Der Hypnotiseur
- Автор: Кеплер Ларс
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:
»Ich bleibe in der Leitung«, erklärt er.
Er hört sie arbeiten, und nach einer Weile greift Doktor Valdés nach dem Hörer und sagt heiser:
»Hallo Erik. Es scheint Rapifen oder etwas Ähnliches mit dem Wirkstoff Alfentanil gewesen zu sein.«
»Alfentanil? Das Betäubungsmittel?«
»Jemand muss es entweder in einem Krankenhaus oder bei einem Veterinär gestohlen haben. Wir benutzen es hier eher selten, weil die Suchtgefahr so verdammt hoch ist. Aber es sieht ganz so aus, als hätte deine Frau wirklich Glück gehabt.«
»Wieso?«, fragt Erik.
»Immerhin lebt sie noch.«
Erik kehrt zu Simones Zimmer zurück, um sie nach den Details der Entführung zu fragen, um alles noch einmal durchzugehen, sieht aber, dass sie eingeschlafen ist. Ihre Lippen sind vom Auspumpen des Magens ganz wund und aufgesprungen.
Das Handy klingelt in seiner Tasche, und er eilt in den Flur hinaus, ehe er sich meldet.
»Ja?«
»Hier ist Linnea vom Empfang, Sie haben Besuch.«
Erik braucht ein paar Sekunden, um zu verstehen, dass die Frau den Empfang im Krankenhaus, in der Neurologie meint, dass sie Linnea Åkesson ist, die seit vier Jahren am Empfang arbeitet.
»Doktor Bark?«, fragt sie zögernd.
»Ich habe Besuch? Wer ist es?«
»Ein Herr namens Joona Linna«, antwortet sie.
»Okay, bitten Sie ihn, in den Aufenthaltsraum zu kommen. Ich erwarte ihn dort.«
Erik drückt das Gespräch weg und bleibt anschließend im Flur stehen, während ihm rasend schnell Gedanken durch den Kopf schießen. Er denkt an die Mitteilungen auf seiner Mailbox, dass ein Polizeibeamter immer wieder angerufen hat, um ihm Polizeischutz anzubieten. Was ist passiert, hat jemand mir gedroht, fragt Erik sich, als ihm bewusst wird, wie ungewöhnlich es ist, dass ein Landeskriminalkommissar wie Joona Linna ihn persönlich aufsucht, statt anzurufen.
Erik geht zum Aufenthaltsraum, steht vor den Käseglocken mit den verschiedenen Brotbelägen und riecht den süßen Duft des aufgeschnittenen Brots. In seinem Körper regt sich Übelkeit. Als er Wasser in ein zerkratztes Glas gießt, zittern seine Hände.
Joona kommt zu mir, denkt er, um mir zu sagen, dass sie Benjamins Leiche gefunden haben. Deshalb kommt er persönlich. Er wird mich bitten, mich hinzusetzen, und mir anschließend mitteilen, dass Benjamin tot ist. Erik will so etwas nicht denken, aber der Gedanke ist trotzdem da, er glaubt nicht an ihn, er weigert sich, an ihn zu glauben, aber er kehrt immer wieder zurück und immer schneller zeigen ihm seine Gedanken grauenvolle Bilder von Benjamins Körper in einem Straßengraben neben der Autobahn, in schwarzen Müllsäcken in einem Waldstück, angeschwemmt an einem sumpfigen Ufer.
»Kaffee?«
»Was?«
»Soll ich eingießen?«
Eine junge Frau mit glänzenden blonden Haaren steht an der Kaffeemaschine und hält die volle Kanne vor ihm hoch. Der frisch aufgebrühte Kaffee dampft. Sie sieht ihn fragend an. Er erkennt, dass er eine leere Tasse in der Hand hält, schüttelt nur den Kopf und sieht gleichzeitig Joona Linna hereinkommen.
»Wir setzen uns am besten«, sagt Joona.
Sein Blick ist verlegen und weicht Eriks aus.
»Okay«, erwidert Erik tonlos nach einem kurzen Moment des Zögerns. Sie setzen sich an den hintersten Tisch mit Papiertischdecke und Salzstreuer. Joona kratzt sich an der Augenbraue und flüstert etwas.
»Bitte?«, sagt Erik.
Joona räuspert sich leise und erklärt:
»Wir haben versucht, Sie zu erreichen.«
»Ich bin gestern nicht ans Telefon gegangen«, sagt Erik schwach.
»Erik, es tut mir sehr leid, Sie davon in Kenntnis setzen zu müssen …«
Joona hält kurz inne, wirft ihm einen granitgrauen Blick zu und sagt:
»Josef Ek ist aus dem Krankenhaus ausgebrochen.«
»Wie bitte?«
»Sie haben ein Anrecht auf Polizeischutz.«
Eriks Mund beginnt zu zittern, und seine Augen füllen sich mit Tränen.
»Das wollten Sie mir mitteilen? Dass Josef abgehauen ist?«
»Ja.«
Erik ist so erleichert, dass er sich am liebsten auf den Boden legen und einfach schlafen würde. Er wischt sich schnell die Tränen aus den Augen.
»Wann ist er ausgebrochen?«
»Gestern Abend … er hat eine Krankenschwester umgebracht und einen Mann sehr schwer verletzt«, sagt Joona bedrückt.
Erik nickt mehrmals, und seine Gedanken verknüpfen sich blitzschnell in neuer, beängstigender Weise.
»Er ist in der Nacht zu uns gekommen und hat Benjamin entführt«, sagt er.
»Was sagen Sie da?«
»Er hat sich Benjamin geholt.«
»Haben Sie ihn gesehen?«
»Ich nicht, aber Simone …«
»Was ist passiert?«
»Simone wurde ein starkes Betäubungsmittel injiziert«, sagt Erik langsam. »Ich habe den Befund gerade bekommen, es handelt sich um ein Präparat, das Alfentanil heißt und bei großen chirurgischen Eingriffen verwendet wird.«
»Aber ihr geht es gut?«
»Sie wird es schaffen.«
Joona nickt und notiert sich den Namen des Medikaments.
»Sagt Simone, dass Josef Benjamin entführt hat?«
»Sie hat kein Gesicht gesehen.«
»Ich verstehe.«
»Werden Sie Josef finden?«, fragt Erik.
»Das tun wir, verlassen Sie sich darauf. Wir haben eine landesweite Fahndung ausgelöst«, antwortet Joona. »Er ist schwer verletzt. Er kommt nicht weit.«
»Aber eine Spur haben Sie nicht?«
Joona wirft ihm einen harten Blick zu.
»Ich glaube, dass wir ihn bald haben werden.«
»Gut.«
»Wo waren Sie, als er zu Ihnen kam?«
»Ich habe im Gästezimmer geschlafen«, erläutert Erik. »Ich hatte eine Schlaftablette genommen und habe nichts gehört.«
»Als er zu Ihnen kam, konnte er also nur Simone im Schlafzimmer sehen?«
»Wahrscheinlich.«
»Aber das passt irgendwie nicht zusammen«, sagt Joona.
»Das Gästezimmer ist leicht zu übersehen, es sieht eher aus wie eine Kleiderkammer, und wenn die Tür zur Toilette offen steht, verdeckt sie den Eingang.«
»Das meine ich nicht«, sagt Joona. »Ich meine, dass dies einfach nicht zu Josef passt … er gibt den Leuten keine Spritzen, sein Verhalten ist viel aggressiver.«
»Vielleicht wirkt es nur auf uns aggressiv«, widerspricht Erik.
»Wie meinen Sie das?«
»Vielleicht weiß er die ganze Zeit haargenau, was er tut, immerhin haben Sie in seinem Elternhaus kein Blut seines Vaters an ihm gefunden.«
»Nein, aber …«
»Das deutet doch darauf hin, dass er systematisch, mit kühlem Kopf vorgeht. Was ist, wenn er beschlossen hat, sich an mir zu rächen, indem er Benjamin entführt.«
Es wird still. Aus den Augenwinkeln sieht Erik die blonde Frau an der Kaffeemaschine stehen, an ihrer Tasse nippen und auf die Krankenhausgebäude hinausblicken.
Joona sieht auf den Tisch hinab, begegnet dann Eriks Blick und sagt mit seinem sanften, mitfühlenden finnischen Akzent vollkommen aufrichtig:
»Es tut mir wirklich leid, Erik.«
Nachdem er sich vor der Cafeteria von Joona getrennt hat, geht Erik zu seinem Büro, das auch sein Übernachtungszimmer im Krankenhaus ist. Er kann nicht glauben, dass Benjamin entführt worden ist. Es ist einfach zu irrsinnig, zu absurd, dass ein Fremder bei ihnen eingebrochen sein und seinen Sohn durch Flur und Treppenhaus auf die Straße und irgendwohin verschleppt haben soll.
Das passt alles nicht zusammen.
Es kann nicht Josef Ek gewesen sein, der seinen Sohn entführt hat. Das geht nicht. Er weigert sich, das zu denken.
Es ist unmöglich.
In dem Gefühl, dass alles um ihn herum im Chaos versinkt, setzt er sich an seinen verschrammten Schreibtisch und ruft immer wieder dieselben Leute an, als könnte er an den Nuancen in ihren Stimmen ablesen, ob sie ein wichtiges Detail übersehen haben, ob sie lügen oder ihm Informationen vorenthalten. Als er Aida zum dritten Mal hintereinander anruft, kommt er sich selbst hysterisch vor. Beim ersten Mal fragt er, ob Benjamin am Wochenende etwas Bestimmtes vorhatte. Das zweite Mal ruft er an, um sie zu fragen, ob sie Telefonnummern zu anderen Freunden von ihm hat, er weiß nicht mehr, mit wem Benjamin in der Schule Kontakt hat. Beim dritten Telefonat fragt er sie, ob sie und Benjamin sich gestritten haben, und gibt ihr anschließend alle Telefonnummern, unter denen er zu erreichen ist, auch die im Krankenhaus und Simones Handynummer.