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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Den reichen Mann, der am Fenster saß, schien seine Umgebung jedoch nicht zu stören. Es war ein dünner Mensch mit einer Perücke und einem vorstehenden Adamsapfel, der Mitte dreißig zu sein schien, obwohl eine tropische Krankheit seine Haut mit Falten überzogen und gelb gefärbt hatte. Bei ihrem Eintreten warf er einen scharfen Blick zur Tür, dann erhob er sich.

Bonnet hatte den Gastgeber gemimt; auf dem Tisch standen Gläser und ein Dekanter, und die Luft war von süßem, schwerem Brandygeruch erfüllt. Brianna spürte, wie sich ihr Magen benommen regte, und fragte sich, was sie wohl tun würden, wenn sie sich auf den Teppich erbrach.

»Da bist du ja, Schätzchen«, sagte Bonnet und trat zu ihr, um sie bei der Hand zu nehmen. Sie entriss sie ihm, doch er tat so, als bemerkte er das nicht, und schob sie stattdessen auf den dünnen Mann zu, indem er ihr die Hand ins Kreuz legte. »Komm und mach deine Verbeugung vor Mr. Howard, Schätzchen.«

Sie richtete sich zu voller Größe auf – sie war gute zehn Zentimeter größer als Mr. Howard, der bei ihrem Anblick die Augen aufriss – und funkelte auf ihn hinunter.

»Ich werde gegen meinen Willen hier festgehalten, Mr. Howard. Mein Mann und mein Vater werden – au!« Bonnet hatte ihr Handgelenk gepackt und es verdreht.

»Herrlich, nicht wahr?«, sagte er im Konversationston, als hätte sie kein Wort gesagt.

»O ja. Doch, wirklich. Aber auch ziemlich groß …« Howard wanderte um sie herum und betrachtete sie skeptisch. »Und rotes Haar, Mr. Bonnet? Ich hab’s doch lieber blond.«

»Ach, wirklich, du kleiner Pisser!«, fuhr sie ihn trotz Bonnets Umklammerung an. »Was glaubst du, wer du bist, Mister Ich-hab’s-doch-lieber-blond?« Mit einem Ruck entriss sie Bonnet ihre Hand und baute sich vor Howard auf.

»Hört mir zu«, sagte sie, um einen vernünftigen Tonfall bemüht. Er blinzelte sie etwas verwirrt an. »Ich bin eine Frau aus guter – aus exzellenter Familie, und man hat mich entführt. Der Name meines Vaters ist James Fraser, mein Mann ist Roger MacKenzie, und meine Tante ist Mrs. Hector Cameron, die Besitzerin der River-Run-Plantage.«

»Ist sie wirklich aus guter Familie?« Howard, dessen Frage an Bonnet adressiert war, machte jetzt einen interessierteren Eindruck.

Zur Bestätigung verbeugte sich Bonnet leicht.

»Oh, das ist sie, Sir, in der Tat. Von bestem Blut!«

»Hmmm. Und gesund, wie ich sehe.« Howard hatte seine Betrachtung wieder aufgenommen und beugte sich zu ihr herüber, um sie aus der Nähe zu inspizieren. »Hat sie schon Nachzucht?«

»Aye, Sir, einen gesunden Sohn.«

»Gute Zähne?« Howard stellte sich mit fragender Miene auf die Zehenspitzen, und Bonnet riss ihr den Arm hinter den Rücken, damit sie stillhielt, dann packte er eine Handvoll ihrer Haare und zerrte ihren Kopf zurück, so dass sie aufkeuchte.

Howard nahm ihr Kinn in die eine Hand und bohrte mit der anderen in ihrem Mundwinkel herum, um ihre Backenzähne zu untersuchen.

»Sehr schön«, sagte er beifällig. »Und ich muss sagen, sie hat gute Haut. Aber –«

Sie riss ihr Kinn aus seinem Griff und biss, so fest sie konnte, in Howards Daumen, dessen Haut sie unter ihren Zähnen verrutschen und reißen spüren konnte, so dass sie plötzlich den Kupfergeschmack seines Blutes im Mund hatte.

Er kreischte auf und schlug nach ihr; sie ließ seinen Daumen los und duckte sich zur Seite, so dass seine Hand an ihrer Wange abrutschte. Bonnet ließ sie los, und sie stolperte rasch zwei Schritte rückwärts, bis die Wand sie aufhielt.

»Sie hat mir den Daumen abgebissen, die Hure!« Mr. Howards Augen tränten vor Schmerz; er schwankte hin und her und hielt sich die verletzte Hand an die Brust. Die Wut stieg ihm ins Gesicht, und er hechtete auf sie zu und holte mit der anderen Hand aus, doch Bonnet packte ihn am Handgelenk und zog ihn beiseite.

»Aber, aber, Sir«, beschwichtigte er. »Ich kann doch nicht zulassen, dass Ihr sie beschädigt. Sie gehört Euch schließlich noch nicht.«

»Es ist mir egal, ob sie mir gehört oder nicht«, zeterte Howard mit puterrotem Gesicht. »Ich prügele sie zu Tode.«

»O nein, das meint Ihr doch sicher nicht so, Mr. Howard«, sagte Bonnet in jovialem, beruhigendem Ton. »Das wäre doch Verschwendung. Überlasst sie nur mir, ja?« Ohne eine Antwort abzuwarten, zerrte er Brianna hinter sich her, so dass sie durch das Zimmer stolperte, und schubste sie seinem schweigenden Faktotum entgegen, das während der gesamten Unterhaltung reglos an der Tür gewartet hatte.

»Bring sie hinaus, Manny, und bring ihr Manieren bei, ja? Und kneble sie, bevor du sie zurückbringst.«

Emmanuel lächelte zwar nicht, doch in den schwarzen Tiefen seiner pupillenlosen Augen schien ein schwaches Licht zu brennen. Er grub seine Finger zwischen die Knochen ihres Handgelenks, und sie keuchte vor Schmerz auf und versuchte vergeblich, sich mit einem Ruck zu befreien. Mit einer einzigen schnellen Bewegung drehte der Ibo sie um, verdrehte ihr den Arm nach hinten und beugte sie halb nach vorn. Ein scharfer Schmerz durchfuhr ihren Arm, als sie spürte, wie die Bänder in ihrer Schulter zu reißen begannen. Er zog noch fester, und eine schwarze Welle überflutete ihr Gesichtsfeld. Durch den Nebel hörte sie Bonnets Stimme, die ihnen nachrief, als Emmanuel sie durch die Tür drängte.

»Aber nicht ins Gesicht, Manny, und keine bleibenden Spuren.«

Howards Stimme hatte ihren Unterton erstickter Wut völlig verloren. Sie war zwar noch erstickt, aber eher vor Ehrfurcht.

»Mein Gott«, sagte er. »O mein Gott.«

»Ein hinreißender Anblick, nicht wahr?«, pflichtete ihm Bonnet herzlich bei.

»Hinreißend«, wiederholte Howard. »Oh – ich glaube, das Hinreißendste, was ich je gesehen habe. Diese Farbe! Dürfte ich –?« Die Gier in seiner Stimme war unüberhörbar, und Brianna spürte die Vibration seiner Schritte auf dem Teppich, bevor sich den Bruchteil einer Sekunde später seine Hände fest auf ihren Hintern legten. Sie schrie hinter dem Knebel. Doch sie hatten sie brutal über den Tisch gebeugt, dessen Kante ihr ins Zwerchfell schnitt, und das Geräusch geriet eher zu einem Grunzen.

»Oh, seht«, sagte Howard ganz verzaubert. »Seht Ihr das? Ein perfekter Abdruck meiner Hände – so weiß auf dem Rot … Sie ist so heiß – oh, er verblasst. Lasst mich nur –«

Sie klemmte die Beine fest zusammen und erstarrte, als er ihre nackten Geschlechtsteile befühlte, doch dann verschwanden seine Finger, und Bonnet hatte ihr die Hand vom Hals genommen, um seinen Kunden von ihr fortzuziehen.

»Das reicht jetzt, Sir. Sie ist schließlich nicht Euer Eigentum – noch nicht.« Bonnets Ton war freundlich, aber bestimmt. Howard reagierte unmittelbar, indem er eine Summe bot, bei der ihr hinter dem Knebel die Luft wegblieb, doch Bonnet lachte nur.

»Das ist großzügig, Sir, aber es wäre doch wohl nicht fair gegenüber meinen anderen Kunden, Euer Angebot anzunehmen, ohne sie ebenfalls eines machen zu lassen, oder? Nein, Sir, ich weiß es zu schätzen, aber diese junge Dame möchte ich versteigern; ich fürchte, Ihr müsst bis dahin abwarten.«

Howard protestierte und versuchte, sein Angebot zu erhöhen – es war ihm wirklich ernst, er bestand darauf, nicht warten zu können, von Verlangen verzehrt zu werden, viel zu brennend, um eine Verzögerung zu gestatten … Doch Bonnet ließ sich auf nichts ein und hatte ihn Sekunden später aus dem Zimmer geschoben. Brianna hörte, wie seine protestierende Stimme erstarb, als Emmanuel ihn fortbrachte.

Sie hatte sich aufgerichtet, sobald Bonnet seine Hand von ihrem Hals nahm, und sich heftig gewunden, um ihre Röcke zu Boden zu schütteln. Emmanuel hatte sie nicht nur geknebelt, sondern ihr auch die Hände auf den Rücken gebunden. Hätte er das nicht getan, hätte sie Stephen Bonnet mit bloßer Hand umgebracht.

Dieser Gedanke musste sich in ihrem Gesicht widergespiegelt haben, denn Bonnet musterte sie, sah noch einmal hin und lachte.

»Du hast deine Sache wirklich gut gemacht, Schätzchen«, lobte er, während er sich zu ihr herüberbeugte und ihr achtlos den Knebel aus dem Mund nahm. »Dieser Mann wird sein letztes Geld geben, um deinen Hintern noch einmal in die Finger zu bekommen.«

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