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18 Geisterstories

Электронная книга - «18 Geisterstories». Краткое содержание книги:

Schaurige Geschichten von klassischen und modernen Gespenstern.
Ausgewählt und herausgegeben von Manfred Kluge.
Inhalt:
Laertes
Karl Hans Strobl
Vier Geister in ›Hamlet‹
Fritz Leiber
Das arme alte Gespenst
Heinrich Seidel
Die Klausenburg
Ludwig Tieck
Der Geisterberg
Gustav Adolf Becquer
Gäste zur Nacht
Alexander Puschkin
Der schwarze Schleier
Charles Dickens
Das weiße Tier
Ein Nachtstück
Georg von der Gabelentz
Das geheimnisvolle Telegramm
Anonymus
Der geraubte Arm
Vilhelm Bergsöe
Die Nacht von Pentonville
Jean Ray
Das Gespenst
Knut Hamsun
Der Geist
Frederic Boutet
Die Kleinodien des Tormento
Paul Busson
Altersstarrsinn
Robert Bloch
Der Spuk von Rammin
Hanns Heinz Ewers
Reitet, Colonel!
Mary-Carter Roberts
Die Stimme aus dem Jenseits
Werner Gronwald
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»Was hast du denn, Vater?« fragte die Magd, die ihm die Stiefel auszog. »Du sprichst ja lauter wirres Zeug. Bekreuzige dich! Die Toten herbeirufen, welch ein grauenhafter Einfall!«

»Bei Gott, ich lade sie morgen zu mir ein. Ja, meine Wohltäter, kommt nur, erweist mir die Ehre, morgen abend! Ich bewirte euch mit allem, was Gott gibt.« Und Adrian warf sich auf sein Bett; er schlief sofort ein.

Es war noch dunkel, als Adrian geweckt wurde. Die Kaufmannsfrau Trjuchina war in der Nacht gestorben; ihr Geschäftsführer hatte einen reitenden Boten gesandt, um den Sargtischler zu benachrichtigen. Adrian gab ihm dafür ein silbernes Zehnkopekenstück Trinkgeld und zog sich eiligst an. Er nahm eine Droschke und fuhr auf den Rasguljai.

Vor dem Haus der Verstorbenen standen bereits Polizisten, und Kaufleute schnüffelten herum wie Krähen, die sich um ein Aas versammelt haben. Die Verschiedene lag auf einem Tisch, gelb wie Wachs und von Angehörigen, Nachbarn und Dienern umringt. Alle Fenster waren geöffnet. Kerzen brannten, und Geistliche lasen Gebete.

Adrian ging auf den Neffen der Trjuchina zu, einen jungen und nach der neuesten Mode gekleideten Kaufmann, und versicherte ihm, daß Sarg, Kerzen, Sargdecke und alles, was dazugehörte, unverzüglich geliefert werden würden. Der Erbe dankte ihm zerstreut und fügte hinzu, daß der Preis dabei keine Rolle spiele und er selber sich ganz auf die Gewissenhaftigkeit Prochorows verlasse. Der Sargtischler beteuerte wie immer in solchen Fällen, daß er nicht mehr verlangen werde, als angemessen sei. Dann wechselte er einen vielsagenden Blick mit dem Geschäftsführer und ging nach Hause, um die entsprechenden Maßnahmen zu treffen.

Den ganzen Tag über fuhr er zwischen dem Rasguljai und dem Nikitskij-Tor hin und her. Erst am späten Abend war alles in Ordnung gebracht; er entließ den Kutscher und ging wieder zu Fuß nach Hause. Vor der Himmelfahrtskirche am Nikitskij-Tor wurde er von unserem Bekannten Jurko angerufen. Dieser hatte ihn erkannt und wünschte ihm eine gute Nacht.

Es war schon spät. Als der Sargtischler an sein Haus kam, bemerkte er plötzlich, daß jemand seine Gartenpforte öffnete und hinter der Tür verschwand. Was soll das heißen, dachte er, braucht mich denn wieder jemand? Oder ist es ein Einbrecher, vielleicht gar ein Schürzenjäger, der bei meinen närrischen Töchtern einsteigen will? Etwas Gutes ist es bestimmt nicht! Während er noch überlegte, ob er seinen Freund Jurko rufen sollte, tauchte eine neue Gestalt auf und schien gleichfalls ins Haus eintreten zu wollen. Als diese aber den Sargtischler herbeilaufen sah, blieb sie stehen und nahm den dreieckigen Hut ab. Das Gesicht kam Adrian bekannt vor, doch konnte er sich im Augenblick nicht genau erinnern, wo er es schon mal gesehen hatte.

»Sie wollen wohl zu mir«, sagte Adrian mit stockendem Atem, »bitte, treten Sie ruhig ein, erweisen Sie mir die Ehre.«

»Keine leeren Phrasen, mein Lieber«, entgegnete der Fremde mit hohler Stimme. »Geh voran und zeig deinen Gästen den Weg!«

Dem Sargtischler blieb nichts anderes übrig, als der Aufforderung zu folgen. Er ging durch das offene Gartentor, den Unbekannten hinter sich, dann durch die ebenfalls geöffnete Haustür und begann die Treppe hinaufzusteigen. Dabei hatte er das Gefühl, als gingen viele Leute in seinem Haus umher. Welch ein Teufelsspuk! dachte er und beeilte sich hinaufzugelangen.

Als er die Tür zu seiner Wohnstube aufmachte, schlotterten ihm die Knie: Im Zimmer waren lauter Tote. Der Mond schien durchs Fenster und erhellte die gelben, blau angelaufenen Gesichter, die eingefallenen Lippen, die trüben, halbgeschlossenen Augen und die scharf hervortretenden Nasen. Panische Angst bemächtigte sich seiner. Er erkannte in ihnen die Toten, die durch sein Dazutun begraben worden waren; derjenige, der mit ihm hereinkam, war der vor einer Woche beerdigte Brigadier, dessen Leichenzug vom Unwetter überrascht worden war. Sie alle, Damen wie Herren, begrüßten ihn mit tiefen Verbeugungen, Kratzfüßen und Glückwünschen, ausgenommen ein armer Schlucker, der umsonst begraben werden mußte und sich dessen ebenso schämte wie seines groben Hemdes. Er drückte sich als einziger in der Ecke herum. Alle übrigen waren sehr vornehm angezogen: Die Frauen trugen hübsche Hauben, die Männer waren je nach Rang und Würden in Uniform gekleidet, obgleich unrasiert, die Kaufleute hatten ihre Sonntagskleider an.

»Prochorow«, meldete sich der Brigadier im Namen aller Versammelten, »wie du siehst, sind wir alle deiner Einladung gefolgt; zu Hause sind nur die geblieben, die es beim besten Willen nicht mehr schaffen konnten, da sie entweder schon völlig zerfallen oder von ihnen nichts als blanke Knochen übriggeblieben sind. Aber selbst von denen hat es einer nicht über sein ehemaliges Herz bringen können wegzubleiben.«

Im selben Augenblick drängte sich ein kleines Skelett nach vorn und trat auf Adrian zu. Mit einem einnehmenden Grinsen blickte sein Schädel zu dem Sargtischler auf. An dem Gerippe hafteten noch einige Fetzen grünen und roten Stoffs und fadenscheiniger Leinwand, während die Beinknochen in den hohen Reitstiefeln klapperten wie Keulen in einem Mörser.

»Natürlich kennst du mich nicht, Prochorow«, sagte das Skelett, »aber du erinnerst dich gewiß noch an den verabschiedeten Gardesergeanten Pjotr Petrowitsch Kurilkin, dem du im Jahre 1799 deinen allerersten Sarg verkauftest, der im übrigen statt aus Eiche nur aus Tannenholz war!«

Bei diesen Worten schickte sich das Gerippe an, Adrian zu umarmen; aber Prochorow nahm alle Kräfte zusammen, schrie auf und stieß es von sich. Pjotr Petrowitsch taumelte, schlug hin und brach in lauter Stücke auseinander. Die Toten waren empört. Wie ein Mann traten sie für die Ehre ihres Kollegen ein und warfen sich schimpfend und drohend Adrian entgegen. Der arme Hausherr, von ihrem Lärm wie betäubt und fast zu Tode gedrückt, verlor seine Fassung, fiel nun über die Knochen des Gardesergeanten und blieb besinnungslos am Boden liegen.

Die Sonne schien längst auf das Bett, in dem der Sargtischler schnarchte. Endlich erwachte er und gewahrte die Magd, die den Samowar aufstellte. Mit Schrecken erinnerte sich Adrian, was gestern geschehen war. Wie in einem Nebel sah er die Trjuchina, den Brigadier und den Sergeanten Kurilkin vor sich. Schweigend wartete er darauf, daß die Magd anfangen würde, von den gestrigen Begebenheiten zu erzählen.

»Du hast aber ganz schön verschlafen, Vater Adrian Prochorow«, sagte Aksinja und reichte ihm den Schlafrock. »Der Schneider von nebenan hat schon nach dir gefragt, und der Schutzmann war ebenfalls da und sagte, daß der Polizeiaufseher heute Namenstag habe; du aber beliebtest immer noch zu schlafen, und wir trauten uns nicht, dich zu wecken.«

»War jemand von der verstorbenen Trjuchina da?«

»Von wem? Von der verstorbenen Trjuchina? Seit wann ist sie denn tot?«

»Dumme Gans! Hast du mir nicht selber gestern bei den Vorbereitungen für ihre Beisetzung geholfen?«

»Was sagst du da, Vater? Bist du nicht ganz beisammen oder immer noch betrunken? Von welcher Beisetzung redest du denn? Du warst doch den ganzen Tag bei diesen Deutschen; bist betrunken nach Hause gekommen, in dein Bett geschlichen und erst aufgewacht, als es bereits längst zur Mittagsmesse geläutet hat.«

»Ist das denn wahr?« fragte der Vater.

»Aber natürlich«, versicherte die Magd.

»Nun, dann gib mir schnell den Tee und ruf die Töchter herein!«

Der schwarze Schleier von Charles Dickens

In ihrer Gesamtheit liefern die ›Sketches by Boz‹ – unter diesem Pseudonym schrieb Charles Dickens (1812-1870) zwischen 1833 und 1836 in verschiedenen Londoner Zeitschriften Stimmungsbilder, Charakterskizzen und Kurzgeschichten – bunte Genrebilder vom damaligen Alltagsleben in und um London, ein Stück frühviktorianischer Wirklichkeit, das als authentisches Zeitbild von bleibendem Interesse ist. In diesen Skizzen ist auch die Erzählung ›Der schwarze Schleier‹ enthalten, in denen Dickens eine Fülle von Elementen des zeitgenössischen Schauerromans verarbeitet hat – keine Gespenstergeschichte im traditionellen Sinne, aber eine Erzählung, die durch ihre gespenstische Atmosphäre auch heute noch zu fesseln vermag.

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