Indiana Jones und der Stein der Weisen
- Автор: МакКой Макс
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und der Stein der Weisen». Краткое содержание книги:
Autor - Max McCoy, preisgekrönter Journalist und Autor mehrerer Romane, lebt in Pittsburg, Kansas
»Es geht um eine große Sache«, verteidigte sich Alistair.
»Schaffen Sie Dr. Jones runter ins Lager«, ordnete Sarducci an. »Ketten Sie ihn am Bett fest und kümmern Sie sich um seine Verletzungen. Falls er in der Lage ist zu essen, geben Sie ihm, was immer er haben möchte. Und waschen Sie seine Kleider, ja? Pinnen Sie ihm die Nadel mit den Adlerschwingen an die Brust. Morgen früh, bei seiner Exekution, muß er was hermachen.«
»Exekution?« schrie Alecia entsetzt.
»Aber sicher«, sagte Sarducci. »Bei Sonnenaufgang, denke ich. Diese Tageszeit hat - was das betrifft - Tradition.«
»Aber Sie haben ein Versprechen gegeben«, weinte sie.
»Meine Liebe«, erwiderte er gutgelaunt. »Wann werden Sie endlich lernen und aufhören, den Menschen zu vertrauen!«
Unter einem blutroten Himmelszelt mit stahlgrauen Wolken stand Indy mit auf den Rücken gefesselten Händen vor einer Backsteinmauer in einer Ecke des Lagers. Seine Kleider waren ordentlich gebügelt, seine Lederjacke eingeölt, und man hatte sogar seinen Fedora gereinigt und mit Dampf wieder in die alte Form gebracht. Die Schnitte auf seinem Gesicht waren genäht und mit Jod behandelt wor-den. Zwanzig Meter weiter hatten acht mit Gewehren bewaffnete Soldaten Position bezogen und warteten.
»Sie sollten die Schönheit der Prozedur schätzen«, wandte Sarducci sich an Indy. »Ich habe an die Soldaten acht Patronen ausgeteilt, die alle die gleiche Größe und das gleiche Aussehen haben. Sie werden gleichzeitig feuern und auf Ihr Herz zielen. Aber nur vier der Patronen sind echt, die anderen sind harmlose Krachmacher. Ich hoffe, daß es mir auf diese Weise gelingt, den Männern ihre Aufgabe zu erleichtern, ihnen die kleine, mitleidserregende Hoffnung zu geben, daß sie vielleicht nicht einen der tödlichen Schüsse abgegeben haben, der das Leben von einem ihrer hochdekorierten Kameraden beendet hat. Sehr menschenfreundlich, finden Sie nicht?«
»Lassen Sie Alecia gehen«, sagte Indy.
»Nicht um alles auf der Welt, wie Ihr Amerikaner zu sagen pflegt«, sagte Sarducci. »Sie ist für mich eine wertvolle Annehmlichkeit geworden, Dr. Jones. Sicherlich dürfte Ihnen die verblüffende Ähnlichkeit mit meiner verstorbenen Mona aufgefallen sein. Ich muß gestehen, daß mir das eine Zeitlang Sorgen gemacht hat, mich dazu verleitet hat, mir über die Möglichkeit der Reinkarnation und Seelenwanderung Gedanken zu machen. Aber wie immer gibt es keine einfachen Antworten auf die Fragen des Lebens, und ich denke, daß wir das Problem nur zusammen lösen können. Ach, da kommt sie ja.«
Alecia stolperte, als Luigi sie in die Mauerecke schubste. Man hatte ihr die Hände gefesselt, und sie trug ein weißes Kleid aus fließendem Tuch, das von einem goldenen Gürtel zusammengehalten wurde. Um ihren Hals war eine Lapis-lazuli-Kette drapiert.
Alistair war bei ihr. Auch seine Hände lagen in Fesseln.
»Wunderschön ist sie, nicht wahr?« fragte Sarducci. »Ich hielt es für eine nette Geste, wenn sie sich zu diesem Anlaß herausputzt.«
»Ja«, sagte Indy.
»Sie werden mich niemals bekommen, Sie Wahnsinniger«, kreischte Alecia und versuchte, Luigis eisernen Griff abzuschütteln. Ihr Kleid bauschte sich im Wind. »Egal, was Sie mit mir anstellen werden, ich werde immer weit weg sein, außerhalb Ihrer Reichweite. Und in dem Augenblick, in dem Ihre Vorsicht schwindet, werde ich Sie töten.«
»Ich nehme an, daß ein Sturm aufzieht«, sagte Sarducci und blickte zum Himmel hoch. »Aber das muß nicht mehr Ihre Sorge sein. Oh, da ist noch eine letzte Sache. Es wäre mir mehr als unangenehm, wenn Sie Ihre letzte Reise anträten, ohne hinter das Geheimnis von Voynich gekommen zu sein.«
Sarducci schnippte mit den Fingern. Ein tenente brachte ihm eine Dokumententasche, aus der er das Manuskript nahm. Jahrhundertealte Seiten flatterten im Wind.
»Die Farben des Manuskriptes«, begann Sarducci, »liefern den Hinweis auf das eigentliche Geheimnis und verraten den Standort des Grabes von Hermes. Aber das wissen Sie bestimmt. Was Sie jedoch nicht wissen, ist, daß die Lösung des Rätsels die ganze Zeit in unmittelbarer Reichweite gewesen ist.«
Sarducci ging zu Alecia hinüber, und als Luigi sie an den Schultern packte und umdrehte, griff er nach dem Stoff ihres Kleides, zerriß ihn mit beiden Händen und entblößte ihren Rücken. Die Tätowierung war noch viel schöner, als Indy sie sich vorgestellt hatte. Schwarz, Rot, dann Grün und Gold, Kreise und Schnörkel. Die Schnörkel innerhalb der Kreise liefen in Punkten aus.
»Der Schlüssel, von einer Generation Alchemisten an die nächste weitergereicht«, sagte Sarducci und zeigte auf Ale-cias tätowierten Rücken. Er entledigte sich des rechten Handschuhs. »Betrachten Sie die verschlungenen Kreise und die Farbschattierungen. Wirklich atemberaubend. Sieht gar nicht wie eine Karte aus und ist es doch. Hier, in der Mitte. Der rote Kreis mit dem schwarzen Punkt im Zentrum. Das ist Alexandria, um Punkt zwölf Uhr der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche im ersten Jahr des 2. Jahrhunderts. Ein Stock, in die Erde gerammt, warf keine Schatten. Und das hier ist der Hinweis auf alle anderen Punkte.«
Mit dem Mittelfinger fuhr Sarducci über ihren Rücken. Sein Nagel hinterließ eine rote Linie auf ihrer Haut. Alecia erschauderte.
»Sie können jeden Punkt auf der Erde finden, wenn Ihnen dieser festgelegte Hinweis zur Verfügung steht«, sprach Sarducci weiter. »Hängt alles von der Länge der Skala ab und von Ihrer Position innerhalb des Kreises. Der hier ist zum Beispiel grün.« Er deutete auf einen Kreis mit einem kurzen, skalenförmigen Schnörkel, der auf achtundzwanzig Grad stand. »Kairo. Oder eher die präzise Darstellung eines Stocks, der um zwölf Uhr mittags desselben Tages aufrecht aus der Erde ragte. Die frühchristlichen Gnostiker wußten, daß die Welt rund war, und das viele Jahrhunderte vor dem berühmten Kolumbus.«
Sarduccis Finger fuhr über Alecias Rückgrat.
»Da gibt es natürlich noch andere Orte. Hier ist Rom. Und die Kesselflicker haben selbstverständlich ein paar neue Städte auf der Karte eingezeichnet - London und Moskau. Dabei ist es nicht von Bedeutung, in welcher Verbindung die Kreise zueinander stehen, nur die darin enthaltene Information ist von Belang.«
Sein Finger hielt auf einem goldenen Kreis oberhalb Ale -cias Taille inne. »Und hier ist der Hauptpreis, das Grab des Hermes. Ungefähr an der Grenze zwischen Libyen und Ägypten, wo Alexander es während seiner Pilgerfahrt nach Siwa entdeckt hat. Das Manuskript verrät uns die Zeit und das Datum des Referenzpunktes, und zusammen mit Alecias >Topographie< werde ich in Kürze den exakten Längen-und Breitengrad ermittelt haben. Die Mathematik ist ein anstrengendes, aber nicht besonders kniffliges Feld. Ele gant, nicht wahr?«
Sarducci grinste.
»Wie kann ich Ihnen beiden jemals danken, daß Sie sie mir gebracht haben?« fragte er.
Alistair senkte den Blick.
»Lassen Sie sie gehen«, forderte er.
»Nun, dann wollen wir mal fortfahren, nicht wahr?« sagte Sarducci. »Luigi, drehen Sie Miss Dunstin um, damit sie die Vorstellung bewundern kann.«
Tränenspuren hatten Alecias starkes Make-up zum Zerlaufen gebracht.
Sarducci zog ein Päckchen Lucky Strikes aus seiner Tasche.
»Zigarette?« fragte er Indy.
»Ich rauche nicht.«
»Ah«, sagte Sarducci. »Sehr gesund. Möchten Sie, daß man Ihnen die Augen verbindet?«
»Ich fürchte mich nicht«, sagte Indy.
»Das sollten Sie aber.« Sarducci entfernte sich. Nun stand Indy allein vor der von Einschußlöchern verunstalteten Backsteinmauer. Sarducci gesellte sich zum Exekutionskommando und zog seinen Handschuh wieder an.