In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Der narbige Wolf flog wie ein Vogel in die Luft und Junger Bulle stürzte erneut. Springer landete hinter ihm im Schnee.
Hör zu, Welpe! ermahnte ihn Springer energisch. Dein Verstand ist vor Furcht ganz verdreht! Sie ist nicht hier, und wenn du noch länger bleibst, wirst du sterben. Finde sie in der Welt der Wachenden. Du kannst sie nur dort finden. Geh zurück und finde sie!
Perrin riss die Augen auf. Er war todmüde, und sein Leib fühlte sich hohl an, aber verglichen mit der Leere in seiner Brust war der Hunger bloß ein Schatten. Er war ganz leer, fühlte sich sogar sich selbst entfremdet, als wäre er eine andere Person, die zusah, wie Perrin Aybara litt. Über ihm wogte ein mit blauen und goldenen Streifen verziertes Zeltdach im Wind. Das Zeltinnere war von Zwielicht erfüllt und voller Schatten, aber Sonnenlicht verlieh der hellen Plane einen goldenen Schimmer. Und der gestrige Tag war genauso wenig ein Albtraum gewesen wie Springer. Beim Licht, er hatte Springer töten wollen. Im Wolfstraum war der Tod ... endgültig. Die Luft war warm, aber er zitterte. Er lag auf einer weichen Matratze, in einem großen Bett mit wuchtigen Eckpfosten, die mit vergoldeten Schnitzereien übersät waren. Durch den Geruch der in den Kohlenpfannen brennenden Holzkohle hindurch konnte er ein moschusartiges Parfüm wahrnehmen. Und die Frau, die es benutzte. Sonst war niemand da.
Ohne den Kopf vom Kissen zu heben sagte er: »Haben sie sie gefunden, Berelain?« Sein Kopf fühlte sich zu schwer an, um ihn zu heben.
Einer der .Faltstühle quietschte leicht, als sie sich bewegte. Er war oft mit Faile hier gewesen, um Pläne zu besprechen. Das Zelt war groß genug für eine Familie, und Berelains aufwendige Möblierung hätte selbst in jeden Palast gepasst; alles war mit aufwendigem Schnitzwerk versehen und vergoldet. Allerdings wurden Möbel, Tische und Stühle und sogar das Bett von Holzpflöcken zusammengehalten. Man konnte alles auseinander nehmen und auf einem Wagen verstauen, aber solche Pflöcke sorgten nicht gerade für besondere Stabilität.
Unter dem Parfüm roch Berelain nach Überraschung, da er von ihrer Anwesenheit wusste, doch ihre Stimme klang beherrscht. »Nein. Eure Späher sind noch nicht zurückgekehrt, und meine ... Als sie bei Einbruch der Dunkelheit noch nicht zurück waren, habe ich eine volle Kompanie ausgeschickt. Sie fanden meine Männer tot. Sie sind in einen Hinterhalt geraten, wurden getötet, bevor sie mehr als fünf oder sechs Meilen zurücklegen konnten. Ich habe Lord Gallenne befohlen, die Wachen um das Lager zu verstärken. Arganda hat ebenfalls eine starke berittene Wache aufgestellt, aber er hat auch Patrouillen ausgeschickt. Gegen meinen Rat. Der Mann ist ein Narr. Er glaubt, niemand außer ihm kann Alliandre finden. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er überhaupt glaubt, dass es die anderen tatsächlich versuchen. Vor allem nicht die Aiel.«
Perrin ergriff die weichen Wolldecken, die ihn zudeckten, und zerknüllte sie in den Fäusten. Gaul würde sich nicht überraschen lassen, oder Jondyn, nicht mal von einem Aiel. Sie waren noch immer auf der Jagd. Das bedeutete, dass Faile am Leben war. Hätten sie ihre Leiche gefunden, wären sie schon längst wieder zurück. Er musste das glauben. Er hob eine der blauen Decken an. Darunter war er nackt. »Gibt es hierfür eine Erklärung?«
Ihre Stimme veränderte sich nicht, aber in ihrem Geruch kam Vorsicht zum Vorschein. »Ihr und Euer Soldat wärt erfroren, hätte ich Euch nicht gesucht, nachdem Nurelle mir die Nachricht über meine Späher brachte. Keiner hatte den Mut, Euch zu stören; anscheinend habt Ihr jeden, der es versuchte, wie einen Wolf angeknurrt. Als ich Euch fand, wart Ihr so durchgefroren, dass Ihr kein Wort mehr verstehen konntet, und der andere Mann stand kurz davor, auf das Gesicht zu fallen. Eure Dienerin Lini hat sich um ihn gekümmert — er brauchte nur eine heiße Suppe und Decken —, aber ich ließ Euch herbringen. Ohne Annoura hättet Ehr vermutlich mindestens ein paar Zehen verloren. Sie ... Selbst nachdem sie Euch Heilte, hatte sie Angst, Ihr könntet sterben. Ihr habt geschlafen wie ein Mann, der bereits tot ist. Sie sagte, Ihr würdet Euch anfühlen wie jemand, der seine Seele verloren hat, ganz kalt, egal mit wie vielen Decken man Euch zudeckte. Ich habe es ebenfalls gespürt, als ich Euch berührte.«
Eine zu ausführliche Erklärung, und doch nicht ausreichend. Wut flammte auf, eine distanzierte Wut, aber er unterdrückte sie. Faile war immer eifersüchtig gewesen, wenn er gegenüber Berelain die Stimme erhob. Die Frau würde es nicht schaffen, dass er sie anschrie. »Grady oder Neald hätten tun können, was auch immer nötig war«, sagte er tonlos. »Sogar Seonid und Masuri waren näher.«
»Ich dachte zuerst an meine eigene Beraterin. Die anderen kamen mir erst in den Sinn, als ich beinahe hier war. Spielt es überhaupt eine Rolle, wer das Heilen besorgt hat?«
So plausibel. Und wenn er die Frage stellen würde, warum die Erste von Mayene höchstpersönlich in einem halbdunklen Zelt über ihn wachte statt ihre Dienerin oder einer ihrer Soldaten oder seinetwegen auch Annoura, würde sie die nächste plausible Antwort parat haben. Er wollte sie nicht hören.
»Wo ist meine Kleidung?«, fragte er und stützte sich auf die Ellbogen. Seine Stimme ließ noch immer jeden Ausdruck vermissen.
Eine Kerze auf einem kleinen Tisch neben Berelains Stuhl stellte die einzige Lichtquelle des Zeltes dar, aber obwohl sich seine Augen vor Müdigkeit wie mit Sand gefüllt anfühlten, reichte sie für ihn aus. Berelain war durchaus dezent gekleidet; das dunkelgrüne Reitgewand wies einen hohen Kragen auf, der in einer dichten Spitzenkrause endete, die sich an ihr Kinn schmiegte. Wenn sich Berelain in Zurückhaltung übte, war das so, als würde man einem Berglöwen ein Schafsfell überstreifen. Ihr Gesicht lag zur Hälfte im Schatten, war wunderschön und nicht im mindesten vertrauenswürdig. Sie würde sich an ihre Versprechen halten, aber wie eine Aes Sedai aus ihren eigenen Gründen, und die Dinge, für die sie keine Versprechen abgab, konnten der Dolchstoß sein, der einen in den Rücken traf.
»Auf der Truhe«, sagte sie und gestikulierte mit einer Hand, die fast völlig von blasser Spitze verborgen wurde. »Ich habe sie von Rosene und Nana säubern lassen, aber Ihr habt Ruhe und Essen nötiger gebraucht als Kleidung. Und bevor wir etwas essen und die Lage besprechen, will ich, dass Ihr eines wisst. Keiner wünscht sich mehr als ich, dass Faile noch am Leben ist.« Ihr Ausdruck war so offen und ehrlich, dass er ihr hätte glauben können, wäre sie eine andere gewesen. Sie roch sogar nach Ehrlichkeit!
»Ich brauche jetzt meine Sachen.« Er wälzte sich herum, um sich auf der Bettkante mit um die Beine gewickelten Decken aufzusetzen. Die Kleider, die er getragen hatte, lagen fein säuberlich zusammengefaltet auf einer von Eisenbändern zusammengehaltenen Reisetruhe, die fast bis zur Unkenntlichkeit mit Schnitzereien und vergoldeten Verzierungen versehen war. Sein pelzverbrämter Umhang war über das eine Ende der Truhe drapiert, und seine Axt lehnte neben seinen Stiefeln auf den mit einem hellen Blumenmuster versehenen Teppichen, die den Fußboden bedeckten. Licht, er war müde. Er vermochte nicht zu sagen, wie lange er im Wolfstraum gewesen war, aber wach war wach, soweit es den Körper betraf. Sein Magen knurrte laut. »Und was zu essen.«
Berelain gab einen erzürnten Laut von sich, stand auf und glättete die Röcke. Ihr hoch erhobenes Kinn drückte ihr Missfallen aus. »Annoura wird nicht erfreut mit Euch sein, wenn sie von ihrer Besprechung mit den Weisen Frauen zurückkehrt«, sagte sie entschieden. »Ihr könnt die Aes Sedai nicht einfach ignorieren. Ihr seid nicht Rand al'Thor, was sie Euch auch früher oder später beweisen werden.«
Aber sie trat aus dem Zelt und ließ eine Woge kalte Luft herein. In ihrer Verärgerung machte sie sich nicht einmal die Mühe, einen Umhang mitzunehmen. Als der Eingang kurz aufklaffte, sah er, dass es noch immer schneite. Nicht so heftig wie in der vergangenen Nacht, aber die weißen Flocken schwebten gleichmäßig herab. Jetzt würde selbst Jondyn Schwierigkeiten haben, Spuren zu finden. Er versuchte, nicht darüber nachzudenken.