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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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Abner Marsh hatte noch nie in seinem Leben eine bessere Mahlzeit eingenommen. »Verdammt«, sagte er zu York, »ich wünschte, Sie kämen häufiger zu Mittag heraus, damit wir so wie jetzt fast jeden Tag speisen können.«

Joshua rührte sein Essen jedoch kaum an. Im hellen Licht des Tages schien er ein ganz anderer Mensch zu sein; irgendwie zusammengeschrumpft, weniger imponierend. Unter den Oberlichtern hatte seine helle Haut eine ungesunde Bleiche, und Marsh glaubte, einen kreidig grauen Schimmer wahrnehmen zu können. Yorks Bewegungen erschienen träger und gelegentlich abgehackt, ohne die Geschmeidigkeit und verhaltene Kraft, die er normalerweise zeigte.

Aber die deutlichste Veränderung war an seinen Augen zu beobachten. Im Schatten des breitkrempigen weißen Hutes, den er trug, erschienen seine Augen müde, unendlich müde. Die Pupillen waren zu winzigen stecknadelkopfgroßen Punkten verkleinert, und das Grau drumherum war blaß und matt, völlig ohne die Intensität, die Marsh so oft hatte beobachten können.

Aber er war da, und das schien das wichtigste überhaupt zu sein. Er war am hellichten Tag aus seiner Kabine herausgekommen, war über die freien Decks und die Treppen hinuntergegangen und hatte sich vor Gott, der Mannschaft und allen anderen zu Tisch gesetzt, um zu Mittag zu essen. Was für Geschichten und Ängste seine nächtlichen Aktivitäten auch heraufbeschworen haben mochten, sie erschienen nun verdammt närrisch, wo das Licht des Tages auf Joshua York und seinen eleganten weißen Anzug fiel.

York schwieg fast während der ganzen Mahlzeit, doch er gab ab und zu fast schüchterne Antworten von sich, wenn jemand ihm eine Frage stellte, und gelegentlich beteiligte er sich auch durch kurze Kommentare am allgemeinen Tischgespräch. Als das Dessert serviert war, schob er den Teller beiseite und legte müde das Messer hin. »Rufen Sie Toby einmal her«, sagte er.

Der Koch tauchte aus der Küche auf, mit Mehl bestäubt und voller Ölspritzer. »Hat Ihnen das Essen nicht geschmeckt, Cap’n York?« fragte er. »Sie haben ja kaum etwas gegessen.«

»Es war vorzüglich, Toby. Ich fürchte, um diese Tageszeit habe ich nie besonders viel Appetit. Aber ich bin hier, und ich denke, ich habe damit etwas bewiesen.«

»Ja, Sir«, sagte Toby. »Es wird wohl keine Schwierigkeiten mehr geben.«

»Hervorragend«, sagte York. Als Toby in seine Küche zurückgekehrt war, wandte York sich an Marsh. »Ich habe beschlossen, noch einen Tag hierzubleiben«, sagte er. »Wir dampfen erst morgen abend los, und nicht schon heute.«

»Klar, sicher, Joshua«, beeilte Marsh sich zu erwidern. »Würden Sie mir bitte noch ein Stück von dem Kuchen reichen?« York lächelte und tat ihm den Gefallen.

»Cap’n, heute abend wäre es aber günstiger als morgen«, meinte Dan Albright, der sich mit einem Fischbeinstäbchen die Zähne säuberte. »Ich habe es in der Nase, daß ein Sturm im Anmarsch ist.«

»Morgen«, beharrte York.

Albright zuckte die Achseln.

»Toby und Jeb können hierbleiben. Und«, fuhr York fort, »ich möchte nur die nötigste Mannschaft mitnehmen, die gebraucht wird, um das Boot in Fahrt zu halten. Alle Passagiere, die schon frühzeitig an Bord gekommen sind, sollen für ein paar Tage an Land untergebracht werden, bis wir wieder zurück sind. Wir werden keine Fracht aufnehmen, deshalb können die Schauerleute auch ein paar freie Tage bekommen. Wir nehmen nur eine Wache mit. Ist das möglich?«

»Ich denke schon«, sagte Marsh. Er blickte die lange Tafel hinunter. Die Offiziere blickten Joshua allesamt neugierig an.

»Also dann, morgen abend bei Einbruch der Dunkelheit«, sagte York: »Entschuldigen Sie mich. Ich muß mich ausruhen.« Er erhob sich und schien für einen kurzen Moment unsicher auf den Füßen zu stehen. Marsh sprang schnell von seinem Platz auf, aber York winkte ab. »Es ist alles in Ordnung«, sagte er. »Ich ziehe mich jetzt in meine Kabine zurück. Sorgen Sie dafür, daß ich nicht gestört werde, bis wir soweit sind, daß wir New Orleans verlassen können.«

»Kommen Sie heute nicht zum Abendessen herunter?« erkundigte Marsh sich.

»Nein«, sagte York. Seine Blicke wanderten durch den Salon. »Ich denke, die Nacht ist mir in jeder Hinsicht lieber«, stellte er fest. »Lord Byron hatte recht. Der Tag ist viel zu grell.«

»Äh?« fragte Marsh.

»Erinnern Sie sich nicht mehr?« sagte York. »Das Gedicht, das ich in der Bootswerft in New Albany rezitierte. Es paßt genau auf die Fiebertraum. In ihrer Schönheit wandelt sie …«

»… wie wolkenlose Sternennacht«, fuhr Jeffers fort und rückte seine Brille zurecht. Abner Marsh starrte ihn verblüfft an. Jeffers war ein Teufelskerl beim Schachspiel und im Umgang mit Zahlen. Und er ging sogar ins Theater, aber Marsh hatte ihn noch nie Dichtung rezitieren gehört.

»Sie kennen Byron?« rief Joshua hocherfreut aus. Für einen kurzen Augenblick sah er fast wieder so aus wie sonst immer. »Tue ich«, gab Jeffers zu. Eine Augenbraue hatte er hochgezogen, als er York ansah. »Cap’n, wollen Sie damit behaupten, daß unsere Tage auf der Fiebertraum voller Frömmigkeit sein werden?« Er lächelte. »Nun, das wird für Hairy Mike und Mister Framm eine überraschende Neuigkeit sein.«

Hairy Mike lachte schallend, während Framm protestierte. »He, Moment mal, drei Ehefrauen heißen doch nicht, daß ich nicht gut bin. Schließlich würde fast jede für mich die Hand ins Feuer legen.«

»Über was, zum Teufel, wird hier geredet?« meldete Abner Marsh sich zu Wort. Die meisten Offiziere und Mannschaftsangehörigen schienen genauso verwirrt zu sein wie er.

Joshua reagierte mit einem flüchtigen Lächeln. »Mister Jeffers erinnert mich nur an die letzte Strophe des Gedichtes von Byron«, sagte er. Er deklamierte:

O diese Wang, o diese Braun, Wie sanft, wie still, und doch beredt, Was wir in ihrem Lächeln schaun! Ein frommes Wirken früh und spät, Ein Herz voll Frieden und Vertraun, Und Lieb, unschuldig wie Gebet.

»Sind wir unschuldig, Cap’n?« fragte Jeffers.

»Niemand ist vollkommen schuldig«, erwiderte Joshua York, »aber nichtsdestoweniger spricht das Gedicht zu mir, Mister Jeffers. Die Nacht ist wunderbar, und wir können hoffen, in ihrer düsteren Pracht Frieden und Würde zu finden. Zu viele Menschen haben unbegründete Angst vor der Dunkelheit.«

»Vielleicht«, sagte Jeffers. »Manchmal sollte man sich jedoch davor fürchten.«

»Nein«, sagte Joshua York, und nach diesen Worten verließ er sie und brach das Wortgeplänkel mit Jeffers jäh ab. Sobald er sich zurückgezogen hatte, begannen auch die anderen, die Tafel zu verlassen, um sich wieder ihren Aufgaben zu widmen, nur Jonathan Jeffers blieb zurück und starrte gedankenverloren in den leeren Salon. Marsh setzte sich wieder, um seinen Kuchen aufzuessen. »Mister Jeffers«, sagte er, »ich weiß nicht, was an diesem Fluß vor sich geht. Verdammte Gedichte. Welchen Sinn hatte dieses alberne Geschwätz überhaupt? Wenn dieser Byron etwas Wichtiges zu sagen hatte, warum hat er das dann nicht geradeheraus und in einer einfachen Sprache getan? Beantworten Sie mir das.«

Jeffers schaute ihn an und blinzelte. »Entschuldigung, Cap’n«, sagte er. »Ich habe versucht, mich an etwas zu erinnern. Was haben Sie gesagt?«

Marsh schob sich eine Gabel voll Kuchen in den Mund, spülte alles mit einem kräftigen Schluck Kaffee hinunter und wiederholte dann seine Frage.

»Sehen Sie, Cap’n«, meinte Jeffers mit einem gequälten Lächeln, »das Wesentliche ist, daß Dichtung etwas Schönes ist. Es ist die Art und Weise, wie die Worte zusammenpassen, ihr Rhythmus, es sind die Bilder, die sie malen. Gedichte sind etwas Angenehmes, wenn sie laut gesprochen werden. Die Reime, die innere Musik, eben die Art, wie sie klingen.« Er nahm einen Schluck Kaffee. »Es ist schwierig zu erklären, wenn Sie es nicht in Ihrem Innern spüren. Aber man könnte vielleicht sagen, daß es damit genauso ist wie mit einem Raddampfer, Cap’n.«

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