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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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»Aber träumen darf man, Anastasia.« Er beugt sich vor und umfasst mein Kinn. »Also Mittwoch?«, sagt er leise und drückt mir einen flüchtigen Kuss auf die Lippen.

»Mittwoch«, bestätige ich. »Ich bringe dich noch zur Tür. Gib mir nur eine Minute.« Ich setze mich auf, schnappe mir mein T-Shirt und schiebe ihn zur Seite. Widerstrebend erhebt er sich.

»Gib mir bitte meine Jogginghose.«

Er hebt sie vom Boden auf und reicht sie mir.

»Bitte sehr, Ma’am«, sagt er mit einem mühsam verhohlenen Lächeln.

Ich starre ihn mit zusammengekniffenen Augen an und schlüpfe in meine Jogginghose. Mein Haar ist postkoital zerzaust, und mir ist klar, dass ich mich der Kavanagh-Inquisition werde stellen müssen, sobald Christian verschwunden ist. Ich binde mir das Haar zu einem Zopf zusammen und öffne die Tür, um nach Kate Ausschau zu halten. Im Wohnzimmer ist sie nicht, aber ich glaube, ich höre sie in ihrem Zimmer telefonieren. Hin- und hergerissen zwischen meinen widerstreitenden Gefühlen, gehe ich die wenigen Schritte von meinem Zimmer zur Haustür. Als ich sie öffne, wird mir bewusst, dass meine Wut auf ihn verraucht und einem Gefühl der Befangenheit gewichen ist. Zum ersten Mal, seit ich ihm begegnet bin, wünsche ich mir, er wäre ganz normal – so normal, dass ich eine ganz gewöhnliche Beziehung mit ihm führen kann, für die keine zehnseitigen Vereinbarungen, Flogger und Karabinerhaken an der Decke seines Spielzimmers notwendig sind.

Ich öffne die Haustür und starre auf meine Hände. Dies ist das erste Mal, dass ich in meinen eigenen vier Wänden Sex hatte, und zwar verdammt guten, wenn ich ehrlich sein soll. Doch nun fühle ich mich benutzt – ein Objekt, das ihm zur Verfügung steht, wann immer ihm gerade der Sinn danach steht. Mein Unterbewusstsein schüttelt den Kopf. Du warst doch diejenige, die ins Heathmann rennen wollte, weil sie unbedingt Sex haben musste, und jetzt hast du ihn per Expresslieferung direkt ins Haus bekommen, also beschwer dich gefälligst nicht. Es verschränkt die Arme vor der Brust und tippt genervt mit dem Fuß auf den Boden. Christian bleibt im Türrahmen stehen, umfasst mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen.

»Alles in Ordnung?«, fragt er und streicht behutsam mit dem Daumen über meine Unterlippe.

»Ja«, antworte ich, obwohl ich mir keineswegs sicher bin. Ich spüre ganz deutlich den Stimmungswechsel, der sich zwischen uns vollzieht. Eines ist mir klar – wenn ich mich auf diese Sache mit ihm einlasse, wird er mir wehtun. Er ist weder bereit noch interessiert noch in der Lage, mir mehr zu geben – aber ich will mehr. Viel mehr. Die Eifersucht, die ich vor wenigen Augenblicken empfunden habe, verrät mir, dass meine Gefühle für ihn tiefer sind, als ich mir bisher eingestanden habe.

»Mittwoch«, sagt er noch einmal. Als er mich an sich zieht und küsst, spüre ich, dass eine Veränderung in ihm vorgeht – der Druck seiner Lippen verstärkt sich, seine Finger lösen sich von meinem Kinn, und er legt die Hände um mein Gesicht. Seine Atemzüge beschleunigen sich. Er zieht mich enger an sich, während seine Leidenschaft zu wachsen scheint. Ich verspüre den Drang, meine Hände in seinem Haar zu vergraben, widerstehe jedoch, weil ich weiß, wie sehr es ihm widerstrebt. Er schließt die Augen und lässt seine Stirn gegen meine sinken.

»Anastasia«, flüstert er mit angespannter Stimme. »Was machst du mit mir?«

»Dasselbe könnte ich dich fragen«, wispere ich.

Er holt tief Luft, drückt mir einen Kuss auf die Stirn, dann wendet er sich ab. Mit entschlossenen Schritten geht er die Einfahrt hinunter zu seinem Wagen und fährt sich mit den Händen durchs Haar. Als er die Tür öffnet, dreht er sich noch einmal zu mir um und schenkt mir sein gewohnt atemberaubendes Lächeln. Völlig hingerissen ringe ich mir ein schwaches Schmunzeln ab, während ich wieder einmal an Ikarus denken muss, dessen Flügel verbrannten, weil er der Sonne zu nahe gekommen war. Ich sehe zu, wie Christian in seinen Sportwagen steigt, und schließe die Haustür. Plötzlich überkommt mich das überwältigende Bedürfnis, in Tränen auszubrechen, während sich ein Gefühl unendlicher Traurigkeit in meinem Herzen ausbreitet. Ich laufe in mein Zimmer, schließe die Tür hinter mir, lehne mich dagegen und versuche, meine Fassung wiederzuerlangen. Doch es gelingt mir nicht. Ich lasse mich zu Boden sinken, und dann beginnen die Tränen zu fließen.

Kate klopft leise an die Tür. »Ana?«

Ich mache die Tür auf. Bei meinem Anblick nimmt sie mich in die Arme und drückt mich fest an sich.

»Was ist denn passiert? Was hat dieser unheimliche Dreckskerl mit dir gemacht?«

»Oh, Kate, nichts, was ich nicht gewollt hätte.«

Sie schiebt mich zum Bett und setzt sich neben mich.

»Deine Haare sehen katastrophal aus. Sex-Haare.«

Trotz meiner abgrundtiefen Traurigkeit muss ich lachen.

»Der Sex war definitiv nicht katastrophal.«

Kate grinst. »So gefällst du mir schon besser. Wieso weinst du? Das ist doch sonst nicht deine Art.« Sie nimmt meine Bürste vom Nachttisch, setzt sich hinter mich und fängt vorsichtig an, die widerspenstigen Knoten zu lösen.

»Ich fürchte nur, dass unsere Beziehung nirgendwo hinführen wird.«

»Hast du nicht gesagt, ihr trefft euch am Mittwoch?«

»Das stimmt. So war es vorgesehen.«

»Und wieso ist er dann vorhin hergekommen?«

»Ich habe ihm eine Mail geschickt.«

»In der du ihn gebeten hattest vorbeizukommen?«

»Nein, ich habe ihm geschrieben, dass ich ihn nicht wiedersehen will.«

»Und schon steht er auf der Matte? Das ist genial, Ana.«

»Na ja, eigentlich war es ja nur ein Scherz.«

»Jetzt kapiere ich überhaupt nichts mehr.«

Geduldig schildere ich ihr den Inhalt meiner Mail, ohne ins Detail zu gehen.

»Also dachtest du, dass er auch per Mail antwortet.«

»Genau.«

»Und stattdessen taucht er einfach hier auf.«

»So ist es.«

»Wenn du mich fragst, ist der Typ total verknallt in dich.«

Ich runzle die Stirn. Christian – verknallt in mich? Wohl kaum. Er braucht nur ein neues Spielzeug – ein praktisches Spielzeug, mit dem er regelmäßig unsägliche Schweinereien anstellen kann. Mein Herz zieht sich zusammen. Das ist sie, die knallharte Realität.

»Er ist hergekommen, um mit mir zu vögeln, das ist alles.«

»Wer hat nochmal behauptet, es gebe keine Romantik mehr auf der Welt?«, fragt sie sichtlich entsetzt. Es ist mir tatsächlich gelungen, Kate zu schockieren. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich zucke entschuldigend mit den Achseln.

»Er setzt Sex als Waffe ein.«

»Und vögelt dich, um dich gefügig zu machen?« Sie schüttelt missbilligend den Kopf.

Ich starre sie entsetzt an und spüre, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. O Gott … Katherine Kavanagh, Pulitzer-Preisträgerin in spe, hat wieder mal ins Schwarze getroffen.

»Ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso du zulässt, dass er mit dir schläft, Ana.«

»Nein, Kate, wir schlafen nicht miteinander. Wir ficken – zumindest ist das Christians Bezeichnung dafür. Liebe und Romantik gibt es für ihn nicht.«

»Ich wusste doch gleich, dass mit dem Typ etwas nicht stimmt. Er hat Bindungsangst.«

Ich nicke, als würde ich ihr zustimmen, während ich mir in Wahrheit nichts sehnlicher wünsche, als ihr mein Herz auszuschütten, ihr alles von diesem seltsamen, traurigen, perversen Mann zu erzählen und mir von ihr sagen zu lassen, ich solle ihn am besten ganz schnell vergessen, nicht zulassen, dass ich mich zum Narren mache.

»Es ist wohl alles ein bisschen viel im Moment«, sage ich leise. Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts.

Ich will nicht länger über Christian reden, also frage ich sie nach Elliot. Allein bei der Erwähnung seines Namens sitzt eine völlig andere Kate neben mir. Als sie mich anlächelt, ist es, als strahle sie förmlich von innen heraus.

»Er kommt am Samstagmorgen her und hilft uns beim Einladen.« Sie drückt die Haarbürste an ihre Brust – Junge, Junge, die hat es ja mächtig erwischt. Wieder spüre ich den vertrauten Anflug von Neid. Kate hat es geschafft, einen ganz normalen Mann kennen zu lernen, und sie scheint überglücklich mit ihm zu sein.

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