Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jemmy vergrub das Gesicht in Briannas Röcken und heulte.
Bonnet seufzte, zuckte mit den Achseln und gab sich nicht länger den Anschein, als wolle er sie sanft überreden.
»Na, dann komm«, sagte er und setzte sich in Bewegung, offenbar, um Jemmy aufzuheben.
Brianna zog die Hand aus ihren Rockfalten und zielte mit der Pistole, die ich ihm aus dem Gürtel gezogen hatte, auf die Stelle, von der sie kam. Bonnet hielt mit offenem Mund mitten in der Bewegung inne.
»Nun, was ist?«, flüsterte sie und sah ihn an, ohne mit der Wimper zu zucken. »Bewahrst du dein Pulver trocken auf, Stephen?«
Sie umfasste die Pistole mit beiden Händen, zielte auf seinen Schritt und feuerte.
Er war schnell, das musste ich ihm lassen. Ihm blieb keine Zeit, sich umzudrehen und zu flüchten, doch er streckte im selben Moment, als sie feuerte, beide Hände aus, um seine bedrohten Weichteile zu schützen. Blut spritzte wie Gischt zwischen seinen Fingern hervor, doch ich konnte nicht sehen, was sie getroffen hatte.
Er stolperte rückwärts und umklammerte sich selbst. Er starrte wild um sich, als könne er es nicht glauben, dann sank er auf sein Knie nieder. Ich konnte ihn atmen hören, schwer und schnell.
Wir standen alle gelähmt da und sahen ihm zu. Er scharrte mit einer Hand im Sand und ließ blutige Furchen zurück. Dann erhob er sich langsam und vornübergebeugt, die andere Hand vor seine Körpermitte gepresst. Sein Gesicht war totenbleich, die grünen Augen trüb wie Wasser.
Er stolperte keuchend umher und machte sich blutend und humpelnd davon wie ein Insekt, auf das jemand getreten ist. Er holperte krachend durch das Gebüsch, dann war er fort. Hinter einer Fächerpalme konnte ich eine Reihe von Pelikanen sehen, die mit unvorstellbarer, unmöglicher Eleganz am tief hängenden Himmel vorbeizog.
Ich hockte immer noch am Boden, eiskalt vor Schreck. Ich spürte etwas Warmes über meine Wange gleiten und begriff, dass es eine Träne war.
»Hat er Recht?« Brianna hockte sich neben mich und half mir, mich hinzusetzen. »Glaubst du, dass er Recht hat? Sind sie tot?« Sie war weiß um die Lippen, aber nicht hysterisch. Sie trug Jemmy auf dem Arm, und er klammerte sich an ihren Hals.
»Nein«, sagte ich. Alles kam mir weit entfernt vor, als spiele es sich in Zeitlupe ab. Ich stand langsam und vorsichtig balancierend auf, als wüsste ich nicht genau, wie das geht.
»Nein«, sagte ich noch einmal und spürte keine Angst, keine Panik bei dem Gedanken an Bonnets Worte; nichts als Gewissheit wie ein kleines, tröstendes Gewicht in meiner Brust. »Nein, das sind sie nicht.« Jamie hatte es gesagt; dies war nicht der Tag der Trennung für ihn und mich.
Marsali war im Wald verschwunden, um Joan zu holen. Germain hatte sich über die Blutflecken auf dem Boden gebeugt und betrachtete sie fasziniert. Ich fragte mich dumpf, was sie wohl für eine Blutgruppe hatten, doch dann verwarf ich den Gedanken.
»Er wird nie der Eure sein«, hatte sie gesagt.
»Lasst uns gehen«, sagte ich und tätschelte Jemmy sanft den Rücken. »Ich glaube, fürs Erste kommen wir auch mit unparfümierten Kerzen zurecht.«
Roger und Jamie erschienen zwei Tage später in der Morgendämmerung. Sie hämmerten so laut an die Tür, dass sie das ganze Wirtshaus weckten und die Leute in den angrenzenden Häusern ihre Fensterläden aufwarfen und alarmiert ihre Köpfe samt Nachtmützen nach draußen steckten. Es folgte allgemeines Gekeife und Gebrüll. Ich war mir hinreichend sicher, dass Roger eine leichte Gehirnerschütterung hatte, doch er weigerte sich, sich ins Bett stecken zu lassen. Allerdings gestattete er Brianna, seinen Kopf in ihren Schoß zu legen und schockierte Mitleidslaute über seine beeindruckende Beule zu äußern, während Jamie uns in knappen Worten von der Schlacht an Wylies Landeplatz berichtete und wir ihm eine etwas konfuse Erklärung unserer Abenteuer im Myrtenhain lieferten.
»Dann ist Bonnet also nicht tot?«, fragte Roger und öffnete ein Auge.
»Nun ja, wir wissen es nicht«, erwiderte ich. »Er ist entkommen, aber ich weiß nicht, wie schwer er verletzt war. Er hat nicht übermäßig geblutet, aber wenn er am Unterbauch getroffen ist, wäre das eine furchtbare Verletzung, die mit ziemlicher Sicherheit tödlich wäre. Peritonitis ist eine sehr langsame und qualvolle Todesart.«
»Gut«, sagte Marsali rachsüchtig.
»Gut!«, kam Germains Echo, und er blickte stolz zu ihr auf. »Maman hat auf den bösen Mann geschossen, grand-père«, sagte er zu Jamie. »Tante Brianna auch. Er war voller Löcher – überall war Blut!«
»Löcher«, sagte Jemmy fröhlich. »Löcher, Löcher, viele viele Löcher!«
»Na ja, vielleicht eins«, murmelte Brianna, ohne den Blick von dem feuchten Tuch zu heben, mit dem sie Roger sanft das getrocknete Blut von Kopfhaut und Haaren tupfte.
»Oh, aye? Nun, wenn du nur einen Finger oder eins seiner Eier erwischt hast, könnte er überleben«, bemerkte Jamie und grinste sie an. »Allerdings glaube ich nicht, dass es seiner Laune zuträglich wäre.«
Fergus traf mit dem mittäglichen Paketboot ein. Er überbrachte uns triumphierend die registrierten, abgestempelten und mit dem offiziellen Siegel versehenen Urkunden für die beiden Landvergaben und machte damit den Freudentag vollkommen. Allerdings konnten wir nicht übermäßig feiern, da uns das ernüchternde Bewusstsein blieb, dass ein bedeutender Faden des Verschwörungsknotens noch nicht ordentlich verschnürt war.
Nach lautstarker Diskussion wurde beschlossen – sprich, kam Jamie, der keine Alternativen duldete, zu dem sturköpfigen Entschluss –, dass er und ich unverzüglich westwärts nach River Run reiten würden. Die jungen Familien würden noch ein paar Tage in Wilmington bleiben, um ihre Angelegenheiten zu Ende zu führen und sich nach Berichten über einen verletzten oder sterbenden Mann umzuhören. Dann würden sie nach Fraser’s Ridge zurückkehren, um Cross Creek und River Run allerdings einen weiten Bogen machen.
»Leutnant Wolff kann dich und den Jungen nicht als Erpressungsmittel benutzen, wenn ihr gar nicht in der Nähe seid«, erklärte Jamie Brianna.
»Und was euch angeht, mo charadean«, sagte er zu Roger und Fergus, »ihr könnt die Frauen und Kinder nicht sich selbst überlassen – weiß der Himmel, auf wen sie als Nächstes schießen.«
Erst als er die Tür hinter dem Gelächter schloss, das auf diese Bemerkung folgte, wandte er sich mir zu, fuhr mit der Fingerspitze über den Kratzer an meinem Hals und zog mich dann so fest an sich, dass ich das Gefühl hatte, er würde mir die Rippen brechen. Wir standen auf dem Treppenabsatz, und ich klammerte mich fest an ihn, ohne mich daran zu stören, dass ich nicht atmen konnte oder ob uns jemand sah. Ich war einfach nur froh, ihn zu berühren – und ihn bei mir zu haben, so dass ich ihn berühren konnte.
»Du hast das Richtige getan, Claire«, murmelte er schließlich, den Mund an meinem Haar. »Aber in Gottes Namen, tu das nie wieder!«
Und so kam es, dass er und ich am nächsten Tag allein aufbrachen.
Kapitel 104
Gerissen wie die Füchse
Wir erreichten River Run drei Tage später bei Sonnenuntergang auf durchgeschwitzten, verdreckten Pferden, und wir selbst sahen nicht viel besser aus. Das Anwesen machte einen friedlichen Eindruck, als die letzten Strahlen der Frühlingssonne auf grünen Rasenflächen glühten und die weißen Marmorstatuen und Hectors steinernes Mausoleum unter den dunklen Eiben beleuchteten.
»Was hältst du davon?«, fragte ich Jamie. Wir hatten die Pferde am Rand des Rasens angehalten, um uns vorsichtig ein Bild von der Lage zu machen, bevor wir uns dem Haus näherten.
»Nun ja, jedenfalls ist es nicht abgefackelt worden«, erwiderte er und stellte sich in den Steigbügeln auf, um das Gelände zu überblicken. »Und ich sehe kein Blut in Strömen über die Eingangstreppe fließen. Trotzdem …« Er setzte sich wieder in den Sattel, griff in seine Satteltasche und zog seine Pistole hervor, die er vorsichtshalber lud. Nachdem er sie in den Hosenbund gesteckt hatte, wo sie von seinen Rockschößen verborgen wurde, ritten wir langsam den Fahrweg zum Haupteingang entlang.