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Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen

Электронная книга - «Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen». Краткое содержание книги:

1800 — Der Krieg England gegen Napoleon droht auf Dänemark überzugreifen. Konteradmiral Richard Bolitho operiert deshalb mit seinem Geschwader in der Ostsee, und zwar zugleich gegen Dänen, Russen und Franzosen. Besonders die Befreiung englischer Handelsschiffe bei Gotland und der Angriff auf Kopenhagen sind Bewährungsproben für das Flaggschiff «Benbow» und seinen jungen Admiral, der hier auch nach vielen Schicksalsschlägen wieder ein privates Glück findet.
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Allday sagte:»Wir tragen sie am besten in unseren Wagen, Sir. «Er sah Bolitho besorgt an.»Wenn wir nicht gekommen wären, hätten sie bei dieser Kälte kaum überlebt.»

Bolitho kletterte verwirrt aus dem Wagen. Die ganze Szene war so, wie er sie sich immer vorgestellt hatte: der zerschmetterte, umgestürzte Wagen und darin wie in einer Falle Cheney mit dem Kind unter ihrem Herzen. Der Kutscher tödlich verletzt, aber Ferguson, sein einarmiger Verwalter, bei ihr. Irgendwie hatte Ferguson es geschafft, Cheney auf der Suche nach Hilfe zwei Meilen weit zu tragen, aber ohne Erfolg. Bolitho hatte sich das Bild so oft vorgestellt. Wenn diese Fremden hier Schauspieler gewesen wären, hätten sie es nicht wahrhaftiger, nicht grausamer nachstellen können.

Browne sagte:»Ich habe sein Bein provisorisch geschient. Er ist noch etwas benommen. «Unsicher spähte er durch den Schneeregen, sein Dreispitz glitzerte wie Glas.»Lord Swinburnes Landsitz liegt hier in der Nähe. «Er rief ihrem Kutscher zu:»Kennen Sie ihn?»

Der Kutscher nickte, offenbar nicht gewillt, weiter in die Sache hineingezogen zu werden.»Ja, Sir.»

In diesem Augenblick schien Browne zu bemerken, daß da noch etwas anderes vorsichging. Er beobachtete Allday, der die bewußtlose Frau zum Wagen trug, und wandte sich an Bolitho, um ihn zu befragen. Aber Bolitho kletterte schon in ihren Wagen, das Gesicht so verschlossen, wie Browne es noch nie gesehen hatte.

Allday kam zurück und sah sich den verletzten Kutscher an.

Browne flüsterte ihm wütend zu:»Was ist eigentlich los, Mann?»

Allday blieb ruhig, obwohl er innerlich kochte.»Mr. Browne, Sir — wenn Sie dem Amiral helfen wollen, dann schlage ich vor, daß Sie in dem anderen Wagen mit nach Gepäckstücken suchen. Hier werden sich bald Diebe einfinden wie Krähen um den Galgen. Dann könnten Sie vielleicht das Pferd hinten an unseren Wagen binden. Ich kann mit Pferden nicht umgehen.»

Als Browne sich gehorsam zur umgestürzten Kutsche begab, fügte Allday hinzu:»Der Admiral wird es Ihnen später erklären, Sir. Das ist keine Mißachtung Ihrer Person, nichts für ungut.»

Er sagte es so geradeheraus, daß Browne wußte, es hieß:»Geh' zur Hölle, wenn du willst!«Doch dann dämmerte ihm etwas.

«Sie sieht seiner toten Frau ähnlich, ist es das?»

Allday seufzte.»Es ist kaum zu glauben. Ich kannte Mrs. Bolitho gut und meinte vorhin, ich könnte meinen Augen nicht trauen. «Er starrte zu dem anderen Wagen hinüber, dessen Umriß in dem anhaltenden Schneeregen gerade noch zu erkennen war.»Als ob er nicht schon genug zu verkraften hätte!«Das sagte er derart bitter, daß Browne beschloß, es dabei bewenden zu lassen.

Später, als ihre Kutsche behutsam in die andere Straße einbog, das dritte Pferd gehorsam hinter ihnen hertrottend, beobachtete Browne, wie sorgsam Bolitho und Allday sich bemühten, die Frau gegen jeden plötzlichen Ruck des Wagens abzuschirmen.

Unter der durch ihre Ohnmacht verursachten Blässe sah man, daß ihre Haut mehr als nur flüchtig erworbene Sonnenbräune aufwies. Sie war offensichtlich erst kürzlich in Übersee gewesen. Browne schätzte ihr Alter auf etwa dreißig Jahre. Sie war liebreizend, ein anderer Ausdruck fiel ihm nicht ein. Die zarten Linien ihres Mundes hatten auch Schock und Schmerz nicht entstellen können.

Und dann ihr Haar. Er hatte noch nie eine derart warme Brauntönung gesehen.

Eine ihrer Hände fiel herunter, und Browne sah, wie Bolitho sie vorsichtig zurücklegte. Er bemerkte, daß Bolitho dabei zögerte, was er noch nie bei ihm bemerkt hatte. Vielleicht war es der Ring an ihrem Finger, der Ring eines anderen. Das war zu erwarten, dachte Browne. Er sah den traurigen Ausdruck in Bolithos Augen und fühlte sich davon seltsam bewegt. Selbst im Traum sollten solche Dinge nicht passieren.

Allday sagte:»Wir fahren gerade an einem Pförtnerhaus vorbei, Sir. «Er spitzte die Ohren, um mitzubekommen, was ihr Kutscher dem Pförtner zurief. Wie zu sich selber sagte er bitter:»Ich wünschte, wir hätten auf Kapitän Herrick gehört und noch eine Jacht an Bord ve r-bracht. Dann hätte er von ihrer Existenz nie erfahren.»

Die Kutsche hielt an, und der Klang weiblicher Stimmen drang zu ihnen herein.

«Gott steh' uns bei: Marineoffiziere! Helfen Sie mir. Und Sie bestellen Andy, daß er sein Pferd satteln und den Doktor holen soll!«Browne sagte:»Ein Glück, daß ich mich an dieses Gut erinnerte,

Sir.»

Aber Bolitho hörte ihn nicht. Er folgte bereits den anderen zum Eingang des Herrenhauses. Lord Swinburne schien viel zu klein für einen Mann, der so viel Autorität und ein derart großartiges Haus besaß. Er stand mit seinem Allerwertesten gefährlich nahe am prasselnden Kaminfeuer und blickte mit der wachen Neugier einer Winterdrossel abwechselnd Bolitho und Browne an.

«Donnerwetter, was für eine Geschichte, Sir! Gut, daß wir Sie bei uns haben, Bolitho. Offiziere des Königs kommen selten hierher. Und

Armee und Flotte haben uns alle jungen Leute weggeholt. Wie mein Verwalter zurechtkommt, wage ich gar nicht zu fragen.»

Ein Dienstmädchen trat durch die hohe, zweiflügelige Tür und machte einen Knicks.»Verzeihung, Mylord, aber der Doktor ist gekommen.»

«Dann bring' ihn doch nach oben, Mädchen. Und sag' ihm, daß ich etwas zum Aufwärmen habe, wenn er nachher fertig ist.»

Das Mädchen knickste wieder und verschwand. Swinburne lachte in sich hinein.»Sie sind also auf dem Weg nach London, sagen Sie? Gut, aber warum wollen Sie nicht bei uns übernachten? Mein Stallmeister meint, das Unwetter verzieht sich bis zum Morgen. Sie sind hier sehr viel besser aufgehoben als in einem flohinfizierten Gasthof, das darf ich wohl sagen. «Er genoß den unerwarteten Besuch.

Bolitho streckte das verwundete Bein aus und fühlte, daß die Wärme des Feuers ihm wohltat und den pochenden Schmerz linderte.

Swinburne sagte plötzlich sehr ernst:»Gut zu wissen, daß wir noch junge Männer haben, die unsere Flotten befehligen. Gott weiß, daß wir sie dringend brauchen. Wie ich höre, ist Nelson aus dem Mittelmeer zurück und bereits bei der Kanalflotte. Große Dinge bereiten sich vor.»

Bolitho nahm ein Glas von einem anderen Diener. Der Wein war kühl und klar, höchstwahrscheinlich auf dem Gut nach einem alten Rezept selbst hergestellt, wie sie es oft in Cornwall machten und in allen anderen Grafschaften, die von ihren eigenen Erzeugnissen leben mußten.

Lord Swinburne wußte mehr als er, aber Bolitho war nicht in der Stimmung, Informationen einzuholen. Seine Gedanken kreisten allein um das Mädchen oben. Diese Ausstrahlung! Dieser Duft ihres Haares, als er sie im Wagen gehalten hatte! Es war närrisch, ja verrückt, sie mit Cheney zu vergleichen. Denn das war vorbei. Früher oder später, auf diese oder jene Weise, würde er sich davon befreien müssen.

Browne sagte:»Ich würde gern hierbleiben, Mylord. Mein Vater hat oft von Ihnen gesprochen. «Er sah Bolitho an.»Wäre es Ihnen recht,

Sir?»

Bolitho wollte ablehnen, notfalls unhöflich werden, um nur dem allen zu entfliehen und seine Verzweiflung zu verbergen. Aber in diesem Augenblick sah er einen kleinen, rundlichen Mann mit Brille eintreten und wußte, daß es der Arzt war.

«Nun, wie geht es ihr?»

Der Doktor nahm ein Schwenkglas mit Brandy entgegen und hielt es voller Bewunderung gegen das Feuer.

«Nichts gebrochen, aber sie benötigt Ruhe. Es war ein böser Sturz, und sie hat Prellungen wie ein Preisboxer.»

Browne bemühte sich, uninteressiert zu erscheinen, aber er stellte sich vor, wie das reizende Mädchen nackt und hilflos vor den Augen des Arztes gelegen hatte.

Der Doktor setzte hinzu:»Sie ist jetzt bei Bewußtsein, Gott sei Dank. Ihre Gattin kümmert sich um sie, Mylord, also ist sie in guten Händen. «Er hielt das Glas zu neuer Füllung hin.»Bei Gott, ich hatte keine Ahnung, daß die Schmuggler ihre Ware bis hierher liefern.»

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