Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen
- Автор: Кент Александер
- Год: 1980
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20072-9
- Переводчик: Wentzel Fritz
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen». Краткое содержание книги:
Herrick sagte:»Ich werde Kommodore Rice über unsere Lage unterrichten. Wir sind zwar kampffähig, aber einige Schäden an unserem Schiffsrumpf bedürfen sorgfältigerer Reparatur. Ich werde um Erlaubnis bitten, dieses Gebiet zu verlassen und einen Hafen anzulaufen.»
Browne nickte. Die Benbow hatte bei dem Gefecht zweifellos am meisten abbekommen und mehr als ein Drittel der Verluste des ganzen Geschwaders. Weitere zwei Männer waren erst an diesem Tag beigesetzt worden, und gerade sie hatte man schon außer Lebensgefahr geglaubt.
Herrick warf seine Papiere auf den Tisch und fragte verzweifelt:»Was tut dieser verdammte Schlächter eigentlich?»
«Sein Bestes, Sir!«Das klang abgedroschen und so ganz anders, als Browne es gemeint hatte, daß er einen heftigen Anranzer von Herrick erwartete.
Statt dessen sagte Herrick nur:»Ich habe mich noch nie so um einen Mann gesorgt, verstehen Sie das? Wir haben auf allen Meeren von hier bis in die Südsee zusammen gekämpft. Ich könnte Ihnen Dinge von ihm erzählen, die Sie allein beim Zuhören vor Angst und Stolz zittern ließen. «Herrick schaute Browne bei diesen Worten an, aber seine blauen Augen schienen weit weg und bei Erinnerungen, an denen Browne, wie er wohl wußte, niemals teilhaben würde.
Herrick fuhr fort:»Ich war es auch, der ihm die Nachricht vom Tode seiner jungen Frau überbringen mußte. Man sagte, es wäre besser, wenn er es von mir hörte, aber wie können solch schrecklichen Dinge jemals besser klingen?«Herrick saß, zum Leutnant hingeneigt, auf der Kante des Kajüttisches, als könne er seinen Worten so mehr Nachdruck verleihen.»Da unten im Orlopdeck hat ihm einer eine Ermunterung zugerufen und ihn dabei >Dick< genannt. «Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.»Auf seiner Fregatte Phalarope nannten sie ihn so. >Der gerechte Dick<. Er sorgt sich um alle, das ist es. Verstehen Sie?»
Herrick blickte über Brownes Kopf hinweg, als die Kajüttür aufging, wobei die üblichen Schiffsgeräusche wie ungewohnter Lärm zu ihnen hereindrangen.
Allday stand da mit steinernem Gesicht. Sein Körper füllte den Eingang völlig aus.
Herrick sprang auf.»Was ist, Mann?»
Browne kam mit langen Schritten durch die Kajüte und ergriff All-days Arm.»Nun reden Sie schon, um Gottes willen!»
Allday sagte mit schwacher Stimme:»Ich könnte ein Glas Schnaps vertragen, Sir.»
Er wirkte wie betäubt, als ob er nur halb mitbekäme, was um ihn herum vorging. Die drei Männer standen eng beieinander und folgten den Schiffsbewegungen, als die Benbow wieder in ein tiefes Wellental sackte. Jeder von ihnen war mit seinen Gedanken beschäftigt.
«Erzählen Sie!«Herrick ging rückwärts durch die Kajüte, als würde alles zunichte, wenn er die Augen von Allday abwandte, und tastete nach einer Flasche und Gläsern.
Allday nahm den Brandy und schluckte ihn nahezu geistesabwesend hinunter.
Herrick sagte vorsichtig:»Ich dachte, der Doktor hätte Sie aufgefordert, den Raum zu verlassen?»
«Sie wissen, daß ich das nicht konnte, Sir. «Allday hielt das Glas zu neuer Füllung hin.»Aber es war nicht leicht. All das Blut. Sogar der alte Loveys. «Er schüttelte sich.»Bei allem Respekt, Sir, aber auch ihn hat's fast umgehauen.»
Herrick hörte ihm gebannt und gleichzeitig erleichtert zu.
Allday fuhr fort:»Der Doktor sagt, wenn er nicht aus der Koje gefallen wäre, hätte er das Bein verloren. So aber ist die Wunde aufgebrochen, und Mr. Loveys fand mit seiner Pinzette noch einen Metallsplitter und einige Stoffetzen.»
Herrick ließ sich in einen Stuhl fallen.»Gott sei Dank!«Bis zu diesem Augenblick hatte er geglaubt, Bolitho lebe zwar, habe aber sein Bein eingebüßt.
Allday schaute sich immer noch benommen in der Kajüte um.»Ich. Tut mir leid, Sir, ich hätte hier nicht so hereinplatzen sollen, ohne Sie um Erlaubnis zu fragen.»
Herrick übergab ihm die Flasche.»Nehmen Sie die mit in Ihr Quartier, und trinken Sie den Rest aus. Sie haben es verdient.»
Allday nickte und ging langsam zur Tür. Doch er drehte sich noch einmal um und murmelte:»Er hat plötzlich die Augen aufgemacht, Sir. «Wie zur Bekräftigung rieb er sich das Kinn.»Und wissen Sie, was er als erstes zu mir sagte?»
Herrick antwortete nicht, als er die Tränen sah, die über Alldays stoppelige Backen liefen.
>»Du hast dich heute nicht rasiert, du Lümmel!< Das hat er gesagt,
Sir.»
Browne schloß vorsichtig die Tür, die Allday in Gedanken offengelassen hatte, setzte sich wieder und schaute zu Boden.»Jetzt verstehe ich Sie, Sir.»
Als Herrick nicht antwortete, bemerkte er, daß der Kapitän in seinem Stuhl eingeschlafen war.
Sehr vorsichtig verließ Browne die Kajüte und ging zum Niedergang. Dort stieß er fast mit dem Schiffsarzt zusammen, der einen Augenblick abwartete, in dem das Schiff wieder auf ebenem Kiel lag. Browne bemerkte Loveys Hände, die aussahen, als trüge er rote Handschuhe.
Er sagte:»Kommen Sie mit in die Messe. Ich mache eine Flasche auf. Die haben Sie mehr als verdient!»
Loveys betrachtete ihn mißtrauisch.»Ich bin kein Zauberer, wie Sie wissen. Konteradmiral Bolitho kann noch einen Rückfall bekommen, und selbst wenn alles gutgeht, wird er bis an sein Lebensende leicht humpeln und Schmerzen haben. «Völlig unerwartet lächelte er, und dabei war besonders deutlich zu erkennen, wie erschöpft er war.»Glauben Sie mir, Mr. Browne, ich bin selber überrascht.»
Herrick kam aus seinem Stuhl hoch und ertastete sich den Weg aus der Kajüte. Seine Erschöpfung war ein guter Grund dafür gewesen, daß er eingeschlafen war. Wenn er sich noch länger mit Browne unterhalten hätte, wäre es ihm — genau wie Allday — unmöglich gewesen, seine Gefühle zu verbergen.
Er tapste hinauf aufs Achterdeck, wobei seine Augen in der Dunkelheit doch noch die schemenhaften Kanonen erkennen konnten, während die Finknetze sich klar wie Schattenrisse gegen den Abendhimmel abzeichneten.
Der Steuermannsmaat der Wache stand beim Aufgang zur Hütte, einer der Midshipmen schrieb etwas auf seine Tafel, die er dazu ans Kompaßlicht hielt. Das Schiff ächzte und quietschte bei seiner heftigen Dümpelei vor der Ankertrosse. Die Decks glänzten naß vom Regen, und die Luft war eiskalt. An der entgegengesetzten Ecke des Achterdecks entdeckte Herrick den wachhabenden Offizier. Er rief:»Mr. Pascoe!»
Pascoe eilte herbei, seine Schritte waren auf dem nassen Deck kaum zu hören. Er blieb vor seinem Kommandanten stehen und versuchte die Dunkelheit zu durchdringen.»Sie haben mich gerufen, Sir?»
«Es ist vorüber, Adam. Er wird überleben, und zwar mit beiden Beinen!«Herrick wandte sich ab und sagte nur noch im Gehen:»Ich bin in meiner Kajüte, wenn etwas sein sollte.»
«Aye, aye, Sir!«Pascoe wartete, bis er verschwunden war, und schlug dann glücklich die Hände zusammen.
Der Midshipman fragte ängstlich:»Ist etwas nicht in Ordnung, Sir?»
Pascoe mußte seine Freude teilen, jemandem berichten.»Nicht mehr. Ich habe mich nie besser gefühlt.»
Er stakste davon und ließ den Midshipman so ratlos stehen wie zuvor. Auch dieser machte sich selbstverständlich Sorgen um den Admi-ral. Aber im Leben eines Midshipman gab es viele Dinge, über die er sich Sorgen machen konnte. Diese Rechenaufgabe zum Beispiel. Der alte Grubb wollte sie noch vor Tagesanbruch haben. Da gab es keinerlei Entschuldigung.
Die Tafel zitterte, als der Junge sich an den schrecklichen, aber großartigen Augenblick erinnerte. An den Konteradmiral, der seinen Hut schwenkte und die Kanonen des Feindes mißachtete. An die jubelnden oder sterbenden Männer. Und er, Midshipman Edward Graham aus der Grafschaft Hampshire, hatte überlebt.
Der dreizehn Jahre alte Midshipman konnte nicht wissen, daß Richard Bolitho fast genau dasselbe dachte.