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Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen

Электронная книга - «Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen». Краткое содержание книги:

1800 — Der Krieg England gegen Napoleon droht auf Dänemark überzugreifen. Konteradmiral Richard Bolitho operiert deshalb mit seinem Geschwader in der Ostsee, und zwar zugleich gegen Dänen, Russen und Franzosen. Besonders die Befreiung englischer Handelsschiffe bei Gotland und der Angriff auf Kopenhagen sind Bewährungsproben für das Flaggschiff «Benbow» und seinen jungen Admiral, der hier auch nach vielen Schicksalsschlägen wieder ein privates Glück findet.
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Lord Swinburne grinste verschmitzt.»Sie unverschämter Teufel! Wenn es im Umkreis von fünf Meilen einen anderen Arzt gäbe, würden Sie den Fuß nicht mehr über meine Schwelle setzen.»

Sie waren offenbar sehr gute Freunde.

Der Doktor stellte sein Glas vorsichtig ab und kam zu Bolitho herüber.»Bitte, halten Sie einen Augenblick still, Sir.»

Bolitho wollte protestieren, sah dann aber das Blut auf seinem Bein im Feuerschein wie ein grausames Auge schimmern. Der Arzt knöpfte sich den Rock auf.

«Erlauben Sie mir, daß ich Sie in einen anderen Raum führe?»

Browne beobachtete fasziniert, wie Bolithos Widerstand sich in Verlegenheit verwandelte, als der Arzt ruhig hinzusetzte:»Ich habe genügend tapfere Männer kennengelernt und weiß mit Wunden umzugehen, Sir.»

Als sie den Raum verließen, der hochgewachsene Offizier auf den rundlichen Doktor gestützt, sagte Swinburne:»Sie dienen unter einem bemerkenswerten Mann, Oliver. Welch ein Glück für Sie!»

«Wenn der Konteradmiral morgen nicht in der Lage ist, weiterzufahren, werde ich ohne ihn abreisen, Mylord. «Browne dachte über die Konsequenzen seines Entschlusses nach. Es mußte sich lohnen, Admi-ral Beauchamps Gesicht zu sehen, wenn er mit Bolithos Berichten in der Admiralität aufkreuzte.

«Ich fürchte, er würde sich sonst Sorgen machen.»

«Gute Idee, mein Junge. Die Straßen sind nicht so, wie sie sein sollten.»

Der Arzt kehrte zurück und knöpfte seinen Rock zu, womit er andeutete, daß er nun nicht länger arbeitete. Er senkte die Stimme.»Er hat eine schreckliche Wunde, Leutnant, aber sie ist gut versorgt worden. Allerdings verlangt sie sehr viel mehr Geduld, als Ihr Vorgesetzter wohl aufbringt. «Er hielt die Hände ans Feuer.»Er hatte Glück, daß ein so guter Arzt an Bord war. Ich habe von ihm schon gehört und gelesen.»

Swinburne sagte:»Und was gedenken Sie, mit dem Admiral zu tun?»

«Ich werde ihn hierbehalten, wenn ich darf. Ich glaube, er ist ein einsamer Mann. Der schnelle Wechsel zum stillen Landleben könnte ihm mehr schaden als guttun. «Er machte eine ausholende Bewegung, die den großen, mit Säulen geschmückten Raum umfaßte.»Doch in dieser bescheidenen Hütte und mit dem Weihnachtsfest vor der Tür könnte er schnell genesen.»

Swinburne zwinkerte Browne zu.»Also erledigt. Sie fahren zu diesen Eierköpfen von der Admiralität, wenn Sie müssen. Aber seien Sie rechtzeitig zum Fest wieder hier. «Er rieb sich die Hände.»Es wird wieder ganz wie in alten Zeiten. «Als Bolitho zurückkam, wußte er, daß es zwecklos war, zu protestieren oder zu streiten. Manchmal war Nachgeben besser. Schicksal? Herricks berühmte Fortune. Wie man es auch nennen wollte: irgend etwas hatte entschieden, daß er die Ben-bow so früh wie möglich verlassen sollte. Irgend etwas hatte Browne eingegeben, die bequeme Kutsche auszuleihen, statt den Dienstwagen nach London zu nehmen. Wenn er auf letzterem bestanden hätte, wären sie eine andere, stärker benutzte Straße gefahren.

Er versuchte, seine lächerliche Hoffnung zu unterdrücken, bevor sie ihn vernichtete.

Swinburne sagte laut:»Verdammt noch eins, natürlich: Bolitho! Mir ist bis jetzt nicht eingefallen, daß Sie es sind! Ich habe von Ihnen in der Gazette und in der Times gelesen. «Er drohte Browne mit der Faust.»Sie sind ein noch größerer Dummkopf als Ihr Vater, Oliver. Mir nichts zu sagen! Gottverdammmich, Mann!«Er war außer sich vor Vergnügen. Browne sagte sanft:»Sie haben mir kaum Gelegenheit dazu gelassen, Mylord.»

Ein Diener riß die Tür auf, und Lady Swinburne rauschte mit der imposanten Würde eines Linienschiffs herein, um ihre Gäste zu begrüßen. Sie nickte Browne zu.»Ah, Oliver!«war alles, was sie sagte, doch Bolitho vermutete, daß es viel mehr bedeutete. Dann nahm sie Bolithos Hand und musterte ihn neugierig. Sie war eine sehr große Dame, gut einen Kopf größer als ihr Mann.

«Konteradmiral Bolitho, Sie sind herzlich willkommen. Sie sehen so aus, wie mein Sohn jetzt wohl ausgesehen hätte. Er fiel bei der Schlacht in der Chesapeake-Bucht.»

Swinburne sagte:»Quäl' dich nicht damit, Mildred. Es ist lange her.»

Bolitho drückte ihre Hand.»Nicht für mich, Mylady. Ich war dabei.»

Sie nickte.»Das dachte ich mir, da Sie gleichaltrig sind. «Ein Lächeln wischte ihre plötzliche Trauer beiseite. Sie sagte:»Oben liegt ein junge Dame, die Sie zu sehen wünscht. Um Ihnen zu danken. «Lady Mildred sah, daß der Arzt kurz den Kopf schüttelte, und bemerkte den Blutfleck auf Bolithos Hose, den auch der Alkohol des Arztes nicht ganz beseitigt hatte.»Na schön, dann eben später. «Sie warf den anderen einen strahlenden Blick zu.»Ein verwundeter Seeheld und eine Dame in Not, kann es bessere Voraussetzungen für ein schönes Weihnachtsfest geben?»

XI Eine alte Rechnung

Bolitho stand unentschlossen am frisch entfachten Kaminfeuer und lauschte auf das Prasseln des Graupelregens gegen die Fenster. Es war Abend und er, soweit er wußte, fast allein in dem großen Haus. Sie hatten ihm ein kleines Zimmer im Erdgeschoß eingeräumt und ihn nicht einmal zum Mittagessen geweckt.

Als er schließlich aufgewacht war, hatte er seine Kleider sauber zurechtgelegt gefunden und seine Kniehosen wie neu und ohne eine Spur der Blutflecken.

Das Haus mußte sehr alt sein, stellte er fest, und viele Generationen von Swinburnes hatten immer wieder daran gebaut. Sein Zimmer war mit hohen Regalen ausgestattet, in denen offenbar vielbenutzte Bücher standen. Es erinnerte ihn an den Raum in Kopenhagen, in dem ihn der Kronprinz empfangen hatte. Auch das schien jetzt Teil eines Traumes zu sein. Nur die schmerzhafte Erinnerung an seine Wunde bürgte für die Realität.

Er versuchte, die Frau aus der Kutsche als völlig Fremde zu sehen, wie es selbstverständlich gewesen wäre, wenn sie anders ausgesehen hätte. Ihm war, als träte er von einem Gemälde zurück, dessen Einzelheiten ihn fasziniert hatten, um es nun als Ganzes zu betrachten.

Die Tür öffnete sich leise, und er wandte sich um und dachte, es sei Browne oder einer von Swinburnes aufmerksamen Dienstboten.

Sie stand da — umrahmt vom Licht aus dem Nebenraum — , Gesicht und Arme vom Feuerschein des Kamins angeleuchtet.

Bolitho wollte ihr entgegengehen, aber sie sagte:»Nein, bitte bleiben Sie, wo Sie sind. Ich habe von Ihrer Verwundung gehört. Sie haben Ihr Leben riskiert, als Sie auf der Straße halfen, meines zu retten.»

Sie näherte sich dem vollen Licht des Kaminfeuers, und ihr Kleid schleifte dabei über den Fußboden. Es war weiß mit gelbem Blumenmuster. Ihr langes, kastanienbraunes Haar war mit einem Band der gleichen Farbe zurückgebunden. Sie bemerkte, daß er sie anstarrte, und erklärte:»Das Kleid gehört mir nicht. Lady Swinburnes Tochter hat es mir geliehen. Mein Gepäck habe ich schon nach London geschickt. «Sie zögerte und streckte dann die Hand aus.»Ich bin in Ihrer und Ihrer Freunde Schuld.»

Bolitho nahm ihre Hand und suchte hilflos nach den rechten Worten.»Gut, daß wir zur rechten Zeit kamen.»

Behutsam machte sie ihre Hand frei und setzte sich.»Sie sind Konteradmiral Bolitho. «Sie lächelte leicht.»Und ich bin Mrs. Belinda Laidlaw.»

Bolitho saß ihr gegenüber. Ihre Augen glichen Cheneys überhaupt nicht. Sie waren dunkelbraun.

Er sagte:»Wir waren auf dem Weg nach London zur Admiralität. Wir kamen gerade von See. «Er bemühte sich, nicht auf sein Bein zu schauen.»Ich hatte das Pech, mich in einem Augenblick aufzurichten, in dem ich mich besser gebückt hätte.»

Sie ging auf seinen mageren Witz nicht ein.

«Auch ich bin gerade nach England zurückgekommen. Aus Indien. Mir scheint hier alles ganz anders. «Sie schüttelte sich.»Nicht nur das Klima, alles. Der Krieg ist so nahe, daß ich den Feind fast sehe, der auf der anderen Seite des Kanals wartet, um bei uns zu landen.»

«Ich wüßte einige gute Gründe, warum die Franzosen nie kommen werden. «Er lächelte verlegen.»Obwohl sie es versuchen.»

«Das nehme auch ich an. «Sie sah gedankenverloren aus.

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