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Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen

Электронная книга - «Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen». Краткое содержание книги:

1800 — Der Krieg England gegen Napoleon droht auf Dänemark überzugreifen. Konteradmiral Richard Bolitho operiert deshalb mit seinem Geschwader in der Ostsee, und zwar zugleich gegen Dänen, Russen und Franzosen. Besonders die Befreiung englischer Handelsschiffe bei Gotland und der Angriff auf Kopenhagen sind Bewährungsproben für das Flaggschiff «Benbow» und seinen jungen Admiral, der hier auch nach vielen Schicksalsschlägen wieder ein privates Glück findet.
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X Traumgebilde

Nach einer der stürmischsten Überfahrten, an die Bolitho sich erinnern konnte, hatte die Benbow schließlich in Spithead geankert. Fast drei Monate waren sie fort gewesen, eine kurze Zeit nur für einen erfahrenen Seeoffizier, doch Bolitho hatte nicht erwartet, daß sie Spithead oder einen anderen heimatlichen Hafen jemals wiedersehen würden.

Die schmutzig gelben Wellenkämme schienen ihm beinahe schön, und die klamme Luft in der Kajüte war ihm nicht länger lästig. Bo-litho trat vorsichtig von den Heckfenstern zurück; obwohl er sich bemühte, sein verwundetes Bein nicht zu belasten, hätte er vor Schmerz fast aufgeschrien. Jeden Tag hatte er sich gezwungen, von Allday und Ozzard gestützt, ein paar Schritte zu gehen.

Stolz oder Zorn — er war sich noch nicht sicher, was von beiden überwog — hatte ihn auf den Weg der Genesung getrieben. Er hegte den Verdacht, daß Kommodore Rice vom Downs-Geschwader vielleicht ungewollt einiges damit zu tun gehabt hatte.

Herrick hatte darum gebeten, daß Rice das Kommando über die vereinten Geschwader übernahm, während er selber die Benbow zur Inspektion und Reparatur ins Dock brachte. Rice hatte Herrick zunächst abgewiesen, weil er wohl darauf aus war, baldmöglichst auf seine eigene, weniger schwierige Station zurückzukehren. Es konnte aber auch sein, daß er Bolitho schon abgeschrieben hatte und Herrick für zu jung hielt, um ihm Anweisungen zu geben. Was es auch gewesen sein mochte: Bolitho hatte nach Yovell gerufen und ihm eine kurze Anweisung für den Kommodore diktiert. Rice sollte danach bis auf weiteres das Kommando über das vereinte Geschwader übernehmen. Wenn Ropars' oder andere feindliche Schiffe den Versuch machen sollten, in die Ostsee einzudringen, würden sie auf eine sehr viel stärkere Streitmacht als bisher stoßen und ein weit größeres Risiko eingehen.

Herrick klopfte an die Tür und trat ein.»Wir haben geankert, Sir. «Er schaute Bolitho prüfend an und fügte hinzu:»Sie sollten sich schonen.»

«Wollen Sie mich vielleicht im Bootsmannsstuhl in mein Boot ab-fieren, Thomas? Wie den Arzt, den wir einmal hatten, oder wie ein Stück überzähliger Ladung?«Er zuckte zusammen, als das Deck sich plötzlich seitwärts neigte.»Aber ich werde vorsichtig sein.»

Herrick lächelte.» Aye, Sir. Sobald die Tide wechselt, beabsichtige ich, in Portsmouth ins Dock zu gehen. Ich habe dem Hafenadmiral entsprechende Nachricht geschickt. «Dann setzte er ernst hinzu:»Der Sechste Offizier ist eben gestorben. So nahe am Zuhause.»

Bolitho nickte. Es war besser so. Ein junger Offizier, dem das halbe Gesicht weggeschossen und der auch geistesgestört war, wäre an Land eine Tragödie gewesen. Jetzt konnte wenigstens die Erinnerung an ihn von seiner Familie hochgehalten werden.

Er sagte:»So viele gute Leute, Thomas. Ich hoffe, sie sind nicht umsonst gestorben.»

Herrick lächelte.»Werfen Sie es hinter sich, Sir. Das haben wir doch schon oft genug tun müssen.»

«Und was wollen Sie machen?»

«Wenn wir eingedockt sind, werde ich die Midships und einige der Verheirateten nach Hause schicken.»

Bolitho verstand. Mit Verheirateten meinte Herrick Offiziere und Deckoffiziere. Gemeine Seeleute, so loyal sie auch sein mochten, hätten sich wahrscheinlich verdrückt, wenn sie erst einmal wieder die Annehmlichkeiten ihres Zuhauses kennenlernten.

Herrick sagte:»Ich bleibe natürlich an Bord. Wenn's Gott gefällt, wird meine Frau mich hier besuchen.»

Bolitho setzte sich sehr vorsichtig hin.»Sie machen das beste daraus, Thomas, recht so.»

«Das ist wahr. Und ich bin glücklich. «Es klang etwas weniger glücklich, als er fragte:»Werden Sie die Admiralität aufsuchen, Sir?»

Bolitho zog eine Grimasse.»Ja, aber ich würde lieber zehn solche Überfahrten auf Ihrem Schiff machen als eine Reise im Dienstwagen nach London.»

Allday schaute herein. Er war schick angezogen, mit Goldknöpfen am Rock und Schnallenschuhen.»Ich habe die Bootsbesatzung zusammengerufen, Sir.»

Herrick starrte Bolitho entsetzt an.»Sie haben doch nicht etwa die Absicht, sich an Land rudern zu lassen, Sir? Wir werden noch heute nacht im Dock sein. Sie können dann leicht morgen früh den Wagen am >George< erreichen.»

Bolitho lächelte über seine Aufregung.»Ich muß wieder lernen zu gehen, Thomas. Und irgend etwas sagt mir, daß ich nicht länger hier an Deck herumschlurfen soll.»

Herrick seufzte.»Wenn Sie entschlossen sind.»

Allday grinste.»Wir wissen beide, was das heißt, nicht wahr, Sir?»

Über der Kajüte hörte Bolitho Fußgetrampel und das Quietschen von Taljen. Die Benbow war wieder zu Hause, aber für die Beobachter am Ufer war sie einfach irgendein Schiff, das besser etwas in der Ferne blieb. Man las lieber darüber in der Gazette, als daß man es von nahem betrachtete. Ein Schiff war für Unbeteiligte eben nur ein Schiff, und nicht Fleisch und Blut, Angst und Heldenmut.

Bolitho erlaubte Ozzard, ihm in den Mantel zu helfen. Er zwang sich zu einem unbewegten Gesichtsausdruck, nahm aber an, daß weder Herrick noch Allday sich täuschen ließen. Der Schmerz trieb ihm Schweißperlen auf die Stirn, und jede kleinste Anstrengung kostete ihn fast mehr Kraft, als er besaß. Jetzt noch Säbel und Gurt, dann der Hut, während Ozzard den Zopf über den goldbestickten Kragen legte.

Allday zupfte den Gurt zurecht und murmelte:»Wenn Sie noch etwas dünner werden, Sir, können wir Ihnen ein Hundehalsband umlegen.»

Browne, schon im Bootsumhang, erschien am Eingang.»Boot liegt längsseit, Sir. «Er ließ die Blicke über Bolithos Erscheinung wandern und nickte billigend. Mit Herrick an der Spitze, marschierten sie von der Hütte auf das nasse Achterdeck.

Bolitho gewahrte erstaunt die große Zahl von Seeleuten, die in den Wanten hingen oder auf den Laufbrücken standen. Herrick sagte schnelclass="underline" »Ich habe keineswegs Befehle dazu gegeben, Sir.»

Bolitho nahm den Hut ab und ging langsam in Richtung Fallreep. Die Einstiegspforte schien eine Meile weg zu sein, und jedes langsame Neigen des Decks drohte ihn umzuwerfen. Zum erstenmal seit dem Augenblick, als ihn die Musketenkugel niedergestreckt hatte, war er an Deck. Er brauchte nicht an die Schmerzen und den Blutverlust erinnert zu werden. Noch fühlte er sich innerlich leicht und wie betäubt von der Gewißheit, daß er lebte.

Browne flüsterte:»Stützen Sie sich auf mich, Sir.» Selbst er hatte seine übliche Ruhe verloren.»Bitte.»

Auf einmal rief einer der Männer:»Bravo!«, was ein allgemeines Beifallsgebrüll auslöste, das wie eine Flutwelle durch das Schiff lief.

Pascoe schwenkte mit allen anderen den Hut, und sein lachendes Gesicht sagte alles. Da war Grubb in seinem verschlissenen Mantel, dann die mächtige Gestalt von Leutnant Wolfe, dazu all die anderen Gesichter, die zu Namen geworden waren. Persönlichkeiten.

«Gehen Sie schon vor, Mr. Browne. «Bolitho streckte Herrick die Hand hin.»Ich werde Sie auf dem laufenden halten, Thomas. Empfehlen Sie mich Ihrer Frau. «Er sprach mit zusammengepreßten Zähnen, um den Schmerz zu unterdrücken.

Dann schaute er hinunter auf das stark dümpelnde Boot, musterte die Kuttergäste in ihren sauberen karierten Hemden und geteerten Hüten und die Riemen, die sich gegen das dunkle Wasser sehr weiß abhoben.

Jetzt oder nie! Bolitho schwang sich nach außen aufs Fallreep und konzentrierte sich völlig auf das Boot und auf Allday, der — den Hut in der Hand — bereitstand, ihm beim Hinunterklettern zu helfen.

Die Triller der Bootsmannsmaatenpfeife und die Hochrufe der Matrosen halfen ihm, seine Mühe bei jedem Schritt abwärts zu verbergen, bis er mit einer letzten Anstrengung das Boot erreichte.

Als der Kutter sich von der Benbow entfernte, sah Bolitho hinauf zu dem Durcheinander an Deck, zu den provisorischen Abdichtungen der Einschußlöcher in der Bordwand, und zu den vielen Schrammen und Kratzern von Kartätschenkugeln.

Als die Kuttergäste kräftig durchholten und das Boot am Bug vorbeirauschte, schaute Bolitho zurück auf die hervorstechende Galionsfigur. Vizeadmiral Benbow hatte sein Bein verloren. Fast hätte er es ihm gleichgetan.

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