Indiana Jones und der Stein der Weisen
- Автор: МакКой Макс
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und der Stein der Weisen». Краткое содержание книги:
Autor - Max McCoy, preisgekrönter Journalist und Autor mehrerer Romane, lebt in Pittsburg, Kansas
Alecia schaute ein letztes Mal durchs Fernglas.
»Aber es ist einen Versuch wert«, fand sie. »Ich meine, wir können ja schließlich nicht mitten in der Nacht an jede Tür klopfen, bis wir ihn endlich finden. Möglicherweise wäre es tatsächlich klüger, ihn zu uns kommen zu lassen.«
»Alecia, du gehst da nicht runter.«
»Wieso nicht?«
»Das ist ein Ein-Mann-Job«, sagte er.
»Vielleicht ist es aber ein Eine-Frau-Job«, entgegnete sie.
»Ich fürchte, dort unten gibt es keine Schwerter«, sagte er. Er verstaute sein Feldnotizbuch in einer Tasche, die ins Futter seiner Lederjacke genäht war. »Es ist sinnvoller, daß ich gehe. Bitte, argumentiere jetzt nicht, sonst mache ich auf dem Absatz kehrt und haue ab.«
Alecia schwieg.
»Das werte ich als Zustimmung«, sagte er und zog den Reißverschluß der Lederjacke hoch. Mit großer Geste nahm er den Fedora ab, inspizierte den Rand und setzte ihn ihr auf.
»Paß auf ihn auf«, sagte er. »Ich werde zurückkommen, um ihn zu holen. Falls ich bei Morgengrauen nicht zurück bin - oder falls du Schüsse hörst -, verschwindest du so schnell es geht. Bleib nicht hier, denn du wirst nicht in der Lage sein, Alistair oder mir zu helfen, ohne auch gefangengenommen zu werden.«
»Du hast genug Wasser für drei Tage«, fuhr er fort. »Und ich lasse dir die Webley hier - Marlow hat sie gereinigt -und eine Schachtel Patronen. In diesem Teil der Welt behandeln sie Frauen nicht sonderlich nett, also scheu dich nicht, die Waffe auch zu benutzen. Im Notfall wäre es das beste, wenn du die Küste entlang Richtung Westen gehst. Wenn du in die Zivilisation zurückkehrst, setz dich bitte mit Marcus Brody am American Museum of Natural Histo-ry in Verbindung. Einverstanden?«
Alecia nickte.
»Morgendämmerung«, sagte er und legte eine Pause ein. »Wie sieht Alistair aus?«
»Stell dir mich als Mann vor«, sagte sie. »Mit kurzgestutztem Bart.«
Indy verstaute die Drahtschere aus dem Rucksack in seiner Hosentasche und stapfte die Düne hinunter. Alecia beobachtete ihn durch das Fernglas. Er bewegte sich mit eingezogenem Kopf fort, hielt sich hinter den Dünenerhebungen und aufragenden Felsen und arbeitete sich zur anderen Seite des Lagers vor.
Alecia verlor ihn aus dem Blickfeld.
Die letzten hundert Meter zum Stacheldrahtzaun robbte er auf Ellbogen und Knien weiter, die Wachtürme an den Ecken nicht aus den Augen lassend. Bei der ersten Drahtabzäunung vergewisserte er sich, daß die Hunde nicht in der Nähe lauerten, schnitt die unteren Drähte durch und krabbelte durch die Öffnung. Ein Drahtende fuhr ihm unterhalb des rechten Wangenknochens über das Gesicht und hinterließ einen langen, blutenden Schnitt. Innerlich aufstöhnend, tupfte er das Blut mit dem Ärmel seiner Jacke ab und krabbelte quer über den Hundepfad zum zweiten Zaun. Diesmal mußte er die Schere dreimal einsetzen, ehe er ins eigentliche Lager gelangte. Die Holzlatrine schützte ihn vor den potentiellen Blicken der Lagerbewohner.
»Stinkt mächtig«, murmelte er und hielt den Atem an. Er kroch um den Holzverschlag herum und rannte dann zur Tür. Drinnen war der Gestank noch unerträglicher und aufdringlicher als draußen. Der schwache Schein dreier, in regelmäßigen Abständen herunterbaumelnder Glühbirnen, die durch ein ausgefranstes Stromkabel miteinander verbunden waren, sorgte für Licht. Eine Holzbank nahm die ge -samte Rückwand der Latrine ein. Im Notfall bot sie zwölf Männern die Möglichkeit, sich zu erleichtern.
»Nicht gerade sehr privat«, kommentierte Indy.
Entlang der Wände waren Trichter zu erkennen, und in der Mitte stand eine Art Waschstation, die vom auf den Deckenverstrebungen ruhenden Tank mit Wasser gespeist wurde.
Indy wickelte seine Peitsche ab, holte aus, so gut es ging, bis sich die Spitze um den mittleren Balken wickelte. Daran zog er sich hoch. Nachdem er die Peitsche aufgewickelt und an den Gürtel gehängt hatte, krabbelte er zu dem Stromkabel hinüber. Er hielt die erste Glühbirne hoch, befeuchtete die Fingerspitzen mit Speichel gegen die Hitze und drehte die heiße Birne aus der Fassung. Ein Stück weiter vorn drehte er die zweite Glühbirne heraus. Diesmal verspürte er einen leichten Stromschlag, weil die schützende Kabelummantelung aufgebrochen war.
Nun brannte nur noch das letzte Licht im hinteren Latrinenwinkel.
Indy machte es sich auf dem Balken bequem, lehnte sich an einen aufstrebenden Pfosten und wartete. Zwanzig Minuten später schwang die Tür auf, was ihn in Alarmbereitschaft versetzte. Im fahlen Licht begab sich der Mann unter ihm zum Waschstand in der Mitte der Latrine, schlug mit dem Schienbein dagegen und begann, auf italienisch zu fluchen.
Indy entspannte sich.
In den nächsten dreißig Minuten wurde die Latrine von zwei weiteren Männern aufgesucht, von denen leider keiner rotes Haar hatte. Schließlich, als der durch die Ritzen sichtbare Himmel sich langsam heller färbte und Indy sich innerlich schon auf sein Verschwinden eingestellt hatte, ging die Tür noch mal auf.
Ein bärtiger rothaariger Mann in weißem Unterhemd und Khakishorts kam herein und blieb, durch die schlechte Beleuchtung irritiert, stehen. Indy wußte auf der Stelle, daß das Alistair war.
»Man möchte meinen, daß Mussolini, bei dem die Züge den Fahrplan auf die Minute einhalten«, begann er mit englischem Akzent, »seine Leute so weit auf Vordermann gebracht hätte, daß sie kaputte Birnen auswechseln. Was für eine Schande. Hier ist es noch schlimmer als in einem Ferienlager.«
Er ging zu einem der Trichter, auf den noch etwas Licht fiel, zog den Reißverschluß seiner Hose runter und stierte beim Pinkeln mit leerem Blick auf die Wand. Indy kroch über den Balken Richtung Wand, kletterte vorsichtig hinunter, baumelte an beiden Händen und ließ sich zu Boden fallen.
Verunsichert drehte der Rothaarige sich um, um zu sehen, was sich hinter seinem Rücken abspielte.
»Himmel noch mal«, sagte er. »Sehen Sie, wozu Sie mich gebracht haben.«
»Sie pflegen alte Gewohnheiten«, sagte Indy, »aber wenigstens schließen Sie mittlerweile die Tür hinter sich.«
»Wer sind Sie?« fragte Alistair. »Mein Gott, Sie sind Amerikaner. Was haben Sie hier zu suchen?«
Indy forderte ihn auf, leiser zu sprechen.
»Ihre Schwester wartet außerhalb des Zaunes auf Sie«, erklärte er. »Und es wäre besser, wenn Sie freiwillig mitkommen, denn wenn nicht, so müßte ich Sie gegen Ihren Willen mitschleppen.«
»Alecia ist hier?«
»Kommen Sie, oder nicht?«
»Natürlich komme ich«, sagte er. »Warum sollte ich denn nicht kommen wollen? Seit Tagen warte ich darauf, daß jemand auftaucht und mich hier rausholt. Aber wer sind Sie und wie sind Sie hier reingekommen?«
»Wir haben keine Zeit für ausschweifende Erklärungen«, meinte Indy.
Alistair ging zur Waschstation und wusch sich die Hände.
»Lassen Sie das«, rügte Indy ihn. Draußen erwachte das Lager zum Leben, die Männer stellten sich auf den neuen Tag ein: Maschinen liefen an, Unterhaltungen setzten ein, die Hunde jaulten in ihren Gehegen und warteten ungeduldig darauf, gefüttert zu werden. »Lassen Sie uns verschwinden. Uns bleiben nur noch ein paar Minuten, bis es hell wird.«
Alistair trocknete die Hände an einem Handtuch ab. Indy f aßte ihn von hinten am Unterhemd und zerrte ihn zur Tür.
»Wir werden hier rausmarschieren, als wüßten wir ganz genau, was wir tun«, sagte Indy. »Wir werden uns ganz lässig zur Rückseite der Latrine begeben. Und dann werden wir uns mit den Bäuchen in den Staub werfen und - vorausgesetzt, die Hunde lassen uns in Ruhe - durch eine Öffnung im Zaun kriechen und zwar so schnell wie möglich. Falls Sie nur ein Wort verlieren oder wegzurennen versuchen, werde ich Ihnen das Genick brechen, bevor die Faschisten mich kriegen. Ist das klar?«