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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ihr gottverdammter – Ihr –« Sie zitterte vor Wut – und weil es so aussichtslos war, eine Beschimpfung zu finden, die auch nur annähernd kräftig genug war. »Ich werde Euch umbringen!«

Er lachte erneut.

»Oh, bitte, Schätzchen. Wegen eines wunden Hinterns? Betrachte es als Bezahlung – oder Anzahlung – für meinen linken Hoden.« Er stupste sie unter dem Kinn an und trat dann an den Tisch, auf dem die Dekanter standen. »Du hast dir etwas zu trinken verdient. Brandy oder Port?«

Sie ignorierte sein Angebot und versuchte, ihre Wut unter Kontrolle zu behalten. Ihre Wangen standen in Flammen, genau wie ihr entrüstetes Hinterteil.

»Wie meint Ihr das, versteigern?«, wollte sie wissen.

»Das ist doch wohl klar, Schätzchen. Das Wort kennst du sicher.« Bonnet warf ihr einen leicht belustigten Blick zu, schenkte sich einen Schuss Brandy ein und trank ihn mit zwei Schlücken leer. »Ha.« Er atmete aus, blinzelte und schüttelte den Kopf.

»Ich habe noch zwei Kunden, die an jemandem wie dir interessiert sein könnten, Schätzchen. Sie kommen morgen oder übermorgen, um dich zu begutachten. Dann werde ich ihre Angebote entgegennehmen, und ich gehe davon aus, dass du am Freitag unterwegs zu den Westindischen Inseln bist.«

Er sprach beiläufig, ohne den leisesten Hauch von Spott. Das war es, was ihr mehr als alles andere einen Schrecken einjagte. Sie war reine Geschäftssache, ein Stück Handelsware. Für ihn, und für seine gottverdammten Kunden ebenso – daran hatte Mr. Howard keinen Zweifel gelassen. Es spielte keine Rolle, was sie sagte; sie interessierten sich nicht im Geringsten dafür, wer sie war oder was sie wollte.

Bonnet beobachtete ihr Gesicht mit abschätzenden grünen Augen. Er interessierte sich dafür, und ihr Inneres ballte sich zu einem Knoten zusammen, als sie das begriff.

»Was hast du benutzt, Manny?«, fragte er.

»Einen Holzlöffel«, sagte der Bedienstete gleichgültig. »Ihr habt gesagt, keine Spuren.«

Bonnet nickte nachdenklich.

»Nichts Bleibendes, habe ich gesagt«, korrigierte er. »Ich denke, für Mr. Ricasoli lassen wir sie so, wie sie ist, aber Mr. Houvener … nun, warten wir’s ab.«

Emmanuel nickte nur, doch sein Blick ruhte mit plötzlichem Interesse auf Brianna. Ihr Magen kehrte spontan sein Innerstes nach außen, und sie übergab sich, bis das feine Seidenkleid rettungslos ruiniert war.

Schrilles Wiehern drang zu ihr; wilde Pferde, die über den Strand tobten. Wäre dies ein Schnulzenroman, dachte sie grimmig, würde sie sich ein Seil aus der Bettwäsche knüpfen, sich aus dem Fenster abseilen, die Pferdeherde suchen und mit Hilfe ihrer mystischen Fähigkeiten eins der Tiere dazu bringen, sie davonzutragen.

In Wirklichkeit jedoch gab es keine Bettwäsche – nur eine schäbige, mit Seegras gefüllte Matratze –, und was die Chance betraf, sich den Wildpferden auch nur auf eine Meile zu nähern … Sie hätte eine Menge darum gegeben, Gideon hier zu haben, und spürte, wie ihr bei dem Gedanken an ihn die Tränen kamen.

»Oh, jetzt verlierst du aber echt den Verstand«, sagte sie laut und rieb sich die Augen. »Wegen eines Pferdes zu weinen. Noch dazu wegen dieses Pferdes.« Doch es war so viel besser, als an Roger zu denken – oder an Jem. Nein, an Jemmy durfte sie nun wirklich nicht denken, genauso wenig wie an die Möglichkeit, dass er ohne sie aufwachsen könnte, ohne zu wissen, warum sie ihn im Stich gelassen hatte. Oder an das neue Kind … und daran, wie das Leben wohl für das Kind einer Sklavin war.

Aber sie dachte an sie, und dieser Gedanke reichte aus, um ihren Anflug von Verzweiflung zu überwinden.

Nun gut. Sie würde von hier verschwinden. Vorzugsweise bevor Mr. Ricasoli und Mr. Houvener auftauchten, wer sie auch immer waren. Zum tausendsten Mal schritt sie rastlos durch das Zimmer und zwang sich, es langsam zu tun und sich dabei anzusehen, was ihr zur Verfügung stand.

Verdammt wenig, und das, was da war, war stabil gebaut, lautete die entmutigende Antwort. Man hatte ihr etwas zu essen gegeben, Wasser zum Waschen, ein Leinenhandtuch und eine Haarbürste, um sich zurechtzumachen. Sie hob sie auf, um ihr Potenzial als Waffe einzuschätzen, dann warf sie sie wieder hin.

Der Schornstein verlief durch das Zimmer, das allerdings keinen offenen Kamin hatte. Sie stieß versuchsweise gegen die Ziegel und kratzte mit dem Stiel des Löffels, den man ihr zum Essen gegeben hatte, am Mörtel herum. Sie fand eine Stelle, an der der Mörtel so aufgeplatzt war, dass sie weiterkratzen konnte, doch nach einer Viertelstunde war es ihr nur gelungen, ein paar Zentimeter Mörtel zu lösen; der Ziegelstein selbst war nach wie vor unverrückbar an seinem Platz. Es war vielleicht den Versuch wert, wenn man einen Monat Zeit hatte – obwohl die Chancen, dass sich jemand von ihrer Größe durch einen Kamin aus dem achtzehnten Jahrhundert zwängte …

Es würde bald regnen; sie hörte das aufgeregte Rattern der Palmwedel im Wind, der scharf nach Regen roch. Es dauerte zwar noch eine Weile bis zum Sonnenuntergang, doch die Wolken hatten den Himmel verdunkelt, so dass das Licht im Zimmer nachließ. Sie hatte keine Kerze; niemand ging davon aus, dass sie lesen oder nähen würde.

Sie warf sich zum dutzendsten Mal mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Gitterstäbe des Fensters, und zum dutzendsten Mal stellte sie fest, dass sie solide eingemauert und unnachgiebig waren. Im Lauf eines Monats würde sie es womöglich auch fertigbringen, das Ende des Löffelstiels anzuspitzen, indem sie ihn an den Ziegeln des Schornsteins schliff, und ihn dann als Meißel zu benutzen, um den Rahmen so weit zu bearbeiten, dass sie einen oder zwei Stäbe herausnehmen konnte. Doch sie hatte keinen Monat.

Sie hatten ihr das ruinierte Kleid abgenommen und sie in Hemd und Korsett zurückgelassen. Nun, das war wenigstens etwas. Sie zog sich das Korsett aus, löste das Ende der Naht und zog das etwa dreißig Zentimeter lange Elfenbeinstäbchen heraus, das ihr vom Brustbein bis zum Nabel reichte. Eine bessere Waffe als eine Bürste, dachte sie. Sie ging damit zum Kamin und begann, mit dem Ende über den Ziegel zu feilen, um es anzuspitzen.

Konnte sie damit auf jemanden einstechen? O ja!, dachte sie wütend. Und bitte, lass es Emmanuel sein.

Kapitel 108

Ganz schön groß

Roger wartete in der Nähe des Strandes im Schutz der dichten Wachsmyrten; ein Stückchen weiter lagen Ian und Jamie ebenso auf der Lauer.

Das zweite Schiff war am Morgen eingetroffen und in gebührendem Abstand von dem Sklavenschiff vor Anker gegangen. Sie hatten Netze über die Bordwand von Roarkes Schiff geworfen und als Fischer getarnt beobachten können, wie zuerst der Kapitän des Sklavenschiffs an Land ging und dann eine Stunde später vom zweiten Schiff ein Boot zu Wasser gelassen und ans Ufer gerudert wurde, in dem sich zwei Männer – und eine kleine Truhe – befanden.

»Ein feiner Herr«, hatte Claire berichtet, die die Vorgänge durch das Teleskop verfolgte. »Perücke, gut gekleidet. Der andere ist ein Bediensteter – glaubt ihr, der Herr ist einer von Bonnets Handelspartnern?«

»Ja«, hatte Jamie gesagt, während er verfolgte, wie das Boot auf den Strand zufuhr. »Bringt uns bitte etwas weiter nach Norden, Mr. Roarke; wir gehen an Land.«

Zu dritt waren sie eine halbe Meile vom Strand entfernt gelandet und hatten sich durch den Wald vorgearbeitet. Dann hatten sie im Gebüsch Position bezogen und sich zum Warten niedergelassen. Die Sonne war heiß, doch so dicht am Strand wehte eine frische Brise, und abgesehen von den Insekten, war es nicht unangenehm im Schatten. Zum hundertsten Mal strich Roger etwas beiseite, das ihm über den Hals kroch.

Das Warten machte ihn nervös. Das Salz juckte auf seiner Haut, und der Duft des Gezeitenwaldes mit seiner einmaligen Mischung aus Kiefernduft und einem Hauch von Seetang und das Knirschen der Muscheln und Nadeln unter seinen Füßen erinnerten ihn lebhaft an den Tag, an dem er Lillington umgebracht hatte.

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