fromme mied seine verpestete Nähe.

»Ich weiß«, sagte er bitter und voll heißer Scham, »Rabbi Tobia verachtet mich mit seinem ganzen, strengen, frommen, einfältigen Herzen.«

»Du hast Unsern Herrn und Lehrer Tobia sehr lange warten lassen«, antwortete Don Ephraim. »Es ist verständlich, wenn er nun versuchen will, anderorts Rettung zu finden. Ich weiß, dein Versprechen war aufrichtig, aber ich fürchte, in dieser Sache ist der Segen des Herrn nicht mit dir.«

Daß ihm Ephraim seine Überheblichkeit so offen vorwarf, brachte Jehuda auf. Und der Zorn half ihm zu einem Einfall. »Ich brauche länger, das Privileg zu erwirken«, sagte er, »als ich erwartete, und ich begreife deinen Kleinmut. Aber vergiß nicht, wie schnell und übel sich die Zeit verändert hat. Als ich meinen Vorschlag machte, ging es um fünfzehnhundert oder höchstens zweitausend Verfolgte. Jetzt sind es ihrer fünf- oder sechstausend. Ich verstehe deine Zweifel, man kann nicht so viele Bettler ins Land lassen.« Er unterbrach sich eine ganz kleine Weile, schaute Ephraim ins Gesicht und fuhr fort: »Aber ich habe, glaube ich, die Lösung gefunden. Die Flüchtlinge dürfen eben keine Bettler sein, wenn sie die Grenze überschreiten. Wir müssen sie von Anfang an mit Geld ausstatten. Ich denke, etwa vier Goldmaravedí für einen jeden werden genügen.«

Ephraim starrte fassungslos. »Du sprachst von sechstausend Flüchtlingen!« brach er aus mit seiner dünnen Stimme. »Woher willst du das Geld nehmen?«

Jehuda antwortete freundlich: »Ich allein könnte es nicht schaffen, da hast du recht. Die Hälfte des Betrages, etwa zwölftausend Goldmaravedí, stelle ich zur Verfügung. Für das übrige brauche ich deine Hilfe, mein Herr und Lehrer Ephraim.«

Ephraim saß da, klein, zusammengesunken in seinen vielen warmen Gewändern. Das freche Dichten und Planen Jehudas füllte ihn mit einer unwillentlichen Bewunderung, und es war ihm Genugtuung, daß der Stolze seinen Beistand anrief. Doch wie konnte er ihm helfen? Zwölftausend Maravedí! Nach den ungeheuern Summen, welche die Aljama für die Unterstützung der Verfolgten gespendet hatte, konnte sie nicht noch diesen riesigen Betrag aufbringen. Rabbi Tobia wird also fromm und wahnsinnig seine fränkischen Flüchtlinge nach Deutschland und in ihren Untergang führen.

Aber das ging nicht! Das durfte Don Ephraim nicht geschehen lassen! Er hätte keine glückliche Stunde mehr. Er mußte dem Ibn Esra helfen! Mußte das Geld aus der Aljama herausquetschen!

Vielleicht übrigens – eine kleine, sündige Hoffnung regte sich in Ephraim –, vielleicht wird Jehudas Plan schließlich doch noch scheitern. Er bildete sich ein, der Gaukler, Verbrecher und Prophet, er könne von dem heidnischen König alles erlangen, weil er ihm seine Tochter zur Unzucht hingab. Aber er kannte die Christen schlecht und ihre Könige, der Größenwahnsinnige.

Sachlich, mit kaum merkbarem Hohn, präzisierte Don Ephraim: »Wenn die Aljama für die geforderte Restsumme gutsteht, dann verbürgst du dich also, das Niederlassungsprivileg für sechstausend fränkische Juden zu erwirken. Habe ich dich recht verstanden?« Jehuda, ebenso geschäftlich, bestätigte: »Es soll für sechstausend flüchtige fränkische Juden ein Betrag von je vier Goldmaravedí beschafft werden. Ich meinesteils werde zwölftausend Maravedí bereitstellen. Bürgt die Aljama für den Rest, dann verpflichte ich mich, ein königliches Edikt zu erwirken, welches den Flüchtlingen die Niederlassung in Kastilien erlaubt.«

Don Ephraim, hart und unnachsichtig, fragte weiter: »Und binnen welcher Frist, mein Herr und Lehrer Don Jehuda, verpflichtest du dich, das Edikt zu erwirken?«

Jehuda sah ihn wilden Blickes an. Er war frech, dieser Ephraim Bar Abba. Es war das erstemal, daß Jehuda keinen Erfolg hatte, und schon wurden die andern frech. Doch schnell sagte er sich, die Aljama behandle ihn zu Recht wie einen schlechten Schuldner; er hatte versprochen und nicht gehalten.

Aber noch war er nicht bankrott. Vielleicht, wenn er sich spornte zu einer letzten, ungeheuern Anspannung, nahm Gott sein Opfer an und brach des Königs bösen Willen.

Mit plötzlichem Entschluß stand er auf, winkte Ephraim, sitzen zu bleiben, ging in die Bibliothek, holte aus dem Schrein eine Rolle der Heiligen Schrift, rollte sie auf, suchte, legte die Hand auf die gesuchten Verse und sagte leise, doch wild: »Hier in deiner Gegenwart, mein Herr und Lehrer Ephraim Bar Abba, gelobe ich: Bevor das Laubhüttenfest um ist, werde ich von König Alfonso, dem Achten seines Namens, ein Privileg erwirken, welches sechstausend fränkische Juden ermächtigt, sich niederzulassen hier in diesem Lande Sepharad.«

Ephraim, tief bestürzt, war aufgestanden. Jehuda, immer mit der gleichen Wildheit, verlangte: »Und nun, Herr Zeuge, nimm du zur Kenntnis, was ich gelobt habe, und lies die Sätze der Lehre, wie es der Zeuge soll!« Ephraim aber neigte sich über die Rolle und las und sprach mit blassen Lippen: »Wenn du ein Gelübde tust, so sollst du es zu halten nicht verziehen; denn der Herr dein Gott wird es von dir fordern, und es wird dir Sünde sein. Was zu deinen Lippen ausgegangen ist, sollst du halten und danach tun, wie du gelobt hast.« Und Jehuda sagte: »Amen, so sei es. Und wenn ich nicht erwirke, was ich gelobt habe, dann wirst du gegen mich den Großen Bann verkünden.« Und Ephraim sagte: »Amen, so sei es.« Alfonso verbrachte die Zeit der Einkehr im Pönitenzhaus von Calatrava. Er versuchte, sich das Verwerfliche seines Treibens in der Galiana vorzuhalten, versuchte zu bereuen. Aber er bereute nicht, er freute sich dessen, was er getan hatte, und wußte, er werde es nicht lassen. Die stillen Tage klösterlicher Zurückgezogenheit verstärkten nur den jungenhaft fröhlichen Trotz, den er dem Kummer Don Rodrigues entgegengestellt hatte. Es war nicht Höllenfeuer, wenn er jetzt vor Sehnsucht nach Raquel brannte, es war Gnade Gottes. Und er wird ihre Seele retten, dessen war er sicher.

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