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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp

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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp
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Ich lotste Grover und Annabeth zum Ausgang, schob sie in den Fahrstuhl und wollte gerade einsteigen, als mir aufging, dass darin schon zwei Fahrgäste standen. Für mich war kein Platz mehr.

Der Museumswächter sagte: »Nimm den nächsten.«

»Wir steigen aus«, sagte Annabeth. »Wir warten mit dir.«

Aber das hätte alles durcheinandergebracht und noch mehr Zeit gekostet und deshalb sagte ich: »Nö, schon gut. Wir sehen uns unten.«

Grover und Annabeth sahen nervös aus, aber sie blieben im Fahrstuhl, als sich die Tür schloss. Die Kabine verschwand hinter der Rampe.

Die einzigen Besucher auf der Aussichtsplattform waren jetzt ich, ein kleiner Junge und seine Eltern, der Museumswächter und die fette Frau mit dem Chihuahua.

Ich lächelte die fette Frau unsicher an. Sie lächelte auch und ihre gespaltene Zunge spielte zwischen ihren Zähnen.

Moment.

Gespaltene Zunge?

Ehe ich recht wusste, ob ich das tatsächlich gesehen hatte, sprang der Chihuahua von ihrem Arm und wollte nach mir schnappen.

»Aber, aber, Söhnchen«, sagte die Frau. »Hältst du das für den richtigen Moment? Es sind doch noch all diese netten Leute hier.«

»Hündchen«, sagte der kleine Junge. »Hündchen.«

Seine Eltern zogen ihn zurück.

Der Chihuahua bleckte seine Zähne und Geifer tropfte von seinen schwarzen Lefzen.

»Nun, mein Sohn«, sagte die fette Frau seufzend. »Wenn du darauf bestehst.«

In meinem Magen bildete sich ein Eisklumpen. »Äh, haben Sie diesen Chihuahua eben als Ihren Sohn bezeichnet?«

»Chimäre, mein Lieber«, korrigierte die fette Frau. »Nicht Chihuahua. Aber das ist ja leicht zu verwechseln.«

Sie krempelte ihre Ärmel hoch und entblößte die schuppige, grüne Haut ihrer Arme. Als sie lächelte, sah ich ihre Giftzähne. Ihre Pupillen waren schmale Striche, wie bei Reptilien.

Der Chihuahua bellte lauter und bei jedem Bellen wuchs er. Zuerst wurde er so groß wie ein Dobermann, dann wie ein Löwe. Sein Bellen wurde zum Gebrüll.

Der kleine Junge schrie. Seine Eltern zogen ihn zum Ausgang und stießen mit dem Museumswächter zusammen, der wie gelähmt dastand und das Ungeheuer anstarrte.

Die Chimäre war jetzt so groß, dass ihr Rücken gegen die Decke stieß. Sie hatte einen Löwenkopf mit blutverschmierter Mähne, Rumpf und Hufe einer riesigen Ziege und als Schwanz eine Schlange, die drei Meter lang aus ihrem zottigen Hinterteil herauswuchs. Das mit Strass besetzte Halsband hing noch immer um ihren Hals und jetzt war die riesige Hundemarke leicht zu lesen: CHIMÄRE – TOLLWÜTIG, FEUERSPEIEND, GIFTIG – WENN GEFUNDEN, BITTE TARTARUS ANRUFEN – ANSCHLUSS 954.

Mir ging auf, dass ich noch nicht einmal die Kappe von meinem Schwert gedreht hatte. Ich stand drei Meter von der blutigen Mähne der Chimäre entfernt und ich wusste, bei der geringsten Bewegung würde das Ungeheuer mich anspringen.

Die Schlangenfrau stieß ein zischendes Geräusch aus, bei dem es sich um ein Lachen handeln könnte. »Du solltest dich geehrt fühlen, Percy Jackson. Herr Zeus gestattet es mir nur selten, meine Brut an einem Helden zu testen. Denn ich bin die Mutter der Ungeheuer, die entsetzliche Echidna!«

Ich starrte sie an. Mir fiel nur die Frage ein: »Ist das nicht eine Art Ameisenfresser?«

Sie heulte auf und ihr Reptiliengesicht färbte sich vor Zorn braun und grün. »Ich hasse es, mir das anhören zu müssen. Ich hasse Australien! Dass sie dieses alberne Viech nach mir getauft haben! Aber dafür, Percy Jackson, wird mein Sohn dich vernichten!«

Die Chimäre stürzte los und bleckte dabei die Zähne. Ich konnte beiseitespringen und ihrem Biss ausweichen.

Ich landete neben der Familie und dem Museumswächter; alle schrien jetzt und versuchten, die Türen zu den Notausgängen aufzureißen.

Ich konnte nicht zulassen, dass sie verletzt würden. Ich drehte die Kappe von meinem Schwert, rannte auf die andere Seite der Aussichtsplattform und rief: »Hierher, Chihuahua!«

Die Chimäre drehte sich schneller um, als ich es für möglich gehalten hätte.

Ehe ich mein Schwert heben konnte, riss sie das Maul auf, ließ einen Gestank wie vom größten Schlachthof der Welt herausquellen und schoss eine Flammensäule auf mich ab.

Ich tauchte unter den Flammen durch. Der Teppichboden brannte, es war so heiß, dass meine Augenbrauen versengt wurden.

Wo ich eben noch gestanden hatte, klaffte jetzt ein gezacktes Loch im Brückenbogen, an dessen Rändern schmelzendes Metall qualmte.

Klasse, dachte ich. Wir haben soeben ein Nationaldenkmal abgefackelt.

Mein Schwert lag nun als leuchtende Bronzeklinge in meiner Hand, und als die Chimäre sich umdrehte, zielte ich auf ihren Hals.

Das war mein großer Fehler. Die Klinge prallte vom Hundehalsband ab, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ich versuchte das Gleichgewicht zurückzugewinnen, war dabei aber dermaßen darauf konzentriert, mich vor dem feuerspeienden Löwenschlund in Acht zu nehmen, dass ich mich an den Schlangenschwanz erst erinnerte, als die Chimäre herumfuhr und ihre Schlangenzähne in meine Wade schlug.

Mein Bein brannte wie Feuer. Ich versuchte der Chimäre mein Schwert in den Schlund zu rammen, aber der Schlangenschwanz wickelte sich um meine Knöchel und riss mich zu Boden. Das Schwert flog mir aus der Hand, wirbelte durch das Loch im Brückenbogen und stürzte hinab in den Mississippi.

Ich kam mit Mühe auf die Beine, wusste aber, dass ich verloren war. Ich war entwaffnet. Ich konnte spüren, wie das tödliche Gift in meine Brust hochfloss. Mir fiel ein, dass Chiron gesagt hatte, Anaklysmos werde immer zu mir zurückkehren, aber in meiner Hosentasche war kein Kugelschreiber. Vielleicht war das Schwert schon zu weit von mir fort. Oder vielleicht kehrte es nur zurück, wenn es gerade seine Kugelschreibergestalt angenommen hatte. Ich wusste es nicht und ich würde nicht mehr lange genug leben, um es herauszufinden.

Rückwärts näherte ich mich dem Loch in der Wand. Die Chimäre rückte vor, sie knurrte und Rauch stieg von ihren Lippen auf. Die Schlangenfrau, Echidna, kicherte gackernd. »Die Helden sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, was, Söhnchen?«

Das Ungeheuer knurrte. Es schien mich jetzt, wo ich geschlagen war, ganz schnell erledigen zu wollen.

Ich schaute zu dem Wächter und der Familie hinüber. Der kleine Junge versteckte sich hinter den Beinen seines Vaters. Ich musste diese Menschen beschützen. Ich konnte nicht einfach … sterben. Ich versuchte zu überlegen, aber ich war total benommen. Mein ganzer Körper brannte. Ich hatte kein Schwert. Ich stand vor einem gewaltigen, feuerspeienden Ungeheuer und seiner Mutter. Und ich war außer mir vor Angst.

Ich hatte keinen anderen Ausweg, deshalb trat ich dicht vor das Loch. Tief, tief unter mir glitzerte der Fluss.

Wenn ich starb, würden die Monster dann verschwinden? Würden sie die Menschen in Ruhe lassen?

»Wenn du wirklich Poseidons Sohn wärst«, zischte Echidna, »hättest du keine Angst vor dem Wasser. Spring, Percy Jackson. Zeig mir, dass Wasser dir nichts anhaben kann. Spring und hol dir dein Schwert zurück. Zeig uns, von wem du abstammst.«

Ja, genau, dachte ich. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man ebenso gut auf soliden Asphalt springen könnte wie aus dieser Höhe ins Wasser. Ich würde beim Aufprall zerschmettert werden. Der Schlund der Chimäre glühte rot und heizte sich für den nächsten Flammenwurf auf.

»Du hast keinen Glauben«, sagte Echidna. »Du hast kein Vertrauen zu den Gottheiten. Und ich kann dir da keinen Vorwurf machen, du kleiner Feigling. Besser, du stirbst jetzt gleich. Die Gottheiten sind treulos. Das Gift ist in deinem Herzen.«

Sie hatte Recht: Ich war schon fast tot. Ich spürte, wie mein Atem langsamer wurde. Mich konnte niemand mehr retten, nicht einmal die Götter.

Ich hob den Kopf und schaute auf das Wasser hinab. Ich dachte an das warme Glühen im Lächeln meines Vaters, als ich noch ganz klein gewesen war. Er musste mich gesehen haben. Er musste mich besucht haben, als ich noch in der Wiege lag.

Ich dachte an den wirbelnden grünen Dreizack, der in der Nacht, als wir die Flagge erobert hatten und Poseidon mich als seinen Sohn anerkannt hatte, über mir am Himmel aufgetaucht war.

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